eine Runde flashpacking für alle!

 

Nun,ich bin eine Friseurgeschichte in üblichem Reiseblogblah schuldig. Trifft sich gut, denn aufgrund mangelnder Spannung der Friseurgeschichte könnte sich das automatisch ziemlich gut so ausgehen.

Der Weg ins flashpacking, also weg vom budgetorientierten, angeblich so kulturoffenen, sich den lokalen Umständen und Angeboten anpassenden und umsichtigen backpacking (wow, da kommt mir inzwischen fast die Galle hoch bei so viel Klischeemist mit dem sich Rucksackträger abweichend von der Realität nur allzu oft und gerne selbst huldigen) und hin zum etwas mehr loxuriösen Reiseleben, das zwar wohl auch durch einen Rucksack gekennzeichnet werden soll, aber einen gewissen westlichen Mindeststandard an die touristischen Einrichtungen voraussetzt, der in keiner Relation zu den lokalen Gepflogenheiten stehen mag (puh, noch mehr Klischeemist, aber trifft das nicht auf 99% der selbsternannten Backpacker zu?), ist sich auch kein schwerer: einmal die Kreditkarte etwas bemüht und eine „ich gönn mir das jetzt“-Attitüde an den Tag gelegt und schon ist man mittendrin, das Reiseleben wird plötzlich wesentlich leichter, aber auch im Gegenzug ein gewaltiges Stück langweiliger und ereignisloser. Aber ich denke man kann es nicht grundsätzlich verteufeln in etwas gehobeneren Bleiben zu nächtigen, sich ausnahmsweise mal nicht über zwei Dollar pro Fahrt in einem überteuerten TukTuk (oder Motodop) zu ärgern und die im allgemeinen Standard daran etwas angepassteren Lokale zu besuchen, denn mal ganz ehrlich, an alle die aus eigener Reiseerfahrung sprechen können, wer hat es nach etlichen Wochen nicht mal mehr oder weniger heimlich genossen, wenn auch nur kurzfristig, für ein paar immer noch relativ kleine Geld einen relativ großen Luxus als Pause zwischen ziemlich viel Entwicklungslandchaos zu erkaufen? Zuhause kann man es sich schliesslich auch eher selten leisten, außerdem ist da ja auch der Kontrast des Luxus zur „Normalbevölkerung“ womöglich nicht derart ausgeprägt.

"Independence  Monument" in Phnom Penh

„Independence Monument“
in Phnom Penh

Abgesehen davon ist es oft auch ein kleines Stück Sicherheit und Privatsphäre, zumindest wenn man es sich in den etwas ausgeprägteren Extremfällen betrachtet: Man nehme dieses x-beliebige Dorf, das eher nur mäßigen Touristenkontakt kennt, und einen x-beliebigen Touristen. Begiebt dieser sich nun unter die einheimische Bevölkerung, so sieht er sich zwanläufig mit gesteigerter Aufmerksamkeit konfrontiert: Natürlich ist die Neugierde groß, was dieser Tourist zum beispiel in diesem abgelegen Restaurant für die einheimischen Arbeiter in ihrer Mittagspause denn nun will. Vielleicht wird er von manchen argwöhnisch beobachtet, Leute die Ausländern erst mal kritisch begegnen gibt es auch überall. Vielleicht meint es sogar irgendhemand ut mit Ihm, und erklärt ihm den Weg zum nächsten Touristen-Restaurant, im Glauben der arme Tourist hätte si verlaufen (gut, das passt auf Busstationen doch deutlich besser als auf Restaurants). Vielleicht wittern auch ein paar eigentlich für lokale Verhältnisse völlig normale Leute den schnellen Touristendollar, werfen jeglichen Stolz über Bord und fangen spontan das betteln an. Vielleicht fühlt er sich in Summe nicht willkommen, sei es nun berechtigt oder auch nicht, vielleicht wollte er aber nur in aller Ruhe wie alle anderen das halt eigentlich tagtäglich tun etwas essen. Unterm Strich ist die Chance dass er seine Ruhe haben und mehr oder minder in der Menge untergehen wird aber ziemlich gering. Wenn er sich nun ins etwas bessere (naja, zumindest der Preis versucht das gerne nahe zu vermitteln, auch wenn qualitativ leider oft das Gegenteil der Fall ist) Touristenrestaurant begibt, dann wird er aber genau das finden: Seine Ruhe, in der Menge untergehen, nicht auffallen wie bunter Hund, relativ abgeschottet von Neugierde, netten aber falschen Wegweisern, Bettelambitionen und all dem anderen was das einfache Abendessen stören könnte. Am Ende muss man lernen, dass da leider auch eine direkte Relation zum „Luxusstandard“ besteht: mehr Luxus bedeutet mehr Ruhe. So wie mehr Ruhe mehr Luxus bedeutet… ein netter Worteffekt der da zufällig entsteht ;)
Am Ende spielt es keine Rolle welchen der beiden extrem-Wege oder welche Abwandlungen davon man ursprünglich als die eigene Reisephilosophie betrachtet, bislang habe ich noch niemand getroffen der sich zwischendrin nicht mal heimlich über ein gefliestes eigenes Bad mit Heißwasserdusche, die nicht den gleichen einzelnen Quadratmeter einnimmt wie die Toilette, gefreut und ein paar Dollar mehr dafür bezahlt hätte.

