Anschlussverbindungen: Fluch der Überlandreisen

 

Die Verkehrsverbindungen in Osteuropa sind schon irgendwie ne Sache für sich. Ich kam eigentlich nur aus der Ambition heraus weiter gen Südosteuropa weiterreisen zu können von Prag hier her. Budapest.. nunja, ich war zum einen schon ein paar Tage hier, und zum anderen ist der Kontrast zu Prag auch eher gering.

Okay, Budapest ist nicht ganz so derart offensichtlich touristisch wie Prag. Budapest hat auch nicht ganz so viele Türme, Brücken, Burgen, Uhren und was weiss ich was alles wie Prag. Nichts desto trotz ist es dennoch irgendwie ähnlich: eine nette Stadt mit Wohlfühlfaktor, einem Fluss in der Mitte und ohne Touristen-Sorgen die man sich so machen könnte. Wunderbar, aber hab ich gerade genug davon. Ich will wildes Osteuropa, schlimme Busse fahren, billig in Bruchbuden übernachten und keine Chinesen mehr sehen. Das dürfte an sich ja nicht zu viel verlangt sein.

Schlafwagen von Prag nach Budapest

Schlafwagen von Prag nach Budapest – auch hier fährt man tschechisch, aber das ist okay so =)

Blöd nur irgendwie, dass sich die Verkehrsstruktur in diesem Teil Osteuropas irgendwie gegen mich verschworen hat: München und Wien ist gar kein Problem zu erreichen, weder per Bus noch per Bahn. Busse fahren dann noch weiter nach Italien, Belgien oder Norddeutschland, Züge soll es noch nach Zagreb, Split, Belgrad und Bukarest geben. Zumindest Zagreb wäre schon mal spannend und hat mein Interesse geweckt, aber die Dame am internationalen Ticketschalter erklärt mir dass der nur im Sommer fährt, Touristen in Richtung kroatische Küste quasi. „Nagut, dann eben Split?“ frage ich etwas verzwifelt nach. „nene, das ist quasi der gleiche Zug. Nach Split müsste man in Zagreb umsteigen“ bekomme ich als Anwort. Ohjehje, weder Belgrad noch Bukarest mag ich gerade. Beides schon gesehen und mir ist gerade eher nach neuen Zielen. Ich beschließe jetzt einfach mal zu raten: „ein Zug nach Sarajevo?“ Die Frau hinter der Glasscheibe am Ticketschalter verdreht die Augen. „Nein, haben wir nicht“. „dann vielleicht Kischinau?“ Die Frau wird offensichtlich langsam ungeduldig: „Nein“. „irgendwas anderes vielleicht, heute und nicht Bukarest oder Belgrad?“. Ich bekomme keine Antwort auf die Frage, also ist es wohl höchste Zeit für mich einzulenken: „Dann bitte ein Ticket nach Belgrad, heute Abend“ – „Kostet 15 Euro.“ – „Gibt es keinen Schlafwagen?“ die Frau verdreht die Augen, bis fast nur noch weiß zu sehen ist „Nein, nur Sitzplätze“. Also gut, ich werde mal wieder nach Belgrad fahren. 22:25 ist Abfahrt, 06:32 Ankunft: kein Traum an sich, aber es geht vorwärts und ich wurde wenigstens nicht von einer entnervten Bahnmitarbeiterin aufgefressen.

 

ein Löwe an der Kettenbrücke Budapest

ein Löwe an der Kettenbrücke

Bleibt noch ein ganzer Tag Budapest. Also Gepäck mal wieder am Bahnhof deponiert und raus ins Freie. Meine Füße tun zwar jetzt schon weh, die ausgedehnten Spaziergänge die letzten Tage haben ihre Spuren in Form von unangenehmen Blasen hinterlassen, aber allemal besser als einen ganzen Tag am Bahnhof zu sitzen und auf die Uhr zu starren.

Ein klein wenig enttäuscht bin ich ja schon. Ich hatte mir eigentlich erhofft schneller an einen neuen Ort zu kommen. Irgendein Ort, den ich als Urlaubsort bezeichnen würde, und nicht als notwendigen Zwischenstopp. Den Tag in Budapest, der wäre gar nicht so schlimm. Aber zu wissen, dass morgen wohl das gleiche oder zumindest etwas ähnliches in Belgrad passieren wird… das ist schon eher nicht mehr so toll.

Der Bahnhof Budapest Keleti pályaudvar am Abend

Der Bahnhof „Keleti pályaudvar“ am Abend. Ich mag meine neue Kamera, so nebenbei bemerkt… =)

Meine Füße schreien nach Erholung, meine Wäsche will gewaschen werden, meine Erwartung sucht die Überraschung im unbekannten. Stattdessen hänge ich den zweiten Tag in Folge in einer Stadt herum, die ich so rein gedanklich schon länger mal als gesehen und erledigt abgehakt habe. Kein Zimmer zum zurückziehen, das Gepäck nur in einem Schließfach am Bahnhof… 

 

Nach wie vor, ich kann mir keine angenehmere Reiseart wie die langsame über Land vorstellen. Aber irgendwo fest zu hängen, auf der Wunschstrecke einfach kein Verkehrsmittel zu finden oder schlicht und einfach nicht vernünftig vorwärts zu kommen weil einem alle möglichen Transport-, Visums- oder Behördensteine in den Weg gelegt werden, das sind die weniger schönen Seiten daran. Trotzdem weiß ich eines ziemlich sicher: Sobald ich wo-auch-immer angekommen bin, beziehungsweise spätestens wenn ich wieder daheim bin werde ich mich daran freuen genau den Weg genommen zu haben, insgeheim stolz darauf sein die „Herausforderung“ geschafft zu haben und niemals auf die Idee kommen dass ein anderer Weg der bessere hätte sein können, egal wie sehr ich jetzt im Moment auch gerne schimpfen würde.

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