Fortbewegung, albanisch.

 

Busfahrten in Albanien sind doch immer wieder ein spannendes Unterfangen. Wenn man der albanischen Sprache nicht mächtig, also im Grunde nur sehr beschränkt fähig ist sich durchzufragen, endet das gut und gerne mal in einem kleinen Glücksspiel. Die erste Etappe hierbei: Der Busbahnhof. Gibt es den, wie hier in Berat der glückliche Fall, so weiß man doch immerhin mal von wo aus man denn potentiell am besten starten könnte. Mit dem Wissen der genauen Route und des grundlegend nicht schriftlich überlieferten sondern wohl eher auf Erfahrungswerten beruhenden Busfahrplans kann man sich zwar weiterhin einfach irgendwo auf der Strecke an den Straßenrand stellen und den Bus am vorbeifahren stoppen, aber solch fortgeschrittene Methoden traue ich mir dann doch nicht zu.

 

Stadtbus in Berat

der Stadtbus in Berat

Also für mich die einfachere Methode: Man nehme den Stadtbus vom Zentrum aus an den Busbahnhof. Soweit ich das beurteilen konnte, gibt es wohl nur eine einzige Linie im Zentrum die wegen der Form der Stadt, eingekeilt zwischen Berg und Fluss, eigentlich zwangsläufig am Busbahnhof vorbeikommen muss. Also raus aus dem Hotel und unter leichter Verwirrtheit der anwesenden Fahrgäste direkt rein in den Bus, der da zufällig gerade an der Straße hielt. „Hallo, ich bin Tourist. Und ob es euch gefällt oder nicht, ich freu mich mit euch den Stadtbus teilen zu dürfen. Und ja, das komische grüne Ding was Ihr so verstohlen bemustert, das ist mein Gepäck, das fährt genau wie ich auch gerne mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln“ denke ich mir meine Begrüßung in die Runde. Nein, grimmig sind die hier alle nicht, nur neugierig. Neugierig und gesprächig, dabei müssten sie in Berat den Anblick von Touristen ja eigentlich gewohnt sein und auch ein wenig wissen dass es nicht hilft albanisch mit jemandem zu reden, dessen Sprache in der er versucht zu erklären dass er kein albanisch versteht selbst auch nicht verstanden wird. Vielmehr scheint auch hier der Glaube vorzuherrschen, dass langsameres weiterreden schon irgendwie für Verständnis sorgen würde.

 

Ach, das liebe Ausland und die Sprache, immer wieder die gleiche Erkenntnis: so nett es auch immer gemeint ist, langsameres reden sorgt in der Regel noch lange nicht für das Verständnis einer fremden Sprache, so schön und einfach es doch auch wäre. Auf der anderen Seite muss aber auch mal gesagt werden: mit englisch kommt man hier doch erstaunlich weit. Nicht bei allen, aber oft taucht bei Personen von denen man es am allerwenigsten erwartet ein astreines englisch auf, was dann gut und gerne auf meiner Seite für Verwirrung sorgt. Als ich auf gut Glück in mein letztes Hotel gestolpert bin um nach einem Zimmer zu  fragen, war zum Beispiel die Dame an der Rezeption nicht in der Lage auf irgendeine halbwegs produktive Art zu kommunizieren, auch wenn wir uns beide bestens darum bemüht haben. Die Putzfrau allerdings, die kurz danach gerufen wurde, hat mir im besten englisch die Zimmer gezeigt und mich eingecheckt. Also im Grunde klappt es hier sprachlich mit englisch immer irgendwie, zwar meistens auf erstaunlichen Wegen, aber auch erstaunlich gut.

 

Landschaft in Albanien

unterwegs nach Vlorë…

Aber zurück zum Bus-Thema. Nachdem ich also per Stadtbus nach einer gefühlten viertel Stunde in der der Busticketmann mich mit mir völlig unverständlichen Dingen unterhalten hat am Busbahnhof ankomme, gilt es erst mal Wunschziel mit dem nicht existenten Fahrplan abzugleichen.

Wie man das am besten macht? Man setzt sich einfach in ein gemütliches Eck im Schatten mit bestmöglichem Überblick, liest die Schilder mit den Zielen hinter der Windschutzscheiben und versucht sie dann irgendwo auf der rudimentären Karte im Reiseführer wiederzufinden. So ganz den Dreh hab ich da auch noch nicht raus, denn wie lange man warten muss um alle Ziele einmal gesehen zu haben, das können einem wohl nicht mal albanische Busprofis beantworten. Sicher ist nur eins: meine Geduld ist endlich, und demnach entscheide ich mich nach einer dreiviertel Stunde für den Kleinbus mit dem „Vlorë“-Schild an der Windschutzscheibe da es meinen spontanen Ideen von „Süden“ und „Meer“ am ehesten zu entsprechen scheint.

 

Ein sehr freundlicher Herr der auch gerne albanisch mit mir spricht fragt mich fröhlich „Vlorë?“ als ich vor dem Bus stehe, ich bemühe mich und gebe wohl irgendwas in Richtung „Florä!“ von mir. Es reicht für einen Lacher beim freundlichen Herren, der mir nun anbietet meine „Baggasch“ schon mal verstauen zu können. Alles klar, und weil es so nett war und ich so neugierig bin, erkundige ich mich gleich noch per Geste auf der imaginären Uhr am Handgelenk um die Abfahrtszeit. Die Antwort? Albanisch. Aber das langsam reden mit den Gesten hat doch tatsächlich geholfen, dass es „eins“ dauert. Oder um eins losgeht. Wie auch immer: um eins oder in einer Stunde, der Unterschied dazwischen sind auch nur 30 Minuten und ich bin dann doch erstaunt, wie effektiv langsam reden in albanisch dann doch sein kann. Ich verstehe dank ausführlicher Gestem sogar, dass ich ruhig ins „Lokal“ gehen soll, und mir der freundliche Herr dann bescheid gibt wenn es los geht. Respekt!

Strandbaustelle in Vlorë

Vlorë baut sich einen neuen Sandstrand.

 

Vlora steht, im Gegensatz zu Berat zuvor, nicht in meinem Reiseführer. Soweit ich das inzwischen beurteilen kann ein ziemlich gutes Indiz dafür, hier auf keine Engländer, Australier und Amerikaner zu treffen, und grundsätzlich auch sonst wenige ausländische Touristen zu finden. Für wen Vlora so im allgemeinen konzipiert ist, kann ich nur vermuten: Badetouristen aus dem eigenen Land. Lange nicht das schlechteste, aber bei weitem auch nicht das spannendste was ich mir in Albanien so vorstellen kann. Mich zieht es ja noch ein wenig weiter, dahin wo es für mich mehr zu erkunden gibt wie Bettenbunker, Cafes und aufgehübschte Sandstrände. Ich bin ja schon mal gespannt, wie ich einen passenden Bus finden werde…

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