Aufbruchspläne

 

Ich wollte in diesem Urlaub eigentlich nichts planen, keine Fahrkarten für irgendwas kaufen und erst recht kein Visum für irgendwas beschaffen. Osteuropa sollte es werden, so die Idee, und ohne Visum kommt man da schon ordentlich weit. Außerdem gibt es keinen Bedarf daran irgendwo hin zu fliegen, was mir grundlegend ohnehin sehr sympathisch ist. Ja, einfach in der nächsten großen Stadt an den bekannten Busbahnhof für Fernbusse zu laufen und schauen was grad so im Angebot ist, das war die ursprüngliche Idee noch vor knapp zwei Wochen für den Start dieser Reise.

 

Eins direkt vorne weg: so naiv und beinahe schon reiseromatisch lief es nicht, und ich bin ziemlich froh darum dass eine irgendwann zwischendurch aufgekommene Idee den Urlaubsbeginn zu zweit anzugehen mich doch irgendwie dazu gezwungen hat zumindest für die ersten paar Tage ein grobes Konzept und Fahrkarten in der Tasche zu haben.
Irgendein kluger Mann, von dem ich gerade nicht mehr weiß wer es überhaupt war, hat wohl mal was gesagt das grob so klingen könnte wie „gäbe es die letzte Minute nicht, würde wohl nie etwas fertig werden“. Ich bin inzwischen geneigt, dem so uneingeschränkt zuzustimmen, selbst in Sachen verreisen. Hätte ich nicht dieses Zugticket besorgt, auf dem ein Datum und eine Uhrzeit steht, oder hätte ich das Bedürfnis dieses Ticket zu kaufen durch die Reisebegleitung nie gehabt, so wäre ich wohl nie mit packen fertig geworden, und ganz spontan reiseromantisch aufgebrochen wäre ich wohl die nächsten zwei Wochen noch nicht.

Mag sein, dass das ne Disziplinfrage ist. Aber ist Urlaub nicht irgendwie dazu da, die Disziplin um die man sich sonst so gerne vergeblich bemüht ganz legal zu ignorieren? Bevor sich nun mein Gefühl bestärkt ich würde mich mit dieser Argumentation im Kreis drehen, gebe ich lieber kurz und knapp dem mir unbekannten klugen Mann recht und beschließe dass zumindest der Reisebeginn geplant sein muss, einfach nur für die letzte Minute und um dem Alltagstrott irgendwie entkommen zu können.

Auf der anderen Seite ist da aber auch das alte Leid mit den Reiseplänen, denn so ganz hundertprozentig gehen die halt doch nie auf.
Auch wenn die Route auf den ersten Blick ein wenig komisch erscheinen mag, ich wollte unbedingt Zug fahren und dabei so eine ziemlich altes Vorhaben umsetzen, geht mir doch bis heute die Geschichte mit dem unscheinbaren und kleinen russischen Schlafwagen mit gewissem Enttäuschungsfaktor hinter der langen Reihe riesiger, hochmoderner CNL-Schlafwagen in Basel nicht ganz aus dem Kopf.
Deswegen sollte es in einem Schlafwagen der deutschen Bahn von Mannheim los gehen, irgendwo an Leipzig und Dresden vorbei, um dann schlussendlich nach einer ganzen Nacht mit einem riesigen Bogen quer durch Deutschland am frühen Morgen die Grenze zu Tschechien zu überqueren.

der tschechische Schlafwagen von innen

der tschechische Schlafwagen von innen. Alles gut, nur blöd dass er außen blau ist.

Also habe ich voller Vorfreude die Luxusvariante gebucht, privates Zweipersonenabteil mit Frühstück am Bett und so, und als es dann soweit war bin ich den Bahnsteig in Mannheim rauf und runter auf der Suche nach dem Luxusschlafgemach für die Nacht, und…
mal wieder die Wagon-Nummer meines Tickets nicht auf einem weiß-roten Schlafwagen der deutschen Bahn gefunden wie ich mir das eigentlich erhofft hatte.
Nein.
Blau war er. Mal wieder.
Und tschechisch war er.

 

Ein Elend mit den Plänen. Der Wagon war super, keine Frage. So rein theoretisch gab es nichts auszusetzen: Ein bequemes Bett mit genug Platz zum hinsetzen, ein eigenes Waschbecken mit Handbüchern und Waschkram im Abteil, ein ganzes Bad inklusive Dusche anstatt einer einfachen Zugtoilette im Wagon… kurzum alles was ich jemals an Nachtzügen auszusetzen hatte war perfekt, aber der Wagon war halb eben blau. Dabei war doch der elementare Bestandteil des Plans, dass er eben nicht blau ist (und ich jammer gern auf hohem Niveau, ich weiß

 

Das Thema Prag an sich…  ich glaub für heute beschränke ich mich einfach auf ein paar Fotos:

 

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