die Taschen voll Geld…

 

Ein eigenartiges Land ist das hier irgendwie. Symphatisch, keine Frage, und doch irgendwie ein wenig speziell. Es fängt alles schon mit dem Geld an: Usbekische Som haben einen (Schwarzmarkt-) Wechselkurs von grob 2750 Som auf einen Dollar, der größte Geldschein ist aber nur 1000 Som wert. Im allgemeinen sind mir hieeer bisher nur exakt drei verschiedene Geldscheine begegnet: tausend, fünfhundert und zweihundert Som, wobei ich letzteren gerade mal in einem höchst korrekten Supermarkt als Wechselgeld bekommen habe. Es ist jetzt nicht so, dass alles dementsprechend billig wäre, man braucht vielmehr für alles immer einen ganzen Stapel an Scheinen. Eine Busfahrt von Bukhara nach Samarqand? Fünfundzwanzig große Scheine pro Person ergibt hier zwei Leute die durch den Bus gehen und das Geld einsammeln: einer der die Geldscheinbündel zählt, und einer der mit der Stoffeinkaufstasche hinterher läuft und das Geld trägt. Wenigstens hat so keiner Probleme mit Wechselgeld.
Samarqand macht im Gegensatz zum doch sehr verschlossenen Turkmenistan so ganz plötzlich einen doch ganz touristischen Eindruck: ich kann wieder auf englisch mit einigen Leuten kommunizieren, es gibt eine ganze Reihe an Hotels und B&Bs und ich werde nicht mehr ganz so entgeistert angestarrt. Ein angenehmer Kontrast zu den letzten drei Tagen, auch wenn ich gerade so ziemlich der einzige Tourist in der Stadt zu sein scheine. Ich habe gestern, es wurde gerade schon dunkel als mich der Bus am Rande der Stadt abgeladen hat, beschlossen dass ich genug in Taxen und Bussen den Tag über gesessen bin und habe die paar Kilometer in die Stadt zu Fuß zurückgelegt. Eine Bleibe für die Nacht zu finden war grundsätzlich erstmal nicht schwierig, allerdings waren es die Nebensaisons-Kleinigkeiten, die die Sache dann doch ein wenig kompliziert gemacht haben. Aber erst zum positiven Teil: ich habe das ganze Hotel für mich. Weit und breit leere Zimmer. Tourismus-Saison ist hier eindeutig im Sommer, und so war es erst mal nicht möglich etwas zu finden, was eine Heizung und warmes Wasser bieten würde. Ich habe mich dann für ein gemütliches Guesthouse entschieden, in dem der Typ der mich empfangen hat zwar auch die übliche Ansage „sorry, no hot water“ getätigt hat, mir aber ein hoch luxuriöses Zimmer mit bequemem Doppelbett, Sesseln, Kühlschrank (welch Ironie in diesem Moment), Bad mit Dusche und Badewanne (auch nicht so viel wert), separatem Klo und Balkon für weniger als die Hälfte des Reiseführer-Preises von vor drei Jahren angeboten hat. Er hat noch oben drauf gepackt: eine Zusatz-Kuscheldecke, eine kleine Elektroheizung, jeden Morgen einen Eimer mit heißem Wasser und abends eine Kanne heißen Tee als Entschädigung. So ziemlich das beste Angebot, und trotz allem ziemlich gemütlich.
Dass es hier im Winter kalt wird, das war mir bewusst. Dass allerdings die Tourismusindustrie so derart auf „Sommer“ eingerichtet ist, dass sie auf Heizungen verzichten und zur Warmwasserbereitung auf Solar-Boiler auf dem Dach setzen können war mir doch irgendwie neu. Aber gut, ich mag mal nicht meckern denn ich habe hier den inzwischen unfassbaren Luxus eines ganz normalen Internets. Keine (merkliche) Zensur, keine Sperren, und das in einer brauchbaren Geschwindigkeit. Da kann man dann auch mal morgens die Dusche per Eimer hinnehmen =).

Samarqands Registan

Samarqands Registan

"geheimes" Minarett-klettern...

„geheimes“ Minarett-klettern…

Samarqand als Stadt hat mich heute zugegebenermaßen nicht allzu sehr interessiert. Ich habe meinem Stand als Tourist alle Ehre erwiesen und Sehenswürdigkeiten besucht, wie es sich eben gehört. Ich habe auch spannende Dinge gelernt, die mir selbst noch gar nicht so ganz bewusst waren: Es hat doch tatsächlich bis hier her gedauert, bis ich erkenne dass meine ganze Reise (abgesehen von dem Abstecher nach Kasch und dem ein- oder anderen Ausflug im Iran) so ziemlich der Seidenstraße folgt. Auch meine Idee der Weiterreise ist mal gar nicht so weit von der uralten Route von Istanbul nach China entfernt, wenn es denn auch so klappen mag wie ich mir das heute vorstelle.

... mit "geheimer" Minarett-Aussicht

… mit „geheimer“ Minarett-Aussicht

Seidenstraße… es gibt Leute, die haben das als Urlaubstraum, und ich stolper quasi unwissend und per Zufall diese Strecke entlang ohne mir dessen überhaupt bewusst zu sein. Eigentlich sollte ich mich ein wenig schämen.Wie auch immer, bei relativ schönem Sonnenschein war heute eindeutig Foto-Tag.

in Sachen Prunk kann alles was ich im Iran gesehen habe gegen den Registan schlichtweg einpacken.

in Sachen Prunk kann alles was ich im Iran gesehen habe gegen den Registan schlichtweg einpacken.

eine verdammt gute Taeuschung: das ist gar keine Kuppel, auch wenns so aussieht.

eine verdammt gute Taeuschung: das ist gar keine Kuppel, auch wenns so aussieht.

Natürlich stand ganz oben auf der Liste der Registan, quasi das alte Handelszentrum der Stadt, Aushängeschild, Moschee, Prunkbau. Irgendwie so, oder irgendwo dazwischen. Das feudale Zentrum der alten Seidenstraßenstadt eben und wohl mitunter eines der ältesten Bauten dieser Art in Zentralasien, der Rest wurde entweder von Dschingis Khan oder Alexander dem Großen platt gemacht. Dschingis und der Alex, die Geschichten um die beiden verfolgen mich schon seit dem Iran quasi täglich. Ich glaube es gibt nicht ein Ort die letzten Wochen, an dem nicht mindestens einer der beiden für Verwüstung, Zerstörung und schreckliche Massaker gesorgt haben soll. Wie auch immer es genau gewesen sein mag, schade für die heutige Torismusindustrie, umso besser für das heutige Samarqand dass es weitestgehend verschont blieb und weil ich ein alter Egoist bin: schön für mich, dass ich mich heute daran erfreuen kann. Und weil die Staatsmacht Usbekistans nun mal ein wenig seine eigenen (wohl meist durch Geld motivierten) Interessen folgt, ist auch ein „geheimer“ Aufstieg auf eines der Minarette gegen ein kleines Trinkgeld an die Aufpasser kein Thema. Ach, so ganz nebenbei… in Sachen persischem Prunk tut sich der Iran heute meiner Meinung nach echt schwer mit Schiras und Isfahan hier irgendwie das Wasser reichen zu können. Gut, dass die Iran-Erfahrung bei weitem nicht nur aus Kitsch, Kuppeln und Moscheen besteht.

 

eine ganz banale Registan-Tuer

eine ganz banale Registan-Tuer

 

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Quasi in der Nachbarschaft ist auch die Bibi-Khanym Moschee durchaus beeindruckend. Ja, ich lobe eine Sehenswürdigkeits-Moschee, und das will schon was heißen. Gut, es gibt nicht wirklich viel „zu sehen“. Drei Kuppeln, einen Innenhof und ein wenig unrestauriertes Interieur, aber schon die schiere Größe (wohl damals die größte Moschee der islamischen Welt) durchaus beeindruckend. Und ja, auf den Fotos sind teilweise Menschen mit drauf, wenn auch recht unscheinbar klein… nur so der Proportionen wegen.

 

Bibi-Khanym

Bibi-Khanym

Bibi-Khanym

Bibi-Khanym

 

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Nicht wirklich auf offiziellen „Sightseeing-Listen“ aufgeführt, aber für mich irgendwie trotzdem eines der Highlights von Samarqand ist der unfassbar riesige Friedhofshügel.

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Ich glaube in Sachen Sightseeing ohne wirklich relevante oder spannende Geschichten den Tag über und Fotos sammeln war ich heute durchaus erfolgreich. Beinahe hätte ich vergessen, dass ich hier in den für mich bislang recht unkommunikativen und manchmal leicht schwierigen Stans unterwegs bin. Nennen wir es einfach einen Tag Pause, bevor morgen schon wieder ein Grenzausflug ansteht.

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