Zoroastrier und andere Iraner

 

Iraner sind ziemlich offen und unerwartet freundlich, und falls ich das noch nicht angepriesen habe, dann sollte das definitiv mal explizit erwähnt werden. Nicht ganz ungern wird der Iran als böse dargestellt, seine Bürger als fundamentalistische Extremisten gesehen und die Menthalität als verschlossen und ausländerfeindlich dargestellt.

der unfassbar penibel herausgeputzte "Touristenteil" von Yazd

der unfassbar penibel herausgeputzte „Touristenteil“ von Yazd

Aber, mal politisch-offizielle Sichtweisen außer Acht gelassen (die ich mich mit meinem rudimentären Wissensstand sowieso nicht zu beurteilen wagen würde), und so ganz allgemein den Leute denen man so im Alltag auf der Straße begegnet nach beurteilt muss man nicht lange hier in diesem Land sein, um festzustellen: alles total falsch.
Nach allem was ich bisher so erlebt habe und erfahren durfte, ist eigentlich sogar so ziemlich das Gegenteil der Fall. Aber vielleicht erst ein paar Zahlen zur Erklärung, sowohl von Iranern als auch vom „Buch“ einigermaßen bestätigt (der Reiseführer mit dem „l“ wird unter Iran-Touristen, weil wirklich jeder ausnahmslos dieses Exemplar in der Tasche hat gerne einfach nur „DAS Buch“ genannt). Iraner sind demnach nur zu 60% Perser, deren Kultur als die „iranische Kultur“ gilt. Ein wenig mehr als die hälfte also. Den Rest teilen sich mit je einem großen Teil Bevölkerungsgruppen mit einem türkischen bzw. kurdischen Hintergrund, dazu kommen noch ne ganze Ladung Araber, die Nomadenvölker die seit Ewigkeiten durch den Iran ziehen und ein paar Turkmenen.
So wirklich interessieren tut das den Iraner im allgemeinen aber nicht. Egal welcher ethnische Hintergrund da bei wem auch immer zum tragen kommt, es sind alles Iraner die zusammen leben, arbeiten und die Freizeit verbringen. Nach dem was ich so höre und sehe scheinen Iraner die Sache mit der Integration wesentlich besser im Griff zu haben als wir deutschen. Aber das nur am Rande. Egal in welchem Eck Irans man nun also landet, die Leute sind sehr aufgeschlossen, überaus freundlich und so beinahe jeder freut sich über fremden Besuch, woher auch immer er kommen mag (vielleicht sollte man hier ein paar Ausnahmen machen, habe keine Idee wie sie zum Beispiel auf Israelis reagiren würden. Aber selbst wenn die Sprache auf meinen Namen und dessen Ursprung kommt und dabei das Wort „Israel“ fällt hat das noch kein einziges mal für eine komische Reaktion gesorgt).

irgendwo in der Altstadt von Yazd

irgendwo in der Altstadt von Yazd

Ich schweife heute schon sehr ab, irgendwie. Wo wollte ich gleich nochmal hin mit dieser Einleitung? Ich weiss es nicht mehr. Iraner sind nett. Das ist jedenfalls mal die Kernaussage. Und wenn man so alleine durch zum Beispiel Yazd läuft wie ich heute, vorzugsweise am Abend wenn sich sowieso alles und jeder zum geselligen Beisammensein auf die Straße begibt, so kommt man nie wirklich weit ohne von irgendwem „angesprochen“ zu werden. Oft gibt es nur ein einziges Wort, das beiderseitig in der englischen Sprache verstanden wird: „Hello!“. Mit einem freundlichen grinsen und winken ist das quasi schon eine Einladung. Auch wenn man nicht viel sprechen kann, es werden dann Hände geschüttelt (nicht weil es in ihrer eigenen Kultur so verankert wäre, sondern wohl weil die Iraner das so bei Ausländern für üblich halten), erwachsene Männer freuen sich wie kleine Kinder mit leuchtenden Augen an Weihnachten und auch wenn nichts gesprochen wird, ich weiß aus Erfahrung was die wichtigste Frage überhaupt ist und kann eines der wenigen Wörter persisch von mir geben: „Alman“ und tippe mir dabei auf die Brust. Garantiert freut sich daraufhin jeder dem man so begegnet, hat man doch glatt aus deren Gedanken die wichtigste Frage erraten und verständlich geantwortet „ich komme aus Deutschland“. Für mehr reichts dann allerdings leider nicht, aber muss auch nicht. Die Neugierde wurde gestillt, das Aufmerksamkeitsbedürfniss befriedigt und unter erneutem fleissigen winken und um die Wette lächeln darf man nun auch wieder weiter gehen.
So läuft das zumindest meistens. Kann der Gegenüber ein wenig Englisch wird meistens noch ein klein wenig weiter gefragt und geredet. Aus welcher Stadt ich bin, ob ich verheiratet bin und natürlich fällt fast immer mindestens eines der Stichwörter „Merseides Bens“, „Baaiern Munik“ oder „Schuhmacker“. Habe ich eigentlich nicht vor Jahren schon festgestellt ich sollte daheim zur Ermöglichung eines besseren interkulturellen Austausches mehr Interesse an Fußball aufbringen?
Sollte ich mir wieder auf die todo-Liste setzen.

Schaufensterpuppen im Iran, DIE sind wirklich gruselig.

Schaufensterpuppen im Iran, DIE sind wirklich gruselig.

Manchmal aber wird es dann ein wenig aufdringlich für meinen Geschmack, und der Ausweg eher schwierig. Da gibt es zum Beispiel Mechti, eigentlich ein netter Kerl der tagsüber im Laden seines Vaters unweit von meiner Bleibe sitzt, auf Kundschaft wartet und solange tief in seinen englisch-Büchern schmökert. Er möchte bald im Ausland studieren erklärt er mir schon am ersten Tag, und lernt deswegen den gann Tag soviel eben nur geht. Er besteht immer auf einen kurzen Plausch wenn ich vorbeikomme, was ein Stück weit ja durchaus ganz in Ordnung ist. Am Abend habe ich mit einem seiner Freunde, dem Mechti gerade eigenhändig versucht ein wenig englisch beizubringen nach dem Abendessen geübt. Es hat Spass gemacht und ich habe es gerne getan, der Kerl war hoch erfreut und voller Eifer… eine wahre Freude also. Mechti wurde im Laufe der Zeit aber immer aufdringlicher, wollte mit mir durch die Gegend laufen, Wasserpfeife rauchen gehen, ins Teehaus gehen… er hatte viele Vorschläge was wir gemeinsam unternehmen könnten, hat es aber nicht ganz geschafft das angenehm genug zu verpacken. Er will englisch üben, das war offen zugegeben seine Intention, nicht etwa irgendetwas zu erfahren oder weil er mich als Person schätzt. Dementsprechend flach waren auch unsere Unterhaltungen geundsätzlich. Aber wie wird man so einen Kerl wieder los, wenn er kein „nein“ hören und / oder verstehen will? Man geht ihm ganz einfach aus dem Weg. Nit die feine englische Art, aber die einfachste. Also habe ich heute minimum jedes einzige mal die andere Strassenseite, wenn nicht einen anderen Weg genommen, wenn ich in der Nähe des entsprechenden Ladens war. Und ja, mein Tag war heute verdammt lang. Ich habe am Morgen ausgecheckt und werde nachher nach Kaschan weiterfahren, das bedeutet ein kompletter Tag ohne Hotelzimmer und auf Streifzug durch die Stadt. Zeit genug also, um mit Ihm zu reden und vielleicht doch irgendwie auch einen Vorteil aus der Sache für mich zu ziehen… aber einfach keine Lust.

die Gosse: im Iran noch gaengige Muellentsorgungspraxis

die Gosse: im Iran noch gaengige Muellentsorgungspraxis

Stattdessen vielleicht ein wenig Sightseeing? Ein Münzmuseum? Ja, das klingt langweilig. Ist es ja auch irgendwie, und magels ausbleibendem Besucheradndrang ist der Eintrittspreis auch dementaprechend recht angenehm. Aber mir wurde gesagt, das auch das in einem schön restaurierten historischen Haus zu finden wäre, und allein wegen diesem war ich dann tatsächlich im Münzmuseum. Ein iranisches Museum über iranisches Geld, und irgendwo zwischen den alten iranischen Geldscheinen, die tatsächlich die Währung „Toman“ tragen (die, von der iraner immer sprechen, die es aber so garnicht gibt sondern schlichtweg „10 Rial“ bedeutet), verstecken sich tatsächlich zwanzig dort irgendwie dazwischen gerutschte Reichsmark. Ein sehr gewissenhaftes Museum auf jeden Fall, aber ja, das Haus ist mal wieder ziemlich hübsch =).

Feuertempel

Feuertempel

Aber ich kann das heute sogar noch an kuriosität überbieten, denn Yazd hat noch einen Tempel zu bieten, den ich mir irgendwie dann doch auch nicht entgehen lassen habe… einen Feuertempel der Zoroastrier. Ganz ehrlich? ich hatte keine Idee was mich da erwarten würde, aber Feuer in Verbindung mit Tempel klang spannend genug, einmal quer durch die Stadt zu rennen und sjch das anzusehen. Zoroastrismus habe ich noch nie gehört, durfte aber (mehr dank Wikipedia als dem Feuertempel) lernen, dass es sich um eine beachtlich alte Religion handelt, die vor der islamischen Eroberung wohl so ziemlich die wichtigste hier in der Gegend gewesen sein dürfte und so ganz nebenbei wohl über das Judentum bis hin zu den Christen neben der griechichschen Vostellung des Hades der Ideenlieferant für die Idee des Teufels als Gegenspieler zu Gott und daraus folgend auch das Komzept mit Himmel und Hölle sein. So ganz tief bin ich da auch noch nicht durch, das bedarf wohl noch ein paar Stunden Wikipedia-Forschu bis ich das alles überschaut habe. Aber: es gibt noch ein paar Zoroastrier im Iran (tschuldigung, an der Stelle vielleicht korrekter: in der isamlischen Republik Iran), die in einer ziemlich unspannend wirkenden und hinter stark spiegelndem Glas verstauten Schale ein Feuer rein mit Holz betreiben, das als heilige Flamme und Symbol ihres Gottes gilt und im Falle dieser speziellen Flamme seit dem Jahr 470 n.Ch. brennen soll. Ehrlich? Ein seit über 1500 Jahren brennendes Holzfeuer? Ja, da wird offiziell mehrfach am Tag Holz nachgelegt, nicht dass es da Missverständnisse gibt… aber in eintausendfünfhundert Jahren gab es nie eine Schlafmütze, die vergessen hat mitten in der Nacht Holz nachzulegen oder sowas? Ich tu mir ein wenig schwer daran zu glauben, aber ich glaube am Ende gehts auch garnicht so wirklich darum wie lange das Feuer nun schon brennt, und ob vielleich irgendwann mal jemand heimlich neu anzünden musste.

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