getting around, tourist-style…

 

Eigentlich müsste ich es ja besser wissen. So eigentlich dürfte ich mich auch weder überascht zeigen, noch mich nun irgendwie beschweren. Aber so manchmal glaubt man eben zu wissen was man tut, und es kommt dann doch schlimmer als die eigene Erinnerung oder das eigene Wissen einem da weis machen wollte. Vielleicht, ja so ganz vielleicht war auch einfach „früher alles besser“ oder so, aber ganz ehrlich? Nein, ich glaube das zählt hier als Ausrede nicht. Ach, um was es geht? Das schöne Geschäft mit dem Touristen-Transport in Thailand, wohl ganz allgemein gültig, aber hier am Beispiel meiner noch ganz neuen und daher wenig verblendeten Erfahrung von Krabi nach Ko Phangan.

20140119-165214.jpgJa, eines vorne weg: es ist nicht sonderlich schwierig in Thailand von dem aktuellen Standort A an das ausgesuchte Ziel B zu kommen. Eigentlich reicht es, in jedem beliebigen Guesthouse oder Hotel oder wie sich die Bleibe denn nun auch immer nennt, dabei spielt es auch gar keine Rolle in welcher Preiskategorie man sich da bewegt, einfach an der Rezeption zu vermelden wann man denn gerne wo hin kommen würde, man bekommt mit wann es los geht und wann man ankommt (in meinem Fall um elf los und um „zirka vier Uhr“ ankommen) und der Rest läuft dann schon irgendwie. Ja, ich sage bewusst irgendwie, denn während man wohl immer am gewünschten Ziel ankommt, kann je nach Glück oder Pech in Sachen Route, Zeit und schlussendlich ausführendem Transportunternehmen der Weg dahin ziemlich abenteuerlich und… ehm… lange sein.
Was aber allen gemein ist: man braucht sich um nichts zu kümmern, also so wirklich um nichts, ausser rechtzeitig wach und im Bereich der Rezeption anwesend zu sein, denn man wird grundsätzlich direkt dort abgeholt. Könnte ja sein, dass man sich auf dem Weg zur Busstation verirrt oder so, und auf diese Art wird einem netterweise die Taxifahrt mit jeglichem einhergehendem Risiko erspart.

Um elf also wollte man mich abholen. Erstaunlicherweise, und das ist mir tatsächlich wirklich neu, war dieser MiniVan mit Klimaanlage (ein wenig „Luxus“ bekommt man meistens automatisch ohne danach gefragt zu haben) war tatsächlich schon zehn vor elf da und ein wenig nervös als ich ums Eck kam. Aber gut, es saß sonst keiner da drin der hätte warten müssen oder die Chance gehabt hätte Aggressionen gegen mich zu entwickeln, also alles prima. Es kam auch keiner mehr dazu, und ich habe ganz schnell gemerkt dass dies ein Privattaxi ist das mich gefühlt vierhundert Meter an einer Reiseticketbude in der Stadt wieder ablädt. Lohnenswert, denn auf vierhundert Metern geht man schon ganz gerne mal verloren.
Besagte Ticketbude ist auch ein schöner Ort für einen Zwischenstopp, denn hier gibt es kühle Erfrischungsgetränke zu leicht überhöhten Preisen und ganz viel Gesellschaft. Zirka dreißig ganz individuelle Individualtouristen drängen sich hier auf grob zwanzig Quadratmetern Ladengeschäft und Gehweg bzw. der Straße davor, und mit so viel Unterhaltungspotential wird es garantiert nicht langweilig. Auf einer großen Tafel stehen nochmal schön groß die Abfahrts- Ankunftszeiten, aber so recht zuordnen lässt sich hier nichts. Trotzdem: die am nächsten an „vier Uhr“ gelegene Ankunftszeit ist hier plötzlich zehn nach fünf.
Damit man auch auf dem Weg nicht verwechselt wird, bekommt hier jeder nen praktischen Aufkleber an die Brust gepappt, auf dem steht wohin man denn gebracht werden soll oder andere komisch verschlüsselte Botschaften an einen gewissen Kreis eingewiehener Transportdienstleister, so sicher bin ich mir da nicht, aber es verhindert zumindest dass man dann irgendwann in den falschen Minivan steigt oder so, und es erinnert auch so schon an die Ohrmarken der heimischen Schweinezucht. Einfach herrlich.
Es ist klar, dass einem auch keiner sagen kann wie lange man an so einem derart schönen Ort verbringen darf, schließlich ist eine Eigenart von den besonders schönen Momenten immer dass man nie wissen kann wann sie denn wieder vorbei sind. Manchmal sind es zehn Minuten, manchmal dreißig, dieses mal fünfzehn. Kaum Zeit also, die Situation zu genießen. Aber wer an der Stelle traurig wird, keine Sorge denn die wirklich schönen Orte kommen erst noch, denn sonderlich weit fährt auch dieser MiniVan nicht. Einmal ans andere Ende der Stadt, vielleicht zehn Minuten auf dem direkten Weg, zwanzig auf dem den wir tatsächlich gefahren sind, aber da man nie gegen von Krabi sehen, kann man sich durchaus geehrt für eine zusätzliche Stadtrundfahrt fühlen, ganz davon abgesehen dass das die Spannung ja auch ein wenig steigert.

