die Notwehrunterkunft.

 

vorneweg heute ein kleines Geständniss meines Gewissens, denn irgendwie muss ich es einfach loswerden. Es mag auch gut sein, dass das nun an gewisser Stelle Erheiterung oder Genugtuung hervorruft, aber in Sachen Guesthousewahl habe ich in Belgrad einen echt mächtigen Griff ins Klo gelandet. Zu meiner Verteidigung: wegen recht später Ankunft per Zug aus Budapest war es eine online-Buchung, und die Rezensionen eigentlich nicht gerade schlecht. Einfach viel zu gutmütig oder naiv war, gleich drei Nächte quasi „blind“ zu buchen. Okay, es war eben ein Hostel. Gemeinschaftsbad ist an sich ja okay, die Gemeinschaftscomouter auf dem Flur grundsätzlich nichts schlechtes, schräge Mitbewohner nichts unerwartetes und der generelle Standard in einem Hostel nicht allzu hoch. Während man in einer einzelnen oder eben der ersten Nacht gewisse Dinge hinnimmt oder erst gar nicht bemerkt, kann es allerdings schon mal passieren dass man am Abend der zweiten Nacht anfängt abzuwägen. Man versucht gedanklich den Preis der dritten Nacht all den Negativpunkten wie der ungewöhnlich schlechten Luft, dem ungefilterten LKW-Lärm der circa drei Meter Luftlinie vom Kopfkissen entfernten Hauptstrasse, der inzwischen auf der Matratze entdeckten Schimmelflecken, der Zimmertür die mit viel gutem Willen maximal als Sichtschutz eingestuft werden kann, der nicht funktiinierenden weil total verkalkten Dusche oder der ungewaschenen Bettwäsche gegenüberzustellen…. und kommt schlichtweg darauf, dass da viel zu viel Geld für diese schäbige Absteige bezahlt wurde. Aber was nun? Durchleiden? Wäre eine theoretische Möglichkeit. 20131110-141520.jpgPraktisch entschieden wir uns aber für die gewissentechnisch schwierigere, wenn auch alles in allem vernünftigere Methode eines Umzu am nächsten Morgen. Nicht stornierbar hin oder her. Und wenn man verzweifelt in einem versifften Bett liegt, einem wechselweise LKWs und Strassenbahnen durch den Kopf dröhnem und eine gruselige Omi auf dem Flur unverständliche Youtube-Videos in voller Lautstärke schaut, dann kann es schon fast als Verzweifelungstat durchgehen. Genau, es war quasi Notwehr und kein Flashpacking, damit kann ich leben. Puh, und ich hatte schon beinahe Angst meinen Grundsätzen schon so früh / schon wieder untreu geworden zu sein… Glück gehabt.

20131110-141442.jpgEine andere Kleinigkeit am Rande… ist eigentlich schonmal jemandem aufgefallen, dass auf apples Karten Belgrad fehlt? Ja, Belgrad existiert für apple faktisch nicht, bzw. besteht aus nichts anderem als zwei Autobahnen mit Ausfahrten auf die grüne Wiese und dem Ortsnamen selbst. Mehr ist da nicht, da wo eigentlich eine Hauptstadt sein sollte. Aber zurück zur vielleicht nicht existierenden Stadt, in der die existierenden Sehenswürdigkeiten (zumindest die von meinem Interesse) an einem Tag gesehen sind, und sich nun das Dasein wieder auf spazieren gehen und Kaffee trinken einpendelt. Auch hier schaffe ich es ohne große Anstrengung um alle Souvenirbuden herunzukommen, verfalle nicht dem Shoppingwahn in einer europäischen Standard-Fußgängerzone aber freue mich lediglich an diesem Stück Mauer, das ich in Belgrad echt gerne mag und für relativ einzigartig halte. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass jeder der selbst jemals in Belgrad war genau weiss, welches Stückchen Mauer ich meine. Das mit der Aussicht über die Donau. Das mit der Aussicht. Das auf dem Foto vom letzten Eintrag ;-)

20131109-210921.jpgOh, für mich noch eine relativ neue Erkentniss: Sonnenuntergänge sind hier auch irgendwie recht hübsch. Und mit eben einem solchen Sonnenuntergang, auch dem Sofa des Balkon der… ehm… Notwehrunterkunft… endete dann auch der an sich recht unspannende Tag Nummer zwei in Belgrad. Urlaub kann manmal echt fürchterlich anstrengend sein… ;-)

Aber zu Tag drei. Heute. Ein für die Allgemeinheit ein noch viel unspannenderer Tag, ausser es wäre jemand an meinen stundenlangen Erfahrungen aus Cafes in Belgrad interessiert. Ansonsten bestand der Tag für mich heute im wesentlichen aus zwei Teilen: Erstens die Auflösung meiner „Reisegruppe“, indem ich wie geplant am Vormittag die hälfte davon am Flughafen abgesetzt habe. 20131109-210903.jpgZweitens dann das Warten auf einen Zug, mit dem ich gerade immernoch beschäftigt bin. Wenn um viertel nach vier Nachmittags bereits die Sonne untergeht ist so ein Nachtzug um kurz vor zehn doch gefühlt verdammt spät, vorallem wenn man kein Guesthouse- oder Hotelzimmer mehr hat, in dem man si verkriechen könnte. Cafes taugen auch nur bedingt als Ersatzwohnzimmer, sind aber deutlich komfortabler als eine Bahnhofsbank. Und falls es irgendjemanden interessiert… die Teekarte bin ich jetzt durch. von vorne nach hinten und zurück…

In dem Sinne… morgen ein Ort, der für mich auch neu ist, mal sehen was ich da entdecke ;-)

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: