Dragostin: ein Dorf das es nicht (mehr) gibt…

 

Mein heutiges Ziel (für das ich gefühlte 400 Kilometer quer durch Bulgarien gefahren bin) war eigentlich ne ganz einfache und relativ sichere Sache, und wenn ich auch deutlich näher hätte fündig werden können: ich habe (nur um sicher zu gehen) einen Ort ausgewählt den wikipedia in einer rudimentären englischen Auflistung verlassener Ortschaften aufführt, der nicht allzu weit weg von der nächsten Straße ist, von dem man vermuten könnte dass noch nicht alles komplett zerstört ist und zu dem es GPS-Koordinaten gibt die ein leichtes Auffinden ermöglichen sollten.

 

Ja, es ging mir um ein verlassenes Dorf, ein Geisterdorf so zu sagen. Eine verlassene Siedlung irgendwo oben an einem Hügel, fern ab von jeglicher anderer Zivilisation, mit möglichst vielen spannenden Häusern die erkundet werden können, das wollte ich aus der Nähe sehen.

 

In Bulgarien gibt es etliche, manche behaupten sogar hunderte solche verlassenen Dörfer deren Einwohner nach und nach weggezogen sind. Klar, auch wenn es sich für viele erst mal völlig paradiesisch und idyllisch anhören mag: Ein kleines Haus am Berg, eine wunderschöne Aussicht über Wälder und Täler, die eigenen Ziegen und Schafe um das Haus die einen mit Milch und Wolle versorgen, selbst anbauen was später gegessen wird, abends gemütlich an einem Kaminfeuer sitzen und den Grillen beim zirpen zuhören, keine Straße, kein Verkehrslärm, nichts außer einem selbst, die Natur und eine vollkommene Ruhe… kurzum die bulgarische Realität eines Heidi-Filmes, all das hat natürlich auch so seine Kehrseiten und man kann schon irgendwie erahnen warum viele der Dörfer einfach aufgegeben wurden.
Was einem da sofort in den Sinn kommt selbst ohne jemals dort gewesen zu sein, sind heute fast selbstverständliche Annehmlichkeiten des modernen Lebens zu denen man, gut und gerne 45 Minuten Fußmarsch über schmale Trampelpfade vom nächsten Dorf entfernt, bestimmt keinen Zugang hatte: fließend Wasser zu allererst, ein Telefon (von Internet mal ganz zu schweigen), medizinische Versorgung, eine Schule für die Kinder, Freizeitaktivitäten (wenn es denn überhaupt Freizeit gab, die mit Aktivitäten hätte gefüllt werden können) und wenn es nur ein Wirtshaus ist in dem man Leute treffen kann… Weiter kann ich mir auch gut vorstellen dass vorallem in den Wintermonaten, wenn über den schmalen Pfaden in so ein Dorf Eis und Schnee liegt, sich das ganze noch viel unangenehmer darstellen kann. Der Weg zum nächsten Dorf wird noch länger, alle Probleme damit noch problematischer und die vermeintliche Idylle zur effektiven Falle, solange bis es eben irgendwann wieder Frühling wird…

 

Vielleicht gehen die Hintergründe auch noch weiter, mit dem Fall des eisernen Vorhangs und den politischen Reformen in den „Ostblockstaaten“ hat sich auch die Wirtschaft in Bulgarien einmal komplett umgekrempelt. Mag gut sein dass ein Landwirt in einem entlegenen Dorf mit der Zeit auch immer mehr Probleme bekam seinen simplen Lebensunterhalt zu bestreiten der auch hier sicher aus mehr als Wollpulover, Ziegenmilch und Getreide bestanden haben muss. Vielleicht, aber das ist nur eine Vermutung, gab es für die ehemaligen Landarbeiter auch irgendwann andere, womöglich verlockendere Möglichkeiten in der freien Marktwirtschaft Arbeit zu finden.

