Städtekoller

 

Teheran und den Pflichtteil weit hinter mir gelassen, ging es heute daran Schiras zu entdecken. Aber was soll ich sagen? Es ist immer noch Iran, es ist immer noch ein Bazaar, es sind immer noch Moscheen und immer noch Iraner um mich herum.
Dass sich gestern eine eigentlich sehr freundliche, des englischen überaus mächtige und nicht gerade unintelligent wirkende Busagenturmitarbeiterin erlaubt hat den Höhepunkt der schlimmen Gesprächsinhalte abzuliefern indem Sie sich förmlist mit einem „gute Reise, und heil Hitler“ von mir verabschiedet hat, darauf möchte ich eigentlich schon gar nicht mehr eingehen. Manchmal sind sie halt dann doch echt komisch, diese Iraner.

Demnach also eher zurück zu Schiras. Es bewahrheitet sich eindeutig das was mir schon viele prophezeit haben: Schiras scheint der Haupt-Touristenort im ganzen Iran zu sein. Die Englischquote unter den Transportdienstleistern ist schon das erste Anzeichen nach der Ankunft, die Hotelpreise sind das zweite und schlussendlich bestätigt sich die Theorie dann durch die Flut an pauschalisierten Ausflügen, die im Rundumsorglospaket an jeder Ecke gebucht werden können, meistens sogar in US-Dollar und nicht in lokaler Währung bepreist. Trotz allem, im Iran ist Tourismus ziemlich relativ. Ein Touristenhotspot bedeutet in der Praxis, ausser dass einem das Geld besonders schnell davon zu rennen scheint eigentlich nur dass man an einem ganzen Tag im der Stadt vielleicht fünf Nichtiranern begegnet. Dafür ist ordentlich Infrastruktur vorhanden, seien es die Anhäufung an Tourist-Police-Häuschen samt passenden Polizisten auf Fahrrädern, die durchweg englisch beschilderten „Sights“ durch die ganze Stadt, die Tourist-Imformation-Buden oder sie schiere Menge an Tourguides, die einen an allen möglichen und unmöglichen Stellen der Stadt belagern. Man hat förmlich das Gefühl so ziemlich alleine eine ziemlich groß angelegte Tourismusmaschinerie umtreiben (oder gar finanzieren?) zu müssen, was so direkt nicht gerade angenehm ist. Ich habe mir einfach damit beholfen (trotz der für die bedeutend anders gestalteten Preisstruktur) viele iranische Touristen zu sehen. Oder es mir zumindest versuchen einzureden, denn das hilft dem Wohlbefinden hier doch ungemein.
Zu einem ist Schiras aber mindestens genau so gut wie jede andere iranische Stadt (ausser Teheran irgendwie) eben auch: gemütlich ausschlafen, um im Anschluss zu erkennen dass heute irgendwie Donnerstag ist. Der „Samstag“ im Iran quasi, und bis man in diesem Außmas ausgeschlafen aus dem Bett gekrochen ist wirkt die Stadt schon so ziemlich ausgestorben.

Arg-e Karim Khan - von innen.

Arg-e Karim Khan – von innen.

Arg-e Karim Khan - im Hammam.

Arg-e Karim Khan – im Hammam.

Was bleibt einem da schon anderes über, als den Core-Touristenfreuden zu fröhnen und Sehenswürdigkeiten abzuklappern, in der Hoffnung irgendwo auf dem Weg dazwischen dann vielleicht doch noch was interessantes zu entdecken? Eben, eigentlich nichts, und so hat es mich dann auch erstmal Richtung „Arg-e Karim Khan“ verschlagen. Eine Festung, mitten in der Stadt, ein viereckiges Konstrukt mit vier Türmen, einem Garten in der Mitte und dem altbekannten Zweiklasseineintrittspreissystem. Ganz nett, wenn auch nach anderen Gärten, Häusern und Hamams im Iran nicht umwerfend, kann man das durchaus als nahe gelegene Alternative ins Auge fassen. Neu hier im Gegensatz zu anderen Orten die ich bisher hier gesehen habe ist allerdings eine „Handicraft Section“, in der Iraner für (ganz bestimmt hauptsächlich iranische, aber auch ein paar andere) Touristen Mosaike auf Holztabletts zaubern, Krimskram bemalen oder Siegelstempel schnitzen und sich dabei fotografieren lassen. Klar, das meiste kann man natürlich auch zu nicht gerade kleinem Preis käuflich erwerben. Und genau dort, in einer eher unscheinbaren Ecke, hängen auch ein paar Gemälde an einem verlassenen wirkenden Stand, ein paar Texte und Auszeichnungen von und über den Künstler liegen gerahmt auf dem Tisch und dahinter findet sich ein einzelner, verlassener und leerer Stuhl. Das meiste was hier hing war deutlich kitschig und nicht so sonderlich interessant, aber ganz in der oberen Reihe ziemlich links, da hing das wohl hübscheste Gemälde das ich im ganzen Iran so weit gesehen habe. Ja, auch das ist irgendwie kitschig, aber auf eine doch ganz angenehme Weise, sogar obwohl so ziemlich komplett aus und in Gold gemalt. Und so ganz plötzlich sah ich dieses Bild, wie es in meinem Wohnzimmer hängt und musste feststellen: es sieht verdammt gut dort aus, beinahe wie dafür gemalt. Aber: es war keiner zu finden, der mir hätte irgendwas dazu sagen können. Ich wurde mangels gemeinsamer Sprache schlichtweg von allen anderen „Handwerkern“ wieder weg geschickt. Nachdem freundliches nachfragen am Infostand und beim Ticketpersonal auch komplett an der Sprache gescheitert ist (nein, ich mag nicht in den abgeschlossenen Abstellraum, Danke für das Angebot, und ich möchte auch nicht den Wandteppich aus der Ausstellung kaufen weil ist mir klar dass das nicht geht. Nein, auch einen Tourguide mag ich keinen mieten… da hinten links, da wo der Handwerkskrimskrams herumsteht, da… Nein, nicht bei den Toiletten. Ach, ich geb auf. Danke soweit und auf wiedersehen…), habe ich mich erstmal geschlagen geben müssen.Schade irgendwie.

Majed-e Nasir-al-Molk von aussen ...

Majed-e Nasir-al-Molk
von aussen …

Nunja, was hat Schiras sonst noch zu bieten? ganz viele geschlossene Läden, leere Parks (wo sind die Iraner denn am Donnerstag eigentlich alle?), verlassene Straßen, überteuerte Museen und Moscheen natürlich. So ein klein wenig mag ich diese Stadt in dem Moment nicht mehr. Vielleicht, so ganz eventuell, wird es auch mal Zeit nach einem Monat in allerhand Städten irgendwie das leere, weite Land zu suchen. Eigentlich ja kein Wunder, dass ich derart übersättigt an Städten bin. Wobei, es gibt da eines was ich mir irgendwie dann dch nicht ganz entgehen lassen will, obwohl oder gerade weil es zu jedem Iran-Besuch als Pflichprogramm dazu zu gehören scheint: ein Ausflug nach Persepolis. Alte Perserruinen anschauen. Heute aber nicht mehr, weil zu weit ausserhalb. Morgen vielleicht. Bis dahin, dann eben doch nochmal eine Moschee besuchen, vielleicht verstecken sich da ja ein paar Iraner. Nein, nicht eine der ganz großen bitte, die kleine „Majed-e Nasir-al-Molk“ ums Eck tuts auch, um festzustellen dass auch die so ziemlich verlassen ist. Also auch nicht die Erklärung für den Verbleib all der Iraner.

... und Majed-e Nasir-al-Molk von innen.

… und Majed-e Nasir-al-Molk
von innen.

Ich muss zugeben das gar güldene Gemälde hat mir den Tag über einfach keine Ruhe mehr gelassen, aber auch ein zweiter Anlauf am späteren Nachmittag bei dem ich die Ticketleute mitsamt der „englisch sprechenden“ Infodame tatsächlich überreden konnte mich doch nochmal kurz ohne ein neues Ticket (richtiger an der Stelle: acht Iranertickets) kaufen zu müssen rein zu lassen war kaum erfolgreier als der vorherge Anlauf: ich habe es zwar irgendwie geschafft eine spannende Dolmetscherkostellation auf die Beine zu stellen: ich spreche mit einem russischen Tourist englisch, der dann russisch für seinem Tourguide übersetzt, der dann wiederum persisch mit einem der „Handwerker“ spricht, und das ganze dann wieder zurück, aber das Ergebniss: der Herr sei beim Mittagessen. Als ich dann nachfragen lasse wann er denn noch beim Mittagessen sei (immerhin war schon später Nachmittag), muss der Russe doch selber lachen als er die Antwort von seinem Tourguide ins englische übersetzt: mehrere Tage.
Ich weiss nicht warum, aber es hat mich wirklich ein wenig geärgert. Da hängt ein Bild, das ich haben und bezahlen will, vermutlichst ist es auch zu verkaufen, aber keiner ist da um das Geschäft abzuschliessen. Nunja, das schönste Gemälde des Irans wird also wohl nicht den Weg in meine Wohnung finden. Schon ziemlich blöd, wenn man sich kurzerhand völlig in sowas vernarrt hat.

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