heute ist Markttag

 

Ja, ich mag definitiv diesen Ort hier. Ich habe zwar gestern kein Bungalow mehr bekommen weil alle belegt, dafür aber ein einfaches Zimmer im ersten Stock über dem Restaurant. best. room. ever.Fenster im Sinne von Glas oder Moskitonetz gibt es nicht, vielmehr nur zwei riesige Luken in der Bretterwand, deren Holzklappen nach unten mit einer simplen Holzlatte abgestützt werden und somit offen gehalten werden können. Wie man auf die Idee kommen könnte die schliessen zu wollen verstehe ich noch nicht so ganz… nagut, vielleicht wenn zu zweit oder so, aber alleine? Es ist einfach herrlich im Bett unter dem Moskitonetz zu liegen, der kühle Wind weht einem um die Nase und gleich in zwei Richtungen hat man dank der erhöhten Lage im ersten Stock eine herrliche Aussicht über das dichte Grünzeug am Ufer, während Geckos und Grillen ein doch irgendwie beruhigendes um die Wette rufen veranstalten. Das allerbeste ist allerdings: Am Morgen scheint einem die Sonne ins Gesicht und aus der Küche schräg unter einem steigt einem schon der Duft von frischem Kaffee und Rührei in die Nase. Der erste Griff geht dann zur Badehose, mit viel Anlauf aus dem Zimmer heraus, die Treppe hinunter, geradeaus übers Sonenndeck und direkt hineingesprungen in den Fluss. Anschließend kurz unter der Freiluft-Dusche abgeduscht und dann auf dem Sonnendeck leckeres Frühstück und super Kaffee genießen.

kampot. i like! (dieses mal ganz ohne Ironie!)

Ich hätte im Moment wohl kaum einen besseren Ort für mich finden können. Zu blöd, dass ich morgen einer Reservierung für „mein“ Zimmer weichen muss. Oder… naja, so kann ich zumindest nicht komplett hier verhängen, und vielleicht hat auch das irgendwas gutes. Mal sehen.

Nach der Runde schwimmen und lecker Früchstück heute morgen habe ich spontan beschlossen wegen der nun doch ganz beachtlich dichten Wolkendecke heute keinen Roller anzumieten. So eigentlich wollte ich einfach drauf los fahren und herausfinden, was da draußen so auf mich wartet… aber zu arg sollte man sich auf irgendwelche Pläne ja nicht fixieren. Nagut, nochmal gedanklich zusammengefasst: es könnte theoretisch regnen, es ist trotzdem heiß und dadurch auch unglaublich schwül und ich brauche irgendeine alternative Idee wie ich mich heute beschäftigen will.
Markt? Markt klingt erstmal gut. Hier ist der überdacht, das bedeutet sollte im schlimmsten Fall eines bösen Regens immer noch so halbwegs trocken sein, er befindet sich in zu Fuß machbarer Entfernung und zur Not kann ich einen der dort sicherlich reichlich vorhandenen MotoTaxi-Fahrern mit überdachtem Passagierwagen davon begeistern, mich wieder zurück zu bringen. Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass der Markt in Kampot selbst für marktgeübte Asien-Reisende noch ein Erlebnis ein soll. Also nichts wie los, das klingt nach gutem Plan!

Auf Asiatischen Märkten kann ich mich leider größtenteils nur in gebückter Körperhaltung bewegen. Das begründet sich nicht durch religiöse Überzeugung oder tiefer Demut, sondern einfach nur durch die Tatsache dass diese mit Plastikplanen provisorisch überdachten Gassen außerhalb des anteilig doch erstaunlich kleinen gemauerten „Marktgebäudes“  maximal für Personen mit 1,70m ausgelegt werden. Alles was größer ist, muss dann eben den Kopf einziehen. Dass es dort unter diesen Planen noch deutlich heißer und stickiger ist ist eigentlich so logisch dass man es kaum erwähnen müsste, und trotzdem bin ich naiver weise völlig überrascht durch diese Tatsache. Nein, wie könnte ich auch nur auf die Idee kommen… lassen wir das =)
Dass im mittleren Teil des Marktes die Fische aus dem Fluss auf dem blanken Fußboden ausgebreitet auf Kundschaft warten und während dessen mit ihren toten Krustentierkollegen die daneben zu wahren Bergen aufgetürmt angeboten werden um die Wette stinken, während der abgesonderte zähflüssige Glibbermatsch durch die Gassen läuft und großflächig durch Passanten im gesamten Markt verteilt wird, damit sollte man sich ebenso arrangieren können wie mit den Brocken zwischenzeitlich undefinierbaren Fleisches, der unter ganzen Scharen von Fliegen bedeckt nur einmal bei der Fischabteilung ums Eck von der Decke baumelt. Definitv ein Ort, der selbst die hartgesottensten europäischen Fleisch-Vernichter der Kategorie „frisch und hygienisch verpackt, direkt aus dem örtlichen Discounter“ auf der Stelle zu unerwarteten Vegetariern werden lassen kann. Irgendwie ja normal für Asien, aber irgendwie dann eben doch auch nicht. Die Wahre Flut an Fischen hier in diesem Dörfchen direkt am Fluss in direkter Nachbarschaft zum Meer ist überwältigend, und ich frage mich nciht nur einmal, wer diese ganzen Fische kaufen und essen soll. So grob geschätzt hätte ich behauptet, dass jeder Einwohner dieses Dorfes drei Fische am Tag essen müsste, dass hier morgen wieder Platz für frische Ware wäre. Ich glaube aber daran genau so wenig, wie an die Idee dass die Fische hier länger als zwei Tage liegen. Mag es für europäische Verhältnisse noch so stinken und unhygienisch aussehen, aber (extrem) alten Fisch wird deswegen trotzdem keiner kaufen. Und bei dieser Hitze hier wird der Fisch sicherlich ziemlich schnell „alt“. Also wo landet dann das ganze Zeug? Wohin geht es? Und wer holt es hier ab? Ich verstehe die Funktionsweise dieses marktes noch nicht mal im Ansatz, beschließe aber meiner Nase zuliebe dann doch schnellstmöglich ein wenig von der Fisch- und Fleischabteilung zu entfernen, deren Geheimnis ich wohl nicht lüften werde.
Wenn man sich in relativem Abstand zu dieser Geruchsquelle erstmal an den Restgestank, die Hitze und die extreme Luftfeuchtigkeit gewöhnt hat, findet man hier aber wirklich alles was man braucht aber nie wollte, keinesfalls brauchen wird, braucht aber nicht wusste dass es einem fehlt und allen möglichen anderen Plunder. Von frisch gebackenen Waffeln über Turschuhimitate, Eisenwaren, Eiernudeln, Schneidern an ihrer Nähmaschine, „Mönchsbedarf“ bis hin zu Geschirr, Haustieren, Unterwäsche, Kosmetikprodukten und Putzmitteln… es gibt nichts, was hier nicht irgendwie in kleinen Marktbuden auf  Flechtmatten liebevoll aufgetürmt, in rauhen mengen in rotige Regale gepresst, direkt aus Kisten, Kartons oder von der Palette herunter zum Verkauf angeboten werden würde. Ja, und zumindest aus meiner Erfahrung kann ich dem Gerücht Recht geben: in dieser Vielfalt mit der extremen Packungsdichte und der unglaublich riesigen Stinkefleischabteilung… das habe ich bislang auch noch nirgends erlebt.
Es ist sicherlich nachvollziehbar dass drei Stunden in diesem Klima-Horror mit vollendeter Reizüberflutung mich selbst an einem Tag an dem ich ziemlich entspannt war vollkommen geplättet hat.Ich habe wohl welche der besten Waffeln in ganz Asien gegessen, gefühlter Weise Literweise SugarCaneJuice getrunken, ein wenig Kleinkram gekauft, aber so wirklich bedient dieser Markt eben den täglichen Haushaltsbedarft. So gar nicht zur Zielgruppe gehörend beschränkte sich meine Rolle zum Glück eher darauf, der verirrte Tourist ohne Orientierung zur Belustigung der Standbesitzer zu sein. Auch eine Rolle, mit der ich durchaus leben kann. Trotz allem: drei Stunden reichen mir, bis ich dann endgültig beschließe zwecks neuem Hobby „Mittagsschlaf“ zurück zu gehen und den verbleibenden Tag mit baden und lesen zu verbringen. Ein wenig Ruhe habe ich mir, so beschließe ich das selbst einfach mal, nach den letzten Tagen durchaus verdient.

am kampot river

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