relativ komfortabel ist immer relativ relativ.

 

eine Busfahrt als Alternative zum Schlafwagen, das kam mir erst auf dem Weg nach Istanbul schon in den Sinn. Zugegebenermassen, ich habe jetzt gelernt dass wegen Europa-Asien Unterwassertunnelbahngedöhns und Hochgeschwindigkeitstrassenblah Istanbul quasi ohne Zug leben muss. Das erklärt immerhin den „Autobus“-Umstieg mitten in der Nacht. Nunja, da ich doch tatsächlich Freitag dann meinen Pass losgeworden bin, bei der Bank gegenüber auf irgendein schwindeliges Konto ziemlich viel Geld einbazahlt und die Quittung im Konsulat abgegeben habe und das Visum nun bis Dienstag braucht (vermutlich weil der Kleber und die Stempelfarbe nicht schneller trocknen) und ich einfach noch immer kein Istanbul-Fan geworden bin, sollte es also möglichst wohin gehen wo die Chance auf mehr Sonne und weniger Regen besteht. Aber wo kauft man Tickets, wenn man keine Ahnung hat wo hier der Busbahnhof ist? Genau, man fragt sich durch und landet dann in einem kleinen Innenstadt-Büro einer wohl rennomierten Reisebusgesellschaft. Soweit klappt das ja schon mal super, aber als ich dort am Schalter stand fiel mir ein: da fehlt was, ich habe vergessen zu überlegen wo ich eigentlich überhaupt hin will! Kein Grund zur Hektik, der Mann hinter dem Schalter, im übrigen sehr freundlich, hat ganz richtig erkannt dass er bei mir mit türkisch nicht weiter kommt und hat sich dolmetschende Hilfe aus dem Souvenir-Shop von gegenüber gerufen. Eine sehr praktische Sache so an sich, und gab mir noch ein klein wenig Zeit in der ich einen Blick auf das Schild mit den Fahrtzielen werfe. Kas klang irgendwie auf anhieb symphatisch, und ein kurzer Blick auf mein mobiles Kommunikationsgerät verriet: Kas liegt am Meer, ganz deutlich ein ziemliches Stück im Süden. Okay, das reicht soweit an Iinformation… Hallo Herr Dolmetscher, ich möchte ein Ticket nach Kas, heute noch. Abfahrt um Acht? Ja, ist gekauft.
Dass türkische Reisebusse relativ komfortabel sein sollen, habe ich schon irgendwo gelesen gehabt. Es gibt zwei Sturadeusen, Fernseher in jedem Sitz, abends Sandwich, morgens Cracker, laufend Wasser, Cola, Saft, Tee oder Kaffee von nem lustigen kleinen Stuardessen-Wägelchen. Ja, so gesehen ist es beinahe wie fliegen bei einer vernünftigen Airline. Und so gesehen ist es wirklich relativ komfortabel. 20131117-153440.jpgAber: es sind eben ganz normale Bussitze, Fernseher hin oder Fernseher her, und 14 Stunden darauf zu sitzen ist wohl nicht nur ab einer Körpergrösse bei der man sich schon beinahe falten müsste um die Beine irgendwohin packen zu können wo nichts gegen die Knie drückt irgendwie… anstrengend. So gesehen ist also der Bus eindeutig wenig komfortabel. Nein, aus mir wird kein Bus-Fan werden, zuminde nicht hier und jetzt.

Mein Sitznachbar war auch irgendwie von einer ziemlich sonderbaren Sorte. Auch er sprach liebend gern türkisch mit mir, wollte sich wohl über das Fussballspiel im Fernsehen unterhalten. Fussball? Bei mir leider falsch, ob türkisch oder nicht. Als er das erkannt hatte, bemühte er sich um seine Kopfhörer. Klar und logisch, erstmal wird die Lautstärke auf 100% gedreht, bevor man Kopfhörer einsteckt. Mach jeder so. Schien ihm aber nichts aus zu machen und setzte sie, trotz des erbärmlichen Krachs den die Dinger nun produzierten, tapfer auf. 5 Minuten später kam die Stuardeuse vorbei, es hatte sich offensichtlich zwei Reihen weiter vorne über den Krach beschwert den die kopfgetragenen Lautsprecher auf dem Sitzplatz neben mir verursachen, also dreht er jetzt notgedrungen die Lautstärke auf 80% runter. Ich kann zwar noch immer jedes Wort verstehen, aber ich mein… sind ja seine Ohren und nicht meine. Zum allgemeinen Lärmausgleich seinerseits gestikuliert er nun wild Richtung Bildschirm und schimpft lautstark über was auch immer ihn gerade stören mag… die Türkei liegt wohl gerade eindeutig in Führung, also keine Ahnung wo sein Problem liegt. Also folgt, so zwangsläufig, der zweite Auftritt der Stuardeuse. Nun offensichtlich genervt und wohl leicht Verständnisslos schaltet mein Sitznachbar nun seinen Fernseher aus und schläft direkt ein. Er muss wo einen verdammt gute Schlaf haben, denn meine schlussendlich ziemlich groben Versuche ihn bei der ersten Pinkelpause wach zu bekommen (damit ich ganz normal aussteigen kann) blieben zunächst vollkommen erfolglos und ich musste notgedrungen über den guten Mann drüber geklettern um raus zu kommen, was wohl ziemlich schräg ausgesehen haben dürfte und sich auch gar nicht allzu einfach gestaltet hat. Auf dem Weg zurück in den Bus, irgendwie musste er gerade seine Tiefschlafphase verlassen haben, gelang es mir dann tatsächlich dass er mich auf meinen Sitz durchlässt. Ich war schon beinahe stolz auf meine internatinoalen Aufweckkünste, aber es dauert noch fünf Minuten biss er irgendwie halbwegs bei Bewusstsein ist, hoch schreckt und schlagartig den Bus verlässt.
Es kam wie es kommen musste, ich vermute ja er ist auf dem Klo wieder eingeschlafen, der Bus ist definitiv ohne ihn weiter gefahren. Beinahe hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber ich war einfach nur ziemlich verdutzt als der Kerl bei dem nächsten Pinkelpause ein paar Stunden später wieder in den Bus eingestiegen ist als wäre nie etwas gewesen. Ich habe keine Ahnung, wie er das geschafft hat…

20131117-153451.jpgKas… ich muss zugeben ich habe nicht viel davon gesehen den ersten Tag. Pünktlich nachdem ich ein Zimmer für die Nacht gefunden habe, habe ich eine ziemlich eng Zwangsfreundschaft mit der Hoteltoilette geschlossen. Ziemlich ärgerlich, zumal ich echt ziemlich wenig Zeit für diesen Ort habe (das Visum wartet ja in Istanbul) und es eigentlich ganz hübsch hier wäre, zumindest was ich bislang so erkannt habe. Ein mal wieder musste ich mir damit bestätigen, was ich eigentlich schon lange wusste: Iß niemals in Touristen-Restaurants. Zwei Tage habe ich mich in den hinterletzten Imbissbuden zwischen Türken ernährt und alles war super, dann einmal in der Eile weils halt auf dem Weg lag im Touristenviertel der Altstadt gegessen… und nun hab ich den Ärger. Ich hoffe zumindest morgen wirds besser, brvor ich die „relativ komfortalblen“ 14 Stunden nach Istanbul zurück fahren darf.

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