Konsulatstüren, die zweite…

 

Es geht doch irgendwie immer wieder alles um die lieben Konsulatsbesuche, wenn man beschließt über Land irgendwo hin zu kommen. Heute mal wieder keine Ausnahme und ich ziemlich früh morgens auf dem Weg zum uzbekischen Konsulat. Richtig, an einem Sonntag Vormittag. Die Wochenends-Taktik ist hier deutlich eine andere, und so ist für normale Iraner Donnerstag Nachmittag und Freitag „Wochenende“. Eigentlich ziemlich konsequent, dass der Freitag hier der freie Tag ist, auch wenn ich weniger daran gaube dass derart unfassbar tolle Wortspiele in Farsi denn genauso funktionieren würden… Wie auch immer dem sei, Konsulate und Botschaften haben Freitags und Samstags zu, Sonntags wieder auf

der Bazaar in Teheran

passt nicht ganz zum Thema, lag aber auf dem Weg: der Bazaar.

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Also zurück, gegen 8:00 Uhr bin ich mal mit nem Reisepass, ein paar Fotos und nem ziemlichen Berg US-Dollars in Richtung Metro aufgebrochen. Ja, Teheran hat eine U-Bahn, die sogar so absolut gar nicht gruselig mit europäischen U-Bahnen mithalten kann. Der einzige wirkliche Unterschied: die reinen Frauen-Abteile, die mit unübersehbarer schwarzer Schrift auf einer breiten gelben „Bordüre“ auf dem Waggon zweisprachig ziemlich deutlich macht: ich sollt da niccht rein. Hab ich verstanden und auch wohl richtig gemacht, auch wenn ich nicht verstehe was die iranischen Männer da.. ach, wie auch immer, ich bin ins „normale“ Abteil eingestiegen und hab gewartet. Man wartet aber ziemlich lange in dieser U-Bahn, wenn man bis an die nördlichste Endhaltestelle will. Nicht dass die Bahn irgendwie langsam fahren würde. Auch die üblichen ich-pass-da-irgendwie-schon-noch-rein-Türblockierer schaffen es im morgendlichen Berufsverkehr die Stopps an den Stationen nicht übermäßig in die Länge zu ziehen. Ich war mir nur nicht im geringsten bewusst, wie groß dieses Teheran denn eigentlich sein muss… einmal vom Zentrum in die nördliche Vorstadt dauert lässige 60 Minuten per U-Bahn. Hätte ich so irgendwie nicht erwartet.

Danger? Keine Panik, hier will nur jemand nicht dass man der frisch gesähten Rasen zertrampelt ;)

Danger? Keine Panik, hier will nur jemand nicht dass man der frisch gesähten Rasen zertrampelt ;)

An der nördlichsten Endhaltestelle ausgestiegen sieht Teheran nun aber auch nur unwesentlich anders aus, als ich das bisher gekannt hätte. Es ist immernoch groß, durch die etwas neueren und höheren Gebäude in der Gegend wirkt es sogar noch ein Stück größer als im Zentrum. Es ist immernoch laut, die Strassen ein einziges Verkehrsvers- und Verstopfungschaos und es stinkt wiederlich nach allen möglichen Abgasen. Alles in allem: auch kein Ort der durch Entspannung, grüne Natur und Sonnenschein glänzen würde, aber wer hätte das auch schon erwartet? Berge soll es hier geben, ganz nah sogar, aber dank tief hängender Wolken, dicker Luft und/oder Nieselregen ist davon nichts zu erkennen. Allgemein ein ekeliges Wetter heute, es ist kalt, es nieselt und es ist grau.
Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sich ab hier eins, auch wenn es mich ziemlich Überwindung gekostet hat: weiter per Taxi. Einmal iranisch über den Tisch gezogen werden par excellace, aber dafür zielsicher auf dem Weg zum Konsulat. Zumindest hat mir mein Fahrer versichert, er wüsste wo das Uzbekische Konsulat wäre. Ich muss zugeben, er hat sich ziemlich Mühe gegeben seine angebliche Ortskompetenz aufrecht zu erhalten, aber spätestens nach dem dritten mal an der gleichen Kreuzung hat er endlich das getan, was ich schon länger verrrmutet habe was ganz sinnvoll wäre: er hat seinen Stolz endlich beiseite gepackt und Passanten nach dem Weg gefragt. Soll mir auch Recht sein, hauptsache ich komme noch innerhalb der Öffnungszeiten dort an.

