die ganz normalen Reisealltagssorgen

 

Ja, ich habe es tatsächlich geschafft die Nacht über in Kas ein gutes Stück zu erholen. Nach einer Nacht mit viel Schlaf, unruhigen Träumen und Schweissausbrüchen bin ich gestern zwar insgesamt noch deutlich geschwächt, aber dennoch Welten gesunder als den Tag zuvor aufgestanden, habe meine Sachen mit Mühe und Not in den eigentlich viel zu kleinen Rucksack verfrachtet und konnte mich auch zugegebenermassen noch etwas wackeligen Beinen auf den Weg machen, mehr von diesem Ort am Meer zu sehen als den Tag zuvor. KasIch war zuversichtlich, immerhin schien die Sonne, es war warm genug ohne Jacke raus zu gehen, meinen großen Rucksack habe ich in der Pension zwischengelagert… beste Voraussetzungen also für einen Tag Ruhiges nichtstun am Meer. Solange ich den Tag zuvor, quasi gefesselt an das Pensionszimmer und dessen Toilette, noch nicht wirklich sicher war ob der Kas-Ausflug so im ganzen denn nun als gute Idee zählen mag oder nicht, kann zu diesem Zeitpunkt schon feststellen: es war definitiv die bessere Option als diesen sowieso schon unverhinderlichen „Zwischenfall“ im hekktischen Istanbul zu überstehen. In Kas ticken die Uhren deutlich langsamer, die Leute sind entspannter und weit nicht so aufdringlich wie in Istanbul.20131117-180249.jpg Liegt das an der Nebensaison? So rein der Gebäude nach ist dieser Ort für einiges an Tourismus gewappnet, wenn auch auf eine kleinere und privatere Variante wie die Nachbarn in Antalya & Co. Davon ist gerade aber wenig zu sehen. Die meisten Shopbesitzer sitzen bei den Nacharn, den Cafebesitzern, trinken Tee, starren gemeinsam zufrieden die Strasse entlang oder unterhalten sich mit Brettspielen. Viele Hotels sehen verlassen aus, und die paar Leute die sich am Hafen verirren fallen nun wirklich nicht sonderlich auf. Ja, es ist ein beschauliches und ruhiges Örtchen, an dem man an den „Strandcafes“ (die eher Sonnendecks über rauhen Felsklippen sind) sogar eingeladen wird in die Sonne ans Meer zu sitzen, ausdrücklich auch ohne irgendetwas bestellen zu müssen. Einfach nur weil die Sonne scheint und das Meer so hübsch ist. 20131117-180238.jpgIch war zugegebenermassen erst deutlich irritiert. So klischeetechnisch vermutet man hier zunächst mal hinter jedem einen abgebrühten Teppichverkäufer, aber tut den Leuten damit echt mehr als unrecht. Ein perfekter Ort, sich in die Sonne zu setzen, aufs Meer mit den vielen kleinen Inseln zu schauen, vielleicht kurz nach Griechenland rüber zu winken, ein wenig umher zu wandern (soweit es die Puddingbeine eben zulassen) und den Tag zu geniessen. Ein Tag Pause quasi, den ich mir einfach zur Erholung gegönnt habe. Leider wurde er ein klein wenig überschattet, denn das Busticket für weitere 14 Stunden zurück nach Istanbul hatte ich schon bei mir. Ob ich noch länger bleiben sollte? Vielleicht. Aber ungeachtet der Busfahrt und Istabul bin ich auch schon ziemlich aufgeregt, wie es weiter gehen wird. Ausserdem: man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist, und gegen zurückkommen hat ja ganz grundsätzlich auch niemand was.