flashpacking dinner

flashpacking dinner

Aber nein, ich drücke mich nicht um die Friseurgeschichte, denn nochmal: die ist öde. Und rechtfertigen will ich mich auch vor keinem, es soll mehr oder weniger eine Ergänzung zu den Kolonialtheorien von gestern sein. Wie ich jetzt allerdings die Biege zum Friseur finde, das ist wahrlich eine gute Frage. Mein Friseur war kein Kambodschaner, ich glaube Australier, hab mich da aber weder groß drum gekümmert noch mich danach erkundigt, sondern war viel mehr aufgeregt, was da bei herauskommen wird. „if you want something fancy and be treated like a princess, this is your place!“ habe ich so oder so ähnlich eine seiner Kundinnen eine online-Lobeshymne über ihn schreiben sehen. Das mit der Prinzessin, das war zum Glück nicht der Fall, und ob es gut geworden ist.. nun, ich hatte Haare bis zwischen die Schulterblätter und wollte nun meinen wuscheligen Lockenkopf von vor zwei Jahren zurück, eine Frisur die geschriehen hat „ich war seit nem halben Jahr bei keinem Friseur mehr!“, und wie sehr kann ein Friseur das treffen? Nun, ich glaube r nicht mal so schlecht, denke ich, aber das werden erst die nächsten Tage und Haarwäschen so wirklich zeigen. Sensationelle achtzehn Dollar (bestimmt sechs mal so viel wie ein ordinärer kambodschanischer Friseur verlangen würde) haben mich dem Wunsch jedenfalls deutlich näher gebracht als ein kambodschanischer Friseur das im allgemeinen könnte. Woher ich das so sicher weiß? Nunja, ich hab ein wenig Erfahrung mit asiatischen Friseuren, und meistens dauert es eine viertel Stunde bis besagte Haarkünstler mit dem bestaunen meiner Haare samt Wirbel und Locken und fachsimpeln mit den Kollegen abgeschlossen haben. Dann wird alles glatt gekämmt damit es besser in ihr Ausbildungs- beziehungsweise Erfahrungsmuster passt und geschnitten als ob ich Asiate wäre. Also ein gewollter Schnitt mit den falschen Haaren auf dem falschen Kopf. Während ich irgendwann das Schauspiel genossen und hinterher die Haare einfach rundum kurz geschoren habe, wollte ich das dieses mal nicht, denn ich weiß wie lange es von ganz kurz bis lockig dauert. Ja, ich habe mich dem Luxus der Ruhe hingegeben. Ein paar Dollar mehr bezahlt. Ein einfacheres Reiseleben gehabt. Aber nun auch deutlich weniger Geschichte dazu.
Nunja, so beinahe wäre es noch zur Geschichte gekommen, denn irgendwie lief bei der Kommunikation um meinen Bart was schief, und die Zeit den zu stutzen blieb beim Australier dann leider nicht. Bart, was kann da schon schief gehen? Also rotzfrech mit der neuen Frisur auf zum nächsten kambodschanischen Friseur, mit soviel Gesten wie nur geht versuchen zu erklären dass der Bart verdammt kurz, aber nicht weg gemacht werden soll, zurücklehnen und abwarten. Ein fasziniertes und zugleich ratloses Gesicht hinter mir, in den Händen Kamm und Schere. Ein wenig lächeln musste ich ja, und noch während ich denke „hey, ich weiß ich hab mehr und anders Bart als Kambodschaner, aber bitte, Du dürftest auch einfach den Langhaarschneider nehmen, geht auch bei mir einfacher“ setzt er – zum Glück ziemlich zaghaft – an: an meiner brandneuen achtzehn-Dollar-Frisur. Ich konnte den ambitionierten Herren gerade noch rechtzeitig stoppen, und nicht nur er wirkte deutlich erleichtert als dann wirklich allen klar war, dass es ausschließlich um den Bart geht. Macht dann mit kleiner Nackenmassage zwei Dollar, und so ist für zwanzig Dollar der neue Look erstmal fertig.
Eine Nacht noch, dann geht es aber schleunigst wieder zurück in die nicht immer leichtere, aber deutlich einfachere Reisewelt.

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