nach Hause!

 

Wenn ich einen Lieblingsort in ganz Asien nennen müsste, ich glaube so ganz spontan und ohne groß drüber nachzudenken wäre es erst mal dieser hier. Es mag weder direkt verständlich sein, noch kann ich es selbst groß erklären, aber allein das beinahe „zuhause“ Gefühl das hier schon direkt bei der Ankunft aufkommt ist für mich Grund genug jedes mal aufs neue die doch etwas umständliche Anreise auf mich zu nehmen.

das Tagesziel: das Sonnendeck am Fluss von Kampot

das Tagesziel:
das Sonnendeck am Fluss von Kampot

Halt, umständlich trifft es nicht ganz, denn eigentlich mag ich es deutlich mehr als die Touristen-Massentransport-Taktik in Thailand. Aber vielleicht fange ich mal da an, wo es am meisten Sinn macht: am sehr frühen Morgen heute in Koh Kong. Also sehr früher acht-Uhr-Morgen und das TukTuk, das mich zum Busbahnhof bringt. Eigentlich ist es nicht allzu weit, aber da ich mir nicht mehr ganz soo sicher war ob ich den richtigen Weg so spontan und ohne Karte wieder finden würde, gönne ich mir eben diesen letzten zwei-Dollar-Touristenluxus auf diesem Weg.
Ja, Koh Kong nach Kampot, das ist kein ganz üblicher Touristenweg. Die allermeisten die hier landen sind auf dem Weg nach Shianoukville, ich dagegen will das eher auslassen und mich auf dem direkten Weg nach Kampot bewegen. Dafür braucht es die Kambodschanische Variante von Sammeltaxen, völlig überladene MiniVans mit offenen Fenstern und ohne Klimaanlage, denn für Busse jeglicher Art ist die Nachfrage aus dieser Himmelsrichtung dann doch zu gering.
Auch auf die Gefahr hin dass es erst man nach Ironie klingen mag obwohl es keine ist: ich habe micj richtig gefreut als ich einen passenden MiniVan in Richtung Kampot gefunden habe, in den hinten gerade drei Motorroller geladen werden. Oder halt irgendwie so halb aus dem Kofferraum hängend so gut es eben geht mit Seilen in alle Richtungen verzurrt werden. Anschliessend wird der komplette Fußboden des Gefährts mit Säcken voller Schweinefutter ausgelegt, eine Kiste mit Fisch über die Motorroller geschnallt, die Zwischenräume mit Gepäck sorgfältig ausgestopft und los geht die Reise. Zuerst bekomme ich die komplette hinterste Bank in diesem MiniVan zugewiesen, ein unglaublicher Luxus denn normalerweise ist eine Bank mindestens vier Personen. Aber es war auch von vorne herein klad, dass es nicht dabei bleiben wird: unterwegs wird noch kräftig zugeladen: Harken, Körbe und Säcke mit irgendwelchem Ackerbauzeug werden gekonnt irgendwie in die letzten verbleibenden Zwischenräume im Fußraum und zwischen den Motorrollern am Heck verstaut, und immer mehr Leute wollen noch irgendwie Platz über den Schweinefuttersäcken im Innenraum. Bis zu Ende zähle ich mich, als einen Touristen mit unpassenden Übermaßen der sich irgendwie zwischen eigenen Sitz und den vor ihm zwängt, zweiundzwanzig ausgewachsene Kambodschaner und Kambodschanerinnen, zwei Kleinkinder und einen Fahrer.

kambodschanisches Stadard-Transportmittel auf etwas abgelegeneren Strecken: ein "MiniVan"

kambodschanisches Stadard-Transportmittel auf etwas abgelegeneren Strecken: ein „MiniVan“

Es ist wohl nicht ganz leicht verständlich wenn ich nun versuche zu formulieren wie glücklich ich auf dieser Strecke plötzlich war. Okay, Platz war ein nicht vorhandener Luxus, aber ich bin tatsächlich in Kambodscha angekommen. Ja, Kambodscha, und nicht ein Tourismus-Paralelluniversums-Kambodscha, blicke rundum in angenehm über meine Gesellschaft überraschte und dauerlächelnde Gesichter und kann eins mit Sicherheit sagen: wann wir ankommen werden, das weiß hier keiner, aber das ist auch gut so.

mein Mitbewohner. Frisst alles was Insekt ist und sich in meiner Hütte herumtreibt.

mein Mitbewohner. Frisst alles was Insekt ist und sich in meiner Hütte herumtreibt.

Zeit ist relativ, und Fahrpläne braucht hier niemand. Der Wind weht durch die offenen Fenster, mitsamt dem allgegenwärtigen Straßenstaub. Es ist irgendwie alles staubig, Bus, Sitze, Gepäck, Nase… aber es ist keine Klimaanlage, die für gelegentliche Nieser verantwortlich ist. Die Styroporkiste mit dem Fischzeug ist irgendwie undicht und es tropft offensichtlich ehemaliges Eis als nach Fisch stinkende Brühe über die Roller, was mit dem Eigenduft der Menschenmasse für ein eigenartiges Aroma im MiniVan sorgt. Die Sonne bruzelt, Vorhänge braucht hier aber keiner. Wen die Sonne stört, der setzt halt ne Mütze auf. Es ist so herrlich pragmatisch, irgendwie herzlich und auf eine ganz angenehme Art authentisch.

my home is my castle...

my home is my castle…

Thailand? Ich bin froh das erstmal hinter mir zu haben. Hallo Kampot, ich bin wieder da!

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: