Flucht nach Phnom Penh

 

Okay, wie es zu Stande kam dass ich Hals über Kopf in genau die Stadt fahre, die ich in Kambodscha wohl mit den gemischtesten Gefühlen verbinde, bedarf wohl ein wenig Erklärung. Bevor ich aber dazu komme sollte ich an gestern anknüpfen, gestern Nachmittag als ich mich vor dem Regen zu nem Mittagsschlaf in nem Guesthouse versteckt habe…

Natürlich hält so ein asiatischer Regen nicht allzu lange an. Natürlich wirkt eine Dusche und Mittagsschlaf wahre Wunder. Und natürlich geht die Sonne in Asien verdammt früh unter… Arg viel Zeit blieb mir also gestern nicht, Kampot zu erkunden. Negativ darauf ausgewirkt haben sich auch die zahlreichen, wirklich leckeren Kaffee kochenden Cafes und Restaurants am Flussufer entlang, die zwar alle ein wenig teuer, dafür aber umso „luxuriöser“ (soweit, wie man halt in asiatischen Provinzregionen von Luxus reden kann) meine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Aber hey, nach ein paar Tagen Insel-gammeln darf man sich ein wenig Luxus gönnen, so mein Entschluss.
Klar, weit komme ich so nicht. Viel gesehen habe ich so auch nicht, und die Sonne ging ziemlich verdammt schnell unter. Aber schon alleine das ist hier echt sehenswert, was meinen touristischen Tagesanspruch dann durchaus erfüllt. Sonnenuntergang in Kampot? Check.

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Was mich ein wenig überrascht: nach Sonnenuntergang scheint Kampot irgendwie aufzuwachen. Während tagsüber die locals eben ihrem daily business nachgehen und sonst nicht viel passiert, rotten sich diese nun entweder in kleineren Grüppchen in Cafes zusammen oder verschwinden kurzum nach Hause, dafür kriechen aber so allerhand Touristen aus ihren Verstecken und sammeln sich in den Restaurants entlang des Flussufers. Ob die auch alle vor dem Regen geflüchtet sind und einen Mittagsschlaf bevorzugt haben? Mag sein, immerhin scheint sich hier eine interessante Art Touristen zusammen zu finden, die mit meinen Reise-Ansichten durchaus kompatibler sind als der sturzbetrunkene Klischee-Holländer.

Während ich mich nun auf der Terrasse eines Hotels mit nem lustigen französischen Pärchen bei nem Krug kambodschanischen Bier in dick gepolsterten, kreisrunden und unendlich gemütlichen Bambus-lümmel-Sesseln unter Palmen sitzend und bei Kerzenschein direkt am Flussufer über Europa-Politik unterhalte (jaja, ganz mein Thema =D), meldet sich der dank dem „luxuriöseren“ Ambiente ständig WLAN-verbundene iPod zu Wort. Hm, meine Strandbekanntschaft von Rabbit Island ist auch in Kampot… also dann, die Europapolitik hinter mir gelassen machte ich mich auf den Weg, „Ollies“ zu finden. Es war dunkel und ich hatte weder ne genaue Ahnung noch ne Karte bei mir die mir gesagt hätte wo ich „Ollies“ finden könnte, also musste ich mich voll auf die Wegbeschreibung verlassen die, wie ich schnell erkennen konnte, offensichtlich noch bei Tageslicht zustande kam. Ich bin wie beschrieben per grosser Brücke über den Fluss, und dann sollte es so ziemlich gleich rechts gehen. Da war aber nur ein… nunja, im besten Fall Feldweg ohne Licht. Zu erkennen war da sonst nichts. Etwas weiter an einer einigermassen b eleuchteten Kreuzung entdecke ich ein paar zwielichtig anmutende Gestalten, die auf dem Gehweg an einer größeren Kreuzung ein kleines Feuerchen in einer Kochstelle unterhielten. Wie konnte ich nur vermuten, mit denen kommunizieren zu können? Immer mal wieder vergesse ich, dass man mit englisch in Kambodscha eigentlich nciht weit kommt. Diese amerikanischen Filme, in denen sich die ganze Welt in perfektem Englisch unterhalten kann ohne dass auch nur zu vermuten wäre dass es noch andere Sprachen gibt die eben nicht voll kompatibel sind, habe ich zwar immer schräg schmunzelnd mit leicht verächtlichen Blicken gestraft, aber irgendwie falle ich naiver Weise doch immer mal wieder selbst auf eine ähnliche Vermutung herein. Einfach nicht nachgedacht, nach dem Motto „wird schon irgendwie klappen“ wird einfach jeder gefragt, der auf dem Weg zu finden ist. Die allermeisten sind zwar ein wenig verwirrt, aber durchaus hilfsbereit. Trotzdem ist die Sprachbarriere kaum zu brechen, und „Ollies“ scheint hier kein eindeutiges Schlagwort zu sein wie eigentlich erhofft. Die Vermutung dass es sich dabei um irgendeine Art Guesthouse handeln muss, bringt mich dazu die Geste der gtefalteten Hände mit drauf gelegtem Kopf zu verwenden. Nein, dieser Betonklotz an der Kreuzung ist nicht was ich suche. Kopfschütteln hilft, dass nun von der Gruppe Feuerstellenbetreiber in Richtung anderes Flussufer gedeutet wird, was von mir wieder mit Kopfschütteln und mitleidigem Blick kommentiert wird. Nun stellt sich beiderseitig allgemeine Verwirrung ein. Einer der Jungs deutet nun in Richtung unbeleuchtetem Feldweg. Was hat er wohl in meinen Gesten gesehen? Lustiges Himmelsrichtungen-raten, bis die Langnase irgendwann mal den Kopf nicht mehr schüttelt? Aber aus welchem Grund sollte das passieren? Ich bin mir bewusst, diese armen Männer voll verwirrt zu haben… was würde auch ich persönlich von so einem Auftritt ableiten? Vermutlich nichts, ausser dass Irre in der Stadt unterwegs sind. Also bin ich zwar weiterhin unschlüssig ob der unbeleuchtete Feldweg nun wirklich tendenziell richtig sein könnte oder ob es eine kambodschanische Sackgasse mit bösen Drachen und unvorstellbaren Monstern am Ende ist, aber mit der Taschenlampe in meiner Tasche und wenig Ambition „so früh am Abend“ einfach ins Guesthouse zurück zu gehen wage ich das Experiment „Feldweg bei Nacht“.
Es war wirklich ein gar schlimmer Weg. Nicht nur dass es wieder leicht anfing zu regnen, ich wurde von zahlreich verärgert bellenden Hunden verfolgt bei denen ich mir nicht so sicher war ob sie schon zufrieden sind dass ich mich von Ihrem Terretorium langsam aber sicher auch wieder entfernen werde. In kleinen Hütten entlang des Weges gehen am Anfang des Weges aufgrund des bellen noch ab und an Lichter an, und so mancher Kambodschaner schimpft diese eigentlich pflichtbewussten Tiere lautstark durch die windigen Bambusmattenwände hindurch. Später gab es dann nur noch Hunde, keine Hütten mehr und ich habe mir das erste mal ernsthaft überlegt, ob das jetzt nicht ne ganz ganz dumme Idee war. Ne, also soweit war das mal echt mindestens ne schlechte Idee. Ich mochte auch gar nicht daran denken den Weg zurück gehen zu müssen. Um so erleichterter war ich, als ich nach gefühlten vier Kilometern gruseligem Feldweg dann tatsächlich vor einem spärlich beleuchteten Schild mit der Aufschrift „Olly’s Place – Bungarooms, Windsurfing, Food & Drinks“ stehe, auch wenn es bei weitem nicht nach belebtem Ort aussah – vielmehr nach „alle schlafen, inclusive dem Guesthouse-Personal“. Egal, ich fühlte mich erstmal sicher und schlich durchs Eingangstor, wo ich kurz später von einem leicht verärgert wirkendem Kambodschaner aufgehalten werde. Was ich hier will und wer ich bin, so seine Fragen. Ich erkläre Ihm dass ich hier Freunde besuchen wollte, woraufhin er mich auf ein Sonnendeck am Fluss geleitet, zur Bemusterung der dort anwesenden Gäste.
Ja, ich wurde erkannt und der Kambodschaner war beruhigt. Ich fühlte mich in Sicherheit. keine Hunde, genug Licht, ne Gruppe netter Leute und zugegebenermassen echt eigenwillig schmeckendes „klang“ Bier. Aber egal, erstmal war alles gut so.

