das neue Jahr faengt ja hervorragend an!

 

Ich habe, glaube ich, noch gar nicht von meinem die letzten Tage geschmiedeten Plan erzaehlt…
Wegen dem thailaendischen Visumsgehabe mit nur 14 Tage bei Einreise ueber Land musste ich irgendwann zwischendurch nochmal das Land verlassen, sonst haette das mit meinem Heimflug nicht hingehauen. Laos ist hoffnungslos, Birma gerade zu spontan, Malaisien mag die Thailaendische Eisenbahn mich nicht hinfahren. Vietnam und China sind zu weit weg und beide nichts fuer einen kleinen Kurzausflug, also bleibt ja beinahe nur Kambodscha im Rennen. Genau, dieses Kambodscha mit dem ich bislang nicht so recht wusste was damit anfangen. Erst habe ich es gehasst, dann hatte ich dort eine schoene Zeit und jetzt bin ich einfach nur skeptisch. Man hat mir allerdings erzaehlt dass es im Suedosten eine total schoene Insel geben soll, und das klingt irgendwie spannend. Ein wenig baden, Fuesse im Sand vergraben und Muscheln suchen… ja, damit koennte ich mich gerade ein paar Tage abfinden. Das Problem ist nur: das ist soooo verdammt weit weg. Dort hin zu kommen bedeutet in der Variante eins: frueh morgens dritte Klasse Sitzwagenzug in Bangkok losfahren, bis Nachmittags durch abgeerntete Reisfelder gen Osten fahren. Kurz vor der Grenze aussteigen, Transportdienstleister abwimmeln und fuer die letzten Kilometer auf den oeffentlichen Nahverkehr hoffen. Dann ueber einen total ueberlaufenen Grenzuebergang, mich von den kambodschanischen Grenzbeamten um ein paar Dollar bescheissen lassen und hoffen, einen Bus nach Phnom Penh zu finden. Sollte das nicht klappen, einen nach Siam Riep nehmen, uebernachten und am naechsten Tag weiterfahren. So oder so, hinter der Grenze wirds unverhaeltnissmaessig teuer und ich wohl wissentlich beim Transport uebers Ohr gehauen.
Variante zwei bedeutet ab Bangkok ein Tourie-Komplettpaket bis Phnom Penh zu buchen. Kostet knapp 30 Euro, an der Grenze werde ich beim Visum um mindestens 20 Dollar betrogen, sitze mindestens 20 Stunden eingepfercht in Bussen, aber komm relativ zuverlaessig in Phnom Penh an.
So, und auch wenns absolut untypisch fuer mich ist, es bleibt da immernoch Variante drei: n Flugticket kaufen, um zehn per Minibus gen Flughafen in Bangkok aufbrechen, um zwei wegfliegen und um viertel nach drei in Phnom Penh landen. Ja, es ist untypisch, aber ganz genau das habe ich beschlossen zu tun.
Nach ein wenig (oder ein wenig mehr) Aerger mit einer wegen laotischen Geldautomaten (und/oder falschen PIN) gesperrten Kreditkarte und damit nicht wirklich funktionierenden Onlinebuchung bin ich gestern frueh als allererstes in eine dieser Reisebueros fuer Touristen gewandert. Das spannende: ein Flug ist hier kaum teurer als ueber die gaengigen online-Plattformen. Das liegt nicht daran, dass die nicht (nachweislich) 10% Kommision auf den Ticketpreis aufschlagen, sondern wohl irgendwie an der Steuer. Inclusive deren Provision kostet so ein mit Bargeld gekauftes Ticket nur ein paar vertraeglich kleine Euros mehr.
Zuerst wollten die mir wie ueblich einen AirAsia-Flug andrehen, aber ich wusste dass es eine Stunde spaeter ein AirFrance Flug genau die gleiche Strecke mit einer 777 fliegt, und das nur 25 Euros mehr kostet. AirAsia ist guenstig, aber muss man moegen. Normal tu ich das, aber wenns nur um 25 theoretische Euros geht eben doch nicht. Warum theoretisch? Auf deren Kurzstrecken gilt alles ueber 10kg als Uebergepaeck und dasr beim Checkin nachbezahlt werden. Mit meinen grob geschaetzten mindestens 15kg ist der Preisunterschied also praktisch noch drastisch kleiner als 25 Euro. Also wenn schon dekadent fliegen, dann richtig. Ticket gekauft, alles gut. Soviel zur Vorgeschichte.

