Konsulatshausaufgaben

 

Komisch, aber gestern Morgen war es mir doch tatsächlich nicht mehr nach Sightseeing in Kaschan. Stattdessen entschied ich mich noch für einmal ordentlich ausschlafen, in aller Ruhe auschecken und dann tagsüber per Bus nach Teheran zu fahren. Die Strecke ist einfach zu kurz, als dass eine Nachtbus-Aktion irgendwie Sinn machen könnte.

Und so war ich dann wieder zurück in dieser Stadt, die ich irgendwie nicht so recht mag. Paketurlaub im Iran, so dieses kleine bisschen das es hier her gibt, scheint nicht ganz ohne Grund Teheran grundsätzlich auszulassen, oder im schlimmsten Fall eine Nacht wegen ungünstigen Flugzeiten einzuplanen. Es ist laut, es ist hektisch, es ist unübersichtlich, es ist unglaublich schlechte Luft den ganzen Tag über und es ist einfach schrecklich unentspannt. Gut, es ist kommunikativ und die Quote der englisch sprechenden ist deutlich höher, aber ganz ehrlich? Ich kenn die Geschichten, die mir hier laufend erzählt werden so langsam alle. Ja, auch die Perser sind eine arische Rasse. Behaupten sie zumindest immer ganz stolz. Aber ganz ehrlich? Ich mag Rassendenken nicht, und wenn mir jemand erzählt dass er glaubt die deutschen seien mitunter die intelligentesten und bewundernswertesten Menschen auf der Welt, und so nebenbei (ganz stolz), auch Iraner sind Arier… da fühl ich mir weder geschmeichelt noch bin ich irgendwie stolz, mir wird einfach nur schlecht bei so einer Ansprache. Und am aller öftesten höre ich die doch bislang in Teheran. Aber was soll das? Versucht mir da jedes mal einer auf eine gar absonderlich merkwürdig komische Art zu schmeicheln, oder gibt es tatsächlich den Gedanken im Iran? Dabei haben wir eine Frau zur Kanzlerin und einen schwulen Aussenminister, spätestens damit sollte Deutschland eigentlich in tiefste iranische Ungnade fallen müssen. Manchmal verstehe ich Iraner einfach nicht.

Nord-Teheran, meine "Visumsecke". Sonst auch echt keinen Ausflug wert irgendwie...

Nord-Teheran, meine „Visumsecke“. Sonst auch echt keinen Ausflug wert irgendwie…

Aber zurück zu dem Grund, warum ich mir all dies schon wieder angetan habe: Acht Tage sind um, und mein Uzbekistan-Visum fertig. Warum das ganze acht Tage dauern mag ist mir bis heute ein Rätsel. Persönlich vermute ich ja, vorallem weil über die ganze Zeit meine Reisepass ja bei mir war und das eigentliche Visum erst während des „abholens“ in den selbigen geklebt und gestempelt wird, dass das reine Schikane ist. Oder alternativ „weil es sich halt so gehört für ein Konsulat von Welt“. Ja, ganz bestimmt wird so ein Visum-Antrag einfach beiseite gelegt nachdem er abgegebem wurde, und nur dass er eben gut abgehangen ist und die Tinte auch garantiert trocken bleibt er dann acht Tage lang in einer Ablage auf irgendeinem Schreibtisch liegen, bis ich wieder vor der Tür stehe und das Visum abholen darf. Immerhin mache ich das ganze Spiel nur für ein läppisches drei Tage Transit-Visum, weil ich mehr ohne Einladung aus Uznekistan eh nicht bekommen kann. Also nichts besonderes, nichts aufregendes und eine Zeitspanne, die bei weitem nicht ausreichen würde um dem Land irgendwie gefährlich zu werden. Aber gut, dass Stan-Visas nicht einfach sind, das ist weder eine neue Neuigkeit, noch etwas mit dem ich nicht irgendwie gerechnet hätte. Also hieß es heute morgen wieder sehr früh raus, an die U-Bahn-Station gehen, per U-Bahn im den Norden fahren (ich habe heute übrigens nochmal extra auf die Uhr geschaut: Netto Fahrzeit für die U-Bahn: 37 Minuten. Keine Ahnung, wie ich letztes mal auf sechzig kam…), einen Taxifahrer finden, ihm das Foto von der Anschrift in persisch unter die Nase halten, auf achzigtausend Geld einigen, an dem Konsulat in die Warteliste eintragen und… warten. Nichts, was ich inzwischen nicht schon beinahe im Schlaf hinkriegen würde. Ich frage mich so langsam auch, ob ich am Ende nicht mehr Zeit für dieses Visum brauche, als es mir am Ende an Aufenthalt in diesem Land erlauben wird. Ein Gedanke, den ich wohlweislich ganz schnell wieder verdränge.
So Wartelisten sind zwar irgendwie ganz praktisch, aber am Ende dann irgendwie doch auch wieder zu nichts gut. Ich war eine Stunde vor das Konsulat aufmacht da, und habe meinen Namen an Position fünf geschrieben. Nachdem das Konsulat schon eine halbe Stunde geöffnet hatte kam da so ein Vielpass-Agent daher, trägt sich an Position zehn ein und drängelt sich doch weit vor mir nach drinnen. Verstehe das wer will, die Aufregung an der Tür unter den wartenden Iranern war auch groß, aber effektiv passiert ist nichts, ausser dass ich deutlich länger warten musste.

heute ist das Wasser nicht mehr rot? Und da fehlt doch auch ein Teil! Was ist da los?

heute ist das Wasser nicht mehr rot? Und da fehlt doch auch ein Teil! Was ist da los?

Ja, am Ende habe ich mein Visum bekommen. War sogar irgendwie billiger als angekündigt („nur“ 60 Dollar statt 75 für die acht-Tage „Express“-Bearbeitung), aber dafür liess sich die liebe Konsulatsdame nicht davon ünerzeugen dass das original meines „Consulate Certificate“ aus der deutschen Botschaft, immerhin sowohl an die uzbekische als auch an die turkmenische Botschaft adressiert, gefälligst mir gehört und somit auch wieder mir ausgehändigt werden muss. Nachiel hin- und her, ausgiebigen Vorschlägen sie könne sich soviel Kopien machen wie auch immer sie mag, war alles was ich erreichen konnte dass ich eine Kopie bekomme. Recht haben und Recht bekommen… ein deutlicher Unterschied, und somit die Chance am gleichen Tag das Turkmenische Transitvisum zu bekommen quasi dahin.
Der anschließende Ausflug zur turkmenischen Botschaft war aber trotzdem nicht ganz unnütz, habe ich doch die neuesten Vorschriften zur Beantragung des Transit(!)-Visums dort erfahren. Ich brauche demnach: eben das fehlende Zertifikat der Botschaft, eine Farb(!)kopie meines Reisepasses, eine Farb(!)kopie des Uzbekistan-Visums, ein ausgefülltes Beantragungsformular, ein Passfoto und einenen hangeschriebenen, an den „Officer of the Embassy of Turkmenistan“ gerichteten Brief auf englisch, warum ich ein Visum will, was für eines, wo ich ein- und ausreisen werde und wo ich gedenke an welchem Datum zu sein. Habe ich schon erwähnt, dass Stan-Visas echt nicht einfach sind? Jedenfalls habe ich jetzt noch gut Hausaufgaben, die ich erstmal erledigen muss, um dann doch morgen nochmal vorbei zu kommen.
Farbkopien… das ist nicht so leicht. Schwarz/Weiss geht ja noch, aber mitsamt Sprachbarriere jemanden zu finden, der einen Farbkopierer besitzt? Wird spannend. Auch nochmal auf der deutschen Botschaft so ein Zertifikat kaufen klappt heute nicht mehr, weil schon zu spät (ich mag dränglnde Visumsagenten immer weniger, je länger ich hier bin). Muss ich also morgen früh irgendwie (im Stadtzentrum) noch schaffen, bevor es (ganz im Norden Teherans) zu spät ist den Antrag bei den Turkmenen abzugeben. Das mit dem Brief… okay, das werde ich schaffen wenn ich irgendwo eine einzelne Seite DIN-A4 Papier herbekomme, denke aber das ist mitunter noch das einfachste.
Es ist an der Zeit aufzubrechen, ich habe noch einiges zu tun heute…

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