Reiseagenturen in Bangkok. i like!

 

Irgendwie scheint diese Reise doch mehr „Urlaub“ als „Reise“ zu sein. Nein, das ist kein Umstand für den ich mich nun schämen würde, aber schon wieder stelle ich mir persönlich die Frage, wo denn eigentlich wieder die Geschichten der vergangenen drei Wochen geblieben sind. Gab es denn welche?Ich muss ehrlich gestehen: ich weiß es nicht. Ich war in Chiang Mai, ich habe meinen persönlichen Neujahr-Zahn-Horror-Notfall nun final hinter mir, ich war Roller fahren in Pai, habe viel geschlafen, lecker gegessen und in der Sonne gesessen. Ich denke das ist das wesentliche, und ich bin auch nicht sonderlich bemüht diese Zeit nun zwangsweise mit Geschichten zu füllen. Nunja, meine ganz persönliche Auszeit im Urlaub. Ich gönn es mir einfach =D.

Dennoch ganz kurz umrissen meine derzeitige Ausgangssituation: irgendwie habe ich es zurück nach Bangkok geschafft und hatte das spontane Bedürfnis nach Insel, Strand, Hängematte und Meeresrauschen. Eigentlich nichts schlechtes, und weil einerseits die Transportiererei die letzte Zeit so gut geklappt hat, andererseits ich eine gewisse Reisebequemlichkeit entwickelt habe, war mein Entschluss erstmal auch kein schlechter: ich gehe zu einem der „Reiseagenturen“ in der KhaoSan und kaufe einfach ein Ticket. Von KhaoSan nach Insel, stressfrei und ohne selbst nachdenken zu müssen, so der Plan. Aber welche Insel? Klein sollte sie sein, wenig los sollte sein, Hängematten sollte es geben, in einer Strandhütte wollte ich schlafen, nichts zu tun außer schlafen und baden sollte es geben… Irgendwo hatte ich von  Ko Chang gehört. Irgendwer hatte mir davon vorgeschwärmt, und ich hatte bei den Erzählungen spontan an Rabbit Island in Kambodscha denken müssen. Ja, das war eigentlich keine schlechte Idee, ich musste nur Acht geben, nicht auf der falschen Insel zu landen: Ko Chang gibt es einmal im Osten nahe der Kambodschanischen Grenze als gehobenere Ressort-Insel, und eben einmal die so wundervoll gelobte Insel im Westen, nahe der Burmesischen Grenze.

Gesagt getan, Ticket gekauft. Dass die Erzählungen über die Insel aus dem Mund eines Franzosen kamen, das habe ich diesem Moment nicht bedacht, aber dazu später mehr. Erstmal auf den Weg machen.

17:35 Uhr, KhaoSan, Bangkok: der obligatorische „PickUp“ darf natürlich bei ReiseAgentur-Reisen nicht fehlen und wird einem gerne als zusätzliche Annehmlichkeit angepriesen. Als armer, verwirrter Tourist muss man dadurch nicht durch das städtische Chaos irgendwelche Busstationen suchen oder nach dem richtigen Bus ausschau halten. Man wird abgeholt, umsorgt, an der Hand bis zum richtigen Bus geführt und womöglich wird einem noch hinterher gewunken. Das fast-wie-bei-Mutti-daheim-Vollservice-Programm eben. An sich nichts schlechtes wenn man auf sowas wert legt und auch bereit ist dafür ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen, darüber hinweg sicherlich auch ganz praktisch. Aber leider ist nicht immer alles wie im Werbe-Hochglanzprospekt versprochen, und nicht immer ist der Unterschied zwischen Theorie und Realität manchmal gewaltig. Nichts anderes geht mir durch den Kopf, als ich anstatt von dem angepriesenen MiniVan von einem betagten Motorroller abgeholt werde. Zumindest passte zwar somit der Motorroller stilistisch ganz gut zum Fahrer, allerdings das Gesamtpaket wiederum wenig zu meinen Vorstellungen eines Touristen-Transportes in Bangkok. So steige ich (okay, ich gebs ja zu… inzwischen leicht geübt) mit vollem Gepäck auf diesen Motorroller und harre der Dinge die da kommen mögen. Im Ersten Moment war das aber nicht viel: Ob mein Fahrer betrunken oder schlichtweg mit dem Gewicht meines Rucksacks überfordert war, das wollte ich garnicht so genau herausfinden. Rein praktisch hätte beides die Ursache sein können, warum die ersten Meter unserer Strecke und auch die allgemeine Fortbewegungsrichtung  deutlich mehr vom Zufall als durch seinen Willen das MotoTaxi zu lenken bestimmt wurden. Während ich mir schon ängstlich überlegt habe an welche Bus Station er mich nun bringen will und wie viele Kilometer ich in Bangkoks Stadtverkehr mit Ihm dadurch durchstehen muss, lädt er mich erstaunlicherweise nach zehn Minuten eine Seitenstraße hinter dem gegenüberliegenden Ende der KhaoSan schon wieder ab. Nicht dass ich irgendwie erleichtert gewesen wäre, dennoch hätte ich zu Fuß auf dem direkten Weg vielleicht fünf Minuten bis hierher gebraucht.

