nunja, ich habe mich schon willkommener gefühlt…

 

Zwei Tage mehr. Das war mein Entschluss in Sachen Zwischenpause. Ja, Duschanbe ist sicherlich bei all den (geringen) Alternativen hier sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung. Immerhin sind manche Sachen hier relativ einfach, wie ich letztes mal schon festgestellt habe, und solange man nicht die Idee hat sich zu bewegen, was stören da schon die transportbezogenen Nachteile?

Wetter gestern: Bäh.

Wetter gestern:
Bäh.

Wetter heute: nochmehr Bäh.

Wetter heute:
nochmehr Bäh.

Gut, der Schneeregen gestern war schon irgendwie unschön. Der Schnee heute noch viel mehr. Die glatten Straßen machen auch den Weg zum Supermarkt nicht einfacher, aber was solls? Ich denke ab hier wird es tendentiell sowieso nur kälter als wärmer.

Was also tun mit solchen Tagen? Spazieren gehen zum Beispiel, oder neue Freunde besuchen. Noch besser: Die Sache kombinieren. Und so kam ich zu neuen Erkenntnissen zu der lokalen Ehrlichkeit. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich das denn alles wissen wollen habe, aber so ein ganzer Nachmittag in einem warmen Bauleiterbüro bringt dann doch neue Erkenntnisse mit sich.

Winter Wonderland, zumindest irgendwie in Duschanbe.

Winter Wonderland, zumindest irgendwie in Duschanbe.

Dass mein (zweiter) Fahrer, der der mich nach Duschanbe gebracht hat, sich während der Fahrt gegenüber dem Beifahrer noch fürchterlich verständnislos, ja gar aufgebracht darüber geäußert hat wie man es nur schaffen kann, eigene Landsleute und Touristen derart übers Ohr hauen zu können. Es sei quasi unverzeihlich, derart unehrlich seine Geschäfte zu betreiben.
Keine fünfzehn Minuten später äussert er wohl gegenüber meinem Beifahrer, dass ich für die Fahrt zwanzig Somoni bezahlen müsse. Ja, jeder hat gesehen und gehört dass der erste, ach so unverzeihlich unehrliche Fahrer diese fünf Dollar für meine Beförderung längst beglichen hat. Kümmert jetzt aber eben so wie die „ich würde so etwas nie tun“-Ansprachen meinen neuen Fahrer nicht mehr. Und weil der nette Beifahrer in dem Moment nicht wollte, dass ich frisch im Land angekommen gleich derart mit diesem Elend überschüttet werde, hat er des Friedens willen aus eigener Tasche nochmal für mich bezahlt. Und ich hatte mich in dem Moment noch gewundert warum da beim aussteigen so lange verhandelt und doppelt bezahlt wird.
20131229-004718.jpgTadschiken sind Schlitzohren, das wird immer deutlicher. Egal aus welchem Grund, Ausreden und Notlügen scheinen hier an der Tagesordnung zu sein. Mein Hotel beispielsweise, das irgendwie so komisch leer und verlassen wirkt, mich aber unter der komischen Auflage wegen den Feiertagen morgen um spätestens sechs Uhr auszuchecken dann doch liebend gerne beherbergt… Im ersten Zimmer war die Toilettenspülung defekt. Auf nachfragen höre ich der Hausmeister sei „im Urlaub“, und ich bekomme ein anderes Zimmer. Halb so wild. Am nächsten Tag erklärt mir jemand, als ich gerade den Eingang betrete, das Hotel sei geschlossen und ich solle wieder gehen (ehm, nein… ich wohne gerade hier). Die Heizung geht nicht. Seit gestern rennen Horden von Handwerkern durchs Haus, aber das kaputte Licht scheint keiner reparieren zu wollen. Alles in allem komisch, und erst heute abend gesteht mir jemand die Wahrheit: eigentlich ist das Hotel geslossen, weil es verkauft wurde. Morgen früh kommen die neuen Besitzer und die ganze Besatzung zieht ab und soll das Hotel übergeben. Deswegen muss ich so früh raus. Deswegen gibt es keinen Hausmeister mehr. Deswegen rennen Handwerker mit Farbeimern, aber ohne Glühbirnen durchs Haus. Und deswegen hat sich hier niemals jemand für meinen Reisepass interessiert oder folglich registriert, ich wohn ja sowieso nur illegal hier. Deswegen ist es auch relativ günstig hier, und nicht etwa wegen der „Nebensaison“.
Ja, so manchmal dauert es einen Moment, bis hier die Wahrheit ans Tageslicht kommt und die Sache Sinn ergibt. Wer weiss, wie oft das nicht passiert.

