und mal wieder zurück zu Sofia…

 

Nun, nach dem Dragostin-Ausflug war es irgendwie an der Zeit wieder in Richtung Sofia aufzubrechen, denn schon am nächsten Tag muss ich das Auto dort zurück geben. Einerseits ein wenig blöd dass hier bei all der Freiheit die einem das „eigene“ Fahrzeug bietet halt irgendwie immer die Limitation des Rückgabezeitpunkts im Hinterkopf mitschwingt. Zu einem weit voraus vereinbarten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein, das passt mir eigentlich ganz grundlegend nicht so recht ins Konzept. Und trotzdem, irgendwie bin ich auch fast ein wenig froh dass diese Reiseetappe ein Ende findet. Ich bin so schrecklich müde die letzten Tage, all dieses Fahren, die durchgehende Konzentration dabei und nicht zuletzt die eher abstrengenden Ziele die ich gewählt habe, das hat doch deutlich Kraft gekostet irgendwie. Jetzt noch „mal eben“ zurück nach Sofia, ausgiebig schlafen, das Auto morgen früh abgeben und ein paar ruhigere Tage einlegen, das klingt ziemlich verlockend.

 

Der Weg dorthin führt mich, wer hätte es auch anders vermutet, mal wieder kurvig und hügelig, eben einmal halb herum um den Nationalpark, vorbei an beinahe verlassenen Ortschaften deren einzige Daseinsberechtigung die allwinterliche Skisaison zu sein scheint zurück in Richtung Norden, zurück nach Sofia. Ich bin wirklich nicht mehr in der Stimmung Auto zu fahren, rund 800 Kilometer zeigt der Tacho aktuell für meinen gesamten Ausflug zwar „nur“ an, aber ich habe so das Gefühl auf der Strecke mehr Kurven gefahren zu sein als auf den letzten 8.000 Kilometern zuhause. Es geht alles langsamer hier, irgendwie. Ein Stück gemächlicher, und trotzdem kann ich mich nicht recht mit dem Gedanken an eine gerade Autobahn anfreunden als ich an Dupnitsa vorbei komme. Ich war schon mal hier, vor ein paar Tagen. Ich saß in einem Bus von Thessaloniki kommend, ähnlich ungeduldig wie gerade eben und wollte nur noch in ein Bett in Sofia fallen. Alle paar Kilometer habe ich nachgeschaut wie weit es noch war, und die Autobahn empfand ich als extrem öde und ziemlich wenig unterhaltend währenddessen.
Aber was ist die Alternative? „Ich könnte ja erst morgen nach Sofia weiter“ war mein plötzlich spontan ambitionierter Gedanke, und einfach irgendwo kurz davor ein Bett für die Nacht suchen… aber nicht unbedingt in Dupnitsa. Einmal kurz die Karten gesichtet war ich mir ziemlich sicher, dass ein kleiner Umweg über Kjustendil die beste Möglichkeit für etwas kleinere Straßen und Abwechslung sein würde. Wenn man etwas genauer hin schaut eine eher blöde Idee, aber in diesem Moment war mir das eben noch nicht so ganz bewusst.
Ich hatte kaum so recht Dupnitsa hinter mir gelassen, als die riesigen, dunkelgrauen Wolken in den Rückspiegel Minute für Minute deutlich näher kamen. Ein ziemlich heftiges Gewitter was da irgendwie nicht allzu weit hinter mir tobt und irgendwie die Hoffnung auf ein wenig gutes Wetter und die ein oder andere Entdeckung unterwegs ziemlich geschmälert hat. Je mehr ich unterwegs bin, desto auffälliger wird mal wieder die Abhängigkeit meiner persönlichen Laune vom Wetter: bei Sonnenschein voller Tatendrang, aber kaum fehlt die Sonne mal werde ich irgendwie sofort schlecht gelaunt. Eine blöde Einrichtung, die ich irgendwann mal irgendwie abschalten sollte. Wobei, irgendwo da oben auf einem der Hügel, da hat doch gerade… da war doch was! Nun, die schlechte Laune muss warten, ich habe da irgendetwas gesehen, auf einem der Hügel hat die Sonne irgendetwas unter den grauen Gewitterwolken beinahe zum leuchten gebracht, was beinahe.. also so ein wenig… ausgesehen hat wie ein Eispalast aus Stahlbeton!

