Konsulatstüren

 

Ich bin heute morgen extra früh aufgestanden, habe mir sogar extra den Wecker gestellt um rechtzeitig am Konsulat zu sein. Was ich dort antreffe war allerdings keine offene Tür, sondern erstmal ein Mann mit ein paar Papieren in der Hand der mir irgendwas auf türkisch erzählt. Dass ich ihn nicht verstehe interessiert ihn wenig, aber ich meine mal zu verstehen dass er auch wartet, aber irgendwas mit dem Konsulat oder der Tür nicht stimmt. Nur um sicher zu gehen dass ich ihn richtig verstanden habe drücke ich selbst den verfärbten Klingeltaster neben der mächtigen Holztüre an der massiven Steinmauer, aber wie schon vermutet: es passiert einfach nichts. Dabei wollte ich doch heute ein Visum abholen, ich habe irgendwie das unerklärliche Bedürfniss hier weg zu kommen. Vielleicht liegt es an der Stadt, vielleicht an der Zeit, vielleicht aber auch nur am unerwartet regnerischen Wetter… mein Bauchgefühl hat mir beim aufstehen ganz deutlich zu verstehen gegeben, dass es gerne weiterziehen würde. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kann es auch daran liegen dass ich die Ungewissheit endlich loswerden will. Für dieses Visum musste ich mich vorab über schwindelig erscheinende online-Agenturen bei der „Ausläderbehörde“ im Land authorisieren und stehe nun mit einem Authorisierungscode vor dieser verschlossenen Tür in Istanbul, hinter der sich ein Schreiben eben dieser Ausländerbehörde befinden sollte, das genau den gleichen Code trägt und mir so ein Visum ermöglicht. Ob das dann so grundsätzlich schon reicht und ich ein Visum garantiert bekomme, ob das in einer Stunde, einem Tag oder einer Woche passieren mag und ob dieser mir per Email zugesandte Code wirklich von einer Ausländerbehörde stammt oder ich schlichtweg auf eine fiese Masche von gemeinen Leuten hereingefallen bin… all dies weiss ich derzeit nicht. Aber ich könnte es hinter der Türe erfahren, wenn sie denn aufgehen würde.
Zwischenzeitlich sind zwanzig Minuten um und nochmal zwei Männer hinzugekommen, jeder hat auch schon mindestens zwei mal den Klingeltaster an der Steinmauer gedrückt und ausgiebig den Aushang studiert. Auf einem Ausdruck hinter einer Glasscheibe steht irgendetwas von „5-14“ und „9“. Es steht da leider nur arabisch und türkisch, und keiner der Männer um mich kann sich mit mir ausrecihend verständigen, als dass ich die wahre Botschaft dieses Aushangs verstehen würde. Während ich mir so zusammenreime dass zwischen dem 5. und 14. November erst ab 9 Uhr statt ab um 8:30 Uhr geöffnet ist, werde ich ein klein wenig nervös. Was ist, wenn die Leute hinter der Tür genausowenig englisch sprechen wie sie es auf diesen Aushang schreiben? Das könnte ziemlich spannend werden. Wieso zwingen die mich auch mit der gemeinen „unser Visum ist nur für eine Einreise innerhalb von 15 Tagen gültig“-Regelung das Visum unterwegs abzuholen. Und warum zwingen die mich auch mit der „Du brauchst einen Authorisierungscode, den wir per Post an EINE Botschaft oder Konsulat Deiner Wahl senden“-Regel nun auch noch ausgerechnet hier in Istanbul vor einer verschlossenen Tür zu stehen?
Etliche Zweifel und sicherlich nochmal zwanzig Minuten später sind zwei der Männer um mich herum schon wieder unverrichteter Dinge gegangen, aber drei neue aufgetaucht die nun ebenfalls alle klingeln und warten und klingeln und warten. Ich übe mich einfach mal in Geduld, mehr bleibt mir ja sowieso nicht übrig, und da der nette Herr der so gerne türkisch mit mir spricht auch noch da steht und wartet habe ich auch irgendwie noch Hoffnung. Mittwochs fährt der Zug ab Ankara, ein wenig Zeit ist da also schon noch. Sicherlich funktioniert das, ohne eine Woche mehr warten zu müssen. Ganz davon abgesehen: die Alternativen aus der Türkei auf dem Landweg weiter zu reisen sind ziemlich begrenzt, wenn ich nicht gerade „zurück“ fahren will… Stop. Ich brauche positive Gedanken, ganz schnell. Die Konsulatsmitarbeiter haben nur zufällig verschlafen, sind gleich da und in einer Stunde laufe ich mit einem Visum durch genau diese Tür hier wieder raus. Ganz bestimmt.20131114-173222.jpg
Naja, oder auch nicht. Nach insgesamt zwei Stunden warten ist immernoch keiner da gewesen der die Türe geöffnet hätte, und geklingelt haben nun sehr viele verschiedene Menschen ziemlich oft. Nachdem er eine Weile telefoniert hat, erklärt mir mein einzig wirklich ausdauernder türkischer Mitwartender, dass das heute nichts mehr wird und die Tür verschlossen bleibt. Ob sich das morgen ändern wird? Kann ich ihn nicht fragen, aber ich kann es nur hoffen. Morgen ist Freitag, die letzte Chance vor dem Wochenende. Immerhin ist Freitag der 15te, was nach meiner unbestätigten Theorie zum türkischen Aushang wieder unter ganz reguläre Öfnungszeiten fallen dürfte… ich bin da einfach mal ganz hoffnungsvoll.20131114-171502.jpg
Ein Visum für den Iran… ich wusste das ist nicht leicht, aber dass das so ganz banal an einer verschlossenen Tür scheitern könnte? Neinnein, damit werd ich mich nicht zufrieden geben. Morgen früh bin ich wieder da, und ich bin auch ziemlich sicher bekannte Gesichter wieder zu sehen. Bis dahin übe ich mich vorerst  ein weiters mal in Städtetour und Sightseeing, während mein Bauchgefühl beharrlich bei seiner bisherigen Meinung bleibt. Und trotzdem, ein wenig Moscheen anschauen hat doch noch keinem geschadet. Auch wenn ich den Gedanken nicht loswerde was Istanbul denn ohne seine Moscheen noch wäre.20131114-172913.jpg Kann es wirklich sein, dass alles was das touristische Istanbul ausmacht Resturants und Moscheen sind? Habe ich da irgendwas verpasst oder noch übersehen? So recht mag sich mir diese Stadt einfach noch nicht erschliessen, aber vielleicht fehlt mir auch einfach die richtige Motivation oder am Ende etwas ganz banales: ein Ersatzwohnzimmer in Cafe-Gestalt. So sehr ich mich auch heute bemüht habe, ich habe noch keinen Rückzugsort entdeckt an dem ich einfach mal die Stadt sein lassen kann was sie ist, meine Ruhe bei einer gemütlichen Tasse Kaffee habe und ungestört in aller Ruhe ein wenig lesen oder schreiben kann.20131114-171512.jpg Ich hoffe der Konsulatsbesuch läuft morgen erfolgreicher ab als heute, dann packe ich meine Sachen und bin erstmal weg hier. Nicht, dass ich diese Stadt hier schlecht heissen möchte, aber es scheint einfach die falsche Zeit zu sein.

 

 

 

 

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