Touristenumschlagplatz Nummer 2

Touristenumschlagplatz Nummer 2

Am anderen Ende der Stadt ist dann nicht etwa eine offizielle Busstation das Ziel, wäre ja auch viel zu unübersichtlich und verwirrend um es so armen Touristen zumuten zu können. Nein, irgendwo in einer Seitenstraße in der sich sonst wirklich keiner ausversehen verirrt wird man an einer schäbigen Holzbarakke abgeladen, an der man mit wieder neuen, dieses mal schön farbigen Aufklebern versehen wird die man sich gefälligst an die Brust zu kleben hat. Es gibt auch wieder eine neue Fahrtzeitentafel, dieses mal ist halb sieben so die einzig plausible Ankuftszeit. Schön, ich freu mir!

20140119-165156.jpgAber man kann es auch positiv sehen: neben den überteuerten Getränken gibt es nun auch qualitativ fragwürdiges Essen und die Garantie garantiert keinem freilaufenden der sicherlich hoch gefährlichen Eingebohrenen dieses Landes zu begegnen. Man bleibt schön unter sich, jeder mit buntem Aufkleber, sicher ist sicher. Über die Zeit werden hier ganz Horden abgewickelt, große Reisebusse kommen und gehen, genau so wie etliche MiniVans, natürlich alles „VIP“ und hoch Luxuriös. Was mag man denn sonst auch den Touristen zumuten, die hier in einer Holzbarakke im Dreck sitzend die letzten Essensreste aus Styroporschachteln und importierte Kartoffelchips in sich hinein fressen und sich im Laufe der Zeit regelrecht selbst einmüllen (Schweinezucht, mal wieder…)? Alles andere als VIP ist da natürlich nicht angebracht, genauso ist zu erwarten dass diese Transportmittel 100% Eingebohrenenfrei sind. Nicht etwa weil Thais niemals auf die absonderlich abstruse Idee kämen sich so einen Horror für viel zu teures Geld zuzumuten, nein, man ist hier ein elitärer Touristenkreis der sich was ganz besonderes gönnen kann und will.