17:50 Uhr: Ich war zugegebenermaßen leicht verwundert über diese kurze Fahrt, aber nun wird mir durch meinen Fahrer versichert, dass genau hier mein Bus abfährt. In ganz genau 40 Minuten. Zwischen grob drei Körben Gemüse, zehn verklebten Pappkartons und fünf zu Bündeln geschnürten Reissäcken mit unbekanntem Inhalt. Weitere potentielle Fahrgäste kann ich zwar keine erkennen, aber ich bedanke mich erstmal für diese Info und beschließe zu warten. Zu warten und mich ein wenig zu ärgern, dass ich in den 40 Minuten locker noch hätte mein Zeug vernünftig packen und in aller Ruhe hier her laufen können hätte, anstatt in ziemlichem Stress aufbrechen zu müssen. Andererseits… was solls? Ich beschließe, dass das nun doch irgendwie kein Grund für Ärger ist. Irgendwie hab ich zu dem Zeitpunkt wohl schon geahnt, dass dies nur der Anfang einer ziemlich langen Reise werden wird.

19:00 Uhr: Zwischenzeitlich habe ich ziemlich viele kleine Lieferwagen gesehen, die das Sammelsurium an Transportverpackungen am Straßenrand um einen gefühlten Faktor drei vergrößert haben. Vor einer viertel Stunde ist tatsächlich ein Bus vorgefahren, allerdings ist der Fahrer ausgestiegen, hat den Bus abgeschlossen und ist verschwunden. Aber, so als leichter Hoffnungsschimmer, neben mir sitzen nun nochmals grob zehn Thais die auch auf den Bus zu warten scheinen.

19:15 Uhr: Der Busfahrer fühlt sich nun wohl doch irgendwie zuständig, einen Bus zu fahren. Er kam zurück, hat sich in seinen Bus gesetzt und hektisch gehupt. Daraufhin rannten hektisch Thais durch die Gegend, die die ganzen Pakete, Körbe und Säcke in den Bus geladen haben während der deutlich ungeduldige Busfahrer vorsichtshalber schon mal den Motor angeworfen hat. Alles in allem eine komische Taktik, aber irgendwie bin ich einfach nur ganz froh, dass es nun doch endlich irgendwie los zu gehen scheint.

20:00 Uhr: Wie? Der Bus hält? Ist das schon ne Pause? Und warum verschwindet der Busfahrer schon wieder? Ich bin erstmal ratlos, denn irgendwie habe ich mich schon auf eine lange Busreise eingestellt. Dass der Bus nun steht, wirft mich beinahe aus dem Konzept. Ein geschulter Blick aus dem Fenster offenbart dann allerdings: wir stehen an Bangkoks Main Bus Station. Ein geschulter Blick auf die aussteigenden Thais sagt: das war nur ein Bus bis an die Busstation, weiter wird der nicht fahren. Während Thais durchaus in der Lage sind, ihre Busverbindungen recht effizient und mit geringen Umsteigezeiten zu gestalten, dient diese Busstation in meinen Augen häufig als Touristen-Zwischenlager. Kaum eine Langnase, die von allen möglichen ReiseAgenturen aus allen möglichen Stadtteilen hierher gebracht wird, steht hier weniger als eine Stunde und wartet schwer verwirrt und leicht verzweifelt auf einen Anschlussbus. In den allermeisten Fällen endet zumindest aus meiner Erfahrung spätestens hier die Hochglanzprospekt-Werbewelt: Hier führt einen plötzliche keiner mehr an der Hand, hier kommt man in aller Regel in neuen und luxuriösen Bussen an die in den Touristenzentren möglichst werbewirksam Touristen einsammeln, fährt aber in den allermeisten Fällen in deutlich älteren, billigeren und weitaus verheizteren Bussen ab dieser Busstation die eigentlich weiten Strecken in alle möglichen Ecken Thailands. Sieht ja keiner mehr.

