Porto Palermo und ein U-Boot Bunker, alles zu Fuß…

 

Ein paar Bilder im Internet die eine verlassene Militärbasis mitsamt einem angrenzenden U-Boot Bunker zeigen, dazu ein paar Fotos in der Reise-App einer Festung auf einer Halbinsel ganz in der Nähe, das kann schon mal ausreichen um auf blöde Ideen zu kommen. Zumindest bei mir.

 

Panorama über Borsh am Morgen

Borsh am frühen Morgen

 

Da öffentliche Nahverkehrsmittel irgendwie wenig planbar und daher ziemlich unerlässlich sind, war mir klar: ich muss das alleine schaffen, irgendwie. Sind ja auch nur irgendwie sieben oder acht Kilometer, grob geschätzt. Demnach mache ich morgens gegen halb zehn auf, den Rucksack voller Wasser, auf in Richtung Porto Palermo. viele Möglichkeiten sich zu verlaufen gibt es nicht: der wirklich einzige Weg ist die Küstenstraße selbst in Richtung Norden, Abzweigungen, Nebenstraßen oder Abkürzungen scheint es keine zu geben. Also eben pünktlich zur Mittagssonne bei theoretischen 27° im Schatten, praktisch aber nichts auf der ganzen Strecke das Schatten spenden würde, auf einer Hauptstraße gut eineinhalb Stunden die Küste entlang wandern. Blöde Ideen, sag ich doch.

 

leere Straße in Albanien

Angst vor Autos? völlig unangebracht hier…

Kakteen

… genug Wasser und Sonnencreme ist hier wesentlich wichtiger

Angst vor bösen Einheimischen braucht man allerdings wohl kaum haben, die Straße ist in allem sehr wenig befahren, und die meisten zeigen sich äußerst erstaunt über Fußgänger zwischen den Dörfern, aber außer zu verwirrten bis entgeisterten Blicken trauen sie sich dann doch zu nichts. Anhalten? Fragen ob man mitgenommen werden will? Ich wäre je nach augenscheinlicher Vertrauenswürdigkeit wohl nicht mal abgeneigt gewesen, aber die Hoffnung (oder Sorge?) braucht man sich dann doch nicht zu machen. Stattdessen ist es zunächst wirklich so öde wie es sich anhört: laufen, laufen und noch weiter laufen. Eineinhalb Stunden, durch ein Dorf, den Berg hoch, den Berg hinunter, eine Kurve nach links und vielleicht auch wieder eine nach rechts. Muss man sich Gedanken machen wenn man in so einer Situation zu Selbstgespräche tendiert? Und noch weiter laufen. Links das Meer, rechts der Berg und senkrecht die Sonne. Nachdem alle Selbstgespräche geführt waren die zu führen waren, kommen nun die komischen Ohrwürmer die man laut singen muss, aber eigentlich eher gerne loswerden würde. Warum es wenn mir die Sonne auf den Kopf scheint recht häufig ausgerechnet amerikanische Weihnachtslieder sind, das habe ich auch noch nie verstanden, aber irgendwann, spätestens wen man am Ziel ankommt, hört auch das wieder auf.

 

die Festung Porto Palermo

Festung Porto Palermo in Albanien

die Halbinsel in Porto Palermo mit Festung von der Straße aus sieht nicht ganz so spektakulär aus wie die Luftaufnahmen im Internet…

verlassene Siedlung Porto Palermo

die verlassene Siedlung beim Hafen

Schlange in Porto Palermo

eine Festungsschlange!

Küche in der Festung Porto Palermo

war wohl mal eine Küche, dem in die Wand eingelassenen Herd nach.

