Silvester in Bischkek

 
Denkmahl in Bishkek, Kirgisistan

was das da soll weiß ich nicht, aber fasziniert hat es mich trotzdem…

Ich warte. Damit ist so beinahe alles gesagt, und arg viel anders lässt es sich auch nicht formulieren. Aber so beinahe habe ich es geschafft. Ich habe zwei mal das Hotel gewechselt die letzten Tage, einmal weil ich wegen ner Reservierung nicht bleiben durfte, und ein weiteres mal weil ich mit der „Freundlichkeit“ der unverkennbar russischen Betreiber nicht so wirklich klar kam, ganz davon abgesehen dass ich mir bis zum Ende nicht so eindeutig sicher war ob die Mädels an der Rezeption denn nun wirklich ernsthaft angestellt wurden um Gäste ein- und auszuchecken, oder ob da in Verbindung mit dem „Massagesalon“ die eigentliche Aufgabe wo ganz anders liegt – so rein anhand der allgemeinen Erscheinung tendiere ich ja eher zu zweiterem. Aber gut, ich bin da weg, wohne nun am anderen Ende der Stadt in einem anderen Hotel mit eindeutig nicht russischem Personal. Die Heizung geht zwar nicht weil „der Mann für die Heizung gerade nicht da ist“ (Moment, das kenn ich doch. Schon wieder ein eigentlich schon verkauftes Hotel?), aber dank zwei Elektroheizungen ist es auch hier ganz kuschelig. Die Nachtschicht, ein Kerl den ich auf maximal Mitte zwanzig schätze, klopft jeden Abend bei mir an die Tür um anzukündigen dass er jetzt im Dienst ist und zu fragen ob er mir denn ne Tasse Tee oder Kaffee anbieten dürfe, und ob mit dem Zimmer denn auch alles okay sei. Eine nette Sache, und zum Glück hält sich die Frühschicht mit sowas deutlich zurück. Ich bin der einzige Gast hier, schon über die ganze Zeit, und speziell gestern hatte ich schon beinahe ein schlechtes Gewissen. Als die Nachtschicht wieder vorbeikam, dieses mal mit nem Sektglas und ner Flasche Blubberbrause „als Geschenk des Hauses zu Silvester“ in der Hand, da wollte ich ihn eigentlich davon überzeugen dass er doch gefälligst die Türen alle verschließen und nach Hause zu seiner Familie verschwinden soll. In Bishkek ist es ohnehin so, dass einem strengstens empfohlen wird sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr draussen herum zu treiben. Wenn, dann nicht allein und nur in irgendwelchen Restaurants oder Bars, und sobald diese verlassen werden ist der kürzeste Weg in das nächste Taxi, und sei der Weg noch so kurz, angeraten. Klingt alles nicht gerade einladend, und ich muss auch zugeben dass ich zwar keine Erfahrungen gemacht habe, aber mein Bauchgefühl dem ganzen zustimmt und ohnehin bei Dunkelheit im Hotel sein und bleiben will. Auch an Silvester, oder da erst recht, denn was will ich schon am höchsten Familienfeiertag alleine da draussen? So in Summe hätte es mir wirklich nichts ausgemacht, wenn das Hotel ordentlich zugesperrt und die Nachtschicht nach Hause verschwunden wäre, aber er fand die Idee eher weniger gut. Stattdessen kam etwas später wohl seine ganze Familie und deren Silvesterparty stieg im Frühstücksraum während die Kinder völlig begeistert vor dem Rezeptionsfernseher auf dem Boden lagen. Natürlich auch eine Lösung.

Ich für mich habe das Mobiltelefon unter den Schreibtisch gelegt, der einzige Platz im ganzen Zimmer mit halbwegs brauchbarer WLAN-Abdeckung, und habe die Internetleitung mit Skype-Telefonaten gequält. Es hätte schlimmer sein können, aber trotzdem versuche ich nicht darüber nachzudenken dass ich hätte können in Dubai sein und dort ein riesiges Feuerwerk sehen, hätten da nicht so ein paar kirgisische Puten Angst vor nem deutschen Pass ohne Visum gehabt. Wer weiss zu was es gut ist, und ein wenig Feuerwerk gibt es hier (nur um es nochmal kurz zu verdeutlichen: in der Hauptstadt von Kirgisistan, knapp neben dem Stadtzentrum) ja auch.

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Bishkek im Zentrum an Silvester

Alles in allem reichlich unspektakulär, ich habe nicht mal dazu hinreissen lassen können heute auf dem zentralen Platz der Stadt vor irgendeinem dieser kitschigen stell-Dich-davor-und-lass-Dich-fotografieren-Neujahrs-Dekodinger für ein ganz kirgisisches Neujahrserinnerungsfoto zu posieren. Mein einziges Vorhaben heute: was zu essen zu finden. Klingt eigentlich banal, aber an Neujahr ist es alles andere als das. Ich finde nicht ein einziges Cafe das geöffnet hätte, kein Restaurant und noch nicht mal ne Imbissbude. Die gan Stadt ist mit Rausch ausschlafen, Familienspaziergängen oder kitschigen Erinnerunfotos beschäftigt. Und wahrscheinlich hat jeder einzelne daheim in der Küche genügend Reste von gestern für die nächsten fünf Tage stehen. Ich fühle mich mal wieder gemobbt, freue mich aber dann ein klein wenig auf die halbe Packing Chips und das Brot vom Vortag, das da in meinem Hotelzimmer noch auf mich wartet und gebe die Hoffnung auf was warmes heute besser mal auf.

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