schwarzfahren quer durch Griechenland

 

Nun, es war nie meine Absicht, zumindest anfänglich nicht, soviel muss ich vorne weg nehmen. Und trotzdem: es hat sich halt so ergeben, irgendwie. Und überhaupt: ich fühle mich ziemlich unschuldig. Klar.

 

Aber den Anfang zuerst, als um 11:45 das Telefon in meinem Hotelzimmer in Igoumenitsa klingelt. Es ist eine einfache Unterkunft in der Hafengegend, gefühlt irgendwann Mitte der 70er in einer „besseren“ Zeit, oder in einem allgemeinen Tourismus-Hype gebaut und seither relativ unverändert betrieben: komplett zerstörter Teppichboden, durchgelegene Einzelbetten, Fliesen mit Prilblümchen im Bad und so. Alt eben, aber mit Telefon, das mich aus einem für die äußeren Umstände recht unsanft aus einem erstaunlich guten Schlaf reißt.

Nachdem ich zumindest die Orientierung soweit beieinander hatte um zumindest oben und unten unterscheiden zu können, ging der erste Blick auf die Uhr. Viertel vor Zwölf. Verdammt, ich wollte doch um 9:30 den Bus nach Kozani erreichen. Nun, und ich kann mir schon vorstellen wer da versucht mich zu erreichen.

„Sorry, hab ein wenig verschlafen, bin aber in 15 Minuten unten.“

 

IMG_2216.JPGNun, kurz Zähne putzen, Sachen zusammen raffen, alles in den Rucksack pressen, auschecken und erst mal einen Kaffee organisieren. Frühstück im Hotel dürfte schon länger beendet worden sein. Ob ich an diesem Tag irgendwie nach Kozani kommen würde, das war sowieso eher ungewiss für mich. Im Busbahnhof hing (welch Luxus nach den Busabenteuern in Albanien) eine Tafel aus, auf der zumindest „Kozanh“ als Ziel für eine Linie geschrieben steht. Es war und ist für mich eigentlich keine Option Griechenland zu bereisen, ich betrachte das Ganze einfach nur als Transit, daher bin ich auch deutlich schlecht ausgestattet. Alles was ich auf meinen Offline-Karten und ohne Internet-Zugang spontan herausfinden konnte, dürfte ich von dort irgendwie nach Mazedonien kommen können. „Kozanh“ oder „Kozani“, für mich ist die Ähnlichkeit groß genug um davon ausgehen zu können, dass das schon identisch sein wird. All die anderen Namen die da vor „Kozanh“ stehen konnte ich allerdings auf meiner Karte nicht zuordnen.

Lange Rede, kurzer Sinn: um 14:30 sollte es nochmal einen Bus geben, dann nehm ich halt jetzt den, hänge noch ne Nacht Griechenland dran und versuche dann halt morgen erst von Kozani nach Mazedonien zu kommen. Ein guter Alternativplan, denke ich.

 

Am Busbahnhof war es schob schwer genug, an ein Ticket zu kommen. Auch wenn das mit der englischen Sprache gar nicht so schlecht funktioniert hat, meine Aussprache des Ortsnamens schauen wohl nicht ganz kompatibel zu sein. Der etwas ungeduldige Herr am Ticketschalter schlug mir dann vor wo ich hin will, was ich wiederum nicht eindeutig identifizieren konnte, aber die Abfahrtszeit um 14:30 hat gepasst. Die Chancen dass das dann schon passen wird, waren also gar nicht so schlecht.

Der Busbahnhof selbst, an dem ich dann also auf den richtigen Bus wartend stand, war auch deutlich schwieriger als ich das so im generellen gewohnt bin: Ein großer Parkplatz auf den ersten Blick, keine Plattformen, keine Schilder, keine Orientierungspunkte, nur eben dieser geteerte Platz, auf dem Busfahrer ihre Busse abstellen wie eben gerade Platz ist.

Die Schilder am Bus alle auf griechisch, das Ziel das auf meinem Ticket steht für mich absolut unifentifizierbar und im „Bildvergleich“ der Schrift mit den Bussen nicht überein zu bringen mache einfach das naheliegendste: ich zeige dem Kerl der am Busbahnhof die Pakete in die Busse lädt (auch hier scheibt ein Busunternehmen parallel ein Logistikunternehmen zu sein) mein Ticket und schaue ihn recht hilflos und fragend an. Hilft immer, ich werfe also meinen Rucksack in den Gepäckraum, lasse den Busfahrer lediglich noch den Abriss von meinem Ticket haben und steige ein. Dass ich von dem was ich da tu eigentlich keine Ahnung hab und auch kein griechisch versteh, davon hat er absolut keine Ahnung.

 

Und so sind alle Voraussetzungen geschaffen als der Bus in Richtung Osten aufbricht, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch gedacht habe dass das alles seine Richtigkeit hat. Ich fahre in einem fast leeren Bus über eine reichlich neue, aber fast leerere Autobahn in Richtung Kozani. Über Berge, durch Tunnel, an Albanien vorbei in einer Zeit die in albanischen Busdimensionen undenkbar wäre, in einem Bus mit Klimaanlage und Wlan. Alles wunderbar soweit.

 

Als der Bus sich Kozani nähert (wie bin ich eigentlich gereist, bevor ich so ein handliches Kommunikationsgerät mit integriertem GPS hatte?), habe ich mich ein wenig gewundert warum ich die anderen Stopps auf der Fahrplantafel (die die ich nicht zuordnen konnte) verpasst habe, aber das gabze als „schon irgendwie richtig“ abgetan. Der Bus fährt Richtung Zentrum, ist allerdings noch ein paar Kilometer davon entfernt als er an einem vermeintlichen Fischrestaurant hält. Der Fahrer steigt aus, zerrt eine Styroporkiste aus dem Gepäckraum, drückt sie so nem Typ am Sraßenrand in die Hand und steigt wieder ein. In dem Moment springt plötzlich ein Typ von weiter hinten im Bus erschrocken auf, wechselt drei Sätze mit dem Busfahrer und steigt aus. Nichts merkwürdiges soweit, und ich raffe mein Zeug zusammen weil ich jeden Moment damit rechne am Busbahnhof anzukommen.

 

Blöd nur, dass der Bus plötzlich wieder auf die Autobahn fährt. Weiter in Richtung Osten, inzwischen schon an „Kozanh“ vorbei. Was ist passiert?

 

Der Bahnhof in Thessaloniki

bis ich ankomme ist es schon fast dunkel. Zeit zu schlafen und sich neu zu sortieren

Nun, es dauert eine ganze Weile bis ich das Foto des Fahrplans in Igoumenitsa, meine Karte und die Busroute irgendwie neu sortiert hatte. Erste Erkenntnis: nur weil „Kozanh“ auf der Liste stand, heißt wohl noch lange nicht, dass dort an einer amtlichen Bushaltestelle oder gar Busbahnhof gehalteb wird. Ein Fischrestaurant in einem Vorort scheint da auch völlig legitim zu sein. zweite Erkenntnis: wenn das Fischrestaurant tatsächlich ein Stopp war, dann war der kurze Halt eine gabze Weile früher definitiv auch einer, sprich es sollten noch zwei weitere folgen. Nur welche zwei? Erkenntnis Nummer drei: Salonika = Thessaloniki. Das offensichtliche dauert eben manchmal am längsten. Nun, was tun mit all den Erkenntnissen? Zurück nach Kozani werde ich wohl nicht so einfach kommen. Der andere Stopp der neben Thessaloniki noch kommen sollte… nun, keine Ahnung wo das wäre. Also: so tun, als wäre alles cool. Der Fahrer hat offensichtlich keine Ahnung wo ich hin will, und meine Situation mit ihm zu klären wird wohl sprachlich keinen Meter hinhauen. Ruhig sitzen bleiben, in Thessaloniki aussteigen und einfach schauen dass es keinem auffällt.

 

Das war aber auch schon so ziemlich der einzige Plan, der an dem Tag irgendwie umgesetzt werden sollte. Zeit mich neu zu sortieren und zu überlegen, wie es morgen weitergehen soll.

 

Der Busbahnhof in Thessaloniki

Der Busbahnhof in Thessaloniki. Oder Saloniki, wie man hier wohl gerne schreibt. Die Sovjets hätten das wohl kaum besser hinbekommen mit dem Charme ;)

 

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