Tage wie dieser…

 

Manche Tage auf Reisen sind einfach irgendwie unnötig. Und sollten sie je doch zu irgendwas gut sein, so erschließt sich zumindest mir der Sinn nicht so wirklich.
Tage, an denen man morgens aufwacht, sich verschlafen Richtung Dusche bewegt und feststellen muss: es juckt. Es juckt überall. Aber für Moskitos ist es doch eigentlich zu kalt? Komisch, morgen doch besser das Moskitonetz verwenden.
Und während man unter der Dusche steht stellt man an solchen Tagen dann möglicherweise auch fest, dass da ganze Straßen von Stichen über den Körper verlaufen. Man mag sich so dunkel fragen, wie das wohl funktioniert haben könnte, bis einem irgendwie beim genauen Betrachten der roten Punkte überall so ganz langsam dämmert: das warekn sicherlich keine Moskitos. Das waren Bettwanzen.
An so einem Tag, der eigentlich gar nicht allzu schlecht angefangen haben kann, zumindest wenn man mal nur die ersten fünfzehn Minuten betrachtet, kann man dann zum Beispiel in den nächsten fünfzehn Minuten schon hektisch aus der Dusche stürmen, alles nochmal kräftig schütteln (als ob das irgendwas helfen würde, aber dem Gewissen und Ekelgefühl gehts doch gleich bedeutend besser), in den Rucksack stopfen und innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten fluchtartig das Hotel verlassen.
Nein, wenn der Tag erstmal so angefangen hat, dann ist das nicht ganz einfach mit der Laune. Man könnte aber versuchen, trotz dem jucken die Sache weitestgehend zu verdrängen. Das Bedürfnis überall zu kratzen einfach ignorieren und erstmal mit der Flasche Orangensaft ans Wasser sitzen.

immernoch kein Wasser. Wird sich so schnell wohl auch nicht ändern...

immernoch kein Wasser. Wird sich so schnell wohl auch nicht ändern…

Achja, Wasser gabs ja in der Stadt keines. Also, mit ner Flasche Orangensaft an das ausgetrocknete und rissige Flußbett setzen und die schöne Brücke anschauen, die gerade zu nichts gut ist. Angeblich wurden die Steine der Brücke nicht mit Mörtel zusammengeklebt, sondern mit irgendeinem Gesteinspulver und Eierschalen… hat mir zumindest ein Iraner erzählt. Iraner erzählen aber manchmal ziemlich gerne ziemlich viel, und so recht was dazu finden kann ich nirgends. Trotzdem, es hilft die Gedanken ein wenig abzulenken.
Man kann, wenn man den ersten „Schock“ so ein wenig überwunden hat, sich mit ein wenig Sightseeing ablenken. Und was liegt da auch näher, als mal zur Abwechslung sich mit Moscheen statt buddhistischer Tempel abzulenken? Also auf zur großen „Masjed-e Jameh“, die im Reiseführer mit dem „l“ sogar eine extra Seite mit Grundriss bekommen hat und sich erstmal über das indische Eintrittspreis-Gehabe wundern. Persische Zahlen sind nun wirklich nicht so kompliziert, als dass man sie nicht nach ein paar Tagen beherrschen würde und hier ganz eindeutig erkennt: wo der Tourist 100.000 Rial berappen muss, zahlt der Iraner 15.000 Rial. Grob 3,50Euro gegenüber 50Cent, das ist ziemlich frech in meinen Augen. Aber gut, an einem Tag der sowieso schon schwierig genug ist, sollte man darüber lächelnd hinweg sehen, nach ein paar Scheinen in der Tasche kramen und sich die Moschee einfach in aller Ruhe anschauen.

irgendeine alte Seitentür in der Jameh Moschee

irgendeine alte Seitentür in der Jameh Moschee

Ein wenig Zerstreuung tut immer gut. Auch dass man hier extra noch von einem Typen aufgehalten wird, damit man sich ja ganz bewusst anschaut wo die bösen Iraker eine Bombe in die Moschee geworfen haben (ich glaube ja nicht dass der irakische Allah das toll finden würde wenn eine Moschee im Iran bombardiert wird und das die Iraker auch ganz genau wissen, es daher mutmaßlich wohl eher ein Versehen war dass das Eck von der Moschee ne Schramme bekommen hat; und abgesehen der Tragik der Sache an sich, finde ich es doch etwas eigenartig welche dramatische Schuld den Irakern hier in die Schuhe geschoben wird dass hier angeblich mit höchster Absicht die Moschee angegriffen wurde. Nicht etwa, dass Isfahan bombardiert wurde und was weiß ich wieviel Häuser zerstört wurden und Menschen starben, nein, die Moschee hat was abbekommen) kann man ja irgendwie als „Kundenservice“ durchgehen lassen. Also auch hier bemüht man sich am besten um möglichst ehrlichen Dank für den Hinweis und verlässt erst danach die Moschee wieder.

die Jameh (Freitags-) Moschee, unweit der von den Iranern kaputt gemachten Ecke.

die Jameh (Freitags-) Moschee, unweit der von den Iranern kaputt gemachten Ecke.