 

Denkmal bei Dupnitsa

was das wohl sein mag?

Da war irgendetwas, als ich dem Ding näher kam war es zwar kaum zu übersehen, aber immer noch ziemlich schwer zu identifizieren. Aber es sah alt aus, alt genug um verlassen zu sein… Ich hab mich natürlich auf die Suche gemacht, keinen Augenblick mehr an das aufziehende Gewitter oder irgendwelche Launen meinerseits gekümmert. Wo ein komisches Monument steht, muss auch ein komischer Weg hinführen. So ganz pragmatisch und logisch zumindest. Und ja, nachdem der erste Anlauf über einen komischen Feldweg mich dem Ding zwar näher brachte, sich dann aber als Sackgasse auf einem offenen Acker outete, war der zweite Versuch von der anderen Seite vielversprechender. Hier hat es jemand ernst gemeint, und irgendwann einmal eine breite Straße angelegt, die inzwischen aber deutlich überwuchert nicht mehr so sonderlich oft gebraucht zu werden scheint. Keine Frage, das muss richtig sein!

Denkmal zwischen Dupnitsa und Kjustendil

ein Denkmal, aber für wen?

Ein wenig enttäuscht war ich ja schon als ich dann oben ankam, das gebe ich offen zu. Von unten wirkte das ganze größer, imposanter und noch eine ganze Ecke spannender, wobei das vielleicht einfach nur am Licht in dem Moment gelegen haben mag. Aber irgendwie bin ich mir relativ sicher, hier hat nicht einfach nur jemand drei Stahlbeton-Zacken in die Landschaft gestellt! Das Podest ragt deutlich aus dem Boden, es gibt eine komische quadratidche Erhöhung die zu nichts gut ist, und schon von unten erkennt man etwas rostigen Stahl zwischen den drei Zacken, das verdächtig nach Haltegriff aussieht. Ich miss da hoch, irgendwie! Und wieder einmal habe ich das Kletterseil und den Enterhaken vermisst, wie schon öfter mal zuvor. Aich wenn das Ding auf den Fotos und aus der Nähe relativ kompakt wirkt, die Plattform zwischen den drei Zacken ist gut und gerne zweieinhalb Meter über dem eigentlichen Podest auf dem das Monument steht, und natürlich sucht man vergeblich nach irgendeiner Kletterhilfe.

Auch eine kleine und eine etwas größere Runde um das Gebilde herum war nicht sonderlich aufschlussreich. Es gibt in der Umgebung ein paar in den Hügel eingelassene Stahlbetonreste, aber soweit ich das erkennen kann haben die maximal der Beleuchtung bei Nacht gedient. Beleuchtung… eibe Beleuchtung braucht doch mindestens einen Sicherungskasten! Aber wo hätte der sein können? An der Oberfläche finden sich absolut keine Spuren von irgendetwas, das mal mit viel Fantasie hätte irgendwas in der Richtung sein können. Ich suche weiter, und entdecke in einem nahe gelegenen Waldstück ein paar Reste von umgekippten Baumstämmen. Allesamt etwas morsch, aber ich ziehe einen davon hinter mir her in Richtung des Monuments, Denkmales, oder was das auch immer mal hat sein sollen, und versuche mit einem schräg dagegen gelehnten Baumstamm als Kletterhilfe daran hoch zu kommen. Aber es war irgendwie klar: Es kracht einmal unter mir, der morsche Baumstamm bricht in zwei Teile, ich schürfe mir den kompletten linken Oberarm auf und liege neben den Resten von dem, was da bis vor kurzem noch ein Stück Baumstamm war. Blöd gelaufen.

