ich kanns nicht leugnen: ich war tuben.

 

Heute morgen ist genau das passiert, worauf ich ganz naiv einfach mal spekuliert hatte: es hat die Nacht ueber noch soviel geregnet, dass die Wolken einfach weggeregnet sind. Das kleine bisschen Wolkenfetzen was am Himmel noch zu finden war, hat weder die Sonne daran gehindert zu scheinen, noch hat es sich arg hartnaeckig gehalten und ist bis zur Mittagszeit vollends verschwunden. Perfekter Sonnenschein, perfektes tubing-wetter. Ich hatte ein wenig Angst, das gebe ich zu. Es gibt (neben den Horrorgeschichten von gestern) einfach zuviele boese Geschichten ueber tubing-Unfaelle. Wenn einem in Suedostasien irgendwer verletzt entgegenkommt, bestehen praktisch nur zwei Ursachen dafuer: Rollerunfall oder Tubingunfall. Wie viele Touristen bei Rollerunfaellen ums Leben kommen weiss ich zum Glueck nicht, aber beim tuben sinds 22 pro Jahr. Eine Zahl, an die man durchaus gleich am ersten Abend einnert wird, nachdem man ankommt und von irgendjemandem auf der Strasse angesprochen wird: „weisst Du, was bei einer kollabierten Lunge zu tun ist? Vor ein paar Tagen ist hier einer gestorben, offensichtlich wegen einer kollabierten Lunge. Keiner wusste ihm zu helfen und nun ist er tot. Also: weisst Du was in so einem Fall zu tun ist?“. Klar, es gibt auch weit verbreitete, glaubwuerdige andere Ansichten zum Thema: wer unueberlegt aus fuenf Metern hoehe in einen fast leeren Fluss zur Trockenzeit huepft, der gerade mal 50cm tief ist, der hat mit Verletzungen zu rechnen. Das allgemein bekannte Problem: am Fluss gibts Rutschen, Seilbahnen und Lianen. Wenn der Fluss zur Regenzeit voll ist, mag das noch halbwegs gut funktionieren, aber zur Trockenzeit schreit das alles nach Unfall, nur steht da eben keine Sau dran und warnt die Leute davor. Und, aber das gilt generell fuer ganz Laos: gut, wenn alles gut geht, verdammt scheisse wenn irgendwas passiert. Erstmal scheint sich fuer das Unglueck eines falangs keiner so recht zustaendig zu fuehlen, wobei das vermutlich ne durchgaengig suedostasiatische Unart zu sein scheint. Sollte man es dann irgendwie doch in ein Krankenhaus schaffen, dann hilft das wohl auch recht wenig weiter. Nirgends soll die medizinische Versorgung in den umliegenden Laendern so hundsmieserabel sein wie in Laos, und es spricht wohl Baende dass Laoten mit ausreichend finanziellen Mitteln sich ausschliesslich in Thailand behandeln lassen.

Verdammt, genug Horrorgeschichten. Ist ja schlimm mit mir die letzte Zeit. Laos ist nicht die Hoelle. Solange man vorsichtig ist, sich nicht bewusstlos bechert, immer freundlich bleibt und keinen Gesichtsverlust provoziert, einfach ein wenig auf sich aufpasst, natuerlich die Finger von Drogen und Prostituierten laesst und die Augen offen haelt, ist Laos fuer mich immernoch ein Urlaubsparadies. Ich wollte eigentlich nur erzaehlen, dass ich bammel hatte. Daher der feste Vorsatz: halbwegs bei Verstand bleiben, keine Rutschen, Spruenge, Experimente oder Kunststuecke. Damit, so die Erkentniss meiner Wiederholungstaeterbegleitung, der allgemeinen Meinung und meinem Bauchgefuehl, ist tuben nicht gefaehrlicher als sich von irren Busfahrern durch die Berge kutschieren zu lassen.

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Also gings mit leicht mulmigem Gefuehl, aber zuversichtlich zum Startpunkt: der Tube-Verleih. Fuer ne unverschaemte Mietgebuehr, und n noch unverschaemteren deposit bekommt man hier erst nen Haftungsausschluss zum unterzeichnen, ne Nummer per Edding aufs Handgelenk und nen Sitzplatz in nem TukTuk, dessen Dach mit lauter Tranktorreifenschlaeuchen beladen ist. Einer der Beweise, dass Monopole fuer den Betreiber (oder sollte man schon „die Mafia“ sagen?) in Asien super funktionieren. Man legt hier umgerechnet erstmal knapp zwoelf Euro auf den Tisch, die Chance den Reifen in time zureuck zu bringen und etwas von den sechs Euro deposit zuruckzubekommen ist ebenfalls reichlich gering. However, nen anderen Weg gibts nicht. Also leicht wiederwillig bezahlt und eingestiegen. Das TukTuk faehrt einen dann ein paar Kilometer Flussaufwaerts, und laedt alle mitsamt den Reifen erstmal an der ersten Bar wieder aus. Mittags um zwoelf werden hier am laufenden Band buckets verkauft, und waehrend sich das am Anfang noch alles ein wenig schraeg anfuehlt, laesst man sich doch irgendwie mitreissen. Wenn man genug von der Bar hat, dann schnappt man sich seinen Reifen und laesst sich einfach den Fluss hinuntertreiben. Zur naechsten Bar. Oder zur uebernaechsten. Das ist im wesentlichen das myserioese „tubing“. Wenn man genug Zeit auf dem Fluss verbringt, schafft man es auf diesem Weg zureuck bis ins Dorf, oder man klettert zwischendrin ans Ufer und sucht sich den restlichen Weg ein TukTuk zurueck ins Dorf. Es gibt aber auch reichlich viele, die das bis Sonnenuntergang alles verpeilen und so grob 100 Meter flussabwaerts gekommen sind. Auch wir gehoerten zu diesen Helden und haben uns dann am Ufer zurueck zum Startpunkt begeben und von dort fuer umgerechnet zwei Euro ins Dorf zurueck fahren lassen. Die Reifen waren bis dahin natuerlich vergessen und oder verschollen, und der deposit fuern Arsch. Nicht dass mich das aergern wuerde, das war von Anfang an das deutlich zu erkennende Geschaeftsmodell. Wie schon gesagt, die wissen ganz genau wie sie das Geld in die Stadt bekommen.

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