Inselparadies

 

Am fruehem morgen (naja, das ist relativ, wie immer. Strang genommen um neun ;) ) gings heute morgen an die Busstation. Das tolle an Phnom Penh? Die liegt am Central Market. Genau, zentral. Heisst man kommt da in 10 Minuten zu Fuss hin. Eine sehr angenehme Sache. Dass der Bus dann ne Stunde verspaetung hat, wegen „problems with the bus“ wie die nette Durchsagestimme das so nett formuliert hat, faellt da schon fast garnicht ins Gewicht. Genausowenig der kaputte Sitz auf dem ich sass, denn… welch unerwartete Ueberaschung… trotz verspaeteter Abfahrt kam ich wie erwartet um halb zwei in Kep an. Wie das geht? Versteh ich nicht, ist mir auch reichlich egal, denn in Kep fuehrt die Hauptstrasse direkt am Strand, grob 20 Meter vom Meer die Kueste entlang. Meer! Ich habe immer geglaubt, das Meer sei mir nicht so wichtig. Heute war es das aber irgendwie, und umsomehr hat mich die Horde Transportdienstleister genervt, die derart aufdringlich waren, dass es schon fast unmoeglich war aus dem Bus auszusteigen. Danach gingen sie mir noch mehr auf den Keks, als Sie sich ziemlich daemlich zwischen mich und die Gepaeckklappe am Bus gestellt haben und mir irgendwekche Guesthouse-Fotos und Kep-Karten unter die Nase hielten. Das hatte hier schon beinahe indisches Format angenommen, dabei wollte ich doch eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und ueber die Strasse ans Meer. Nur 50 Meter Luftline, aber 10 TukTuk-Fahrer dazwischen. Welch gemeine Welt. Die meisten scheinen mir meinen Hass deutlich anzusehen, und verschwinden nach einem zaghaften Versuch der Guesthousevermittlung direkt wieder, wenigstens etwas. Nur einer war ein wenig hartnaeckiger, wenn auch wesentlich geschickter. Er hat das Spiel, oder vielmehr meine persoenlichen Spielregeln zum Transportdienstleisterbusiness ziemlich gut verstanden. Er gab freundlich Auskunft auf meine Fragen, erwaehnt beilaeufig dass er ein Motorroller hat, fragt lieb ob er mich fahren soll und, das allerwichtigste: versteht ohne wenn und aber, dass ich nicht direkt aus dem Bus weiterhetzen will. 50 Meter von mir entfernt ist das Meer mit sandigem Strand, ich bin gerade drei Stunden auf einem kaputten Sitz gesessen und moechte eigentlich nur meinen Rucksack in den Sand werfen und die Fuesse ins Wasser halten. Nicht arg lange, aber direkt weiterhetzen und in irgendein TukTuk steigen oder auf einem Motorroller sitzen kam mir in dem Moment als so ziemlich die daemlichste Idee von allen vor. 146666_original Nach gut zehn Minuten kam er wieder an, fragt ganz lieb ob ich jetzt zum Bootsanleger mit ihm fahren moechte. Neee, fuenf Minuten will ich noch. Ich bin im Urlaub. Also kommt er nach fuenf Minuten nochmal und senkt seinen Preis von sich aus von einem Dollar auf 3000 Riel. Okay, fuer 2km ist das immernoch viel zu viel, aber er hat es verdient, find ich und lasse mich zum Bootsanleger fahren, auch wenn ich eigentlich zu Fuss hin wollte. Klar, dass der Typ irgendwann noch Geld verdienen will, denn ausschliesslich nette Transportdienstleister gibt es wohl kategorisch nicht, und so lotzt er mich am Bootsanleger in irgendeinen inoffiziellen „Ticketshop“ (der mehr nach Kiosk oder Supermarkt aussah), direkt gegenueber von der offiziellen Ticketbude. Bloed, dass das so offensichtlich ist. Bloed, dass ich mich zwar ganz unvoreingenommen in diesem Kiosk nach dem Preis erkundigen wollte. Bloed, dass der Verkaeufer darin am telefonieren war. Bloed, dass er in nem weniger freundlichen Tonfall nur ein „wait a moment“ fuer mich uebrig hat. Bloed, dass ich das ziemlich unverschaemt fand. Bloed, dass der Typ in der Ticketbude gegenueber nicht telefoniert hat. Bloed, dass mich jetzt noch nichtmal mehr der Preis fuer das Kioskticket interessiert. Bloed, dass der Motorrollerfahrer jetzt doch keine Comission einkassieren kann. Welch fiese und gemeine Welt! =) 146704_original Kep, Bootsanleger… Wozu das alles? Habe ich ganz vergessen zu erwaehnen, mein Ziel war Koh Tonsay (auch Rabbit Island genannt), knapp vor der Kueste von Kambodscha, und lustigerweise zwischen Ha Tien und Phu Quoc gelgen. Ha Tien und Phu Quoc? Genau, da war was… Die lustige Vietnamesische Insel mit den Seefahrern und die Stadt am Meer, in der ich als naechstes war. Warum auch immer Phu Quoc vietnamesisch und nicht kambodschanisch ist, der Grenzverlauf ist hier ziemlich spannend, und auf der Faehre damals kam ich quasi mehr oder minder an dieser Insel schon vorbei, hatte aber da n vietnamesisches Visum. Warum ich auf Phu Quoc allerdings mit Vietnamesen -und- Kambodschanern Bier getrunken habe, erscheint mir heute voellig logisch. Von hier nach da sinds theoretisch… naja, gefuehlt einmal quer uebern Bodensee. Zurueck zum Thema. Ich habe den Tipp bekommen, dass Koh Tonsay superschoen sein soll und bin ohne grosse Anhung was mich hier erwarten koennte einfach mal hergekommen. Was ich angefunden habe, scheint nun sogar schoener zu sein als alles was ich erwarten koennen haette: ein kleines, ruhiges, einfaches aber genau deswegen superschoenes Inselparadies. Es gibt was man zum ueberleben braucht: Unterkunft, Essen und Trinken, aber voellig ueberschaubar und nicht zuviel. Wegen dem chinesischen Neujahr ist es gerade wie Kep auch schon etwas voller mit vietnamesischen Urlaubern (an die muss ich mich hier wohl gewoehnen), aber stoeren tun die soweit nicht. Die allermeisten davon kommen morgens mit einem Boot her, sitzen in den Restaurants und essen und verschwinden am fruehen Nachmittag wieder. 147249_original 147147_original Ich habe inzwischen eine kleine, sehr einfache Bambushuette bezogen, wobei die Unterschiede hier eher minimal sind. Windige Huette, Bett, Moskitonetz, Gluehbirne, Veranda, Haengematte, Meerblick, unter Palmen. Manchmal mit angebautem „Bad“, und manchmal ohne. Alles super soweit =) 148128_original 147808_original   147662_original

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: