es ist nicht immer so einfach, wie es scheint…

 

Was ein langer Tag heute. Alles fing schon ziemlich früh an, als viertel nach sechs der Wecker geklingelt hat. Ja, mitten in der Nacht quasi, und ich habe mich zwar wohl noch kurz umgedreht, aber die Decke definitiv nicht übern Kopf gezogen. Mein Entschluss stand fest, und so war es kurz danach definitiv an der Zeit den Rucksack zu packen und auszuchecken, das Gepäck im Hotel noch zwischenzulagern und ohne Frühstück (das heisst auf die wunderbare Karottenmarmelade zu verzichten) in Richtung U-Bahn aufzubrechen. Ja, die U-Bahn ist auch hier ganz schnell mein Freund geworden. Durch sie bin ich mobil, fühle mich noch ein ganzes Stück selbstständiger und kann zum Fixpreis durch die ganze Stadt. Die Sache mit dem Mehrfahrten-Prepaid-Ticket habe ich noch nicht versucht, tut es auch nicht so wirklich Not. Den Zeigefinger heben bedeutet ein Ticket, den Zeige- und Mittelfinger zwei Tickets und so weiter. Wenn mann mit erhobenen Fingern den Unterarm um den Ellbogen nach links und rechts schwenkt sind es Hin- uund Rückfahrtickets, sonst nur Einzelfahrten. Supereinfach und klappt ganz ohne persisch zuverlässig.
Ich also wieder auf dem Weg zum usbekischen Konsulat, inzwischen kenn ich den Weg eigentlich schon ziemlich gut und das Foto mit der Adresse auf der DigiCam hilft meinem nicht englisch sprechenden Fahrer auch diesesmal ganz ohne Umweg ans Ziel zu finden. Dieses mal war ich tatsächlich Punkt acht Uhr schon da. Alles gut soweit, nur dass mein neu gewonnener Freund der „Diplomatic Police“ noch nicht in seinem Häuschen sitzt. Ein schlechtes Zeichen, das ich da von weitem erkennen musste und sich auch gleich bewahrheitet: ich bin zu früh. Trotzdem gibt es schon eine Warteliste, auf der ich mich heute an Position vier eintragen kann. Keine Ahnung, wer Position 1-3 belegt, denn weit und breit sehe ich niemanden warten. Gut, demnach kann man es sich wohl erlauben nen kleinen Ausflug zu machen, und weil gerade die Sonne ein wenig durch den Teheran-Smog blinzelt, beschliesse ich ein wenig im nahe legenen Park zu warten… ist einfach schöner da, und Bänke zum hinsetzen gibt es auch.

ein Park im Norden Teherans. Wie er heißt? Weiß ich nicht. Spielt das denn eine Rolle?

ein Park im Norden Teherans. Wie er heißt? Weiß ich nicht. Spielt das denn eine Rolle?

Kurz nach neun Uhr, mein Polizeifreund war irgendwie immernoch nicht da, aber das Konsulat hat pünktlich um neun aufgemacht, finde ich mich also im selben kalten Treppenhaus wie gestern wieder, reiche ganz stolz und in der Gewissheit nun alles beieinander zu haben meinen Papierkram inclusive der online-Anmeldung durch das Gitter, warte bis die nette Konsulatsfrau die kurz mit dem Zeug verschwunden ist wieder zurück kommt, um von ihr kurz später in einem mir unerklärlierweise leit genervten Ton zu erfahren, dass das immernoch nicht alles ist. Wie? Aber ich hab doch… Fotos, Ausdrucke, Passkopien, alles in zweifacher Ausführung, und Dollars auch dazu. Aber nein, die nette Konsulatsfrau meint es fehlt was von meiner Botschaft, sei auf dem Zettelchen gestanden das sie mir gestern gegeben hat. Zettelchen, achja… aber wo war das noch gleich? Es war schlicht unauffindbar, hätte mir aber so oder so nichts gebracht. Stattdessen bekomme ich meinen ganzen Papierkram wieder zurück, mit einem neuen Zettelchen und dem Kommentar „like this its worthless, you need to go embassy“ (O-Ton).
Ich war ratlos, und versuche die Zeile „Invitation or verbal note in your Embassy in Teheran (Document)“ in irgendwas zu übersetzen, was mir sagen würde was denn nun zu tun ist. Wenn ich die Uzbekistan-Konsulatsfrau richtig verstanden habe, dann hat es irgendwas mit der deutschen Botschaft zu tun, die so ziemlich im Stadtzentrum, unweit zu meinem Schlafplatz und ziemlich weit weg von meinem aktuellrn Aufenthaltsort liegt.

die offizielle Konsulats-Warteliste am Gartentor...

die offizielle Konsulats-Warteliste am Gartentor…

Gefolgt von kurzem Frust kam dann aber der Dickkopf durch, und „jetzt erst recht“ denkend stoppe ich ein Taxi am Straßenrand, dessen zum Glück englisch sprechenden Fahrer ich gleich eine Fahrpreiserhöhung für „Express Service“ anbiete. Dieser lässt sich das nicht zweimal sagen und schiesst durch verwinkelte Gassen, mal links und mal rechts, manchmal auch entgegen Einbahnstraßen oder in Sackgassen, die am Ende trotz Schild gar keine Sackgassen waren. Ein wirklicher Glücksgriff, der mich echt zügig zurück zur Metro brachte. Von dort aus kann er in Sachen Geschwindigkeit und Preis in gar keinem Fall mit der Metro mithalten, klar, und so hechte ich nun vorbei an den vielen vielen Rolltreppen die Treppe hinunter. Jetzt erst recht. Und es hat sich gelohnt: es steht gerade eine U-Bahn am Bahnsteig, die Türen noch auf aber offensichtlich schon alle eingestiegen… also nich einmaln Gas gebrn, beinahe filmreif in einem großen Satz richtung Tür springen und… naja, ich war froh dass die Türen nicht schneller schließen, sonst hätte es können sein dass ich von aussen gegen die geschlossene Tür gesprungen wäre. So klemmt die Tür nur den Rucksack hinter mir ein, ich verliere das gleichgewicht und komme ins straucheln, die Tür öffnet wieder und lässt meinen Rucksack los, ich stehe mitten im Zug, kann mich nochmal fangen und unter unerwartetem Beifall sowie irgendwelchen Erheiterten Zurufen der iranischen Fahrgäste um mich herum fährt in dem Moment die Bahn auch schon los. Muss echt witzig ausgesehen haben, und ich finde es zumindest toll ne ganze Horde Iraner zum lachen gebracht zu haben =).

All diese Hektik, so kurz vor der deutschen Botschaft ist sie kurz wieder in Verzweiflung umgesprungen. Es war 10:40 Uhr, und das Schild behauptet von irgendwas bis 10:30 Uhr geöffnet. „Mist“ dachte ich, und habe schon gerechnet ob ich morgen inmerhalb eines Tages beide Botschaften innerhalb der Öffnunzeiten überhaupt irgendwie erreichen kann, als mir auffiel dass dirt noch Iraner (?) anstehen. Ganz frech und ohne Rücksicht bin ich an allen vorbei, hab einfach die Klinke an der dicken Staaltür in der hohen, die Botschaft umgebenden Mauer mit dem Stacheldraht obendran gedrückt und zu meinem Erstaunen festgestellt: die Tür geht nich auf! Also an allen vorbei einfach rein, schliesslich ist das jetzt ja mehr oder minder wieder Deutschland und ich daheim, da darf ich das hab ich beschlossen, nachdem mich iraner im Konsulat in Instanbul auch ein wenig geärgert haben.
So eine deutsche Botschaft im Ausland ist schon was sonderbares, und irgendwie jetzt schon ungefär gleich viel Kulturschock wie im Iran anzukommen. Erst mal Sicherheitscheck. Ein Mann mit gebrochenem, aber deutlichem deutsch lässt mich durch ein wenig Nettigkeiten und freundlichem Lächeln auch tatsächlich einen Raum weiter, der unerwartet ordentlich und übersichtlich daher kommt. Keine riesige Wartehalle, keine Nummern, kein Mief. Es gibt drei Schakter, die von ihrer Machart ziemlich an eine ländliche Raiffeisenbank erinnern, an einem steht „Visas“ oben drüber und ein Iraner davor. Die anderem beiden sind mit frei, und ich frage einen netten Herren, zuerst zugegebenermassen in etwas wackeligem deutsch (es fühlt sich schon komisch an, plötzlich wieder ganz offiziell Dinge in deutsch organisieren zu können), nach den ersten beiden Sätzen aber deutlich sicherer und die Sache genießend, was es mit dieser „verbal Note“ so auf sich hat. Er grinst kurz, meint dass ich das hier bekommen kann… „nur für Usbekistan?“ „ehm, braucht man für Turkmenistan auch sowas?“ „jepp, da auch“ „okay, dann bitte auch für Turkmenistan“ und ist sogar so lieb, beide Botschaften in einem Schrieb zusammen zu fassen, damit ich nur einmal Gebühr bezahlen muss. Nachdem ich dann beinahe eine Million lokales Geld auf den Tisch gelegt habe (nur so zum Vergleich… das sind 25Euro. Mein Hotel hat pro Nacht ne halbe Million gekostet) hsbe ich mich zwar deutlich ausgenommen gefühlt, hatte aber einen gestempelten Schrieb in der Hand, der erklärt, dass der Herr (mit Name und Geburtstag unnd -Ort) mit derundder Reisepassnummer au derjenige ist, dem der Reisepass mit genau diesen Angaben gehört. Klingt schwierig? Finde ich auch. Also auf ne andere Art erklärt: die Botschaft hat bescheinigt, dass der im Reisepass genannte Typ der Typ ist, der den Reisepass retmäßig haben darf. Und ich dachte, das wäre automatisch immer so. Nagut, wenns hilft… Es ist nun zwar schon 10:45 Uhr und das Uzbekische Konsulat am Ende der Stadt mach um 11:30 Uhr schon zu, aber wie war das… jetzt erst recht!

Also zurück so schnell es geht zur U-Bahn, bis an die Endhaltestelle im Norden (nichts was jetzt so langsam neu wäre, aber dafür kann ich bald alle Haltestellen auf der Linie auswendig…), und dort entsetzt festgestellt: es ist 11:40 Uhr, der Verkehr ist grässlich und anstelle der sonst so zahlreichen und ehrlich wirkenden Taxis sind nun nur drei oder vier Vertreter der Transportdienstleistermaffia anwesend, die mal eben mehr als den doppelten Preis aufrufen. Immer wieder erstaunlich, wie die es schaffen die Verzweiflung ihrer Mitmenschen eiskalt auszunutzen und zu Geld zu machen, während sie einem eiskalt ins Gesicht lügen ohne rot zu werden. Oder bilde ich mir nur ein, dass die Fahrt nicht „schon immer soviel gekostet“ hat?
Angesichts des Verkehrs und der Preise habe ich dann ein, im Nachhinein betrachtet ziemlich dummes Experiment gestartet. Immernoch Transportdienstleistermaffia, aber die hakbe Anzahl der Räder zum halben Preis eines aktuellen Taxis… also leicht über dem sonst üblichen Taxi-Preis. Über der Verkehr in Teheran habe ich mich ja gestern schon geäussert. Allgemein habe ich schon ziemlich viel über Motorroller-Taxis in Asien von mir gegeben, aber ich glaube ich sollte einiges davon wieder in Relation betrachtet revidieren. Die wirklichen Kamikaze-Piloten auf dem Zweirad fahren in Teheran. Bangkok, Vietnam und wie sie alle heissen mögen, ja selbst Hanois Motorrollerfahrer sind heilig und fahren strikt nach Verkehrsregeln im Vergleich zu diesem Wahnsinnigen, der den Motoroller mit mir hinten drauf gerade durch den Stau im Norden Teherans manövriert. Da ist keine Ampel zu rot, keine Bremsleuchte zu hell und kein Fussgänger zu heilig, um vom Gas auf die Bremse zu wechseln. Wenn dann mal wirklich gebremst werden muss, dann wirklich in der allerletzten Sekunde, dann wenn ich es eigentlich schon lannge seppern hören habe und froh bin, mich mit beiden Händen im Gepäckträger verkrallt zu haben. Anders wäre wohl jedes mal ein ungewollter Abstieg vorne üner kaum zu vermeiden gewesen. Den Kopfi einzuziehen wenns an LKWs vorbeigeht gehört genauso zum Standard wie die Knie und Füße zwanghaft so eng an den Motorroller zu pressen wie nur eben irgendwie geht, denn im Normalfall, also wenn mein Fahrer in maximal nur irgendwie möglicher Geschwindigkeit durch Stau brettert, passt da definitiv keine Hand mehr zwischen die Autos und mir selbst. Achja, Helme… ich glaube davon hat hier noch nichtmal jemand hört. Ich muss zugeben, ich hatte schon sehr weiche Knie (und vielleicht auch schon ein wenig mit meinem Leben abgeschlossen), aber war doch innerhalb von zwölf Minuten am Konsulat. Naja, nicht ganz, denn nicht dumm will mich mein Transportdienstleister kurz vorher abladen, abgesehen davon dass es ihm sicherlich an offizieller Lizenz mangelt ist das auch die bessere Gelegenheit nochmal den Preis zu erhöhen und einen Szreit zu provozieren. Wie war das mit der Verzweiflu und dem Ausnützen nochmal? Auch das massive beschimpfen auf deutsch (klingt generell agressiver als englisch) half wenig, und irgendwie haben meine Nerven dann ein Veto eingelegt: dieses mal bezahlen und für später daraus lernen. Hätte ich gewusst dass ums Eck mein neuer Diplomatic-Police-Freund jetzt wieder da ist… aber gut, lassen wir das Thema Motorroller an der Stelle gut sein.

Weiter zu meinem neuen Polzei-Freund, der mir nun, schon kurz vor zwölf Uhr und damit deutlich ausserhalb der Öffnungszeiten, doch noch zu Gute kommen kann. Nach kurzem „wie geht es Dir?“-Smalltalk erkläre ich Ihm meim Problemchen, und obwohl er als Iraner mit dem Konsulat theoretisch nix zu tun hat ausser darauf afzupassen klingelt er nun bei der netten Frau, spricht ein paar Sätze durch die Sprechanlage bei denen ich definitiv das Wort „Alman“ (quasi „der deutsche“) heraushöre und meint dann, ich solle noch kurz warten und dürfe dann gleich hoch. Ein netter Kerl!
Auch die vorhin noch leicht genervt wirkende, wenn auch grundsätzliche nette Konsulatsfrau konnte es nicht ganz verbergen, dass sie von meiner Organisationsleistung ziemlich beeindruckt ist und hat dieses mal den ganzen Papierstapel sogar behalten. Ich solle Dienstag wieder kommen um das Visum abzuholen, und darf solange den Pass behalten. Ich persönlich war mir ja die ganze Zeit unsicher, ob eine einfache Kopie des Passes hier im Iran wohl ausreicht, aber so macht das ganze irfendwie Sinn, und der gestempelte Schrieb von der deutschen Botschaft irfendwie auch ein wenig.
Also der Stand um 12:30 Uhr: Visum Antrag trotz Hürden los geworden, ich noch unversehrt und am Leben, den Beschluss gefasst im Iran niemals mehr Motorroller zu fahren kann ich nochmal kurz mit meinem neuen Freund smalltalken, der mir doch glatt für meine Aktion gratuliert. Dienstag werd ich ihn wieder sehen, so hoffe ich doch =).

Sonnenuntergang am Imam Khomeini-Square im Zentrum von Teheran.

Sonnenuntergang am Imam Khomeini-Square im Zentrum von Teheran.

Nachdem ich ins Zentrum zurück bin, ein wenig vor dem Bazaar auf einer Bank gesessen und die Leute beobachtet habe, wurde es Zeit die Suche nach der Busstation anzugehen. Ebenso ein hässlicher und fast so großer Betonklotz wie in Ankara zeigt sich hier als ziemlich kommunikative Plattform für alle Touristen-Gespräche Suchenden. Aber zuerstmal muss man dazu den Eingang finden… geht eigentlich, wenn man genug Männer abwimmelt, die einem schon auf offener Strasse Tickets andrehen wollen. Dann gilt es unter ziemlich vielen, ziemlich glaich aussehenden Busfirmen eine auszuwählen, beziehungsweise deren Verkaufsstand anzusteuern und ein Ticket zu erwerben. Weil alles nur persisch beschriftet, zeigt sich mir hier erstmal so ziemlich garkein Unterschied, aber die Nummer „15“ ist mir als Zahl irgendwie symphatisch. Wie gut, dass die alle durchnummeriert sind, sonst hätte man als Tourist ja gar keinen Anhaltspunkt.
Obwohl es zu dem Zeitpunkt ersr 18:00 Uhr ist, einige ich mit dem Ticketvermkaufsmann an Stand 15 auf 23:00 Uhr Abfahrt. Lieber sitze ich hier den ganzen Abend an einer mir bekannten, warmen Busstation als Nachts um zwei irgendwo in Esfahan, wartend darauf dass das Leben in der unbekannten Stadt langsam aufwacht. Neinnein, der fromme Plan daher: Um elf losfahren, um sechs ankommen und dafür 115000 Geld bezahlen, was vielleicht vier Dollars, also ziemlich billig für eine Schlafmöglichkeit ist. Ich hoffe nur, dass es auch wirklich soeine ist, und „VIP“ mehr hält was es verspricht als in Südostasien normal üblich. Ein gutes Zeichen hierfür: so sehr ich auch suche, an dieser riesigen Busstation bin ich im Moment der einzige mit Rucksack, also gute Chancen auf halbwegs eingehaltene Versprechen.

Während ich also so in der Busstation sitze, werde ich als Exot natürlich mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Da war zum Beispiel ein gewöhnlich wirkender Iraner, wie ich erfahre 30, und alleine unterwegs. Ein ziemlich netter Kerl, auch wenn ich bis dahin nicht so recht verstehen mag, warum er auf der ziemlich langen Sitzbank während unserer Unterhaltung einen Sitzplatz zwuschendrin frei hält. Das Gespräch kommt, wie könnte es auch anders sein, auf das Thema verheiratet sein. Nein, ich bin nicht verheiratet erkläre ich ihm, wie allen anderen zuvor auch. Er meint, im Iran sei es völlig normal einen über 25-jährigen nach dem Verbleib seiner Frau zu fragen, wenn er alleine verreist. Da er mir verraten hat dass er dreißig ist, stelle ich ihm natürlich mit einem Grinsen genau diese angeblich typisch iranische Frage nach seiner Frau. Wohl eher untypisch und im vollen Vertrauen auf mich als außenstehender Tourist wird er nun ziemlich leise, und gesteht mir auf Männer zu stehen. Deswegen sei er auch nit verheiratet. Eine harte Aussage in diesem Land, so zwischen Reisekoffern und Busziele ausrufenden Marktschreien, gibt es doch unzählige Gesetze und Möglichkeiten gegen allein diese Tatsache, bis hin zur Todesstrafe bei der Ausübung der selbigen. Wenn man sich den Kerl mal genau anschaut… ja, es wäre durchaus möglich, sofern man Äußerlichkeiten in diesem Fall zur Beurteilung heranziehen kann. Er ist irgendwie dezenter als die anderen Iraner in seiner Art, und genau das macht es komisch.
Ich habe mich schon ein paar mal insgeheim an (jungen) iranischen Männern erfreut, denn wemn die sich im Kontrast zu ihren verschleierten weiblichen Kolleginnen anfangen aufzubrezeln, gerne mal mit tiefem V-Ausschnitt, Goldkettchen, Röhrenjeans, aufwändigen Gelfrisuren und glitzernden Ringen an den Fingern; dann noch persisch reden, was in europäischen Ohren (ich hoffe zumindest, dass ich nicht der erste bin der das so sieht) ziemlich nasal klingt und gerne mal eine eher weinerliche Sprachmelodie eines beleidigten Kindes hat… ja, mit dem entsprechenden (nicht-iranischen) kulturellen Hintergrund können diese gockelhaften Kerle einen höchst schwulen Eindruck machen. Aber der Eindruck täuscht, denn wer lebt denn, sollte er eine gewisse Neigung haben, in einem Land das m der Todesstrafe droht diese denn wirklich aus und bevorzugt nicht eher das konservative, „glückliche“ Familienleben? Ich denke schon allein die Idee davon ist den meisten völlig fremd, was natürlich das Erkennen einer solchen Ausrichtung weitestgehend auch verhindert. Also glaube ich dem Kerl nun? Ich bin mir nicht sicher, auch wenn ich generell ein Talent habe schräge Vögel auf Reisen anzuziehen. Aber ich bewundere die Aussage, denn egal ob wahr oder nicht, alleine die Behauptung war für ihn als solche schon riskant.
Wie auch immer, an der Busstation war dann doch der falsche Ort das weit zu vertiefen, und das hier ist auch der falsche Ort das weitere zu verewigen, demnach belasse ich es jetzt einfach dabei =).

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