 

Wie dem auch alles so ganz genau sei, ich denke ohne dabei gewesen zu sein oder zumindest ein paar Semester Studium der bulgarischen Vergangenheit absolviert zu haben werde ich das nicht so ganz genau wissen und erklären können. Und trotz allem, es klingt auch so schon ziemlich logisch. Logisch genug um irgendwie nachvollziehen zu können, dass diese Dörfer nun verlassen von Ihren ehemaligen Einwohnern irgendwo in blugarischer Hanglage alleine vor sich hin vegetieren.
Dragositn wurde laut Wikipedia Anfang 2008, nachdem mehrere Jahre keine einzige Person seinen festen Wohnsitz mehr dort hatte, als Ort aus den offiziellen Verzeichnissen gelöscht. Die Stromversorgung wurde ebenfalls abgeschaltet und das ehemalige Dorf damit offenbar endgültig sich selbst überlassen. Ein Dorf also, das es nicht (mehr) gibt.

 

 

und auch hier, es beginnt alles mit der Suche nach dem Ziel…

Dragostin in den Bergen

da zwischen den Bäumen, das ist Dragostin!

Aussicht mit verlassenem Stall in Bulgarien

eine nette Aussicht, aber leider der falsche Weg ins Dorf…

bewaffnet mit viel Wasser, meiner Kamera und und ein paar Satellitenfotos der Umgebung auf meinem Mobiltelefon mache ich mich an einem ziemlich sonnigen Morgen also auf den Weg, wie so oft mal wieder eine kurvige, schmale Straße in Serpentinen einen Berg nach oben. Wenn meine Karten korrekt sind, liegt Dragositn bereits, wenn auch ein wenig knapp, innerhalb des Pirin Nationalparks, demnach rechne ich mit eher wenig nützlicher Infrastruktur. Und trotzdem, dank GPS sollte es relativ einfach zu finden sein: man muss einfach nur in der richtigen Haarnadelkurve parken, einem Feldweg folgen, einmal links abbiegen und sollte dann auch schon da sein. 20 Minuten zu Fuß, aller höchstens. Bis zum „einmal links abbiegen“, was ziemlich genau an einer wohl noch immer gepflegten Kirche mit angrenzedem, öffentlichen Grillplatz sein sollte, klappte das auch ganz gut. Danach auf breit ausgetretene Pfade zu hoffen war vielleicht ein wenig zu optimistisch, aber wenn man bedenkt dass Google behauptet man könne per Auto bis direkt nach Dragostin fahren doch bei weitem noch nicht die optimistischst Prognose. Ich tu mir per GPS ein wenig schwer den Pfad zu finden, und tippe dann einfach auf die erst beste Möglichkeit die grob in die Richtige Richtung führt (wie ich später lernen durfte genau die falsche Entscheidung).

 

Ein schmaler Pfad führt immer weiter nach oben, teilweise ist es schon ziemlich schwer das Gleichgewicht auf dem Kies und Geröll zu halten und ich beschließe dass es keine Schande ist, einzelne Passagen auch auf allen Vieren zu bewältigen. Kann es wirklich sein, dass dies der reguläre Weg ins Dorf war? Ein wenig wubdert es mich ja doch, und ein kurzer Abgleich per GPS gibt mir recht: ich bin schon lange am Dorf vorbei.

 

Da umdrehen an sich die unangenehmste aller Lösungen für solche Situationen ist, die ich mir vorstellen kann, laufe ich quer über eine Wiese, vorbei an einem alten und verlassenen Stall einen Bogen, um irgendwie von der anderen Seite nach Dragostin zu kommen. Natürlich dauert es nicht lang, bis sich dieser vermeintliche Pfad der auf der anderen Seite der Wiese in den Wald führt sich als Fehlinterpretation meinerseits outet und ich notgedrungen auf dem Hinterteil den Berg quer durch den Wald hinunter rutschend  direkt auf Dragostin zusteuere. GPS ist eine wunderbare Erfindung, und bulgarische Wälder an Hügeln etwas ziemlich verwirrendes. Obwohl ich Dragostin vorhin vom Feldweg aus schon zwischen den Bäumen erkennen konnte, ich hätte wohl noch lange gesucht ohne dieses wunderbare kleine Helferlein.

