round and round…

 

Mal wieder Teheran, mal wieder „Bürokratieausflug“. Eine Art Pflichtprogramm, auch wenn ich so langsam anfange die Ausflüge nach Teheran zu genießen. Es mag in der Tat komisch klingen, hat doch dieses Teheran irgendwie ausser Smog und Lärm ziemlich wenig zu bieten. Also woran liegt es dann?
Ich kam gestern an und habe mich quasi mit so ziemlich gar nichts beschäftigt. Habe den direkten Weg per Metro ins altbekannte Hotel genommen, bin freudig begrüßt worden, habe bis ins Detail erzählt bekommen dass sich das alte Modem vor ein paar Tagen in Rauch aufgelöst hat, das neue nun so ziemlich das schnellste Internet in ganz Teheran haben soll, aber die Reichweite durchs Hotel doch schwer zu wünschen lässt. Aber: obwohl ich bis dato nie nach WLAN gefragt habe, bekomme ich extra ein Zimmer mit gutem Empfang direkt über der Rezeption und zur Feier des neuen Modems den WLAN-Zugang zum Sonderpreis. Meinen ganzen Berg an dreckiger Wäsche kann ich hier auch zu einem angemessenen Preis waschen lassen, und nachdem man mich fragt was die Wäsche so in anderen Ländern kostet wird der Preis sogar (zwar unter Protest der Wäschefrau, aber als sie die Differenz als Trinkgeld zugesteckt bekommt ist die auch mehr als glücklich) nochmals nach unten korrigiert. Danach den bekannten Weg in die bekannte Wechselstube, auf dem Weg noch eine Kleinigkeit essen, ein kleiner Plausch mit einem Neuseeländer in der Lobby (der hat doch tatsächlich eine Woche Urlaub genommen, extra nur um von London nach Teheran zu fliegen, per Zug nach Istanbul zu fahren und dann zurück nach London zu fliegen. Ein Irrer, aber ein symphatischer und mir durchaus verständlicher Irrer) auf dem Rückweg und mein Tag war damit eigentlich erstmal beendet.

so ganz theoretisch wuessten die Iraner ja wie es geht.

so ganz theoretisch wuessten die Iraner ja wie es geht.

Ja, ich mag das Hotel, ich mag den Typ vom Hotel, mag die Flexibilität die mir die Metro hier bietet und ich habe sogar (als Sensation für alle anwesenden Iraner) gelernt die Stadtbusse zu nutzen. Sich ein wenig auszukennen schafft fern von daheim dann doch ganz schnell ein gewisses Wohlbefinden, sei die eigentliche Stadt noch so laut und hektisch. Ein wenig erinnert es mich an Bangkok, auch so eine Stadt in die ich immer gerne gehe. Gut, ganz so weit ist es mit Teheran noch nicht, aber die Situation ist ähnlich.
Vielleicht ist ein Teil der Begründung in der Tatsache zu finden, dass es (in beiden Städten) sicherlich noch ziemlich viel zu entdecken gibt. In Teheran habe ich mich ich Sachen Sightseeing und Stadterkundung wirklich noch nicht allzu weit aus dem Fenster gelenht, und sollte es mir also irgendwie doch nach ein wenig Beschäftigungstherapie sein, so kann ich irgendwo noch irgendeine Moschee besichtigen oder das Khomeini-Mausoleum besuchen oder irgendwie sowas. Auf der anderen Seite bin ich auch nicht böse es zu verpassen, ist es doch auch nicht das was mein ganz persönliches Bild der Stadt ausmacht. Ja, im Grunde ist es vermutlich die Mischung aus der bekannten Umgebung in der man ohne große Anstrengung die Grundbedürfnisse nach schlafen, essen und waschen stillen kann, genug Unbekanntem das als potentielle Beschäftigung dienen könnte und der Erkenntnis dass das bislang unbekannte zu verpassen im Grunde auch kein Beinbruch darstellt. Und ja, inzwischen muss ich ganz deutlich gestehen: irgendwie mag ich Teheran.

die schwarzen Fahnen und Faehnchen im Iran sind irgendwie noch immer gruselig.

die schwarzen Fahnen und Faehnchen im Iran sind irgendwie noch immer gruselig.

Auch wenn ich heute morgen mal wieder extra früh aufstehen musste (Metro fahren, Botschaft gehen… man kennt es ja) um das Visum für Turkmenistan abzuholen, es war überraschend entspannt. Okay, ich musste nochmal ein Formular ausfüllen, nochmal ein Foto aufkleben und noch ne Runde warten, aber es gab bis auf neues Formular und noch ein Foto keinerlei Überraschungen. Ganz im Gegenteil, es gab freundliche Begrüßungen und bekannte Gesichter an der Botschaft… so langsam kennen mich glaub alle Visum-Agenten hier im Eck, aber sei es drum. Heute ist vermutlich der letzte halbwegs entspannte Tag vor eine ziemlich stressigen Zeit. Am Abend verlasse ich erstmal für diese Reise wohl endgültig Teheran und begebe mich innerhalb von maximal sieben Tagen ab heute quer durch Turkmenistan und Usbekistan, also drei wohl eher schwierige Grenzen in Richtung Tadschikistan, bevor ich wieder Zeit habe ein paar Tage irgendwo auszuruhen.
Ich bin ziemlich aufgeret und freue mich auch schon darauf, aber auf der anderen Seite frage ich mich die letzten Tage manchmal schon, ob ich nicht einfach einen Flug nach Bangkok oder so buchen sollte. Nicht nur, dass ich meinen Urlaub mit Bürokratiekram und Behördengängen verbringe, jetzt beinhaltet es auch noch schwierige Grenzen, unabschätzbare Zöllner und wenn es dumm läuft viel zu korrupte Grenzer. Ich sollte bei Gelegenheit mal die Definition von „Urlaub“ im Duden nachschlagen und mir überlegen, ob ich da vielleicht doch irgendwas falsch mache.
Ja, ich gebe es ja zu: ich bin nervös, aber ich wollte es ja auch genau so haben. Läuft also alles nach Plan =).

Habe ich eigentlich schon mal von den iranischen Bodyguards erzählt? So langsam verliere ich zugegebenermaßen ein wenig den Überblick. Aber seis drum, zur Not hält doppelt auch besser.
Diese „Bodyguards“ trifft man meistens an einem theoretisch hektischen Ort, aber dabei in der Regel immer in einem ruhigeren Eck am Rand. Ein Kiosk an einem Busbahnhof ist da so ein Paradebeispiel. Einen Tee in der Hand sitzt man dort meistens nicht länger als der Tee zum ziehen braucht, bis man Gesellschaft bekommt. Auch wenn die Sprache nun nicht zu viel reicht, es wird gemeinsam Tee getrunken, es werden Süßigkeiten ausgetauscht (meistens bekomme ich Spezialitäten aus irgendwelchen anderen Ecken des Iran und kann mich im Gegenzug nur mit ordinären Bonbons bedanken), meistens werde ich sogar zum Essen eingeladen, und sei es nur am naheliegenden Imbiss, was ich dann aber in der Regel dann doch ausschlage. Selber zahlen ist ein Ding der Unmöglichkeit, genauso wie das „umdrehen“ der Einladung, und so fühlt sich mein Gewissen mit dem relativ prallen Geldbeutel wohler, wenn ich auf das Essen verzichte. Wenn das Gespräch sprachbedingt ins Stocken gerät, wird es immer als große Ehre empfunden gemeinsam Fotos auf meiner DigiCam anschauen zu dürfen. Inzwischen findet sich in dieser Sammlung einiges an bekannten Orten und Gebäuden, zu denen ich auf diesem Weg manchmal dann sogar noch was neues erfahre und so ganz nebenbei ziemlich elegant die Sprachbarriere ein Stück umgangen habe. Viel kann man doch auch mit Bildern erklären, und sie regen zu ergänzenden Pantomimen an. Wenn dann die Zeit gekommen ist den Bus aufzusuchen, so erinnert mich meist einer dieser „Bodyguards“ ganz pflichtbewusst daran. In jedem Fall wird er jetzt fünf mal um den Teeplatz herum kontrollieren, dass ich ja nichts vergessen oder verloren habe, bevor er nun mit mir den Weg in Richtung Busse geht, um den richtigen Bus zu finden. Er fragt sich von Busfahrer zu Busbegleiter durch, solange bis der richtige Bus identifiziert und der für das Gepäck zuständige Busbegleiter ausfindig gemacht wurde. Er wird auch so lange warten, bis das Gepäck ordnungsgemäß markiert ist und ich die Gepäckmarke in der Hand halte, bevor er sich mit vielen guten Wünschen und ich mich mit überordentlichem Dank verabschiede. Bevor er nun aber wirklich geht, stellt er noch sicher dass der Busfahrer mich gesehen hat und weiß dass ich bei Pinkelpausen mit dazu gehöre, meinen zugewiesenen Sitzplatz gefunden und mich gesetzt habe. Erst dann sieht er seine Pficht als erfüllt und kümmert sich ggf. um seinen eigenen Bus. Manchmal würde es auch ohne diese wirklich außerordentlich nette Unterstützung gut funktionieren, aber im Ganzen ist es definitiv angenehm, so ausgiebig umsorgt zu werden.

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