auch nicht soooo aufschlussreich...

auch nicht soooo aufschlussreich…

Aber vielleicht finde ich noch was anderes… Ich hab mich gerade wieder auf die Suche gemacht, als da plötzlich ein älterer Herr nicht weit von mir entfernt auf dem Hügel stand. Ich schaue kurz zum Auto, aber da stand kein anderes Transportmittel daneben. Wie kam der hier her? das nächste Dorf ist sicherlich fünf Kilometer oder noch weiter entfernt! Nun, egal… ich muss irgendwie reagieren und entschließe mich für die Taktik „asiatischer Tourist“. Ich winke dem Mann zu, begrüße ihn lächelnd, winke weiter, nicke ihm nochmal zu und mache dann gefühlte zwanzig weitere Fotos von dem Denkmal aus ein und der selben Perspektive ohne Ihn weiter zu beachten. Der Mann war wohl ein wenig verdutzt, vielleicht auch ein wenig irritiert, aber er schien sich nicht weiter um mich zu kümmern. In der Tat, als ich mich kurz später nochmal nach Ihm umgedreht habe, war er einfach verschwunden. Weg, einfach so! Man muss nun wissen: der Wald am Hügel, der ist ziemlich weit zu durchschauen. Keine Büsche, keine kurzen Bäume, nur hoch gewachsene Nadelbäume den ganzen Hügel hinunter. Die anderen Richtungen sind Wiese, oder ein paar dünne, einzeln verteilte Sträucher. Nur die Straße selbst, die ist nicht so gut zu sehen, aber so sehr ich mich bemühte den Typen nochmal zu finden: er blieb verschwunden.

sowas macht doch  so alleine mitten in der Landschaft gar keinen Sinn!

sowas macht doch so alleine mitten in der Landschaft gar keinen Sinn!

Entweder er ist in ein Erdloch gekrabbelt, ging hinter einem der dünnen Sträucher in die Hocke, oder aber… der kennt den Weg zum Sicherungskasten, beziehungsweise was ich damit sagen will: irgendetwas ist wirklich unter der Plattform. So oder so, meine Suche war nicht sonderlich erfolgreich und ich habe die Hoffnung aufgegeben ohne größere Schäden auf die Plattform zwischen den drei Zacken zu gelangen. Außerdem ließ mich der Gedanke an den komischen Typ nicht mehr in Ruhe und das Gewitter hat mich inzwischen auch schon erreicht, demnach habe ich mich wieder auf den Weg gemacht ohne wirklich schlauer zu sein. Weder was das Denkmal angeht, noch wohin der ältere Herr hätte verschwinden können. Aber nichtmal das allwissende Internet war in der Lage mir irgendetwas, und sei es nur den Bamen dieses Ortes zu verraten. Es ist eibfach nicht existent im Netz, und selbst Suchanfragen mit bulgarischen Begriffen haben mich kein Stück weiter gebracht.

Nun, Kjustendil war auch nicht soooo der Hit. Eine weniger ansehnliche Stadt mitten in einem Gewitter ist nicht der Ort, an dem ich unbedingt eine Pause eingelegt haben muss. Vielleicht hätte ich gleich die Autobahn nach Sofia nehmen sollen, dann wäre mein Oberarm noch heile, ich wäre früher ins Bett gekommen, und ich hätte auch nicht so viele Fragen im Kopf. Wer hat das Ding auf den Berg betoniert? Und warum fehlen von den grob fünf ursprünglichen Gedenktafeln mindestens zwei? Wer war der alte Mann? Und was wollte der auf dem Hügel? Nun, ich werde mich damit abfinden müssen darauf keine Antwort zu finden. Bereuen, das tu ich den Umweg um ganz ehrlich zu sein aber dann doch auf keinen Fall.

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