die Bremse

 

eins vorne weg: ich habe mich entschieden. Für den „Notausgang“, gegen „zurück“ und somit dafür, mich einer kasachischen Fluggesellschaft anzuvertrauen. Es hilft ja irgendwie nichts, auch wenn es sich inzwischen schwer nach Kapitulation anfühlt. Es war so einfach nie eine Option, nicht an dieser Stelle, und ich muss mich nun irgendwie damit anfreunden.

Bangkok wird es nun also werden, vier Nächte und vier Tage, inclusive dem wohl kargesten Silvester seit vielen vielen Jahren bleiben mir bis dahin aber noch in dieser Gegend. Bischkek zu verlassen, das habe ich allerdings für mich schon ausgeschlossen und irgendwie mental angefangen, das „Ende meines Urlaubs“ einzuläuten.

huuuh, spannendes Bischkek... ;)

huuuh, spannendes Bischkek… ;)

Ende? Nunja, so ganz streng genommen ist es das nicht, ich bin noch lange nicht zurück daheim. Und trotzdem, die Luft ist so schlagartig jetzt erst mal raus. Bischkek? Mir gerade ziemlich egal. Ich habe von Leuten gelesen die diese Stadt ganz toll finden, aber vermute einfach mal dass die nicht im Winter hier waren. Um mich herum ist es kalt, grau und trostlos. Die Leute bereiten sich auf Silvester vor, kaufen genug Essen für ganze Horden von Verwandtschaft, Geschenke und Feuerwerksraketen. Ich bereite mich auf einen Absprung vor, verbringe den Tag Kaffee trinkend oder im Bett liegend und gebe mich meinen Gedanken hin, scrolle durch Fotos und kann Stellenweise kaum glauben, was da die letzten Wochen so alles gewesen und passiert ist. Die Fotos aus Kas wirken so fern, und obwohl ich sehr wohl weiß dass ich selbst dort war und die Fotos gemacht habe wirkt es wie durch einen exotischen Reisekatalog zu blättern. Zum Iran finde ich noch immer kein allumfassendes Resumee, die Gedanken hierzu werden statt klarer irgendwie immer verworrener und bekommen ganz neue Gewichtungen. Hätte ich mich zum Beispiel vor nicht allzu langer Zeit noch über ganze Seiten über diese ganze Wege versperrenden, wankenden Sumo-Mullahs unter ihren schwarzen Zelten aufregen können, so ist das heute einfach ein kleiner Teil des ganzen, etwas das mitunter dann auf eine komische Art und Weise auch mit die positive Iran-Erfahrung mit ausgemacht hat (und bevor sich jetzt jemand über meine Wortwahl beschwert… ja, ich rede hier von den iranischen Damen, dass diese gerne eine Gangart bevorzugen die mich an Sumoringer im Kamof erinnert, das ist nunmal ne Tatsache. Auch ihre schwazen Gewänder heissen persisch übersetzt wirklich „Zelt“, und „Mullah“ ist im Grunde ein Ehrentitel für einen Gelehrten und keine Beleidigung ;) ).

DAS hätte mir auch mal jemand früher sagen können ;)

DAS hätte mir auch mal jemand früher sagen können ;)

Die Stans, alle miteinander aber auch jeder für sich sind nach wie vor ein wenig surreal bis unglaublich, und auch wenn ich nie wirklich tief eingetaucht bin wird das wohl der härteste Brocken an Erfahrung sein. Bislang aber noch viel zu frisch um damit irgendwas anzufangen…

Aber in Summe muss ich schlichtweg feststellen: ich habe begonnen meine Reise zu rekapitulieren, hänge in Erinneruen und fange an mich neu zu sortieren während mir das was vor der Tür passiert gerade völlig egal ist. Eindeutig ein schweres Zeichen für „Ende der Reise“ in meiner Erfahrung. Ja, ich bremse. Kein Interesse mehr an neuem, es gibt da draussen gerade einfach nichts dem ich zutraue mich begeistern zu können. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: keine Ahnung, was ich denn hier gerade berichten könnte.
„Pause“, ich glaube das ist das Wort was am ehesten alles sagt was zu sagen wäre.

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