vorbei am Nashorn und bei den Pferden dann rechts…

 

„Ja, ich würde den Motorroller gerne heute noch behalten. Nein, ich möchte heute Nacht nicht hier übernachten. Wohin ich gehe? In ein Guesthouse außerhalb der Stadt. Warum ich das mache? (ehm, ohje.. jetzt wirds schwierig, niemanden beleidigen… vielleicht ist es nicht die beste Idee zu sagen, dass mir das andere Guesthouse nun mal besser gefällt…) Weil… ehm… weil heute Abend da ein paar Freunde von mir ankommen. Warum nicht hier? Naja, wenn ich das wüsste… sie wollten einfach nicht auf mich hören. Ach, warum ich dann den Roller behalten will? Na, damit ich damit fahren kann, natürlich…“ Der arme Typ vom Guesthosue war völlig verwirrt. Ich habe einfach nicht in sein übliches Raster gepasst, und das scheint ihn regelrecht fertig gemacht zu haben. Hilft aber nix, da muss er jetzt durch. Der tank von meinem Motorroller ist noch mehr als halb voll, und meine Ambition woanders einen anderen Roller mit leerem Tank zu mieten deutlich gering. Benzin ist teuer, denn der Preis unterscheidet sich im Grunde nicht vom Euro-Preis zuhause. Nur das Verhältnis zu allem anderen… essen, schlafen, leben … ist doch ein ganz anderes. Man kann hier an der Grenze zu Vietnam zwar doch auch an verhältnismäßig günstiges Benzin kommen, das dann meistens in alten Pepsi-Flaschen auf wackeligen Holzständen vor Privathäusern oder in der Nähe von größeren Kreuzungen zum Preis von ca. 1,25$ pro Liter angeboten wird, allerdings ist man nie so sicher warum es denn nun so billig ist… ist es die Tatsache, dass es wie beinahe schon üblich von Vietnam „steuerfrei“ hier her geschmuggelt wurde, oder besteht ein Liter „Benzin“ aus weit weniger Benzin als einem Liter und irgendwas anderem was halt auch stinkt und brennt… oder ist es doch beides in Kombination? So genau weiß man das leider nie, aber bislang bin ich aber auch mit dem Limonadenflaschenbenzin ganz gut gefahren. Ganz davon abgesehen dass an einer „professionellen“ Tankstelle ganz routiniert tanken lange nicht dem Erlebnisfaktor aufbringt, den diese rein auf Gesitkulieren beruhenden Einkaufsaktionen am Straßenrand zum Teil vorhalten können.
Aber zurück zu meinen aktuellen Roller-Verhandlungen. Ich versuche den doch verwirrten Mann ein wenig zu beruhigen, verrate ihm wo ich heute Nacht schlafen werde, biete ihm ein kleines Trinkgeld zusätzlich zum täglichen Mietpreis an und versichere ihm per Indianer-Ehrenwort den Roller am nächsten Morgen in einwandfreiem Zustand zurückzugeben. Was soll man sagen? Die 50 Cent Trinkgeld waren überzeugend, die anderen Argumente daneben völlig egal. Der Typ ist nun glücklich und ich darf meinen Roller noch bis morgen behalten. Alles gut soweit. Zurück ins Zimmer und alles zusammenpacken, was dank dem kleinen Gepäck echt erfreulich schnell von der Hand geht. Ja, kleines Gepäck gefällt immer mehr. Grob zwei Minuten später bin ich also schon auf dem Weg. Auf nach Kep!
Warum? Weiß ich nicht, ohne nachzudenken war das ganz plötzlich irgendwie mein Tagesziel. Immer noch ohne Karte, aber allzu schwer wir mir das nicht fallen, denn ich habe mir an meinem Frühstücksplätzchen in einer Seitenstraße hinter dem Flussufer vorsichtshalber den Weg nochmal erklären lassen und dabei sogar erstaunliches gelernt: Ich habe mich schon das ein- oder andere mal ein wenig über diese skurrilen Statuen gewundert, die ich in Kambodscha vor allem im Süden gesehen habe. Fast alle haben eigentlich den namen „Statue“ gar nicht so recht verdient, weil ich entweder den künstlerischen Aspekt als voller Ignorant nicht erkennen mag, oder diese billigst aus Beton hergestellten Klötze die mit viel grellbunter Farbe bepinselt wurden auch bei anderen die grundsätzliche Frage aufwerfen ob das nun kambodschanischem Geschmack entspricht oder unter „gewollt und nicht gekonnt“ einzuordnen ist. Wie auch immer die Entstehung dieser „Kunstwerke“ sein mag, ich wurde nun über deren eigentlich ganz pragmatische Bestimmung aufgeklärt. Die Daseinsberechtigung liegt fern ab von künstlerischem Anspruch und Erheiterung von Reisenden, denn diese Statuen sind vielmehr dazu gedacht eine Navigation für die leider weitestgehend analphabetische Bevölkerung zu ermöglich. Touristen, die wie ich nicht in der Lage sind Khmer-Buchstaben zu entziffern profitieren natürlich genauso davon, wenn sie denn wissen wie diese Statuen zu nutzen sind… nämlich schlichtweg als Wegbeschreibung:

"highway" in Kambodscha

„highway“ in Kambodscha

„fahr rechts die Strasse runter, an der zweiten Kreuzung rechts abbiegen bis zur Durian, dort dann rechts und bis zu den Salzarbeitern. Dort biegst Du halb links ab, bei den Soldaten dann wieder links. Dass Du richtig bist erkennst Du daran, dass Du an einem Nashorn vorbeikommst bevor die Stadt aufhört. Du folgst der Strasse bis zu den zwei Pferden und hältst Dich dort rechts, dann kommst Du direkt nach Kep. Achso, wenn Du der Strasse folgst, so kurz nach der großen Krabbe gibts rechts am Straßenrand echt günstiges und gutes Essen.“
Was soll ich sagen? hört sich erstmal komisch an, aber funktioniert einwandfrei. So gut sogar, dass jemand der sich in Kampot ein wenig auskennt sogar ziemlich genau abschätzen kann, wo ich frühstücken war =).

Ja, auch Kep ist irgendwie nicht wirklich neu für mich denn es ist der einzige Ausgangspunkt für Koh Tonsay, aber sowohl auf dem Weg hierher als auch auf dem Weg zurück bin ich hier doch deutlich zu schnell durchgerast und kenne alles lediglich aus „sicherem Abstand von hinterm Busfenster“. Also mal sehen, was heute Kep so bieten kann, wenn ich schon Bokor gestern nicht finden konnte. „Bokor“ passt auch als Einleitung ganz gut (man, ich bin echt stolz auf mich…), denn Kep scheint beinahe nur aus zerstörten Ruinen zu bestehen!

Kep-Ruine

Kep-Ruine

Die meisten davon mit traumhaftem Meerblick, manche direkt an der Küste, andere ein wenig „ums Eck“ am Hang mit Aussicht übers Meer „von oben“, Blick über Koh Tonsay eingeschlossen. Am liebsten würde ich eines davon kaufen, den ganzen Tag auf dem Balkon im Schaukelstuhl sitzen, Fische fangen und Blumenkohl im Garten anbauen. Das ganze könnte sicherlich, auch wenn es mal wieder eine leicht durch Janosch-Geschichten aus der Kindheit beeinflusste Idee sein mag, ein ganz wunderbares Leben sein…. und wer weiß? vielleicht kommt ja auch mal ein beinahe blinder Maulwurf zu besuch, und wir tanzen dann vor Freude auf dem Küchentisch.
Kep-Ruine von innen =)Jetzt aber genug Kindergeschichten, für heute bleibt es erstmal beim Anschauen und nicht Kaufen der Häuser. Da nichts abgesperrt ist, keine Hunde zu hören sind und ich immer noch den „ich bin dummer Tourist“-Bonus haben sollte, mache ich das auch ganz ausgiebig sowohl von außen als auch von innen. Manchmal auch von oben, wenn ich einen Weg aufs Dach finden kann.
Die Geschichte zu diesen Häuschen (naja, eigentlich wäre „Anwesen“ weitaus passender)  ist eigentlich, wenn man sie denn kennt eine eher traurige… Angefangen hat sie irgendwann in den frühen 1900ern und beschreibt ein Kep, das DER Urlaubsort der High-Society in ganz Südostasien war. Baden, im Casino Geld verlieren, an der Uferpromenade flanieren war bei wohlhabenden Kambodschanern und Franzosen ganz hoch im Kurs. Nunja, solange bis eben ind en frühen 1970ern (oder späten 1960ern?) die roten Khmer ihren durchaus rabiaten Krieg zugunsten ihrer eigenen Vorstellung des Kommunismus führten, und da natürlich die „High Society“ eben so wenig wie die französische Kolonialmacht ins Konzept passte. Meerblick-Villen-Ruine in KepKep wurde demnach weitestgehend dem Erdboden gleich gemacht. Es gibt Gerüchte, dass streng genommen nicht die roten Khmer sondern die verarmte Landbevölkerung die Häuser bis aufs letzte geplündert hätten, um Tauschgeschäfte in Vietnam gegen Reis zu betreiben. Was auch immer daran stimmen mag oder auch nicht, der Effekt ist heute der gleiche: einerseits ist es heute wunderschön hier, und es ist im wahrsten Sinne des Wortes viel Gras über einiges gewachsen. Andererseits haben Ruinen eben doch immer auch etwas bedrückendes an sich, was hier auch ganz deutlich zu spüren ist. Aber macht gerade das den Reiz am „Gruselhaus-Sightseeing“ aus?

noch mehr Kep-Ruine...

Ruinen, Ruinen, und noch mehr Ruinen…

Aber zurück zu den angenehmeren Themen. Heute scheint Kep vor allem ein beliebter Ferienort für Vietnamesen und PhnomPhen’ler zu sein. Familienausflug an den Strand auf asiatisch mit Kistenweise Gepäck, Essen für ne ganze Fussballmanschaft und einer Ausrüstung, die für zehn Tage Survival-Campen ausreichen würde. Ja, soweit sind Asiaten garnicht von deutschen Klischees entfernt, nur dass sie eben ein klein wenig anders aussehen und eine für mich nicht verständliche Sprache sprechen, was irgendwie für Symphatie sorgt.
Meine Aufmerksamkeit galt aber erstmal dem Nationalpark, der sich kurz hinter Kep auf einem kleinen Hügel befindet und den man per Motorroller durchfahren darf. Klingt erstmal irgendwie komisch: Nationalpark und Motorroller, aber noch viel schräger klingt die Kombination Nationalpark und Motocross, was für Leute mit einem kleinen Dollargeschenk in der Hand auch kein Problem sein soll. Naja, „thats Cambodia…“ also irgendwie nichts was so wirklich überrascht. Wie ich dort gelandet bin und warum ich das herausgefunden habe… nun, bei mir war es ein paar Schildern geschuldet, die mir Baguettes und Kaffee versprochen haben. Dass diese Schilder mich bis in den Nationalpark hineinführen würden, bis hinter diese Schranke an der man Eintritt bezahlen muss, damit habe ich zunächst auch nicht gerechnet, wurde aber dafür mit einer wunderbaren Aussicht bei leckerem Kaffee belohnt. Kann mir eigentlich irgendwer mal erklären, warum ich so plötzlich völlig auf wabbeliges Weißbrot und Kaffee abfahre? Reisen hat manchmal schon komische Nebenwirkungen….

Kep National Park

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: