ein jüdischer Friedhof aus dem 17ten Jahrhundert mitten in Moldawien?

 

 

Nachdem mein Zirkus-Ausflug am Vormittag nicht ganz so spannend verlaufen ist wie insgeheim erhofft, musste eine Alternative her. Das Internet sollte mir dabei helfen, aber je mehr ich die Suchmaschinen fütterte und mich mit deren Antworten auseinander setzte, um so verwirrter wurde ich.

 

 

Statue in Kischinau

Religionsgeschichte in Moldawien, ich werd einfach nicht schlau daraus…

Alles geht los mit der Geschichte und den unterschiedlichen Einflüssen, und selbst wenn man alles vor dem 18ten Jahrhundert weglässt bleibt da immer noch das Osmanische Reich, Russland, irgendwelche Fürstentümer, Rumänien, Österreich/Ungarn und die UdSSR übrig, die alle dieses Stück Erde als das Ihrige sahen und mehr oder minder regierten. Es ist verwirrend, und selbst wikipedia bringt mir hier nicht wirklich viel Licht ins Dunkel.

Der Teil den ich in diesem ganzen Zusammenhang so ganz und gar nicht verstehe: Die Bevölkerung bestand im Lauf dieser Geschichte aus Moldauern, Russen, Ukrainern, Bulgaren, Deutschen… das ist irgendwie mit der Geschichte soweit ich sie verstanden habe gut und gerne erklärbar. Dass Allerdings Anfang des 20ten Jahrhunderts die Hälfte der Bevölkerung Kischinaus Juden waren, das passt nicht so ganz in meine persönliche Geschichtslogik. Vielleicht finde ich das irgendwann mal noch heraus aus welchem Zusammenhang dieser doch bemerkenswerte Bevölkerungsanteil entstand, aber es ist einfach so: sie waren hier, viele davon, haben hier gelebt, gewohnt und gearbeitet. Bis… nun, auch darüber werde ich nicht schlau. Die einen sagen das war bis zum Holocaust (also 1941 bis 1945) so, allerdings gab es laut diesem Artikel schon 1903 und 1905 in Kischinau Pogrome die zehntausende Juden zur Flucht trieben…

 

 

dunkle und gruselige Unterführung in Kischinau, Moldawien

wer meint ein Friedhof sei irgendwie gruselig, der sollte in Kischinau auf dem Weg dort hin diese Unterführungen besser meiden…

Wie auch immer das alles gewesen sein mag, heute noch zu sehen ist ein jüdischer Friedhof mitten in Kischinau, der wohl im 17ten Jahrhundert angelegt wurde. Manche (eher reißerischen) Seiten im Internet behaupten es wäre der größte jüdische Friedhof Europas, was ich so aber nicht nachvollziehen konnte und nur zur allgemeinen Verwirrung beiträgt. Es mag zwar stimmen, dass Teile des Friedhofes  zerstört wurden. Manche davon wohl schon während des Holocaust (nochmal hier zu lesen),  andere wegen Straßenbauprojekten oder Parkanlagen (wird hier behauptet), aber dass dieser Friedhof zu irgendeiner Zeit jemals der „größte“ gewesen sein könnte lässt sich absolut nirgends erkennen.

 

Ja, Geschichte in Verbindung mit Moldawien verwirrt mich ehrlich. Ich weiß nicht mehr was stimmt, was nicht und ob überhaupt noch irgendwer auf dieser Welt das wirklich zusammen tragen könnte. Lassen wir diesen Teil also jetzt einfach weg, nützt ja sowieso nichts, und bleiben bei den heutigen Fakten: Ein jüdischer Friedhof. Ein alter Friedhof. Grob 400 Jahre. Einer mit viel Gebüsch und überwucherten Gräbern. Einer mit streunenden Hunden. Einer mit der Ruine einer Friedhofssynagoge (aus dem 19ten Jahrhundert?) mittendrin. Einer mit vielen Bäumen. Einer mit wenig Besuchern. Einer der einfach mal wieder anders ist als gewohnt.

 

Reicht das? Ja, eindeutig, das reicht. Beschluss gefasst, der Alternativplan ist ein Friedhofsausflug.

 

genug Geschichte, aber wo isser denn jetzt?

in einer Wohnsiedlung in Kischinau

der Friedhof ganz nah, allerdings versteckt hinter einer Mauer suche ich den Eingang – und schleiche erst einmal durch irgendwelche Hinterhöfe. Was auch sonst?

den Friedhof selbst zu finden, das ist zugegeben gar nicht mal so arg schwierig. Ich folge einfach der großen Hauprstraße, folge einer leichten Linkskurve, nehme den Weg quer durch einen Park und bin auch schon da. So behauptet das zumindest eine Straßenkarte, hat aber nur bedingt recht damit: Ich finde zwar wohl eine enorme Mauer hinter der sich wohl ein Friedhof versteckt, aber noch kann ich mich noch nicht so recht mit der Idee anfreunden dass man über die auch drüber klettern könnte und wähle die Variante „der Mauer entlang gehen“, immer schön im Uhrzeigersinn.

 

Im Nachhinein muss ich feststellen: Eine blöde Idee. Aus Straße wird bald Gehweh, aus Gehweg Trampelpfad, aus Trampelpfad Wiese, aus Wiese Hinterhof, aus Hinterhof Garageneinfahrt und schlussendlich aus Garageneinfahrt Gartenzaun mitsamt bellendem Hund dahinter. Wäre es nun nicht angebracht hier einfach kurz über die sowieso schon brüchige Mauer…? Ich mein… hier ist dichtes Gebüsch ringsum und die Mauer nicht hoch… Nein, noch immer bin ich nicht so wirklich davon überzeugt und suche weiter meinen Weg entlang der Mauer quer durchs Wohngebiet.

 

Der Friedhof hat heute noch rund 100 Hektar, demnach ist der Weg einmal herum nicht mal eben in zehn Minuten erledigt, die Ungewissheit ob es denn überhaupt irgendwo einen legalen, offiziellen UND geöffneten Eingang gibt lässt einen das ganze gleich noch zehn mal länger vorkommen. Aber: ja, es gibt einen Eingang. Er liegt grob einhundert Meter von der Stelle entfernt an der ich das erste mal vor der Friedhofsmauer stand, allerdings entgegen dem Uhrzeigersinn. Pro-Tipp an dieser Stelle: auf der Straßenkarte nach dem Eingang suchen und die richtige Stelle kennen lohnt sich bei einem 100 Hektar großen Friedhof definitiv =).

 

nur noch Fotos…

ich glaube an der Stelle dieses Eintrags reicht es nun auch mit der Theorie. Genug Geschichte, genug Mutmaßungen. Friedhöfe sind ruhige Orte, und deswegen gibt es jetzt ganz ruhig auch nur ein paar Fotos. Ohne zu mutmaßen warum das auf den Fotos so sein könnte wie es ist, ohne zu spekulieren und ohne noch mehr Verwirrung bei mir selbst zu verursachen. Einfach nur ein paar schöne, ruhige Friedhof-Fotos.

 

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