20131117-180301.jpg

20131117-180313.jpg

 

Die Fahrt zurück kam also unaufhaltsam näher, und mit einem etwas weniger guten Gefühl habe ich mich in den so „relativ komfortablen“ Reisebus gesetzt, der mich zurück nach Istanbul brachte. Same Same, nur diesesmal sogar über 15 Stunden Fahrt. Ich wusste dieses mal allerdings was mich erwarten würde, hatte einen befreiten Magen und das WLAN im Bus entdeckt… alles in allem sollte ich mich also nicht weiter beklagen und wurde in Istanbul sogar mit Sonnenschein begrüßt, was mich grundsätzlich gerne versöhnlich stimmt. Also auf so direkt wie möglichem Weg in Richtung Hostel, kurz gewaschen und Gepäck abgeladen und die Stadt nochmal bei Sonnenschein begutachten. Und ja, so mit Sonnenschein ist Istanbul welten schöner als bei Regenwetter, aber meine Gedanken kreisen schon deutlich um die nächsten Tage.

Ich habe einen Plan, aber ist er womöglich zu kühn? Ist er überhaupt jemals gut gewesen? Morgen früh um elf den Pass aus dem Konsulat abholen, bis dahin frisch geduscht sein und gepackt haben. Klingt ziemlich machbar. Hoffen dass in dem Pass dann ein Visum zu finden ist, das auch das nach vorne verlegte Einreisedatum enthält wird schon spannender und bleibt nur zu hoffen dass dem so ist. Dann Gepäck holen, mit dem Visum unterm Arm an den verlassenen Bahnhof rennen und hoffen dass es dort Tickets von Ankara nach Teheran gibt. Erstmal generell zu kaufen gibt und zweitens noch welche für Mittwoch zu haben sind. Mit Zugticket und Visum unterm Arm irgendwie an die Busstation kommen, wobei ich echt noch wenig Idee habe wie das ohne Transfer-Shuttle-Minibus einer Busgesellschaft funktionieren wird. Wichtig ist nur so früh als möglich in Ankara anzukommen, schon allein falls ich doch dort erst die Ticketsache in Angriff nehmen kann. Dann ein Plätzchen zum schlafen finden, kurz hinlegen und am Mittwoch früh per Orient-Express gen Osten fahren.
20131118-234619.jpgEin eng gestrickter Plan. Eigentlich zu eng, für mein Gefühl. Aber der Zug fährt eben nur Mittwochs, und noch eine Woche Türkei? Hm, es gäbe schlimmeres, aber so spontan finde ich die Idee wenig prickelnd und wüsste noch nicht so recht wie ich mich damit anfreunden würde. Andererseits… will ich jetzt so hastig in den Iran rennen? So auf die Schnelle in das Land in dem weder mein Mobiltelefon noch  mein Email-Account funktionieren werden? Das Land, in dem ich sämtliche Kommunikation mit der Aussenwelt maximal auf Standard-Postkartentext-Niveau betreiben sollte um nicht der Spionage verdächtigt zu werden? Gut, alles keine Überraschungen soweit, aber dennoch wären mir hier ein bis zwei Tage mehr Vorlauf doch ganz Recht gewesen. Eine ganze Woche dagegen ist mir doch wieder zu viel.
Und sollte der Plan aufgehen, wird das mit den Visas für die Weiterreise in Teheran klappen? Wie lange bin ich wohl im Iran, und wieviel Geld werde ich brauchen? Alle meine kleinen Plastikkärtchen werden dort völlig wertlos sein, von daher ganz banal: wie weit reicht das Bargeld?
20131118-234642.jpgVielleicht plane ich ja doch nochmal um, vorallem wenn mit dem Visum nun doch etwas schief läuft und ich entweder keines bekomme oder das Einreisedatum „falsch“ ist und schiebe noch, sollte mich die Türkei nicht halten können, Georgien dazwischen…
Was auch immer passieren wird, ich habe zumindest immer den Optionsjoker offen: Dubai ist nicht mehr weit, und im schlimmsten Falle komme ich von dort innerhalb von ein paar Stunden in so ziemlich jedes Eck der Welt. Alternativen gibt es also derzeit genügend, und trtzdem bin ich doch irgendwie aufgeregt was denn nun passieren wird…
Ach, die Reiseproblemchen… manchmal bewegen sie sich doch auf einem ziemlich hohen Niveau =D.

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: