ueberlebt? ueberstanden!

 

Vangvieng ist vorbei. Ich hab noch alles heil beieinander, sowohl in Sachen Gepaeck als auch ganz pragmatisch in Sachen physikalischer Koerperteile. Inzwischen sitz ich in Luang Prabang auf ner Dachterasse, ne Flasche Pepsi neben mir und entspannte Musik auf den Ohren. Ein Stock tiefer geht vor dem Haus mal wieder Vientians Strassenprostitution auf Kundensuche, waehrend im Restaurant gegenueber schon wieder lautstark ne Horde Laoten wasauchimmer feiern. Same same, als waere ich nie weg gewesen. Ja, ich bin mal wieder im genau gleichen Guesthouse wie beim letzten mal. Wenn man schonmal gesucht hat, braucht man das ja nicht zwangsweise wiederholen. Ausserdem funktioniert das mit dem Erinnerungsvermoegen auch hier erschreckend gut. Vangvieng ist in Sachen Zimmersuche immernoch ein Drama: extrem siffig und ueberteuert, oder eben einfach nur extrem ueberteuert. Nach einigen Bedbug-Horrorgeschichten hoffe ich fuer heute mal hier mit nicht siffig und auch noch nicht voellig ueberteuert einfach nochmal Gluck zu haben. Wir werden sehen.
Erstmal zurueck, ein wenig die Timeline fuellen quasi.

Heute morgen war ich mir noch reichlich unschluessig. Noch einen Tag in Vang Viengs Liegerestaurants herumgammeln und noch n paar mehr Folgen Friends und eine unangemessene Menge Nahrungsmittel, oder eine moeglicherweise in Stress ausartende Abreise. Aber wohin? Tha Khek faende ich irgendwie spannend. Ein Ort im mittleren Teil von Laos, auch bekannt als gute Ausgangsbasis fuer ne durch das liebe Guidebook mit dem L standardisierte Motorrollertour. Aber direkt hin konnte ich auf den zahlreichen Aushaengen der TravelAgencies keinen Bus entdecken. Reichlich unentschlossen bin ich erstmal fruehstuecken. Mit vollem Magen denkt sichs nicht wirklich leichter, aber es ist nur zu einfach sich mit leerem Magen einzureden dass es das waere.
Das Fruehstueck hat mir nicht wirklich bei der Entscheidungsfindung geholfen, dafuer aber eine neue Horrorgeschichte. Der vor zwei Tagen mit Drogen erwischte Franzose wohnt auch im gleichen „Guesthouse“ wie wir, zwei Bungalows weiter. Das war mir zwar neu, aber noch nicht die Horrorgeschichte. Die sagt naemlich, dass er ueber die Nacht ausgeraubt wurde. Waehrend er abends noch weg war, hat irgendwer das Gitter am „Fenster“ (naja, glasloses Fenster, bestehend aus offensichtlich nutzlosem Metallgitter, Fliegengitter und definitiv nicht Einbruchsicheren Fensterlaeden) herausgehebelt und nun steht auch er ohne Kreditkarte, Reisepass und Geld da. Okay, wenn Nachts durch offene Tueren geklaut wird, dagegen hilft ganz naiv betrachtet abschliessen. Wenn allerdings Bungalows aufgebrochen werden, ist man reichlich machtlos, und selbst meinem immernoch heiss geliebten gelben Koefferchen, das mit Stahlseil und Vorhaengeschloss gut mit der Bungalowwand verbunden ist trau ich viel, aber eben nicht alles zu. Ich bin definitiv soweit, diesen Ort als boesen Ort abzustempeln, zumindestens in den Bungalowanlagen am anderen Flussufer. Diese Tatsache hat dann meine Entscheidungsfreudigkeit enorm gesteigert, und liess mir im Grunde auch nur eine Wahl: auf in den naechstbesten Bus nach Vientiane, raus aus Vang Vieng und morgen schauen wie ich weiterkomm. Nicht dass ich glaube Vangvieng koennte sich waehrend meiner Abwesenheit in irgendetwas verwandelt haben, das ich irgendwie ploetzlich ganz toll finden koennte, aber so ziemlich jeder Ort erscheint mir ploetzlich besser als dieses Nest in den Bergen, das Seelen frisst, Nieren zerstoert, Reisepaesse verschwinden laesst, Nerven aufreibt, Geld verschlingt, Streit verursacht, Kreditkarten in Luft aufloest und Menschen zerstoert. Auf all meinen Reisen faellt mir momentan kein Ort ein, der mir weniger gefallen haette. Spontan haette ich es sogar vorgezogen nach Marokko waehrend des Rhamadan gebeamt zu werden. Ich bin ganz ehrlich, ich habe sogar ueberlegt Vang Vieng aus meinem Blog auszusparen. Nicht nur wegen der Geschichten, die ich hier in Text verewigt habe. Es ist weder ein Ort, noch eine Zeit an die ich gerne zurueckdenken mag. Es sind zuviele Dinge zusammengekommen, die in Summe die gute Chance gehabt haetten mich zu zerstoeren. Mein Gefuehl gleicht nicht nur ein wenig dem, das ich auf der letzten Reise irgendwo zwischen Laos und Thailand bekommen habe: ich bin ausgelaugt, und obwohl ich physisch betrachtet wohl weitestgehend intakt bin, genug Schlaf habe und nicht verhungere, ich komm quasi auf dem Zahnfleisch daher. Kaputt irgendwie. Auf der letzten Reise war es, vermute ich heute, die Rollertour mit dem Bewusstsein der Hilflosigkeit im Sueden von Laos. Verloren gegangen in einem Nationalpark, ausgenommen von nem korrupten Polizisten, in ner Bambushuette ueber ner Kloake uebernachtet, Panikattaken wegen dem versehentlichen einchecken in nem Laoten-Bordell, ein Kreislaufzusammenbruch auf dem Bolaven-Plateau und mitten im Monusnregen nicht wissend ob man die naechste Stadt erreicht schlotternd vor kaelte mit peitschendem Regen im Gesicht ueber Lehmpisten schiessen. Ich finde Gruende fuer das letzte mal, waehrend ich heute keine Ahnung habe was mit mir los ist. However, so einfach wird das Raetsel wohl nicht zu loesen sein und ich mache mich zusammen mit meiner kleinen Reisegruppe auf den Weg zur Travelagency, an der zwei von uns abgeholt werden. Der Australier bleibt noch einen Tag in Vang Vieng, wohl auf der anderen Flusseite in einem bisher vertrauenserweckenden Guesthouse, aber ein wenig Sorgen kann ich mir quasi nicht verkneifen. Die letzte Person um mich herum wird noch mit nach Vientiane kommen, und von dort aus wie schon lange geplant nach Bangkok zurueckfliegen. Das Ende meiner Reisegruppe quasi, zumindest hier und jetzt in Vientiane. Ab morgen muss ich umschalten, das bislang uebliche Alleinreisender-Programm, und ich bin gespannt wie das so ploetzlich wird. Bislang war alles anders. Damit mein ich nicht besser oder schlechter, einfach nur anders. Ich bin schon gespannt, was ab morgen so passieren wird.

Jetzt hab ich aber irgendwie mal wieder vorgegriffen. Ich schaffe es die letzten Tage wirklich nicht, meine Gedanken beieinander zu halten =D. Ich wollte doch eigentlich noch ueber die Busfahrt schimpfen. Ein Reisblogeintrag, der auslaesst wie ich ueber laotische Busse schimpfe kann schlecht einer von mir sein. Also: der eigentlich Plan war, um eins abgeholt und zur Busstation gebracht zu werden, um halb zwei dort loszufahren und drei Stunden spaeter, also halb fuenf in Vientiane zu sein. Na, nun mal ganz ehrlich, wer glaubt an laotische Busfahrplaene? Richtig, wohl keiner der jemals in Laos Bus gefahren ist oder mich (zugegebenermassen oft mit ner gesunden Protion Ironie) daruber schreiben gesehen hat. Dass es allerdings sooooo ausartet, hat diesesmal selbst mich ueberrascht. Okay, ich muss zugeben dieser Bus war besser als der letzte von Luang Prabang nach Vang Vieng. Da will ich mal nicht meckern, auch wenn ich wohl weiss dass ausser ner ordentlichen Ladung Zufall kein Verdienst bei irgendjemandem zu finden sein wird. Es war einfach nur Glueck, mal keinen direkten Druck an den Knien beim sitzen zu verspueren, nicht von durchschlagenden Stossdaempfern vom wohlverdienten Schlaf abgehaten zu werden und sich halbwegs wohl fuehlen zu koennen. Aber ein laotischer Bus (vorallem wenn er man wieder den Kurztitel fuer „Torusitenabzockerei“ in Form von einem „VIP“-Aufkleber auf der Frontscheibe besitzt) zahlt es einem auf die eine oder andere Art immer heim. Und sei es nur, dass er ne Stunde spaeter abfaehrt als geplant und zum Ausgleich auch noch ne gute Stunde laenger zu brauchen. Irgendwas ist eben immer, und sei es nur dass man erst um sieben in Luang Prabang ankommt…

Eine bislang neue Erkentniss fuer mich, so ganz beilaeufig: wenn man Heinweh bekommt, von Reis und Suppe genug hat und einfach das Essen von zuhause vermisst, ist man in Vientiane beinahe erschreckend gut aufgehoben. Nicht, dass das bei mir den Fall gewesen waere (vielleicht ist das der tiefe Grund, warum ich Vientiane bislang nie zu schaetzen wusste?), aber ne richtigrichtig leckere Pizza mit so ganz unspektakulaerem Salat (an dem das asiatisch betrachtet das spektakulaere ist, dass es wirklich einfach nur wie gruener Salat daheim ist), richtiges Brot oder gute Pasta… all das koennen gute Gruende fuer Vientiane sein. Selbst ich habe mit meinem nicht-vermissen zum aktuellen Zeitpunkt trotzdem Gefallen daran finden koennen, auch wenn es mal wieder weniger aus Eigeninitiative sondern mehr aus Unterordnung bei der Essenswahl heraus motiviert war =).

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