21:00 Uhr: Irgendwie hatte ich beinah Glück. Ich konnte zwischenzeitlich den Bus orten der mich nach Ranong fahren soll, er macht keinen allzu schlimmen Eindruck und er sollte um 20:55Uhr schon abfahren. Dass ich immer noch hier stehe… nunja, das sind nun eher die kleinen Details, vielleicht eine kleine Schönheitsmacke, aber ich bin noch zuversichtlich…  Immerhin bin ich nun seit dreieinhalb Stunden „unterwegs“ und habe mich schon grob zwei Kilometer bewegt. Per Taxi wären das vielleicht maximal 45 Minuten im dicksten Berufsverkehr gewesen, aber hey… das hätte ich mir ja selbst rufen müssen.

21:45 Uhr: Ich mag Leute nicht, die sich ewig lange lautstark darüber aufregen, dass sie kaum Platz in ihrem aufrecht stehenden Sitz haben. Vor allem dann nicht, wenn der komplette Bus die Sitze zurück gelegt hat und schlafen will. Und gleich doppelt nicht, wenn sie hinter mir sitzen und das in einer mir unbekannten Sprache tun, während sie fleißig an meinem Sitz rütteln. Ob die gute Frau gleich handeln würde, wenn ich in der Lage währe mich verbal zu wehren? Ich glaube nicht daran, und fühle mich gemobbt, verscuhe das ganze aber zu ignorieren.

22:00 Uhr: die liebe Person hinter mir hat begriffen, dass Sitz zurücklegen Platz verschafft und somit ne empfehlenswerte Alternative zum aufrecht sitzen und dauermeckern darstellt. Fein. Nicht so fein ist das lautstarke Schnarchen mit dem sie mich nun bestraft.

23:50 Uhr: gerade konnte ich das schnarchen hinter mir genug ausblenden um zu schlafen, da werde ich direkt geweckt durch eine Pause an einem der schon häufig beschriebenen asiatischen Raststationen. Nungut, heute ist einfach nicht mein Tag, aber ich finde es angenehm mich draußen aufzuwärmen. Ein Freund von Klimaanlagen bin ich einfach noch immer nicht.

05:30 Uhr: Ankunft in Ranong. Hier soll ich nun jemanden anrufen, der mich abholen kommt. Okay, ein paar Münzen in ein Telefon und wenig später habe ich einen verschlafenen Thai in der Leitung. Wo ich sei fragt er mich. So genau weiß ich das nicht, aber es muss wohl die Busstation von Ranong sein. Welche Busstation will er nun wissen. Puh, was fragt der mich das? Ich würde ja gerne, kann ihm aber nicht mal im Ansatz seine Frage beantworten. Da steht einfach nur „Ranong Bus Station“ an der Tür, mehr nicht. Etwas genervt und immer noch deutlich verschlafen versichert er mir, mich um sieben abzuholen. Sieben? nungut, eineinhalb Stunden werde ich schon aushalten.

07:15 Uhr: Hm, es ist zwar Asien und die Zeit ziemlich relativ, aber ich auch ziemlich enttäuscht von meiner „all inclusive“-Kaffefahrt. Ich beschließe den verschlafenen Thai nochmal anzurufen, kann ja sein dass er mich vergessen hat. Interessanterweise meldet er sich noch gleich verschlafen wie vorhin, allerdings behauptet er nun, schon auf dem Weg zu sein… Nagut, glaub ich mal =)

07:35 Uhr: vor fünf Minuten wurde ich an der Busstation abgeholt, beinahe pünktlich, und ich war schon voller Vorfreude auf Insel und Strand und Hängematte. Blöd nun, dass ich gerade irgendwo in Ranong nun in einem Restaurant zwischengeparkt wurde. Zur Fähre will man mich um neun bringen (wenn ich ausgiebig Geld im Restaurant ausgegeben habe, vermutlich). Ich bemühe mich, mich nicht allzu sehr zu ärgern, muss aber zugeben dass mir das nur mäßig gelingt.