Am Konsulat habe ich mir dann ganz spontan den stickigen iranischen Konsulatswarteraum in Istanbul zurück gewunschen, in dem man ganz konservativ eine Nummer ziehen und warten muss, bis man aufgerufen wird… denn hier ist erstmal nichts mit Nummer ziehen, sondern an der „Gartentür“ (Insofern man den Zaun um ein Konsulat Gartenzaun nennen kann, trifft auch das zu…) hängt ein rosaner Papierfetzen, ca. 5cm auf 10cm groß, auf den ich meinen Namen schreiben soll. Die Warteliste quasi. Dort einmal eingetragen galt es nun zu warten, im Nieselregen in einem grauen Hinterhof direkt neben einer Großaustelle, im Stehen, oder eben auf- und abtigern wie alle anderen, damit die Füße auf dem brüchigen und nassen Asphalt nicht so kalt werden. Fast zwei Stunden durfte ich so zusehen, wie Visa-Agenten ohne Wartelisteneintrag an uns wartenden vorbei mit Reisetaschen voller Pässe direkt rein dürfen, wie so allmählich der eine um den anderen der Wartelistenpositionen einzeln rein durfte wenn es denn gerade zwischen die Passberge der anderen gepasst hat und so nebenbei wie der arme Kerl der „Diplomatic-Police“ so ziemlich erfroren in seinem kleinen, unbeheizten Metallkasten mit Fenstern drin seine Schicht absitzt. Ihn mit meinen türkischen Restbeständen an Zigaretten zu bestechen hat mir zwar einen mir wohl gesonnen Freund, der vorbildlichst auf meine Wartelistenposition achtet eingebracht, aber schneller gings dadurch leider auch nicht.
Nach den zwei Stunden sprach es dann wieder, wie schon ein paar mal zuvor, aus der Gartentürsprechanlage. Ich hab zwar nichts verstanden, aber nachdem vor mir keiner mehr auf der Warteliste stand bin ich nun einfach rein. „Rein“… wie behaglich warm und nach Wohnzimmer sich das anhört… in Wahrheit bedeutet hier „rein“, dass man durchs Gartentor durch, eine aussen am Haus im Freien liegende Treppe in den ersten Stock hoch und dort auf der Treppe durch ein Fenster hindurch sprechen darf, wenn denn gerade nicht stapelweise Pässe durch das Fenster gereicht werden. Also muss ich nochmal ne viertel Stunde warten, bis meine lieben neuen Freunde, die Visa-Agenten, das Fenster wieder fürs „gemeine Volk“ freigegeben haben um dann so ziemlich direkt zu erfahren: Bilder, Dollars und Reisepass sind zwar nett, aber eine onlineAnmeldung schwer nötig um dem Visum ein Stück näher zu kommen. So ist hier nichts zu machen und ich muss wieder gehen.
So ein Mist aber auch, das mit dem online-Formular ist mir völlig entgangen. Immerhin kenne ich nun die Preise: „normal“ dauert 15 Tage und kostet 55$. „urgent“ dauert immernoch beachtliche 8 Tage und kostet 75$. Obendrauf, so meine Vermutung, kommen nach fünf Arbeitstagen noch zwei Tage Wochenende, dass im besten Fall das ganze zehn volle Tage dauern wird. Zehn Tage und fünfundsiebzig Dollar, um drei Tage auf einer vorgegebenen Route durch das Land rennen zu dürfen. Find ich ziemlich heftig, irgendwie.

Davon abgesehen fehlt mir auch ein Transitvisum für ein Land dazwischen noch, vom Iran nach Uzbekistan muss ich notgedrungen noch durch Turkmenistan, dessen Transit-Visum sicherlich ähnliche Konditionen hat. So ganz spontan habe ich noch keine Idee, was ich damit nun anfangen soll…
Also, mal laut nachgedacht um meinen eigenen Kopf zu sortieren: Morgen ist der 25.November, Uzbekistan dauert 10 Tage, dann wäre theoretisch der 5.Dezember. Wenn ich morgen Abend Richtung Süden aufbrechen kann, und dort zwei Wochen bleibe dann wäre ich am 8.Dezember wieder in Teheran und könnte am 9.Dezember hoffentlich mein Visum abholen. Dann kann ich nach Mashhad weiter, das liegt schon nahe an Turkmenistan und hat ein entsprechendes Konsulat, dauert… geschätzt maximal zwei Tage, also am 11. Dezember da. Laut Guidebook mit dem „L“ dauert ein Transitvisum da fünf Tage, plus zwei vorsichtshalber-Wochenendtage ist dann der 18.Dezember, bis ich ausreisen kann. Andersherum: in den Iran bin ich am 22.November eingereist und muss nach 30 Tagen, also spätestens am 21.Dezember wieder raus. Bleiben also drei Tage Reserve. Ohjeohje. Soll ich nun morgen also den Uzbekistan-Wahnsinn starten, oder doch lieber nicht? Aber was ist die Alternative? Ich habe von eine „sehr unregelmäßigen, wenn überhaupt noch“ Fähre nach Dubai gelesen. Taugt das als neuer Masterplan? Wohl eher kaum. Direkt nach Tadschikistan fliegen, für das ich ein Visum in der Tasche habe? Nunja, mein Vertrauen in FLuggeräte aller Art ist ziemlich endlich, und ausgerechnet hier nun das Vertrauen aufbringen? Das klingt nach heftigerer Kost für meine Nerven, als das Visum-Risiko. Ich werde heute mal den Wecker früher stellen als gestern, und morgen beim Aufstehen habe ich bestimmt die Erleuchtung…. oder ziehe die Decke nochmal übern Kopf und schlafe einfac weiter. Beides wäre eine ziemlich eindeutige Entscheidung.

nein, das ist hier nicht üblich, aber trotzdem ein nettes Motiv: kollektives Mülltonnenwühlen.

nein, das ist hier nicht üblich, aber trotzdem ein nettes Motiv: kollektives Mülltonnenwühlen.

Achja, so ganz am Rande eine kleine, wenn auch nicht ganz neue Erkentniss zum Thema Tourismusinfrastruktur: Die Bemühungen in Teheran einen vernünftigen Wäsche-Service auf zu tun sind heute auch ziemlich nutzose gewesen. Ich könnte mir ohne Probleme ein komplett neues Outfit kaufen, aber ein benutztes waschen lassen? Nope, so wirklich mag das nicht klappen hier. Da ich aber auch keine ungewaschenen neuen Sachen von hier anziehen würde, hängt nun die von Hand ausgewaschene Unterwäsche halt über dem Heizkörper, in der Hoffnung bald woanders mehr Glück bei diesem Thema zu haben.

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