 

 

das erste Haus: wirklich verlassen?

verlassenes Haus in Dragostin

Dragostin, ich habe es gefunden…

verlassenes Schlafzimmer in Bulgarien

ein ziemlich einfaches Zimmer, mit ziemlich einfacher Einrichtung

Kleidung in einem verlassenen Haus in Dragostin

als ob jemand ganz schnell weg müssen hätte… oder nie weg gegangen wäre!?

gusseisener Ofen in einem verlassenen Haus

Heizung für das Schlafzimmer und Kochstelle in einem

Esstisch in einem verlassenen Haus in Bulgarien

die Essecke, auch im ,,Schlafzimmer“ natürlich

das erste Haus, entsprechen meinem „illegalen“ Weg in das Dorf theoretisch eigentlich das letzte am hintersten Ende, überrascht mich direkt mit seinem guten Zustand, den ich so nicht im Ansatz erwartet hätte. Zwei Stockwerke, unten Stall und oben Wohnhaus, versuche ich zuerst mal den Stall im Erdgeschoss zu betreten, scheitere aber an einem Türverschluss der meinen Intellekt irgendwie zu überfordern scheint. Eine alte Holztüre, an der eine Todesanzeige (wie in Bulgarien üblich) mit Reißnägeln befestigt ist. Elena hieß die Frau deren Foto zentrales Element dieses Aushangs ist, und ein Datum im Mai 2005 kann ich deuten. Ob sie in diesem Haus gewohnt hat? Die Tür zum Stall will sich nach wie vor nicht öffnen lassen. Ein Riegel scheint sie von innen zu blockieren, obwohl ich durch einen Spalt in der Tür keinen anderen Zugang zum Stall erkennen kann. Nun, hier ist sicherlich ein schlauer Trick nötig, aber nachdem ich ebenso erkennen konnte dass da unten nichts deutlich spannendes zu erwarten ist mache ich mich lieber auf den Weg nach oben.

 

Ich drücke vorsichtig die alte Klinke an der Haustür, und siehe da: es ist nicht verschlossen, es ist keiner da, also schleiche ich mich direkt nach drinnen. Das ganze Haus hier besteht im wesentlichen aus drei Räumen: der Flur mit einer Treppe auf den Dachboden und zwei Zimmer mit Betten, eines davon mit einem kleinen gusseisernen Ofen und einem Esstisch mit zwei Stühlen. Eine sehr einfache Unterkunft, aber so recht kann ich das noch nicht begreifen, ich bin zu fasziniert von dem was ich in den zwei Zimmern finde: Im hinteren Zimmer steht ein einzelnes Bett, am Fußende eine grüne Holztruhe voller alter Kleider, allesamt deutlich eingestaubt. Ein Teppich, ein Kopfkissen, unter dem Bett ein alter  Koffer und an der gegenüberliegenden eine Garderobe mit noch mehr Kleidung. Nicht viel, und auch wenn alles zusammen nicht sonderlich sauber ist, es wirkt alles erstaunlich frisch! Wie war das? 2008, nachdem mehrere Jahre keiner mehr hier gewohnt hat… Das sind mindestens sieben Jahre! Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich mir vorstellen kann dass das alles hier wirklich sieben Jahre schon unbenutzt ist…
Auch das andere Zimmer, ebenfalls mit nur einem Bett, zusätzlich aber Herd und Esstisch ist bei weitem nicht frisch geputzt, ich kann auch beim besten Willen nichts finden was auf eine aktuelle Verwendung des Hauses hindeuten würde, aber ich bin doch ein wenig schockiert. Bin ich gerade in ein noch bewohntes Haus eingebrochen? Noch kurz einen Blick auf den Dachboden, nur um sicher zu gehen dass ich wirklich alleine hier bin, und dann schleiche ich mich doch lieber ganz schnell wieder nach draußen, schwer darauf bedacht in keinster Weise Spuren zu hinterlassen.

