dort wo die Reisekatalogfotos her kommen…

 

Zu Kampot gehört der eigene (angemietete) Roller irgendwie schon obligatorisch dazu. Kampot ist schön, aber die Umgebung tut da doch auch ihren Teil dazu, von der man eben ohne eigenes Transportmittel so ziemlich gar nichts zu sehen bekommen würde. Der Klassiker unter den Tagesausflügen dabei ist ohne Frage die Fahrt ins nur wenige Kilometer entfernte Kep. Wie oft ich diesen Weg in der Vergangenheit bereits zurückgelegt habe kann ich echt nicht mal sagen, aber es waren einige relativ viele viele male. Die Straße war dabei noch nie die beste, und manchmal konnte es einen unterwegs regelrecht erheitern sich den Titel „National Highway“ ins Gedächtnis zu rufen. Ja, „gut ausgebaut“ war noch nie eine Eigenschaft die man dieser Straße hätte zuordnen können, aber diese Schotterpiste die mich heute auf diesem Weg als Staubhölle mit Sichtweiten unter huntert Metern begrüßt übertrifft jegliche Erinnerung bei weitem. 20140124-203001.jpgKann es sein dass auch hier Chinesen am „renovieren“ sind? Ich habe doch schon mal vermutet, dass deren Ambition quer durch Asien Straßen auf Vordermann zu bringen entweder dadurch movtiviert ist die eigene Sprache zu verbreiten und womöglich eine Invasion vorzubereiten (wilde Spekulation meinerseits, immernoch), oder aber den restlichen Teerbelag zu klauen und sich heimlich vom Acker zu machen. Zweiteres könnte hier gut zutreffen, denn die „Baustelle“ sieht wirklich mehr als verlassen aus. Würden nicht alle möglichen Leute darauf beharren die Straße sei „under construction“, so hätte ich wohl nicht mal die Baustelle als solche identifiziert (ob Chinesen nun wirklich daran beteiligt sind kann man mangels Baustellenindizien natürlich auch nur vermuten, aber es liegt doch irgendwie nahe). Onlinereiseführer raten zumindest aktuell schon zu geschlossenen Klimaanlagentaxen um den Staub ein gutes Stück zu entgehen, aber ohne dass ich wüsste wo und ob es in Kampot sowas denn tatsächlich geben sollte kämpfe ich mich doch lieber selbst und mit dem Roller nach Kep, wo bliebe denn sonst auch der Spaß?20140124-203031.jpg Kep an sich ist immernoch ein nettes Städtchen, aber mehr als Ruinen besichtigen, Meeresgetier essen und am Strand liegen gi es hier nicht wirklich zu tun, und wenn man das mit den Ruinen schon erledigt hat, auf das mit dem Meeresgetier nicht viel wert legt und am Strand zu liegen als zu langweilig für diese Gegend empfindet, dann fährt man wahlweise des fahren wegens nach Kep oder lässt es doch besser bleiben… oder aber man hört da beim frisch gepressten Zuckerrohrsaft etwas von einem verlassenen Strand, das einen irgendwie neugierig macht und als solches dann (zumindest im Nachhinein) auch ein guter Grund war herzukommen.

20140124-203015.jpgVerlassener Strand? Hm, ich bin nach wie vor nicht so wirklich der Strandlieger. Hütte am Meer mit Hängematte auf der Veranda, da bin ich leicht dafür zu begeistern, aber so einfach nur Strand? Ne, normal vermag mich das nicht längerfristig zu begeistern, wobei der Zusatz „verlassen“ die Sache schon wieder geändert hat. Dadurch klingt das ganze nämlich plötzlich nach Abenteuer, Spurensuche, Expedition und India Johnes. Strand? Ja, das klingt als nette Belohnung oder Erfolgserlebnis für eine Reise ins Ungewisse dann plötzlich sehr angenehm. Arg viel mehr als dass er „sehr nahe an der Grenze zu Vietnam“ liegen und „sicherlich zwei Kilometer lang“ sein soll konnte ich zwar nicht herausfinden, aber soooo groß ist die Gegend ja auch wieder nicht: nichts wie los!