Heute Morgen bin ich also unspektakulaer aufgestanden, habe mein Zeug gepackt, war noch duschen und gut fruehstuecken (wer weiss, wenns das naechste mal was zu essen gibt) bevor ich auf mein 10Uhr-MiniVan-Airport-Shuttle gewartet habe. Am Flughafen selbst war ich dann mal wieder leicht enttaeuscht, ich mag einfach diese Eincheck-Automaten nicht. Die sind so unnooetig weil zum Gepaeck aufgeben muss man doch wieder an einen „ordinaeren“ Gepaeckaufgabe-Schalter, und unpersoenlich sind sie noch dazu. Da hilft auch nicht, dass ein Thai-Maedel im AirFrance-Kostuem hilfsbereit fuer mich den Automaten bedient. Ganz im Gegenteil, wenn schon Automat, dann ich selber machen. Wenn nicht, komm ich mir ziemlich daemlich bei vor.
However, bis dahin war noch alles normal. Spannend wurde es dann bei der Gepaeckaufgabe. Ich war reichlich frueh da, kurz vor elf um genau zu sein, und das obwohl mein Flug erst fuer viertel vor zwei geplant war. Wieder die Geschichte mit internationalen Kurzstreckenfluegen und so. Im Gegensatz zu der AirAsia Gepaeckaufgabe, die mal wieder aus allen Naehten platzen zu scheint, bin ich der einzige Kunde bei AirFrance in dem Moment und kann aus gleich vier Gepaeckaufgabeschaltern auswaehlen. Ich kann mir ein gewisses grinsen in dem Moment nicht verkneifen, und denke nur „drastisch weniger als 25 Euro hat sich jetzt schon zur Haelfte gelohnt“ und lege mein Gepaeck aufs Band, gebe nochmal Bordkarte und Reisepass her. Die Frau hinter dem Schalter braucht irgendwie laengern als ich das gewohnt bin und sortiert ein paar bunte Zettel, Reisepass und Bordkarte, waehrend ich das kleine Schild entdecke, das mir mitteilt dass mein Flieger zu spaet aus Paris ankam und deswegen nicht puenktlich abfliegen kann. Fuenf vor Drei Uhr waere derzeit geplant. Nunja, ich habe mich nicht wirklich geargert, sondern war nur einen kurzen Moment enttaeuscht. „Dramatisch weniger als 25 Euro hat sich jetzt wohl doch nicht gelohnt“ war mein Gedanke waehrenddessen. Lange hielt der nicht an, denn nun war die liebe Frau hinterm Schalter fertig mit sortieren und strahlt mich stolz an. Mein Gepaeck bekommt den ueblichen Gepaeckanhaenger, aber dann machtg die Frau noch was neongelbes nebendran. „Priority“ kann ich darauf erkennen. Lange kann ich mich darueber nicht wundern, denn jetzt gibts ploetzlich ganz viele Zettel fuer mich. Als allererstes den Reisepass, dann die Boardingkarte. In dem Mometn wollte ich mich eigentlich schon umdrehen und gehen, aber es ging noch weiter. Jetzt bekomme ich ein DIN-A4 Entschuldigungsschreiben fuer die Verspaetung, dann einen 150-Baht Essensgutschein fuer Snacks vor der Passport-Kontrolle. Dann ne braune Karte, auf der „Premium Lane“ neben einem Passport-Check-Symbol steht. Ich war jetzt schon ueberfordert, aber die Frau gibt mir noch eine Eintrittskarte fuer die AirFrance-Lounge in die Hand. Jetzt war sie fertig, und ich ueberrumpelt. Soviel Entschuldigung fuer 75 Minuten Verspaetung haette ich nun doch nicht vermutet. „Drastisch weniger als 25 Euro hat sich jetzt definitiv gelohnt, trotz Verspaetung“.