09:15 Uhr: ich habe zwischenzeitlich mehr gewartet als mich fortzubewegen, aber immerhin: ich sitze wieder auf der Ladefläche eines PickUps, der mich zur Fähre bringen will. Fähre.. hm, ich bin gespannt was mich da erwarten wird.

P107077909:30 Uhr: einmal kurz auf die „Fähre“ wechseln, die streng genommen eigentlich eher ein Fischerboot ist. Nein, das ist einer der wenigen Punkte, über den ich mich bei diesem Ausflug nicht beschweren will, ich amüsiere mich über die allgemeinen Kommunikationsprobleme und erkenne an der Wand des Fähranlegers etwas, das ich zwar irgendwie schon vermutet habe, aber dann doch irgendwie nicht so dringend wirklich wissen müsste: Ein Preisaushang. Boot: 150 Baht. Auf dem Busticket in meiner Tasche steht 530 Baht, das Taxi veranschlage ich mit 50 Baht. Was ich bezahlt habe? Es ist mehr als das doppelte. Aber hey, dafür habe ich ja auch diesen tollen sorglos-rundum-Service bekommen. Sag da mal keiner, Reiseagenturen lohnen sich nicht.

das ist es also? hübsch! =)

das ist es also? hübsch! =)

19:30 Uhr: inzwischen bin ich natürlich auf der Insel angekommen. Eine sehr schöne Insel, muss ich an dieser Stelle eingestehen. Dschungelartiges Gestrüpp in der Mitte, ein paar Sandstrand-Buchten am Rand, keine Strassen, kein Verkehr, keine Sehenswürdigkeits-Tempel oder sonst irgendwas, das vom wesentlichen ablenken würde: schlafen, baden, essen und nichtstun. Naja, gut… da ist doch etwas, das ich persönlich nun doch als störend empfinde. Ich bin ja auch nur Tourist und kein Thai, und es ist vermessen zu glauben man bekommt irgendwo Touristenansprüche erfüllt, wo keine Touristen sind? Es ist nun mal logisch, dass es dort kein Guesthosue mit Speisekarten auf englisch, Strand vor der Tür und günstige Backpacker-Strandhütten gibt, wo niemals Backpacker vorbeikommen. Das ist auch gar nicht direkt das Problem dieser Insel.

Strand-Urwald-Hütte

Strand-Urwald-Hütte

Für mich persönlich zu viel ist einfach nur die Muttersprache von rund 95% der Touristen, die mir hier über den Weg laufen: deutsch. Zusätzlich noch die Gespräche die man beim Abendessen mitbekommt, und nun ob man will oder nicht auch noch versteht: Bundesliga-Fussball, wie man am billigsten mit dem Handy nach Deutschland telefonieren kann und (ohne scheiß, das allerschlimmste, und ich übertreibe hier wirklich nicht) wann die aktuelle Bild-Zeitung wohl auf der Insel ankommt. Das ist für mich ziemlich hart. Ich mag nicht verstehen, was Touristen im Urlaub reden, denn meistens finde ich das doch irgendwie verstörend. Ich mag nichts von Bundesliga-Fußball hören, denn um mich herum gibts spannendere Themen als das. Ich suche keine verlassenen Inseln, um täglich im Übermaß mit der Aussenwelt zu kommunizieren. Ich lese in Thailand auch sicherlich keine Bild-Zeitung. Ich mag auch keinen musikalisch völlig unbegabten Ende-Vierzig-Männern bei den ersten Gehverscuhen in Sachen „Gitarre und Gesang“ zuhören müssen. Besser ist es oft, so etwas garnicht erst zu verstehen. So langsam verstehe ich auch, warum Franzosen diese Insel so zu mögen scheinen: es ist schön und sie verstehen die deutschen nicht. Persönlich versuche ich, mich von den anderen so fern als möglich zu halten. Wenn allerdings hinter dem Guesthouse nur Urwald ohne Weg ist und vor dem Guesthouse nur Strand und Meer zu finden ist… spätestens dann ist der Platz, auf dem man ausweichen könnte doch eher beschränkt.

mein riesengroßer Mitbewohner

mein riesengroßer Mitbewohner

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