Podgorica: für eine Hauptstadt schon eigenwillig…

 

Böse Zungen behaupten es wäre die „langweiligste Hauptstadt Europas“, Wikipedia meint zumindest ganz neutral sie hat mit 100 Einwohnern je km² die geringste Bevölkerungsdichte unter den europäischen Hauptstädte und mein geballter Osteuropa-Reiseführer handelt diese Stadt in zwei Seiten Text und einer Seite Karte ab, so wenig wie sonst keine Hauptstadt auf den gut 1000 Seiten.

Podgorica

Podgoricas ,,Skyline“

In der Tat gibt es hier nichts was in klassischen Sinne irgendwie unter den Titel „Sehenswürdigkeit“ fallen könnte, aber für mich ist es vielleicht gerade deswegen eins: ein nettes, ruhiges kleines Städtchen in dem mich die Leute fröhlich anlächeln, als ob keiner das Wort „Hektik“ aus persönlicher Erfahrung kennen würde, mit vielen grünen Parks und ganz viel sympatischem Kleinstadtcharme.

 

Schwimmhalle des Morača Sportzentrums Podgorica

wenn ich nich total falsch liege, ist (oder war…) das die Schwimmhalle des Morača Sportzentrums.

Ich mag sie trotzdem, diese Stadt deren Zentrum man zu Fuß in gut einer Stunde gemütlich umrundet und erkundet hat, um dann einfach wieder in einem Park die Sonne zu genießen. Es gibt hier nichts, das man „gesehen haben muss“, nichts was man „tun sollte“ oder „nicht verpassen darf“. Man braucht selbst auch keine Hektik aufkommen zu lassen, denn es gäbe nichts was einem hier davon rennen könnte.

 

Hotel Podgorica

Das Hotel Podgorica: ,,a wonderful showcase of 1960s Yugoslav architekture“ meint der liebe Reiseführer…

Ja, ich gebe es ja zu… wirklich schön ist es hier nicht. Die Stadt an sich zumindest. Es gibt kaum etwas, dem man zutrauen würde schon länger als 70 Jahre so steht wie es jetzt zu sehen ist, und nur weniges dem man zutraut innerhalb der letzten 20 Jahre neu gebaut worden zu sein… Man könnte auch sagen: eine Stadt komplett im praktischen Sowjet-Stil, die (naturgemäß) den großen Glanz schon ein paar Jahre hinter sich hat. Ohne Tourismus-Fassade aus Pappmaché, ohne Sightseeing-Busse, ohne unbedingt jemandem anderen gefallen zu wollen, einfach nur eine ruhige Stadt in Osteuropa, deren Leute mir bei weitem nicht unglücklich erscheinen.

 

Nachdem auf dem Weg hier her das Reisegefühl so langsam bei mir ankam, ist das nun eben mein ganz langsamer Start in den Urlaub. „An sich ja nur konsequent“ rede ich mir ein, wahrscheinlich nur um mir meine ganz spontane eigene Faulheit ein wenig schön zu reden.

 

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