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Istanbul

ByeBye Istanbul!

Manchmal läuft alles wie am Schnürchen… Zuerst am iranischen Konsulat das Visum abgeholt, wobei es schon unerwartet schnell ging. Ich bin wie mir gesagt wurde um elf angekommen, und der Warteraum natürlich brechend voll. Anstatt nun aber eine Nummer zu ziehen, mich hinzustezen und abzuwarten habe ich, mich ein wenig auf blöd stellend, den netten Herren des Konsulats der im Warteraum normal für Ordnung sorgt einfach gefragt wo ich denn hin müsse um ein Visum abzuholen, während ich ihm meine „Einlieferungsquittung“ gezeigt habe. Daraufhin verschwand er kurz durch eine Tür nach hinten, hat noch drei ungeduldige Herren zur Ruhe ermahnt und kam dann relativ schnell (die Ordnung im Wartesaal liess auch schon deutlich nach) mit meinem Pass in der Hand wieder. Perfekt!
Der Ausflug zum Bahnhof wegen Zugticket war ein wenig erfolglos, ausser einer ziemlich hilflosen Informationsdame ist an dem Bahnhof gerade wirklich nichts mehr zu finden. Nagut, ist kein allzu herber Rückschlag, geht in Ankara bestimmt auch noch…
Also noch kurz Gepäck abgeholt, beim Busticketverkäufer meines Vertrauens vorbei um ein Ticket für „jetzt sofort“ zu kaufen, was auch so ziemlich direkt geklappt hat, allerdings fährt der Bus diesesmal von einer anderen Station, auf der asiatischen Seite Istanbuls. Auch das, mit ein wenig Wegerklärung vom lieben Ticketmann kein Problem: einmal Fähre fahren, einmal Minibus, ein wenig warten und schon gehts auf nach Ankara.

Busstation Istanbul

wegen Renovation und Umbau gehts von hier aus leider nur per Bus weiter…

Ankara bei Nacht

Ankara. Halt auch irgendeine Großstadt bei Nacht.

Soweit ging heute Vormittag alles gut, fast ein wenig zu gut, bis kurz vor Ankara ein grässliches fieben durch den Bus tönte. Erst nur ein für sich alleine gesehen schon nerviges piep-piep-piep, aber schon nach ein paar Minuten wurde daraus ein gar gräußliger Dauerton, der ziemlich stark dem Ton zum Testbild früher im Fernsehen glich. Es dauerter natürlich nur wenige Momente bis alle nervös auf ihren Sitzen hin- und her wippten, womöglich inclusive dem Busfahrer, um durch einen Blick nach vorne vielleicht verstehen zu können was uns allen dieses fragwürdige Vergnügen bereitet, als dann plötzlich noch ein ordentlicher Rums das fiepen kurzzeitig übertönte. Irgendetwas wurde da wohl gerade an- bzw. überfahren, und nun versucht erst recht jeder herauszufinden, was denn da eigentlich gerade läuft. Der Fahrer hingegen scheint nochmal, es geht gerade leicht bergab in einer Baustelle, ordentlich Gas zu geben und keineswegs hier anhalten zu wollen. Ich habe mich schon irgendwo auf einer türkischen Autobahn neben einem kaputten Reisebus auf dem Standstreifen campieren sehen, aber zum Glück macht der Fahrer diesen Problemen an der nächst besten Tankstelle ein Ende: Schadensbegutachtung wegen dem Rums (eine ordentliche Schramme vorne links, aber ohne Blutspuren… vermutlich ne Baustellenabsperrung), und zwei Männer hängen nun kopfüber im Motorraum wegen dem fiepen, das dann ganz pragmatisch per Öl nachfüllen behoben werden konnte. Alles gut soweit, aber durch all diese Späße wurde es dann gut nach sieben, bis der Bus leicht nach Öl riechend in Ankara an der unglaublich riesigen Stahlbetonkonstruktion von Busstation einfährt. Wobei man diesem etwas hässlichen Koloss eines zugestehen muss: im Gegensatz zu der ziemlich dezentral und unüberschaubaren Istanbul-Lösung zum Thema Busstationen gibt es hier eine doch recht einfache Anbindung an die U-Bahn und ganz vernünftige Intrastruktur, was hingegen Ankaras Bahnhof so von sich nicht behaupten kann. Aber erstmal zurück zur U-Bahn. U-Bahn ist erstmal was tolles, aber so ganz ohne Plan im Ausland selten zu was gut. Einen solchen zu finden ist hier deutlich schwierig, man muss schon suchen um hier den einzelnen, unscheinbaren Plan der U-Bahn-Linien zu finden. Allgemein ist es doch bemerkenswert, mit wie wenig beschildert (von der nicht vorhandenen in englischer Sprache mal ganz abgesehen, sondern schon allein auf die türkische bezogen) und wie wenig hilfsbereit sich so ein zentraler Transportknotenpunkt der Hauptstadt eines Landes, das sich so gerne international und weltoffen darstellen mag wie dieses, dann tatsächlich seinen Besuchern zeigt.
Naja, zumindest scheint es konsequent zu sein, denn wie schon erwähnt zeigt sich der Hauptbahnhof seinen Besuchern, nachdem sie den Weg dorthin vorbei an drei größeren Kreuzungen entlang mehrspuriger Innenstadtautobahnen erstmal gefunden haben, kein Stück aufschlussreicher. Gut, Schilder und freundliches Personal ist hier auf türkisch wiederum mehr anzutreffen, das muss man doch erwähnt haben, aber für mich als nicht des türkischen mächtiger Besucher macht das gerade keinen Unterschied. Nachdem ich vier Ticketschalter intensivst belästigt hatte, einen Informationsmenschen der zwar bemüht und freundlich, aber des englischen nicht mächtig war mit Papier, Stift und Gesten gequält habe während er mich die ganze Zeit über freundlich professionell abwimmeln wollte (was mich aber zugegebenermaßen nicht wirklich interessiert hat), konnte ich doch tatsächlich den Schalter für internationale Tickets finden, der in dem Fall eher ein Büro und ziemlich eindeutig geschlossen war. Mist. Also zurück zum schon bei meinem Anblick leicht verzweifelt wirkenden Informationsmann, dem ich in einer weiteren Gesten-Aktion erkläre dass der Schlater geschlossen ist, woraufhin wir uns auf die Information einigen, dass er um sieben wieder aufmachen wird. Irgendwie doch trotz allem ein sehr netter und geduldiger Mensch, dieser Informationsmann. Ich bedanke mich und mache mich nun, mit Visum aber ohne Zugticket, in Ankara auf die Suche nach einem Schlafplatz. So schlecht ist meine Erfolgsquote für heute gar nicht mal, und eigentlich bin ich durchaus zufrieden und hangel mich wieder entlang einer Innenstadtautobahn und todesmutig über deren Kreuzungen ohne Fußgängerweg – dieses mal in Richtung Innenstadt. Ich kann mir nicht helfen, eigentlich ist es etwas arg voreilig, aber irgendwie ist mir diese Stadt zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich unsymphatisch, da hilft auch der nette Informationsmann am Bahnhof nichts.
Auch als ich dann, Hotel inzwischen ein passendes gefunden und gerade auf dem Rückweg vom einkaufen, vor dem Hotel stehe wird das allgemeine Gefühl nicht gerade besser. Es ist eine relativ zentrale Gegend, die Oper und ein großer Park liegen direkt ums Eck, und dennoch wirkt sie irgendwie düster und siffig, eher wie eine dubiose Seitenstrasse im hinterletzten Viertel, und auch die allgemein sehr deutliche Polizeipräsenz vermag es nicht so recht ein bessweres Gefühl zu vermitteln.
Ich stehe also gerade vor dem Hotel und warte noch darauf, dass ich meine tägliche OK-Nachricht in Richtung Satelliten loswerde, als jemand aus einem eher langsam vorbeifahrenden Auto in einem relativ großen Bogen irgendwelche Karten wirft. Erst hielt ich es für banale Müllentsorgung, aber als sich das alle paar Meter wiederholt hat, wurde ich doch ein wenig neugierig und sah mal genauer hin: Auf dem ganzen Weg verstreut liegen Visitenkarten mit… sagen wir mal für türkische Verhältnisse Fotos von sehr leicht bekleideten Mädels und Telefonnummern darauf. Dazwischen schlendern verstohlen auf den Boden schielende Männer die Starße entlang, sich ab und an hastig bückend und dann schnell in irgendwelchen Seitenstraßen verschwindend.
Puh, eine komische Gegend in der ich da gelandet bin. Es ist definitiv Zeit, im Hotelzimmer zu verschweinden, die Türe gut zu verschließen und morgen früh weiter zu ziehen.

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