Inselgammeln

 

Koh Tonsay bleibt abends auch erstaunlich ruhig, wenn man von den grob drei Stunden absieht, in denen das knattern von den Generatoren zu hoeren ist. Ist halt Kleininsel, es gibt keinen Strom, kein Internet, kein Fernseher, das Trinkwasser wird in riesigen blauen Faessern vom Festland her transportiert, genau so wie alles andere was es hier braucht. Reis, Gemuese, Fleisch, Getraenke, Eis fuer die Kuehlbox, Stuehle, Tische, Betten, Baenke… alles eben, denn hier gibts ausser Fisch nun mal wirklich garnichts.

148233_originalIch habe mir heute vorgenommen, die Insel zu erkunden. Einmal umrunden, und sehen was ich bislang ausserhalb des 250m-Sandstrandes bislang verpasst habe. Nunja, es war ein schoener Ausflug. Die Insel ist echt mickrig, und es gibt hier mal garnichts. Mit viel Pause, Aussicht geniessen und Muscheln suchen zwischendrin, war ich in vier Stunden einmal aussen herum. Lagebericht? Es gibt diesen 250m-Sandstrand mit einer Reihe Bambushuetten, grob fuenf kleinen Restaurants direkt am Strand, ein paar Liegen und Haengematten. Man findet ein paar kleine Fischerhuetten um die restliche Insel herum verteilt und ein paar kleinere, verlassene Mini-Sandstraende. Natuerlich jede Menge Fischerboote und Netzte mit den alte-PET-Wasserflaschen-Bojen im Wasser, ist klar. Aber kein Dorf, kein Markt, keine Strasse, keine Geschaefte, keine Infrastruktur. Wirklich einfach nur nichts und viel dichten Wald dazwischen. Und irgendwie ist das auch gut so =). Das mit dem Umrunden war allerdings so ne Sache… Das liebe Guidebook meint, man kann das ganz einfach zu Fuss machen. Ich weiss jetzt natuerlich nicht, was diese fleissigen Kopierer in meiner Version so alles zusammenkopiert haben (im Impressum steht zum Beispiel was von „Published Jul 2012“) und wie alt der Koh Tonsay-Teil wirklich ist, aber so wie es scheint, scheinen fleissige Einwohner von der gegenueberliegenden Koh Tonsay-Seite auch davon gelesen und Einnahmemoeglichkeit gewittert zu haben. Der sonst immer brav mehr oder minder dem Ufer folgenden Fusspfad endet dort naemlich zufaellig an einem Fischerhauschen, an dem ganz zufaellig ein Fischer englisch spricht, dem verwirrten Wegsucher erklaert, dass es den Weg nicht mehr gibt (die haben den wirklich irgendwie verschwinden lassen!), aber dass er einen fuer ein paar Dollar in seinem Fischerboot zu dem Bungalow-Strand fahren koennte. Zufaelle gibts hier, das ist beinahe unglaublich, denn ein paar Meter weiter sehe ich eine Dreiergruppe Touries (Family mit Kind) stehen, denen ein anderer, zufaellig gut englischsprachiger Fischer genau das gleiche erzaehlt. Ich bedanke mich nett fuer das Angebot, frage die drei ob sie das gleiche zu hoeren bekamen. Welch Frage, natuerlich genau das gleiche. Ich kann mir ein leichtes lachen und ein „sieht aus als muessten wir notfalls schwimmen“ nicht verkneifen, und gehe einfach am flachen Ufer durchs Wasser. Die paar Baeume am Ufer und der fehlende Fusspfad sind nicht wirklich Grund genug, diesen falschen Fischern Geld fuer etwas zu zahlen, das ich sowieso nicht haben will. Und, welch Wunder, wer haette sowas erwartet im Touristen-Wunderland Asien: einmal um die Baume herum, im Wasser das Ufer entlang, hinter der naechsten Kurve, da taucht er ploetzlich wieder auf, der Weg. Zufaelle gibts… ;).

Fuenf Minuten spaeter kommt uebrigens ein Boot vorbei. Ein Fischer, drei Touristen. Naive Leute gibts offensichtlich auch genug hier… =).

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Ich bin mir momentan ein wenig unschluessig, wie lange ich hier bleiben mag. Was spricht dafuer? Es ist fast alles so schoen hier. Die Frau aus meinem Bungalow-Guesthouse-Restaurant zaubert unglaublich leckeres Essen, das direkt am Strand serviert wirt. Gut, waehrend dem Essen scharren die Huehner gerne mal im Sand unter dem Tisch oder die Katzen kommen vorbei und hoffen sich etwas erbetteln zu koennen. Aber wen stoert das schon? Nachts legen sich auch zwei Hunde, nachdem der Generator und somit auch das Licht ausgeht direkt vor meine Bungalowtuer auf meine Veranda. Gestern bin ich einmal drueber gestolpert, seither weiss ich dass ich aufpassen muss. Dafuer bellen die alles und jeden weg, der sich meinem Bungalow naehert. Womit ich dieses Privileg verdient habe verstehe ich nicht, aber die beiden scheinen mich echt zu moegen. Ja, irgendwie ist es schon paradiesisch hier, aber ich stelle inzwischen fest dass umso „perfekter“ das Inselparadies ist, es auch umso schneller anfangen kann zu langweilen. Vielleicht reichen mir hier zwei Tage echt schon, und ich suche einfach unterwegs noch ne andere Haengematteninsel, zumal dieses Inselechen hier auch nicht gerade guenstig ist. Den Preis dafuer dass man zwar einerseits auf einer fast verlassenen Insel wohnt, andererseits aber alles bekommt was man zum Leben braucht; dafuer das alles per kleinem Boot erstmal hergeschafft werden und die „Reste“ bzw. ganz banal der Muell wieder zurueck gebracht werden muss (das muss ich doch nochmal unterstreichen. Entweder die verstecken den Muell hier sagenhaft gut, oder es ist wirklich meine erste Asien-Insel ohne Muellproblem), der ist vielleicht angemessen, aber auch ziemlich hoch.
Es wird wohl morgen wieder eine ganz spontane Entscheidung werden was ich tun will, und das war bisher schon immer der beste Plan.

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