 

 

als nächstes ein Stall, also eher unkritisch

Heu Lagerhaus

ein vermeintlicher Heustadel. spannend ist die ,,Linienführung“ von Untergrund, Oberkante Steinmauer und Dach =)
Der ,,Boden“ da drin ist übrigens gleich schief wie ausserhalb

verlassener Stall in Dragostin Bulgarien

ein verlassener Stall, ganz eindeutig. Die Raumhöhe ist nicht mal ausreichend für mich um gebückt zu laufen, in der Hocke musste ich hier rein kriechen

die nächsten beiden „Häuser“ sind dagegen eher unspäktakulär: etwas das wohl ausschließlich zur Aufbewahrung von Heu gedient haben mag, und ein kleiner Stall dem man wirklich zutrauen kann, dass er schon etliche Jahre keine Toere mehr gesehen hat (komisch, aber ich kann tatsächlich anhand der festgetretenen Schaf- und Ziegensch*** grob erahnen wie lange die letzte „Aktualisierung“ her ist. Hätte nie gedacht dass diese Erfahrung aus meiner Kindheit mal irgendwie nützlich wäre). Zeit sich wieder ein wenig zu beruhigen, vielleicht liege ich mit dem ersten Haus auch eibfach nur komplett daneben

 

 

ein paar Ruinen zwischendurch…

Ruine in Dragostin Ruine in einem Dorf in Bulgarien eingestürztes Haus in Dragostin Bulgariennicht alle Häuser haben einen Zustand, in dem man noch von „Häusern“ sprechen kann.  Wikipedia spricht von „weniger als zwanzig“ Häusern, aus denen dieses Dorf mal bestand. Demnach dürfte nun wohl gut die Hälfte nun so oder so ähnlich aussehen.

 

 

das „Luxushaus“

verlassenes Haus in einem bulgarischen Dorf

war das da im ersten Stock gar mal ein hölzener Balkon? Für eine Treppe reicht der Platz auf dem Grundstück definitiv nicht aus.

Tor mit Todesanzeigen in einem verlassenen bulgarischen Dorf namens Dragostin

das „Gartentor“

Flur und Treppenhaus eines verlassenen Hauses

der Hasuflur

verlassenes Zimmer in einem Geisterdorf

ein Lagerraum im EG. Was das wohl für Pakete sind, die da von der Decke hängen?

verlassenes Schlafzimmer in einem Dorf in Bulgarien (Dragostin)

das Schlafzimmer im Erdgeschoss mit der bekannten Einrichtung…

Bett in einem verlassenen Dorf

ein einfaches Zimmer im 1.Stock

verlassenes Zimmer

gleich zwei Betten im anderen Zimmer im 1.Stock, plus ein paar eingemachte Lebensmittel

Lebensmittel in einem verlassenen Dorf

wiel lange das wohl schon hier liegt?

alte Elektroverteilung

ne, Strom gibts sowieso schon lange keinen mehr hier

alte Unterlagen aus einem verlassenen Dorf

,, Materialna Kniga“
Kniga heisst glaub Buch… ein Materialbuch?

sieht nach irgendeiner Art Protokoll aus... hier kann ich aber keinen einzelnen Buchstaben mehr entziffern

sieht nach irgendeiner Art Protokoll aus… hier kann ich aber keinen einzelnen Buchstaben mehr entziffern

das nächste Haus über das ich gestolpert bin, wirkte irgendwie ein wenig anders. Ein rostiger Zaun umschließt das ganze Grundstück das ziemlich zugewuchert wirkt, und ein Holztor versperrt den einzigen Eingang. Auch an diesem Tor hängen inzwischen ziemlich verblasste Todesanzeigen, dieses mal von einer Frau namens Slavka, 1931-2003, und von einem Mann namens Apostol(?), 1932-2008, mit identischem Nachnamen. Ich muss zugeben, diese Anzeigen sind hier irgendwie gruselig: Ein totes Dorf das noch immer an seine gestorbenen Einwohner erinnert und damit vielleicht ein wenig unfreiwillig wesentlich mehr Geschichte erzählt als eine Kiste mit anonymen alten Klamotten neben einem durchgelegenen Bett. Ein komischer Anblick, und als ich den Riegel vom Eingangstor öffne überlege ich ob Slavka und Apostol wohl was dagegen hätten wenn sie wüssten dass ich mich heute hier ein wenig umsehe. Vielleicht würden sie ich auch ein wenig freuen dass das Haus mal wieder Besuch sieht, aber am Ende werden sie wohl doch einfach keine Meinung mehr dazu haben.

 

 

Schon direkt im Flur war klar: es besteht kein Grund zu zweifeln, hier wohnt keiner mehr. Zu eindeutig ist die Staubschicht, die sich über alles gelegt hat, zu abgestanden ist die Luft und zu sehr nagt der Zahn der Zeit ungehindert an diesem Gemäuer.

Im Erdgeschoss finden sich zwei Räume,einer davon mit einer Einrichtung mir schon bekannt vorkommt, auch wenn sie immer noch unverändert trostlos wirkt: Ein Bett, ein Tisch, ein Ofen, zwei Stühle und ein Schränkchen für ein wenig Kleidung. Mir wird irgendwie immer klarer, wie wenig idyllisch die vermeintliche Idylle doch gewesen sein muss…

 

 

sanitäre Einrichtungen?

Toilette Plumsklo in einem verlassenen Dorf

ziemlich versteckt und unauffällig: das einzige Plumsklo das ich finden konnte

Plumsklos

jepp, eine Toilette,

als ich auf diese alleinstehende Hütte im Garten des vorgerigen Hauses gestoßen bin, war mir plötzlich irgendwie bewusst dass ich bislang noch gar nichts gesehen hatte, das auch nur im entferntesten irgendwas mit sanitären Einrichtungen zu tun haben könnte. Keines der Häuser besitzt mehr als Schlaf- oder Lagerräume, dass offensichtlich auf den Öfen der ersteren auch gekocht wurde ist mir ja schon aufgefallen, aber dass sonst noch was fehlen könnte, auf die Idee kam ich bislang gar nicht. Wie auch immer das funktioniert haben mag mit der Körperhygiene, dem Wäsche waschen und aufs Klo gehen, dies ist das einzige Plumsklo das ich in ganz Dragotin finden werde, und es steht hinter einem Holztor innerhalb eines Zaunes neben einem einzelnen Haus. Ein Haus ohne dazugehörigen Stall wohl bemerkt, was an sich auch ziemlich einzigartig ist unter all den Häusern die noch stehen. Ob da ein Zusammenhang besteht? Hat hier wer seinen Lebeunsunterhalt mit einer Plumsklovermietung verdient?

Mal Sapss beiseite, ich verstehe es wirklich nicht, bis heute. Eine Idee wo sich die Leute gewaschen haben könnten, ja… das werde ich noch eine haben. Aber was ist passiert, wenn mal bei Nacht wer aufs Klo musste? Auf in den Wald?

 

 

Ein Doppelhaus!