20131229-004626.jpgNunja, andere Kultur, andere Sitten. Schieben wir es einfach mal darauf. Duschanbe will ich morgen sowieso erstmal verlassen, obwohl ich mir noch nicht so sicher bin wie ich das anstellen mag… Ich habe inzwischen herausgefunden, dass Duschanbe tatsächlich über eine Busstation verfügt. Nach eines längeren Spaziergangs heute konnte ich mit Hilfe von zwei Jungs, 17 und 19, beide Schüler die „mt mir reden wollen um englisch zu üben“ und mich deswegen beschlossen zu haben wie Kaugummi an Schuhsolen an mir zu kleben ob ich mag oder nicht, auch dort hin finden. Die Erkentniss war aber nicht gerade erbauend: Busse fahren hier frühestens wieder ab Ende Januar. Ob jemals schon Busse von hier gefahren sind und ob Ende Januar realistisch ist… all das mag man glauben oder (wie ich) auch eher nicht, effektiv bedeutet dies aber: ich habe noch keine Idee, wie ich aus dieser Stadt hier jemals herauskommen werde.

passt nicht ganz zum Thema, aber irgendwie erinnern mich Tadschikinnen voll an Zigeunerfrauen-Klischees! (das ist übrigens nur ein Bild aus dem Hotel, abfotografiert)

passt nicht ganz zum Thema, aber irgendwie erinnern mich Tadschikinnen voll an Zigeunerfrauen-Klischees! (das ist übrigens nur ein Bild aus dem Hotel, abfotografiert)

Achja, das mit der Sprache wird (mit Ausnahme der angenehmen Begegnung an der Grenze und der leicht aufdringlichen heute auf dem Weg zur Busstation) irgendwie immer noch schwieriger. Selbst die doch recht präsente und neugierige Polizei hier gibt gerne und schnell bei mir auf: Ich bin schon etliche male hier von der lokalen „Militsia“ angehalten worden. Die sind hier zwar nicht ganz so ekelhaft an jeder Ecke irgendwo in einem dunklen Eck versteckt wie in Aschgabat, aber dennoch gibt es einige. Und ich vermute mal wegen meines inzwischen verdächtig wirkenden Bartes und der allgemeinen Skepsis hier gegenüber gelebtem Islam hier (obwohl 80% der Bevölkerung hier muslimischen Glaubens sind, zumindest auf dem Papier) werde ich dann doch recht gerne angehalten, so pro Tag rund drei mal. Und während ich beim ersten mal noch deutlich kooperativ war und obwohl ich kein Wort so wirklich verstanden habe die Frage nach „Dokumenta“ richtigerweise als die Frage nach meinem Reisepass interprätiert habe und den dann auch brav vorgezeigt habe, hat sich das beim zweiten mal dann schon geändert. Ich wollte nicht mehr raten, ausserdem war der zweite Polizist im Gegensatz zur ersten Kontrolle alleine, und so habe ich moch erst mal auf dumm gestellt. Polizisten die alleine sind, sind mir immer erst mal suspekt. Und auch hier kam mehrfach das Wort „Dokumanta“ oder so, aber ich dachte er muss schon mindestens das im russischen gültige „Passport“ liefern, bevor er irgendwas sehen darf. Und siehe da: das Wort kam nicht. Der liebe Polizist war zwar sichtlich genervt, fragt dann aber kurz und knapp: „Tourist?“, was ich auch mit „Da, Tourist“ beantwortet habe. Damit war die Kontrolle dann plötzlich beendet.
Nein, seither habe ich kein einziges mal mehr meinen Reisepass vorgezeigt. Wenn mich die Sprachprobleme schon tagtäglich ärgern, Tadschikistan gerne seinen Tourismus ausbauen würde aber nicht mal bei Touristenkontrollen die rudimentärsten Worte in englisch (bzw. identisch in russisch klingend) aufbringen mag, dann dürfen auch die sich ein klein wenig an den Sprachproblemen ärgern.

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