Transporterfolge

 

Es wurde einfach Zeit. Zeit, das große Experiment mit dem Transport in diesem Land anzugehen. Okay, dank dem verkauften Hotel umd dem genötigten, extrem frühen Aufstehen hatte ich in der Tat auch einen ziemlichen Ansporn. Morgens kurz nach sechs, den Rucksack auf dem Rücken und den Schlafplatz aufgegeben fällt es deutlich leichter, sich in so ein Abenteuer zu stürzen. Und da ja weder Bus noch Bahn eine Alternative in diesem Land dazustellen scheinen, suche ich mir also zwangsläufig einfach mal einen vertrauenswürdig wirkenden Taxifahrer, mit dem ich zwar nicht kommunizieren kann, aber zumindest mein Ziel nenenn: „Kugan Tjube“. Ja, das ist der alte Name der Stadt, aber im Gegensatz zum neuen Namen habe ich bei dem zumindest den Hauch einer Idee, wie er verständlich ausgesprochen werden kann. Und ja, mein auserkorener Transport-Vertrauensmann versteht dies tatsächlich. Dass der gute Mann aber nicht auf die Idee kommt ich möchte mit Ihm die ganze Strecke fahren, füge ich noch ein „Avtobus, da?“ dazu. Kurzum, es sollte ein „ich möchte nach Kurgan Tjube, per Bus. Okay?“ sein. Und oh Wunder, mein Fahrer nickt, er versteht mich wohl. Wunderbar! Einmal noch per Papier und Stift auf 20 Geld Fahrpreis geeinigt, und schon bin ich auf dem Weg.
Ist das Rätsel des Transports nun wirklich so derart einfach? Das war ja regelrecht erstaunlich simpel so.

Nein, ist es aber nicht. Nach vielleicht fünf Minuten Fahrt im ZickZack durch Wohngebiete hatte ich schon ne schlechte Vorahnung, und noch ein wenig später dann auch Gewissheit: der gute Mann hat mich an die Busstation gebracht, die die ich gestern schon gesehen habe, die die gar keine Busse hat und vielleichtvielleicht mit viel Glück mal Ende Januar haben wird, oder auch wahrscheinlich eher nicht. Jedenfalls ein Ort, der mir erstmal so gar nichts bringt. Ein wenig entsetzt habe ich den lieben Mann schon angeschaut, und mich auch versucht mit zeigen auf die Busstation und „niet Avtobus!“ irgendwie verständlich zu machen. Hilft aber nix. Er zeigt auf das Schild oben am Eingang und meint „Avtobus!“ Klar, er meint er hätte getan was ich von ihm wollte. Blöde Sprache aber auch. Es blieb als nix anderes über als auszusteigen, möglichst freundlich zu bleiben, den guten Mann zu bezshlen und zu schauen, was ich aus der Situation denn nun machen könnte.
Okay, man kann zum Gedanken sammeln nochmal in die Busstation rein gehen. Auf ist sie ja tatsächlich auch ohne Busse, und es ist ein wenig wärmer.
Und, oh Freude, man scheint hier tatsächlich englisch sprechende Leute zu finden. „may i help you?“ fragt mich, wohl leicht niedergeschmettert und verzweifelnd wirkend, da plötzlich von hinten eine Frauenstimme. „Ohhhhja, sehr gerne sogar. Ich muss irgendwie nach Kurgan Tjube kommen… “ – „tja, hier gibt es keine Busse!“ – „Jaja, ich weiss, aber….“ und da war sie dann auch schon weg gerannt. „Help“ war mir das so mal gar keine.
Mist.

Aber wo bleiben die Alternativen? Schwer zu sagen, und so begebe ich mich halt wieder nach draussen und suche nach meiner einzigen Hoffnung: ein etwas wissenderer Taxifahrer.
Taxifahrer zu finden ist hier mal nicht ganz so schwierig, zum Glück. Neben den vielen Typen die halt mit den Privatautos Leute transportieren, gibt es in Duschanbe tatsächlich auch gelbe Taxen mit gelbem Nummernschild, also definitiv nur als Taxi gedachte Autos mit dementsprechend „echten“ Taxifahrern. Die Hoffnung voll auf so einen gelegt, versuche ich mein Glück eben nochmal: „Salaam Alaykum, Kurgan Tube?“ Ja, dieser Satz glänzt weder durch tadschikische noch durch russische Grammatik, aber mehr als eine Begrüßung und den Ortsnamen hintereinander zu reihen habe ich leider nicht drauf. Macht aber wohl nichts, ich werde auch so verstanden. „Kurgan Tjube?“ – „da, Kurgan Tjube“. Fein. Fünfzig Geld will er haben. Aber für was? Ich versuche es irgendwie heraus zu finden, indem ich auf die 50somoni tippe, die er in mein Buch geschrieben hat und fragend „kurgan tjube?“ wiederhole. Er nickt. Acht Euro für über 100 Kilometer Privattaxi? Ne, das kann nicht sein. Aber was solls, ich steige einfach mal ein und lasse mich überraschen.

Die Privatfahrt ging auch keine 100 Kilometer weit, sondern lediglich bis an die Stadtgrenze, und hier werde ich nun in ein Sammeltaxi umgeladen. Okay, so ergibt das Sinn. Wieder ein alter Mercedes kommt mkr das irgendwie ein wenig vertraut vor, auch wenn dieses mal ganz andere Personen an der Sache beteiligt sind. Der Taxifahrer bezahlt dem Mercedesfahrer 30 Geld für mich, und ich darf warten bis der Mercedes voll wird.
Nunja, oder bis der clevere Fahrer irgendwo einen Dolmetscher aufgetrieben hat. Irgendwie ja klar, dass das nicht ganz so einfach sein hat können. Es würden keine Fahrgäste mehr kommen, ich sei der einzige der nach Kurgan will, erklärt mir der. Ahja, und der Typ auf dem Beifahrersitz hat nur ne Sightseeingtour gebucht oder wie? Nungut, man wollte siebzig mehr Geld von mir, und man würde mich direkt fahren. Also soll ich insgesamt hundert Somoni bezahlen, und die selbstgefällige Goldzahn-Qualle auf dem Beifahrersitz vielleicht nur zwanzig und darf auch mit? Neinnein, so läuft das nicht hier. Der Dolmetscher tat sich schwer den Typ auf dem Beifahrersitz zu erklären, und das war mein Ansatzpunkt. Er war verunsichert, und das ließ den Preis auf nur noch dreißig Zusatz-Geld fallen. Und weil ja die ganze Zeit die Rede von „keine Fahrgäste ausser mir“ war, bestand ich jetzt auch noch auf den Beifahrersitz. Ui, die selbstgefällig grinsende Goldzahn-Qualle auf dem Beifahrersitz war jetzt extrem unhappy, musste er doch tatsächlich aussteigen und hinter mir Platz nehmen. Ich glaube er hat die ganze Fahrt über geflucht oder wahlweise den Fahrer beschimpft. Mir war das aber egal, denn wer krumme Spielchen spielen will, darf das gerne mal tun, sollte aber damit rechnen dass ich vielleicht schon ein wenig geübt darin bin.

20131229-010153.jpgQurghonteppa (oder Kurgan Tjube eben) war so für mich dann ein kleiner Erfolg. Ich habe Duschanbe verlassen und ne grobe Idee, wie das Personen-Transport-Spielchen in diesem Land gespielt wird. Dass die Stadt selbst dann irgendwie halt ne Kleinstadt ist, die auch nicht so ganz elementar anders als Duschanbe daher kommt oder mit super Sehenswürdigkeiten aufwarten kann, wen kümmert das schon? Ich habe ein Zimmer gefunden, konnte auf dem Markt essen kaufen, und weiss schon wo ich die Typen finde, die mi von hier wieder wegfahren können. Soweit ist das ein echter Erfolg dafür, dass ich her mal wieder als Sensation durch die Gegend laufe. Hätten die Leute hier Fotoapparate dabei, würde ich mich sicherlich wie Promi in der Paparazzi-Stadt fühlen. Nein, Qurgonteppa taucht nicht im lonely planet auf. So viel Besuch scheint hier nicht durch zu kommen, aber warum sollte er auch? ;)

20131229-010225.jpgAchja, vielleicht wegen dem Friedhof. Vielleicht, wenn man irgendwie eine neue Begeisterung für fremde Friedhöfe entdeckt hat. So wirklich kann ich meinen Zufallsfund hier noch nicht verstehen, denn mit deutsch beschrifteten Grabsteinen hätte ich hier als aller letztes gerechnet, und ganz sicher auch nicht mit derart vielen. Auch nicht damit, dass „deutsch“ die einzige Fremdsprache auf den Grabsteinen sein wird. Also was machten die zig-deutschen hier? Und warum sind die meisten Männer davon 1971 gestorben? Und warum sind viele auch weit nach 1946 geboren? Kurzum: was ist hier passiert? Ich glaube ich werde noch intensiv google befragen müssen, um das irgendwie auch nur halbwegs verstehen zu können.

hier ruht in Gott...20131229-010202.jpg20131229-010246.jpg20131229-010238.jpg

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