Mehr Geld, mehr Egoist. Mehr Neureich, mehr Arrogant.

 

Ein wenig lustlos am letzten Morgen was neue und ungewisse Orte angeht, habe ich mich an der Busstation am frühen Morgen dann doch so ganz spontan für ein „zurück“ entschieden. Und auch wenn ich in dem Moment keine Ahnung hatte was ich dort denn nun eigentlich schon wieder will, so war dann doch „ein Ticket nach Kampot für den neun Uhr dreißig Bus, bitte“ was ich durch die kleine Durchreiche in der Glasscheibe an Schalter fünf aufgesagt habe. Was spricht denn schon dagegen sich noch ein paar Tage gediegener Planlosigkeit mit wenig zu tun, trotzdem genug Beschäftigung und gutem Essen hinzugeben? Also auf nach Kampot, exakt am chinesischen Neujahr.
China, das ist ganz weit weg, habe ich gedacht. Deren Neujahr ein Fest, das hier zwar als wilkommene Ausrede genutzt wird um Buspreise temporär auf ein horrendes Level anzuheben, aber sonst eigentlich wenig Effekt auf das Leben im Süden haben sollte, habe ich mir so zurechtgelegt. Dass das nicht ganz richtig so ist, das habe ich dann in Kampot daran erkennen müssen, dass doch tatsächlich die Hotels und Guesthouses gar unangenehm ausgebucht waren, aber dazu später vielleicht ein wenig mehr. Zuerst muss ich da noch etwas über die Busfahrt loswerden…

Dass Südasiaten (ich habe die Richtung „Ost“ bewusst dabei nicht verwendet) irgendwie einen Hang zu einer komischen Form des Egoismus zu haben scheinen ist ja irgendwie doch nix neues, bei den allermeisten gehts doch immer um Ego, während Alter so ziemlich egal ist. An anderer Leute Haus pinkeln? Nix ungewöhnliches, in Kambodscha ist das häufigste Schild nicht ohne Grund „pinkeln verboten“ wie ich mir erklären lassen hab. Immer Vorfahrt haben? Selbstverständlich, denn warum sollte man auch andere mal vorlassen wenns eng wird. Den Müll in der Pampa verteilen? Trifft einen ja nicht direkt, also gar kein Problem und irgendwer wirds dann ja schon mal wegräumen. Alles keine neuen Erkentnisse, und ich persönlich finde dass es da eine deutliche Verhältnissmäßigkeit gibt: Mehr Geld, mehr Egoist. Mehr Neureich, mehr Arrogant.
Wie weit das aber in Kombination mit einem gewissen Hang zum allgemeinen Siff und sagen wir mal etwas… allgemeiner Hygiene-Naivität gehen kann, überrascht mich dann doch immer mal wieder. So zum Beispiel die gar grauenhaft arrogant egoistische Familie auf dem Weg von Phnom Penh in Richtung Süden. Dazu muss man wissen, dass Kinder bis zu einer gewissen Größe oder einem gewissen Alter umsonst fahren, getreu der Annahme dass diese mehr oder minder auf dem Schoß der Eltern quasi keinen relevanten Platz benötigen. Meistens mag das auch zutreffen, aber nicht wenn eine dieser neureichen Damen aus Phnom Penh ihre Interprätation von „kultiviertem“ Reisen mit zwei Kleinkindern auslebt. Dazu braucht es erst mal einen Berg an Krempel, verstaut in drei riesigen Taschen und Rucksäcken, die aufgrund der Notwendigkeit an Kinderverpflegung natürlich nicht im Gepäckraum mit fahren können, aber auch wegen der enormen Größe jedes einzelnen dieser Gepäckstücke nicht in die Ablage über den Sitzen passen mag. Also sortiert die kultivierte Kambodschanerin von heute diese erst auf, um und unter dem ersten Sitz, packt den vielleicht maximal dreijährigen Junior oben drauf, nimmt auf dem Sitz platz der eigentlich für ihren Gatten gedacht war und nimmt die vielleicht gerade mal einjährige Tochter auf den Schoß, während nun der Mann schauen darf wo er bleibt. Sein erster Versuch war nun, sich einfach Hintern voraus ein wenig Platz in der Sitzreihe gegenüber zu erdrängeln. Blöd dass da so eine groß geratene Langnase absolut gar nix von der Idee hielt, denn ich wollte weder mit dem Hintern von diesem Typ meinen sowieso schon viel zu engen Sitzplatz teilen, noch dem armen Mädel rechts von mir zu sehr auf die Pelle rücken. Versuch gescheitert, und er versucht, wohl ein wenig mehr erfolgreich, sein Glück weiter vorne im Bus nochmal. Seine Holde beginnt während dessen unbeeindruckt ihre zwei kleinen Moppelkinder (noch so eine komische Relation zu „Neureich“ in Asien) zu mästen. Runde Eins: die kleine bekommt Kuhmilch aus dem praktischen 150ml Tetrapack per Stohhalm. Natürlich wird der nicht leer, sondern nachdem die kleine genug hat wohl deutlich mehr als halb voll in das Netz im Vordersitz geklemmt, mitsamt Strohhalm. Der kleine bekommt ne Runde Kekse und sein Videospiel. Soweit nichts, was mich auf dem Nachbarsitz stören würde, auch wenn die Verwunderung groß ist. Kennt jemand den Film Ideocrazy? Ich glaube da ist mehr wahres dran als ich das jemals so einem Trashfilm zugetraut hätte, wobei diese Feststellung nicht nur auf dieser einzelnen Beobachtung beruht. Kaum 30 Minuten im Stau von Phnom Penh gestanden, so eine Krankheit der man hier wohl zu keiner erdenklichen Tageszeit im Bus auch nur irgendwie halbwegs entgehen könnte, kramt Mutti von Welt die zweite Runde aus dem Rucksack, für jeden gibts jetzt noch einen ausgewachsenen Zuckerbrocken in Form eines Bonbons hinterher. Während der kleine sich damit wohl nicht groß anfreunden muss, spuckt die kleine Schwester diesen nach ner Minute lieber wieder aus. Die Mutti bemerkt das, fängt den Brocken mit nem Taschentuch ab und wirft ihn auf den Boden. Da er aber er noch etwas störend wirkt, wird er dezent ein paar Sitzreihen nach vorne gekickt. „Moppelkinder…“ denk ich mir noch, „… wundert irgendwie nicht so arg.“ als ich vorerst ein wenig eindöse. Bis ich eine Srunde später wieder aufwache stecken schon zwei beinahe volle, aber angebrochene Tetrapacks Milch im Netz des Vordersitzes. Woher ich weiß dass die noch gut voll waren? Nun, wenn man mit dem Knie nun unpracktischer Weise auf diese Kartons drückt und der Strohhalm noch steckt… gibt es Sauerei, ganz klar. Und die gab es tatsächlich, als ob ich es nicht irgendwie schon geahnt hätte. Gekümmert hat das allerdings keinen. Die Pfütze ein wenig großflächig verteilt und die Hände am Vordersitz abgestreift fängt das ja frühestens morgen an zu stinken. Aber es reicht ja nicht, dass die Fahrgäste morgen ne Freude haben, die kleine hat da nach Runde vier (oder mehr, war ja nicht so aktiv am zählen die ganze Zeit) einen besseren Plan gehabt: Es sollen alle was von diesem Chaos haben, und so kotzt sie einmal die ganze hochwertige Verpflegung der ganzen bisherigen Fahrt fröhlich auf den Sitz in Richtung Taschen und Bruder. Ein gar widerlicher Gestank hat so den Bus eingenommen, von dem dann wirklich jeder etwas hatte. Pflichtbewusst wie sie war begann nun auch diese kambodschanische Mutti ein wenig sauber zu machen, wenn auch auf eine schwer ignorante Art und Weise: per Taschentücher fleißig verrieben, diese dann ohne irgendwie zusammen zu falten oder in einer Tüte zu verstauen neben die zerdrückten Getränkekartons geschoben dass auch dort ordentlich was von dem lecker riechenden Schmodder hängen bleibt, der kleinen noch das Gesicht abgewischt, die Tücher davon mangels Platz im „Müllnetz“ auf dem Boden deponiert und den Junior auf den Fleck nebenan gesetzt war für sie die Sache erledigt, ich allerdings hatte so meine Not nicht noch einen gewissen Teil zur Sauerei beizutragen.

Guten Abend Kamopt, ich bim wieder da! ;)

Guten Abend Kamopt, ich bim wieder da! ;)

Meine große Hoffnung auf die Halbzeitpause wurde allerdings enttäuscht. Während die zwei kleinen nun in der Raststätte mit dem dort angebotenen Essen weiter gefüttert werden, waren meine Versuche den Busbegleiter zu irgend einer Aktion die stinkenden Schmoddertücher aus dem Bus zu holen oder die Mutti dazu zu bringen das selbst zu tun reichlich unerfolgreich und wurden lediglich mit Ignoration beantwortet. Er sitzt ja auch ganz weit vorne, direkt neben einem offenen Fenster und bekommt davon wenig mit, während ich die restliche Fahrt nur hoffen kann, dass nach noch drei Fütterungsrunden und einem neu angebrochenen Karton Kuhmilch die kleine das zumindest die Fahrt lang für sich behält. Persönlich hatte ich so oder so jetzt schon irgendwie tiefstes Mitleid mit den armen Jungs und Mädels, die irgendwie versuchen werden müssen das ganze vor der nächsten Fahrt so halbwegs sauber zu bekommen.

Ohje, jetzt habe ich schon wieder so viel geschumpfen und dann doch irgendwie nichts zu meinen Reisetagen (und dem Neujahrsproblem) erzählt. Aber ich gönn mir einfach mal wieder den Luxus an der Stelle zu unterbrechen und den Rest im nächsten Eintrag unterzubringen, oder so… ;)

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