Nicht ganz so gut war der Regen und die Aussicht auf diesen verhundeten Feldweg alleine mit viel Klang im Kopf, weswegen ich mir dann ganz kurzfristig wieder den Luxus von zwei Zimmern gegönnt habe. Auch mit Klang kann man manchmal vernünftig sein =D.

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Am nächsten Morgen beim Frühstück auf dem Sonnendeck entstand dann diese erstmal etwas komisch anmutende Idee mit Phnom Penh. Warum eine lustige Reisegruppe auflösen, zumal ich sowieso nicht so recht wüsste wohin weiter ziehen? Regen ist grundsätzlich immer ein gutes Argument mich meinen Aufenthaltsort wechseln zu lassen, demnach musste ich nicht lange überlegen ob spontan ne lustige Reisegruppe nach Phnom Penh zu gründen oder alleine in Kampot im Regen zu sitzen die bessere Wahl wäre. Also bin ich husch, husch gleich im Anschluss den ganzen Weg zurück, bei Tageslicht wirklich alles andere als beeindruckend und ohne Regen durchaus als gelungene Abwechslung zu werten, bis zum ich-lager-hier-mein-Gepäck-aber-schlafe-woanders-Guesthouse. Gepäck in Rekordzeit gepackt, noch kurz geduscht und ein Ticket organisiert sass ich als schneller als ich irgendwie noch ein zweites mal über Phnom Penh nachdenken konnte auch schon in einem Express-Bus genau da hin. Obwohl, auch wenn ich noch zehn mal nachgedacht hätte, ich denke manchmal ist es durchaus gut sich einfach treiben zu lassen. Pläne einhalten ist ohnehin keine Reise-Tugend (zumal man dazu auch initial einen Plan haben sollte den man einhalten könnte =) ). Und wenn schon planlos, warum dann auch nicht mal das Ziel als solches ignorieren, Vorurteile über Bord werfen und sich daran erfreuen, mit netten Leuten irgendwo eine schöne Zeit zu verbringen? Demnach: Phnom Penh, Rabbit Island oder Bangkok … spielt unterm Strich doch keine Rolle. Und so gemischt meine Gefühle zu dieser Stadt auch sein mögen, ich muss einfach immer wieder lernen dass eben diese Stadt von persönlicher Hölle bis hin zum Paradies alles sein kann. Für mich persönlich kommt es bei Phnom Penh dabei nur irgendwie wesentlich mehr auf die äusseren Umstände an, während die Stadt als solche eigentlich mehr oder minder immer die gleiche Grundvoraussetzung bietet.

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