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Ich verschwinde erstmal in Richtung Terminaleingang, mein Papierkram in Ruhe begutachten. Oder besser: bestaunen und sortieren. Nachdem ich verstanden habe, zu was der alles gut ist, habe ich zuerst mal den 150 Baht Gutschein aussortiert, denn der gilt nur vor der Passkontrolle. Die Lounge liegt aber dahinter, und somit war mein Antrieb dahin zu kommen groesser als mein drei Euro irgendwas Gutschein einzuloesen. Mit meiner braunen „Priority Line“ Karte gehe ich also vorbei an den Passkontrollen fuer normalreisende, kann es mir irgendwie nicht verkneifen da einmal schelmisch reinzugrinsen und steuere die Passkontrolle fuer „Cabin Crew and Priority Line Card Holder“ oder so an. Hier ist die Reihenfolge umgekehrt, es gibt zuerst die Sicherheitskontrolle, die von ihrer Dimensionierung sehr ueberschaubar und beinahe familiaer wirkt, und dann kommt erst die Passkontrolle. Hm, „Passkontrolle“ klingt irgendwie so negativ behaftet. Klingt nach grimmigen Beamten in kleinen Glaskisten und langen Warteschlangen. Ist es normal auch. Seit heute weiss ich allerdings, wo sie die laechelnden Beamten verstecken, die sogar Spaesse waehrend der Arbeit machen. Innerhalb von ein paar wenigen Minuten war ich aber durch die ganze Geschichte durch und stand hinter der normalen Kontrolle an den Gates. Durch einen kleinen Seitengang kommt also offensichtlich die „Cabin Crew and Priority Line Card Holder“ an. Zukuenftig werde ich wohl neidisch dort zu diesem Duchgang schielen, aber genau in diesem Moment komm erstmal ich selbst breit grinsend dort heraus und krame erst mal in meinem Rucksack: die Eintrittskarte zur AirFrance-Lounge suchen, denn da ist auch ne Wegbeschreibung drauf gedruckt. Auf dem Weg dahin, ueberleg ich mir noch was wohl in diesen mir sonst nicht zugaenglichen Lounges auf einen wartet, und denke gleichzeitig drueber nach was wohl passiert wenn jetzt ploetzlich alle Passagiere meines Fluges dort aufschlagen. So ne 777 an sich ist ja nicht allzu klein…
Lange drueber nachgedacht habe ich aber nicht, denn diese Lounge hat mich begeistert. Nachdem ich mich freundlich empfangenden Frauen meine Eintrittskarte gegeben habe, fand ich mich in sowas wie einem kleinen Flughafenparadies wieder. Drei ruhige, grosse Raueme, zwei davon mit bequemen Sesseln, Tischen und Stuehlen, der dritte mit Schreibtischen und Computern. Es gibt ein kaltes Buffet mit Snacks, Kaffee, Tee, Keksen, Chips, allen nur erdenklichen Spirituosen und nebenan einen prall gefuellten Kuehlschrank mit Softdrinks, Saeften und Wasser. Alles fuer umsonst. Ich setzt mich mit Kaffee und was zu essen (wer weiss, wann es das naechste mal etwas gibt) an einen Platz direkt ans Fenster, mit ungewoehnlich guter Aussichgt ueber das Flughafengelaende. Meine Erkentniss: es laesst sich aushalten in einer solchen Lounge. Verglichen mit dem DutyFree-Wahnsinn „draussen“ ist das hier wirklich paradiesisch. Komischerweise kann ich ueber die ganze Zeit aber ausser mir keine FlipFlop-Touristen entdecken. Ausschliesslich Anzugtraeger und HighClass-Touries oder so treiben sich hier herum. Ich komm mir leicht underdressed vor, aber irgendwie finde ich das eigentlich nur spassig, Kontrast in dieser Lounge zu sein. Die Zeit gwht hier jedenfalls herrlich schnell vorbei, und irgendwann kommt eines dieser AirFrance-Kostuemmaedels vorbei und erzaehlt einem, dass das Boarding vom AirFrance-Flug nach PhnomPenh-Flug jetzt begonnen hat. Schade irgendwie, der kleien Ausflug in die komfortablere Flugwelt hat durchaus spass gemacht.

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Am Gate der ganz normale Boarding-Wahnsinn. Ich bin etwas spaeter dran, kuemmer mich nicht um Meine Sitznummer denn es draengen sowieso alle unkontrolliert gen Flieger, und werfe mich ins Economy-Volk. Warum von denen keiner in der Lounge war, ist mir dort immernoch ein Raetsel.
Im Flieger das uebliche Spiel: ein Steward steht am Eingang, schaut sich die Platgznummer an, und dirigiert einen in den richtigen Gang. „gleich rechts… hinterer Gang rechts… hinten rechts… vorne links…“ eigentlich ne simple vorderer-oder-hinterer-Gang-rechts-abbiegen Sache, aber mich schaut er ein wenig schraeg an und meint „vorne links“.
Links? Hm, ich biege links ab und finde mich in der ersten Klasse wieder. Der muss irgendwas verwechselt haben, hier gibts nur fuenf Sitzreihen, und mein Platz ist in Reihe Sieben, Sitz E. Ich gehe zurueck, schiele an ihm vorbei gen Reihe sieben, aber das ist etwasn das ich als Business-Class kategorisiert haette. Ich bin verwirrt. Nochmal fragen. Ich zeige mein Ticket nochmal, er schaut nochmal drauf und meint ja, da vorne. Sitz 4A und begleitet mich vorsichtshalber. Zum Glueck, denn sonst haette ich mich wohl garnicht getraut in die erste Klasse zu sitzen. Die E7 auf meiner Bordkarte war das Gate wird mir in dem Moment klar. Aber warum ich jetzt in einem Ersteklasseluxussessel sitze, verstehe ich noch immer nicht so recht.

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Das mit der ersten Klasse ist mir bis zum Ende ein Raetsel geblieben, soviel kann ich schon verraten. Warum die Lounge nicht komplett ueberlaufen war mit „Entschuldigungsloungeeintrittskarteninhabern“ klang nun aber verstaendlich, und so langsam habe ich mich auch gefragt warum eine airline auch jemals als Entschuldigung fuer einen als verspaetet erwarteten Flug ihren Passagieren ermoeglichen sollte (trotz viel zu viel zur Verfuegung stehender Zeit) schnellstmoeglichst durch die Passkontrolle zu kommen. Das muss alles irgendwie andere Gruende gehabt haben.
Bis zum Start habe ich noch befuerchtet, gleich hinausgeworfen zu werden. Irgendetwas lief da schief, keine Frage. Trotz allem gabs aber erstmal fuer mich auch wahlweise Sekt oder Orangensaft, noch vor(!) dem abheben aus einem echten Glas(!) und ein Erfruschungstuch. Ja, Tuch, Baumwolle und so. Ich war voellig begeistert, was ein Zweierteam aus Steward und Stewardess, zusammen zustaendig fuer gerade mal 35 Sitzplaetze so alles zaubern koennen.
Nachdem wir abgehoben haben, habe ich mich endgueltig sicher auf meinem Platz gefuehlt und konnte das pure Raumangebot geniessen. Fensterplatz. Ich wusste nicht, dass das hier soooo woertlich gemeint ist. Waehrend ich in der Economy teilweise am Fenster schon das Pech hatte, zwischen zwei Fenstern so bloed in der Mitte zu sitzen dass ich erst noch nicht rausgesehen hab, ist hier so viel Platz zwischen den Sitzreihen dass ich gleich zwei komplett mein eigen nennen kann. Der Sitz laesst sich soweit legen, bis er eine beinahe ebene, perfekt gepolsterte Flaeche ergibt auf der ich sogar Laengentechnisch genug Platz finde. Ich entdecke noch eine Steckdose und die Fernbedienung fuer mein Entertainmentystem, als die Stewardess vorbeikommt, mir mein Tischchen (sorry, Klapptisch trifft eher zu, das „chen“ scheints hier nicht zu geben) ausklappt und ne Tischdecke auflegt. Ich muss gekuggt haben wie Auto, zumindest konnte sie sich bei aller professionalitaet den kurzen Anflug eines lachens nicht verkneifen. Wir hatten noch nichtmal volle Reisehoehe erreicht, stand mein Essen auf dem Tisch. Ich moechte der Komplettheit halber nur nochmal erwaehnen, dass das wirklich nur ein eineinviertel-Stunden Flug von Bangkok nach Phnom Penh war (un wer weiss, wann es das naechste mal etwas gibt… =D) !

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okay, alle neidisch? Fein! =)
am Flughafen in Phnom Penh gings naemlich direkt weiter. Wenn es nur eine Andockrampe gibt, wer darf dann wohl zu allererst aussteigen? Klar, und so schnell war ich wirklich noch gar nie aus einem Flieger raus. So weit vorne kam ich auch noch nie an einem Visa-On-Arrival-Schalter an, und habe es auch noch nie erlebt dass diese Kambodschanischen Beamten-Helden derart freundlich, hilfsbereit und froehlich sein koennen. Halt, es spielen koennen. Ich glaub das passt besser. Die Helden wissen auch ganz genau, wer da zu allererst die Rampe nach unten gelaufen kommt, zumindest an so einem kleinen Flughafen wie hier.
So nebenbei, hier zockt tatsaechlich keiner auch nur einen einzigen Dollar zuviel ab. Das allererste mal zahle ich ganz exakt dasn was sonst immer nur als theoretischer Preis auf dem Visum steht: 20 Dollar. Das hat aber weniger mit der Flugklasse, sondern mehr mit dem Flughafen zu tun ;)

Ich habe bis zum Schluss nicht herausgefunden, was mich auf Sitz 4A verschlagen hat. Auf der Buchungsbestaetigung von der Travelagency steht definitiv „Economy“, das habe ich extra nochmal nachgeschaut. Dee Frau an der Gepaeckaufgabe habe ich das sicherlich auch nicht zu verdanken, denn als ich bei der ankam hatte ich meine Bordkarte ja schon. Ich hab lediglich von einem franzoesischen Paerchen erfahren, das ich eine Reihe hinter mir im Flieger schon gesehen habe, dass das zwar irgendwie First Class war, aber als Business-Class verkauft wird. Das was ich zwischendrin noch gesehen habe nannte sich wohl Premium Economy. However, die beiden haben dafuer bezahlt und sind ab Paris ueber Bangkok bis nach Phnom Penh so geflogen. Ich war wohl der einzige, der durch irgendeinen gluecklichen Zufall ausversehen dort gelandet ist…

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