Irgendwie hatte ich viel Zeit das ganze zu beobachten, aber so recht anfreunden konnte ich mich mit meiner Situation aber ehrlich gesagt nicht. Natürlich wird einem auch hier der Genuss des wunderbaren Aufenthalts nicht durch die unnötige Bekanntgabe eines Zeitlimits eingeschränkt, aber hätte mir hier einer verraten dass ich zwei Stunden an diesem Ort quasi fest sitze wäre ich auch Hals über Kopf geflüchtet vor lauter Freude.
Aber gut, so leicht kam ich da nun nicht mehr raus, also musste ich warten. Warten bis ein Bus kommt, warten bis der an der Fähre ist, aber blöderweise nicht warten bis die Fähre kommt, dieser Spass wurde mir vorenthalten. Sagen wir mal so, sicherlich wäre das grundsätzlich im Tourplan so vorgesehen gewesen, hätte nicht der etwas betagte Reisebus so seine Nöte gehabt selbst bei den leichtesten Steigungen nicht schon laufend von LKWs überholt zu werden.
Gegen vier Uhr kamen wir so an der Fähre an. Irgendwer hat uns noch erzählt, die Fähre wäre zweieinhalb Stunden unterwegs, aber ich glaube selbst die aller naivsten unter uns haben begriffen dass das so wohl nicht zutreffen wird.
Effektiv war es halb acht, bis wir auf Ko Phangan angelegt hatten.

Eine Traumtour mit den gar exklusivsten Transportmitteln und unschlagbarem Kofort und Service. Okay, man muss schon ehrlich eingestehen, es ist irgendwo dann doch beachtlich wie viele Touristen, von denen die meisten wohl traurigerweise wirklich panikähnliche Zustände bekommen würden, wären sie denn plötzlich auf sich alleine gestellt da wirklich zuverlässig ans Ziel befördert werden. Ja, ganz ohne Ironie: es funktioniert wirklich, und das an sich ist eine beachtliche Leistung.
Aber auf der anderen Seite: wäre ich ohne Komplettpaket und Sorglosticket am morgen nicht in den MiniVan gestiegen, sondern hätte eines der offenen Pickup-Sammeltaxen zu Busstation genommen, mir dort ein Ticket nach Stung Treng gekauft, wäre ich dann mit einem ganz normalen Bus dort hin gefahren und hätte einfach ein Ticket für die nächst beste Fähre erstanden, ich wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit genau so sicher hier angekommen, zum halben Preis und wohl drei Stunden früher.

20140119-165222.jpgEin wenig traurig finde ich es im Kontrast zu meiner bisherigen Reise schon. Will man zum Beispiel im Iran in eine andere Stadt, so ist das Hotelpersonal auch meistens so nett eine Busticket für einen zu reservieren. Das wars dann aber auch. Man muss mit dem Namen der Busstation bewaffnet, vielleicht einem Stadtplan in der Hand oder sonst irgendwie dort hin kommen, den Verkaufsstand der Busagentur finden bei der das Busticket reserviert wurde, bezahlt dort den ganz normalen Preis und fährt dann in einem Bus mit 99,9% iranischen Fahrgästen ganz normal in eine andere Stadt. Ja, es ist nicht ganz so einfach, bietet aber auch wesentlich schönere Erfolgserlebnisse und ganz nebenbei: man reist durch ein Land, das es wirklich gibt, in dem Menschen leben und für das man eigentlich irgendwo hin gegangen ist. Hier in Thailand bewegt man sich in einem abgeschotteten Paralelluniversum, das einzig und allein der Zweck der Touristenbeförderung erschaffen und betrieben wird, fern ab von dem, was Thailand denn nun eigentlich wäre.
Auf der anderen Seite kann ich es aber auch keinem Thai verdenken, wenn er die Horden an meistens leider rücksichtslosen, unfreundlichen und einfach unangenehmen Touristen irgendwie wegsperren und nicht ertragen müssen will. Ich mache hier auch keine Unterscheidung anhand der physikalischen Form des Gepäckstückes, denn ob hier wer mit einem Rucksack oder Rollkoffer in pinkem Leopardenmuster durch die Gegend zieht, das sagt in diesem Land nun mal wirklich gar nichts mehr aus.

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