Aber was nun? Masjed-e Jameh? Check. Dabei ist es doch noch so früh! Wie gut, dass so eine Stadt mehrere Moscheen hat, und „Masjed-e Shan“ liegt ja quasi direkt auf dem Rückweg, einmal quer über den Bazar. Fein, wenn das mal nicht für Ablenkung sorgt. Es ist auch alles wunderbar, wenn nicht am Eingang der zweiten Moschee der Tag mal wieder auf seine Schlechtigkeit aufmerksam machen müsste. Nicht, dass mich die gleiche Preisgestaltung wie an der anderen Moschee hier verwundert oder überrascht hätte, mich hätte wohl nach der vorhergehenden Erfahrung eher eine gerechte Preisgestaltung aus dem Konzept gebracht. Was hier allerdings die ganzen Gute-Laune-Bemühungen ins wanken brachte war schlichtweg der nach dem Ticketverkaufsstand folgende Ticketkontrolleur. Nimmt der doch mein mit viel teurem Geld bezahltes Ticket, reißt es einmal in der Mitte durch, schiebt es in seine Jackentasche und behauptet das wäre falsch! An DER Stelle war ich dann doch überrascht, aber auch nur wenige Augenblicke später ziemlich stinkig. Er hat wohl das Ticket von der anderen Moschee in meiner Hand gesehen, und wollte mir gerade das selbige entreißen, als ich dann nicht mehr ruhig bleiben konnte. Uniform hin, Iran her. So läuft das hier nicht und ich werde ein wenig laut. Als der Iraner in Uniform so ganz plötzlich verlernt hat englisch zu sprechen, werde ich noch lauter, Moschee hin und heiliger Ort her. Zumindest sorgt das für Aufmerksamkeit und ein Mann mit Anzug kommt nun zum Eingang gerannt und erkundigt sich nach dem Problem. Während mein Uniformann natürlich persisch mit ihm unterhält, schaffe ich es ihm mein Ticket wieder zu entwenden und erkläre nun das für mich eigentlich nicht existente Problem des angeblich falschen Tickets dem Anzugmann. Auch der ist deutlich verwundert über das zweite Ticket in meiner anderen Hand und behauptet, das könne nicht von der anderen Moschee sein, und ausserdem ich solle da drüben am Ticketschalter ein richtiges Ticket kaufen. Dem Ticketschalter, an dem ich gerade schon ziemlich viel Geld abgegeben habe.
Was soll das? Warum kann ein einzelner Tag so an meinen Nerven zehren? Alles juckt, die Bisse an meinen Füßen sind dank dem herum laufen nun offene Wunden und brennen gar ekelhaft, und nun wollen auch noch zwei so Kasper herumstänkern? Mir war es dann doch zu blöd, hab meine Tickets geschnappt, den beiden erklärt dass ich jetzt eben zur „Tourist Police“ gehe und mich gerade umgedreht um in Richtung deren unübersehbarem Häuschen unweit des Eingangs aufzubrechen, als sich der Anzugmann dann die Sache doch anders überlegt hat.

das am wenigsten nach Baustelle wirkende Eck der Shah-Moschee. Ich habe mich extra angestrengt für das Foto.

das am wenigsten nach Baustelle wirkende Eck der Shah-Moschee. Ich habe mich extra angestrengt für das Foto.

Also, geht doch. Dachte ich. Bis der Tag noch einen Anlauf gestartet hat und mir dieses wunderbare Baugerüst quer durch die ganze Moschee präsentierte. 100.000 Geld, zwei Kasper die mich ärgern wollen und das alles um eine Baustelle zu sehen. Ich bin begeistert.

Manchmal, auch wenn man sich doch so sehr bemüht, hat so ein Tag doch andere Pläne für einen. Was will man dann auch schon anderes tun, als den selbigen dann einfach abzuhaken, das Gepäck einzusammeln und mit brennenden Füßen den Fußmarsch zur Busstation zu starten. Morgen wird ein besserer Tag, ganz bestimmt.

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