it’s all about the money…

 

Der Wecker hat heute ziemlich früh und ziemlich pünktlich geklingelt, daran lag es also nicht. Der Plan stand eigentlich auch so irgendwie, aber enau in dem Moment in dem ich die Augen aufgemacht habe war ich mir völlig sicher, dass heute der absolut falsche Tag ist um einen Persepolis-Ausflug zu starten. Nicht heute an einem Freitag, dem Sonntag der Iraner, an dem alle auf Wochenendausflug sind, und gleich zweimal nicht heute per öffentlichem-Verkehrsmittel-Experiment mit ungewissem Ausgang und unvorhersehbarer Nervenbelastung. Der Wecker ruhig stellen und weiterschlafen ist sicherlich die bei weitem sinnvollere Alternative gewesen.

Aber was tun mit so einem freien Sonntag? Klar, aller guten Dinge sind drei. Deswegen auf zu „Arg-e Karim Khan“, einen dritten und letzten Versuch in Sachen schicker Wandeckoration für das heimische Wohnzimmer starten. Kann ja wohl nicht sein, dass das nicht irgendwie zu organisieren ist.
Am Eingang zu der Festung, kurz vor dem Ticketschalter bleibe ich taktisch erstmal stehen und wühle gar möglichst verwirrt in „dem Buch“ herum, um die richtigen Leute anzulocken. Nachdem die Strasse weit genug weg und so mit keiner Taxifahrer-Belästigung zu rechnen ist, funktioniert diese Taktik auch wie geplant: „Hallo, ich bin Ali und ich bin Reiseführer…“ Sehr schön, der Mann ist Iraner und spricht englisch, das spart schonmal den russischen Dolmetscher in der Mitte. „Möchten sie vielleicht, dass ich Sie durch die Festung oder andere Sehenswürdigkeiten der Stadt führe?“ Nein, nicht so ganz. Aber ich hätte da trotzdem einen, wenn auch leicht speziellen Auftrag… Das Bild hier auf dem Foto, das hängt da drin und ich würde es gerne kaufen. Der Verkäufer ist allerdings nicht da, aber vielleicht gibts es ja einen anderen Weg? „Ja, ein klassisches Motiv, das ist wasweissichwer, der hat willicheigentlichgarnichtwissen und …“ Ja, okay, danke, aber… wie komme ich an das Bild? „Wenn Sie wollen, können wir morgen gemeinsam auf dem Bazaar nach einem ähnlichen Bild suchen. Heute ist leider Freitag und der Bazaar geschlossen.“ Neja, ganz nett soweit, aber ich will nicht so ähnlich, ich will das da. Und ich will gerade keine hundertfünfzigtausend Geld Eintritt bezahlen, um festzustellen dass der Herr (immernoch nicht vom Mittagessen zurück…) wieder nicht da ist. „Okay, warten Sie bitte kurz…“.
Ja, ich durfte dann wieder ohne Ticket rein. Und ja, heute war deutlich mehr los in der „Handicraft Section“, in die mich mein zum Gemäldeeinkäufer erkorene Tourguide nun begleitet. Er hat dann auch wirklich seinen Job verstanden, auch wenn ich durch diese Aktion natürlich für vernünftige Preisverhandlungen jeglichen pseude-Desinteresse-Joker verspielt habe. Aber nach einer kurzen Runde durch den Raum hat sich tatsächlich jemand finden lassen, der mit einer Telefonnummer des Malers ausgestattet und wohl befähigt mit Rücksprache einen Deal um das Gemälde zu schliessen.

Kitsch? Kitsch! aber jetzt mein Kitsch!

Kitsch? Kitsch!
aber jetzt mein Kitsch!

Was dann passiert, ist eigentlich ganz logisch: der Preis richtet sich nach der höhe des „Verlangens“ vom Kunden, und so stehen nun plötzlich vier Millionen im Raum. Vier Millionen. Ich kann doch kein Bild für vier Millionen kaufen, das hört sich ja an als ob ich einen Picasso ersteigern wollen würde, und selbst wenn man diese unglaubliche Zahl in Euros umrechnet hat sie immernoch drei Stellen, wenn auch nur ganz knapp. Puh, ist es das wert? Meine Vernunft sagt nein, der Rest beginnt zu argumentieren. Der Maler ist kein Pfuscher, das steht fest wenn man allein seine Bilder anschaut. Alle Bilder sind glaubhaft nummeriert und die Zahlen nicht hoch, es wird also keine zweihundert Kopien geben können. Es gibt einen Namen und einen Lebenslauf zu dem Typ, der sich sehen lassen kann. Das Bild ist per Siegel signiert und eindeutig gekennzeichnet… So langsam wecke ich Aufmerksamkeit bei den „Handwerkern“, es scheint eher selten vorzukommen dass eines der Gemälde den Besitzer wechselt. Spätestens jetzt fühle ich mich schon ein wenig so als würde ich einen Picasso ersteigern wollen. Also gut, drei Millionen auch okay? Nein? Hm, aber dreieinhalb? Okay, das ist Eurotechnisch nur zweistellig. Deal!
Das Gefühl ist immernoch komisch, aber es hat tatsächlich geklappt und ich kann die Festung mit dem Gemälde unterm Arm verlassen. Es war nun ein wenig (viel) Geld nötig, die richtigen Leute am richtigen Tag zu engagieren und es hat geklappt, denn am Ende ist es doch irgendwie immer das gleiche: it’s all about the money.

am Freitag (der Sonntag eben) laeuft hier nix.

am Freitag (der Sonntag eben) laeuft hier nix.

Der Nachteil der Geschichte, ausser dass ich noch nicht so sicher bin, wie ich nun die Transportlogistische Aufgabe die nächsten Wochen hinbekommen werde? Es ist Sonntag Nachmittag in dem Land, in dem ich nicht einfach Geld am Automaten holen kann und ich habe nun so ziemlich gar nichts mehr davon in der Tasche. Es reicht vielleicht noch für ne Flasche Wasser und ne Kleinigkeit zu essen, aber für das Hotel bei weitem nicht mehr. Also gut, was tut man nicht so alles für Herzenswünsche und wechselt kurzerhand und illegaler Weise bei einem der an einer Kreuzung stehenden und mit Geldbündel wedelnden Typen ein paar Dollar gegen neue Millionen ein. Immerhin habe ich heute beschlossen mich für den kommenden Tag zu einer dieser Fähnchenverfolger-Touren mit rundum-Sorgloaspaket nach Persepolis anzumelden und somit die Bus-Taxi-Preisverhandlungs-und-Sprachprobleme zu vermeiden. Ich muss es ja keinem verraten.

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