Neujahrsausreden

 

Das liebe chinesische Neujahr, gut als Ausrede für so ziemlich alles in Asien, es hat mich dann doch tatsächlich noch anders getroffen als im Geldbeutel, auch wenn mir der Zusammenhang noch nicht soooo sonderlich klar ist. Eigentlich betrifft es, klar, die Chinesen. Daneben noch die Vietnamesen, bei denen das ungefähr ähnlich abläuft und vielleicht noch die ganzen Chinesen, die das sonstige Asien überlaufen. Soweit, so logisch. Wie kommt es nun aber, dass so gut wie alle Hotels und Guesthouses die mehr als eindeutig auf langnasige Touristen ausgelegt und oft genug von Langnasen betrieben plötzlich randvoll ausgebucht sind? Überall wo ich in Kampot gerade aufschlage, es wird immer das „chinese new year“ als Entschuldigung für das „sorry, we are full“ angeführt. Versteh ich nicht. Ich hab noch keinen einzigen Touristen getroffen, der gesagt hätte „ich hab für das chinesische Neujahr frei bekommen, also bin ich deswegen aus England hier her geflogen“ oder so ähnlich und diejenigen, die die „ich arbeite in China/Vietnam, bin einen Monat über das Neujahr beurlaubt worden und reise solange durch Südostasien“ sind zum einen ja auch schon zwei Wochen unterwegs und zum anderen in Summe ne ziemliche Seltenheit. Also was ist nun die Ursache, und wenn es das Neujahr ist, warum spüre ich das dort, wo sich sicherlich noch nie ein Asiate für eine Übernachtung hin verirrt hat?
Man könnte nun argumentieren dass Kampot nahe an Vietnam liegt, und viele Vietnamesen wohl gerne (Kurz-) Urlaub in Kep und Umgebung machen. Aber wie schon gesagt, die haben andere Hotelpräferenzen und so wenig Kontakt in der Sache mit den langnäsigen Kollegen. Oder überfluten die so derart alles, dass selbst so manches Hotel das normal gemischtes Publikum hat wegen langfristigen vietnamesischen Reservierungen keinen Platz mehr für normal luxusbedürftige Westler hat, die nun notgedrungen wiederum meine so sehr geliebten Bambhshütten belegen? Wäre theoretisch eine Möglichkeit, aber auf der anderen Seite dachte ich immer chinesisch Neujahr sei ein Familienfest wie Silvester in Bishkek zum Beispiel. Und dort waren wohl alle Hotels leer, bis auf das eine das das Pech hatte von mir als Unterschlupf über die Feiertage auserkoren zu werden…

Kampot Taxi

Kampot Taxi

Ach, am Ende muss ich einfach feststellen: weder weiß ich es, noch versteh ich es. Unterm Strich ist es aber ein wenig ärgerlich für den flashpacking-Ausflug diese Hütte aufgegeben zu haben, nun für eine ähnliche zwei Tage auf einer virtueller Warteliste zu stehen und mir mit ein wenig mehr flashpacking die eine sowie schimmeligem Ekelzimmer die andere Nacht irgendwie zu behelfen. Aber ich glaube nun ist es, warum genau auch immer, einigermaßen überstanden. Ich habe endlich wieder eine Bambushütte in Sonnendecknähe bezogen, nach langem suchen auch eine Motorrollervermietbude gefunden die tatsächlich noch einen (einzigen) Motorroller zu vermieten hatte (wobei der Tank halb voll war und am Schlüssel ein relativ teuer wirkender Anhänger in Form eines halben Herzens baumelt, ich mag nicht so ganz genau wissen wessen eigentlich privaten Roller aus der Familie ich da jetzt genau gemietet habe), und jetzt kann erst mal kommen was da will, ich kann alles solange behalten wie ich mag.

ich und meine Bambushütten...

ich und meine Bambushütten…

Neujahr hätte ich nun ein zweites mal in diesem (Kalender-) Jahr überstanden, und damit ist jetzt endlich Zeit sich um das wesentliche zu kümmern: das gediegene Nichtstun. Eine Seite des Reisens, die ich so ausgiebig an mir noch nie erlebt habe, momentan immer mehr genieße und mich so langsam sorge ob die Steigerung davon wohl ausschließlich „all inclusive“-Pauschalurlaub sein mag. Auf dee anderen Seite: nachdem ich in Phnom Penh wohl mal wieder auf schlechtes Leitungswassereis hereingefallen zu sein scheine und die Verdauung dementsprechend etwas rebelliert, kann ich mich auch auf den Standpunkt „ich gönn mir das jetzt einfach“ stellen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

PS: ich mag kein gemecker über diesen Eintrag, dessen Inhalt oder Länge hören, denn ich bin unschuldig wie alle anderen die letzten Tage auch: „sorry, chinese new year…“

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