Kellertreppe Porto Palermo

der Weg auf das ,,Sonnendeck“ der Festung

Porto Palermo, eine Bucht mit einem kleinen Hafen, neben dem kleinen Hafen etwas wie eine verlassene Siedlung, neben der verlassenen Siedlung eine Halbinsel und auf der Halbinsel eine ziemlich intakte Festung die auf Luftaufnahmen wunderbar aussieht, so auf dem Boden aber ein wenig an Flair einbußen muss. Nichts desto trotz kann man sich das gut und gerne mal anschauen, wie ganze Reisebusse vermeintlicher Schulausflüge die hier im Halbstundentakt vorbeikommen, alle aussteigen, einen Selfie auf der Festung machen und dann wieder weiter fahren, im klimatisierten Reisebus. Klimatisierten Reisebus… allein das finde ich völlig erstaunlich. Ich bin schon so manch albanischen Bus gefahren, manchmal mit Lift so dick dass man sie schneiden könnte, manchmal mit dank geöffneten Fenster oder alternativ Türen so viel Fahrtwind dass die Augen beginnen zu tränen, aber eine Klimatisierung per Klimaanlage? Beinahe surreal das hier zu sehen.
Wie auch immer, ich freue mich vor allem an den dunklen Katakomben der noch vermeintlich komplett intakten Festung. Es ist dunkel, es ist feucht, ohne Taschenlampe würde man den Ausgang aus manchen Gewölben wohl durch tasten finden können, aber es ist schattige, und es ist kühl. Eine wunderbare Abwechslung zu der Sonne in dem Moment.

 

der U-Boot Bunker

U-Boot Bunker Porto Palermo

der U-Boot Bunker: verschlossen, natürlich.

Militärbasis in Porto Palermo

die verlassene Militärbasis in Porto Palermo

Aber ja, da war noch was. Festung war Beiwerk, Siedlung eine nette Überraschung, aber mein eigentliches Ziel lag noch ein kleines Stück weiter nördlich in der gleichen Bucht: der U-Boot Bunker. Die Strecke war nicht mehr ganz so weit, zu Selbstgespräche kam es demnach dieses mal nicht mehr, aber so wirklich lohnenswert? Nun, ich bin mir da nicht so sicher.
Ich habe mich zunächst irgendwo an den Berg gesetzt, die Sache beobachten. Das komplette Gelände ist ziemlich gut einsehbar, und auch wenn die Gebäude alle lange verlassen und ziemlich verkommen sind: die albanische Marine parkt hier wohl gerne mal zwei Patroullienboote, und allein deswegen ist es noch immer militärisches Sperrgebiet. Ich sehe Esel durch das Gelände schlendern, Zäune sind weitestgehend keine mehr vorhanden, aber allen Gebäuden sieht man schon von weitem an, was die Kamera mit Teleobjektiv nur bestätigt: Das hier ist nicht Halls über Kopf verlassen worden, hier wurde sorgfältig aufgeräumt und wohl sogar noch gelegt bevor der letzte gegangen ist. Wenig zu entdecken also, außer vielleicht ein paar kargen alten Mauern. Der U-Boot Bunker selbst war natürlich verschlossen, wie zu erwarten war. Man könnte vielleicht Inder den massiven Stahltoren durchtauchen, aber das ist keine ernstzunehmende Alternative. Das Internet hat mir von einem kleine Zugang auf er Seite erzählt, den ich sogar anhand der Foto die ich davon gesehen aber aus der Ferne ausmachen konnte. Aber ich war wohl nicht der einzige dem das liebe Internet von diesem offenen Zugang erzählt hat, denn dieses ehemalige Loch wurde ziemlich massiv zugesperrt.

 

der ,,normale'' Hafen. Mit fliegenden Booten, so beinahe

der ,,normale“ Hafen. Mit fliegenden Booten, so beinahe

Alles in allem, nach einer guten halben Stunde beobachten und Tele-fotografieren und auf den Fotos zoomen komme ich dann zu dem Entschluss: lohnt sich nicht. Ich werde zwar vielleicht nicht beobachtet werden, aber unter ziemlicher Sicherheit auch nicht in den Bunker kommen. Sich dafür auf (zumindest theoretischem) Sperrgebiet herumtreiben? Nope, hier ist nichts spannendes zu entdecken ohne grob irgendwo einzubrechen. Und einbrechen, das mach ich nicht. Ergo: weiter die amerikanischen Weihnachtslieder singen, ich habe noch einen ziemlichen Rückweg vor mir.

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