Was für Gründe gibt es, dass ein Strand in Südostasien wohl verlassen sein könnte? Entweder er ist hässlich, es schwimmt irgendwas gefährliches herum, es ist kein Strand sondern nur eine Klippe, ein russischer Milliardär hat ihn aufgekauft und eingezäunt oder aber es gibt einfach keinen vernünftigen Weg dort hin. Schon aus Prinzip konnte ich alles davon ausschließen, bis auf die Sache mit dem Weg, was sich auch durchaus als Wahr herausgestellt hat. Ich mein di Gegend ist wirklich nicht sooo groß. Kambodschas Straßensystem hat aber so seine Tücken, über die ich schon öfter mal gefallen bin: es gibt da die mal besser und mal schlechter ausgebauten „Highways“, die als so ziemlich einzige Verbindungsstraßen überhaupt die Chance haben, soetwas ähnliches wie Teerbelag zu kennen. 20140124-202942.jpgAber das Netz ist grob, und Kambodscha besteht natürlich nicht nur aus großen Städten. Kleinere und mittlere Dörfer haben meist eine sehr ähnliche Zufahrt, die von diesen „Highways“ abgeht: ein im besten Fall Schotterweg, gerade mal so breit dass ein LKW lang fahren könnte, aber nur wenn kein Gegenverkehr kommt. Hier im Süden ist Schotter eigentlich so gut wie nicht anzutreffen, die aller meisten dieser Pisten bestehen aus fest getretenemr rostroter Erde, die sich gerne wort wörtlich in Staub auflöst und gar alles in ihrer Umgebung damit eindeckt. Viele dieser Wege enden irgendwann wieder auf einem der Highways, wobei es nie so ganz sicher ist ob sie damit eine Abkürzung zwischen zwei Highways bilden, oder nur in einem großen Bogen auf ein und den selben zurück führen von dem man ursprünglich gekommen ist, denn wie und wo und wie oft so eine kleinere „Landstraße“ ihre Richtung wechselt ist nie sicher zu sagen, ebenso wenig ob es sich nicht doch am Ende um eine Sackgasse handelt. Eine vernünftige und brauchbare Karte zu diesen Wegen konnte ich bislang weder auf Papier noch in elektronischer Form finden, und Schilder sind zwar nicht vorhanden, würden wohl aber auch in kambodschanischer Sprache wenig hilfreich für mich sein. Alles in allem sind diese Wege ein Glücksspiel. Manchmal entdeckt man irgendetwas am Ende davon, manchmal auch nicht, und nur zu oft muss man danach schlichtweg umdrehen. 20140124-202932.jpgAbgehend von diesen noch relativ guten Straßen verzweigt sich dann noch etwas weiter, was auf den ersten Blick zwar mehr nach Fußpfad aussieht als nach Straße, aber tatsächlich überwiegend per Motorroller befahren wird. Die wirklich kleinen Siedlungen, verstreute einzelne Häuser zwischen den Feldern oder Zugänge zu Stellen die Kambodschaner im täglichen Leben eher wenig interessiert wie Hügel, Hölen und Aussichtspunkten (und potentiell Sandstränden) sind meistens nur über solche Pfade zu erreichen, die sich aber meistens dann irfendwo im Gestrüpp in Wohlgefallen auflösen.
Viele Chancen also niemals am Meer anzukommen, selbst wenn es nur drei Kilometer vom Highway entfernt liegen sollte, viele potentielle Sackgassen auf dem Weg und kein Mensch weit und breit den man fragen könnte. Alles Gründe dafür warum ich hier meist ohne Ziel los fahre und dann mehr oder minder nur zufällig irgendetwas tolles unterwe entdecke. So wie heute zum Beispiel eine Hochzeit am Rande eines kleinen Dorfes zu der ich spontan eingeladne wurde, zwei kleine offene Kisoke/Kneipen/wasauchimmer in die mich die hoch erfreuten anwesenden Feldarbeiter einladen wollten oder auch nur eine echt schöne Aussicht von einem schattigen Plätzchen über unendlich wirkende Weiten von Reisfeldern, aber ich habe alles freundlich zurückgewiesen und ausgeschlagen, denn ausgerechnet heute hatte ich ein Ziel: Strand.

20140124-203111.jpgOhne jetzt im Detail zu erklären wie oft ich in welche Richtung abgebogen bin, welchen Umweg ich gemacht habe und wie blöd ich geschaut habe als ich tatsächlich am ersten Checkpoint zu vietnamesischen Grenze stand… irgendwie habe ich dann den Strand tatsächlich gefunden, kurz hinter einem kleinen Fischerdorf, vorbei an zwei kleinen Läden und vor den sechs kleinen offenen Hütten mit Hängematten die den sich doch gelegentlich her verirrten Touristen oder einfach nur Kambodschanern Schatten spenden. 20140124-203047.jpgAbgesehen davon, dass an beinahe verlassenen Stränden halt kaum wer den Unrat wegräumt den ein Meer so anspült: Algen, Glibberzeug, Holz, Plastiktüten und sonstigen Mist; es ist wirklich schön hier. Unverschämt schön. Reisekatalogsfotoschön.
Und ja, hier kann selbst ich mich unter eine Palme setzen, einen Nachmittag lang gar nichts tun ausser „am Strand sein“, mit einem Sonnenbrand nach Hause fahren und davon schwärmen wie toll es doch war. Es braucht eben einfach nur den richtigen Ort dazu.

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kann mir eigentlich irgendwer nen Tipp geben, was das für komische (tote) Panzertierchen am Strand sind?

kann mir eigentlich irgendwer nen Tipp geben, was das für komische (tote) Panzertierchen am Strand sind?

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