IMG_3797.JPG IMG_3800.JPG IMG_3799.JPGIMG_3798.JPG IMG_3801.JPG IMG_3802.JPG IMG_3803.JPG IMG_3804.JPG IMG_3805.JPGso wirklich weiter beachtet habe ich ja nicht dass vor dem Eingang zu diesem Doppelhaus ziemlich frische Hufspuren im schlammigen Boden zu sehen waren, auch wenn ich es sehr wohl ziemlich deutlich wahr genommen habe. „streunende Kühe vielleicht“ dachte ich mir, auch wenn es die ersten Kühe mit Hufeisen gewesen wären die ich je gesehen hätte. Und auch als ich das erste mal den Raum gesehen habe, in dem die beiden Sättel liegen, habe ich mir erst mal noch nichts dabei gedacht. Sättel hätte man ja durchaus brauchen können in so eibem Bergdorf, kann man soch einreden. Erst auf dem Weg nach draußen, als ich nochmal einen genaueren Blick drauf werfe, kommen mir so langsam Zweifel: Wenn man einen Sattel hat, dann hat man doch in der Regel zumindest einen Esel, oder gar ein Pferd. Und wenn man jetzt sein Dorf verlässt, dann wäre es doch völlig unlogisch den Esel zurück und verhungern zu lassen. Ausserdem traue ich das so ohne weiteres erstmal niemandem zu. Aber wenn man jetzt den Esel mitnimmt und umzieht, warum sollte man den Sattel da lassen? Und so ganz nebenbei, so staubig wie der Rest des Hauses sind die doch gar nicht!

Klar, das mit den Spuren hinter dem Haus waren keine Kühe. Ich habe in Bulgarien auch echt viele Ziegen, Pferde und Esel gesehen, aber noch keine einzige Kuh. Und nun soll hier eine (mit Hufeisen) unterwegs sein? Blödsinn. Irgendwer wohnt hier eben wohl, oder nutzt zumindest dieses Dorf als Basis für irgendwas. Ich mein… die gabzeb Häuser mit Ihrer Möblierung, im Grunde ist das alles näher an meiner Definition von „camping“ als an der von „wohnen“, wenn auch mit festem Dach über dem Kopf. Und es ist nicht unvorstellbar, dass hier manchmal jemand zum „campen“ auf der Durchreise vorbeikommt. Oder „Dauercamper“ hier ist! Ich persönlich würde jedenfalls nie einen Sattel auf einem Campingplatz liegen lassen und mit meinem Esel sonderlich weit weg gehen, wenn ich denn einen hätte…

Ohje ohje, ich hab das Gefühl ich bekomme früher oder Später selbst Besuch hier wenn ich noch lange genug da bleibe. Auch wenn die Bulgaren sich bislang als nette Leute zeigen, ob ich trotzdem unbedingt jemandem in seinem eigenen Haus überraschen mag, da bin ich mir nicht so sicher. Aber ich glaube ich habe jetzt auch alles gesehen, Zeit (dieses mal auf dem direkteren Pfad) zurück zu gehen.

 

 

Auf dem „richtigen“ Pfad zurück in die Zivilisation

Brunnen in Bulgarien

der Brunnen. Der einzige, den ich gesehen habe

auch hier kann man nicht von einem ausgebauten Weg sprechen, und noch lange nichts das per Auto befahrbar wäre. Immerhin ist es aber relativ eben und locker auf zwei Beinen zu bewältigen.
Auf dem Weg entdecke ich noch einen Brunnen. Vielleicht war ja das das „Badezimmer“ des Dorfes, irgendwann einmal. Scharf darauf im Winter zu duschen wäre ich aber definitiv hier nicht… Ja, immer mehr verstehe ich dass das allgemeine Bild der Idylle nicht unbedingt sonderlich erstrebenswert als Heimat sein muss.

 

 

 

 

der Weg nach Dragostin

der Weg nach Dragostin, oder in dem Fall: der Weg aus Dragostin heraus.

 

 

 

 

 

to see a path or map at this place, JavaScript needs to be enabled.
Wie hat Dir dieser Eintrag gefallen?
Die Daten zu diesem Eintrag: