Starthilfe, mitten in der Nacht.

 

Der Plan war eigentlich gut. Abends in einen Bus steigen, morgens dann ankommen, damit eine Hotelübernachtung sparen und trotzdem ein klein wenig schlaf finden. Dass die Realität ein klein wenig anders aussieht und Busschlaf meistens kein guter ist, das ist nichts neues und eigentlich habe ich das ja auch mit einkalkuliert. Dass allerdings der letzte Bus am Abend schon um neun fährt war schon eher suboptimal, dass ich dann um zwei Uhr nachts irgendwo im Nirgendwo schon wieder aus dem Bus geworfen werde, das war dann schon eher ziemlich blöd.

im Iran auf jeder Busfahrt obligatorisch: das Carepaket mit Süßigkeiten und einem Pappbecher.

im Iran auf jeder Busfahrt obligatorisch: das Carepaket mit Süßigkeiten und einem Pappbecher.

Kurz ein wenig orientiert lässt sich dann aber wenihstens eine Busstation erkennen, wenn auch ziemlich dunkel weil unbeleuchtet. Nunja, nachts um zwei seint so eine unbeleuchtete Busstation immernoch die bessere Alternative als eine beleuchtete Autobahn, und zumindest ist die Eingangstür offen. Im Iran scheinen allgemein Busstationen un Bahnhöfe, auch wenn alle Ticketstände, Kioskbuden und Imbisstände geschlossen haben und das Licht weitestgehend aus ist trotzdem irgendwie geöffnet zu haben, zumindest gehen die Türen auf und man kann sich in die Wartehalle setzen. Ziemlich praktisch, wenn zu allen möglichen, unmöglichen und zum Teil ziemlich unvorhersehbaren Zeiten Leute abgeladen werden.
Was mir allerdings noch nicht so recht bewusst war, wie nett und hilfreich so halb geschlossene Busstationen sein können. Erst als ich in der Wartehalle vor einer großen, ausschließlich persisch beschrifteten Straßenkarte von Yazd stand und mich irgendwer von hinten anquatscht sollte ich das so langsam lernen. Zunächst aber dachte ich „was will denn der nun von mir“, aber der Stadtplan in seiner Hand passte nicht so recht zum Bild von nervigen und unnützen Leuten, die einen so mitten in der Nacht belästigen könnten. In rudimentärem Englisch und mit Händen und Füssen, aber durchaus super verständlich, erklärt er mir wo Yazd eigentlich liegt und wo wir gerade sind. Wir können uns sogar soweit verständigen, als dass ich zwar eine Hotelvorstellung, aber keine Reservierung habe und auch nicht weiss wie ich in die Stadt komme. Der nette Herr meint ich solle kurz mitkommen und rennt in Richtung Informationsstand, holt einen Schlüssel aus der Tasche und meint ich solle mi da drin kurz hinsetzen, bevor er sich ans Telefon begibt. „Netter Mann, der organisiert mir ein Taxi“, ist da natürlich der erste Gedanke, denn verstehen was der redet tut man ja leider nicht. Nach den ersten drei Telefonaten und zwei voll geschriebenen PostIts (bzw. die iranische Version aus klein geschnittenem Altpapier und einem Streifen Klebeband) kommt so langsam die Erkentniss: der überaus nette Mann organisiert nicht nur ein Taxi, er versucht mir mitten in der Nacht einen Schlafplatz zu finden. Er erklärt mir, dass das von mir ausgesuchte Hotel leider voll ist, und telefoniert dann auch schon direkt weiter. Sieben Telefonate weiter geht er dann mit mir nach draussen, besorgt mir noch ein Taxi, verhandelt noch mit dem Fahrer und wünscht mir dann eine gute Reise und eine angenehme Nacht. Ein netter Mann, und manchmal echt ein tolles Land. Nach dem leicht gestressten Tag gestern bin ich nun, obwohl unausgeschlafen und immernoch voller Bisse, eindeutig wieder versöhnt und fahre per Taxi nach… naja, in ein Überraschungshotel.

Yazd bei Nacht ist auch ziemlich dunkel ;-)

Yazd bei Nacht ist auch ziemlich dunkel ;-)

Surprise, surprise, mein Taxifahrer lädt mich knapp 20 Minuten später vor einem ziemlich schicken Hotel ab, bzw. er wollte wohl mit mir zusammen erst herausfinden, ob da alles gut ist. Gut ist gar kein Ausdruck, aber vier Sterne simd teuer. Zu teuer für den Moment, und so war das mit diesem Hotel bei aller Freundlichkeit der Beteiligten nichts. Aber, die Geschichte ist noch nicht am Ende, der Hoteltyp fragt mich nach meinem Budget und spricht dann mit meinem Taxifahrer, der mich immer noch freundlich und gutmütig lächelnd einfach zum nächsten Hotel bringt. Auch da das gleiche Spiel: er lässt es sich nicht nehmen, kurz mit rein zu kommen ob nun alles okay ist (dieses mal is es das), schleppt noch meinen Rucksack ins Hotel und will noch nicht mal einen anderen Betrag als den (sowieso schon sehr fairen) Preis zum ersten Hotel. Sowas ist mir echt, ganz ehrlich, glaub noch nie passiert. Den Taxifahrer mit ordentlichem Trinkgeld beglückt und mal wieder hoch erstaunt über die freundlichen und netten
Leute in diesem Land war dann doch alles irgendwie wieder okay und ich konnte in aller Ruhe in einem weichen Bett ausschlafen, anstatt an der Busstation auf einer Plastikbank auf mein Zeug aufpassen zu müssen. Feine Sache.

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