Schlechtwetterabbruch

 

Nun, man sol die guten Nachrichten vorne weg verkünden, auch wenn sie denn wenig überraschend sein mögen: In Kaschau gibt es tatsächlich Unterkünfte, die man buchen kann und wo dann nicht nach verhandelt wird. Ein kleiner Lichtblick, der sich allerdings schnell auch wieder ändern soll…

 

Prinzessinen-Cafe von innen

Kaffee trinken, vor dem Regenwetter flüchten, und gelegentlich mal etwas ungewöhnliches entdecken: kann man machen.

Aber zunächst eines nach dem anderen. Irgendwie hing, und das trotz immer noch stetigem Regenschmuddelwetter, die Idee von ein wenig Natur und wandern im Hinterkopf. Zumindest haben das ein paar Bilder versprochen, und man hört dass das in der Slowakei gar wundervoll funktionieren könnte. Eigentlich keine schlechte Idee, und da die Hoffnung (auf gutes Wetter…) bekanntlich zuletzt stirbt, kann man sich ja durchaus ganz gemächlich auf den Weg machen, die Zeit für dies und das am Wegesrand nutzen, ein wenig Kaffee trinken und das ein oder andere mal einfach irgendwo anhalten.
Wenn man nicht allzu lange am Stück im Freien ist, lässt sich ja auch Schmuddelwetter irgendwie ertragen und morgen, ja spätestens morgen wird das Wetter bestimmt auch besser. Sagt zumindest der anhand von den positivsten Prognosen aus zehn verschiedenen Wettervorhersage-Internetseiten ausgewählte Wetterbericht. Kann ja also nichts mehr schief gehen.

 

Die Zipser Burg

Die Zipser Burg in der Slowakei

Burg auf Berg – nicht ganz selten in der Slowakei scheint mir

Nun, dass man unterwegs über ein wenig touristische Infrastruktur stolpert, auch das kann man ja positiv sehen. Burgen gibt es in der Slowakei am Straßenrand genug zu sehen, und was spricht da dann dagegen einmal von der Autobahn ab zu fahren und dem frisch geteerten, breiten Weg den Berg hoch immer gen Ruine zu folgen? Richtig, so überhaupt rein gar nichts. Am großzügig ausgelegten Parkplatz zwischen einem französischen und einem niederländischen Kennzeichen parken, um die letzten Meter (immer noch wunderbar ausgebauten Weg) zur Burg zu marschieren? Ein Traum! Die Aussicht von oben genießen? Nun, tief hängende Wolken stören die Aussicht ein wenig, aber immerhin regnet es gerade nicht, also ist das auch gar wunderbar. Kurz hinter dem tadellos renovierten Burgtor eine Kasse zu entdecken ist auch nicht so ganz verwunderlich, irgendjemand muss ja den ganzen Teer und das Parkplatzkies finanzieren – der Wirt der Gastronoie am Parkplatz wird das durch seine sicherlich ganz erhebliche Pacht noch immer nicht alleine bewältigen können.

Wolken und noch mehr Schmuddelwetter

Schmuddelwetter und Wolken …

Aussicht von der Zipser Burg

Wolken und Schmuddelwetter

Kurz das Schild gesichtet, gar kein Problem: gleich in drei verschiedenen Sprachen sind die Eintrittspreise herrlich übersichtlich aufgelistet. Aber… Moment mal… Sechs Euro wollen die pro ausgewachsener Nase? Sind die noch ganz bei Trost? Sechs Euro, dafür dass ich fünf Minuten zwischen einem fuddelwuddel Steinsammelsurium ohne Dach bei Regenwetter herumlaufen kann bis ich mich langweile weil alle Steine eben doch irgendwie ähnlich aussehen, vielleicht noch zwei Fotos gemacht habe dass der Eintrittspreis wenigstens zu irgendwas gut war und dann doch enttäuscht wieder gehe? Kultur und Geschichte ist ja schon gut und recht, aber wenn eine Ruine dank perfekter barrierefreier Renovation und vor Überladung an Informationsschildern und Imbissständen nur noch mit allerhöchster Abstraktion an irgendwas historisches erinnert und mit viel Fantasie zu erahnen ist, dass das mal zu irgendwas anderem gut war als Multifunktions-Touristen in Wanderschuhen und Trekkingsandalen von Kassenhäuschen über Kiosk zu Restaurant und Parkplatz zu locken, dann ist für meine Weltordnung doch irgendetwas schief gelaufen. Und nein, ich möchte keine Grundsatz-Diskussion starten, der Erhalt von Historischen Gebäuden mag schon etwas sinnvolles sein, aber dennoch gibt es so eine dezente Linie an der „Erhalt“ plötzlich irgendwas zwischen „Zerstörung durch Renovation“ und „Völlige Perversion des Ausgangszustandes“ wird.

Türmchen um die Zipser Burg

komische kleine Türmchen. Sicherlich gibts drinnen ein Schild, das dreisprachig deren vermutete Funktion erläutern würde. Blöd, ich werds wohl nie erfahren… =)

Aber gut, ist nicht mein Steinehaufen oben auf einem Berg, ist nicht meine Entscheidung was damit passiert, aber sechs Euro (für zwei Personen zwölf Euro)? Bin ich nicht bereit aus der Tasche zu zaubern. Würd ich vielleicht, wenn ich das Gefühl hätte, es könnte sich lohnen, aber ich habe es schon mal irgendwo hier im blog festgestellt: „historisch“ hat für mich was mit Patina zu tun, und wohl nicht ganz zufällig kann man z.B. den Wert von historischen Münzen kaum schlimmer dezimieren als durch die Ambition, diese auf Hochglanz zu polieren.

[So im Nachhinein erfahre ich, dass dieses Ding wohl die „Zipser Burg“ gewesen sein muss. Zweitgrößte Burg Mitteleuropas und UNESCO-Welterbe. Nun dann, das mag vielleicht sogar ein wenig was erklären, und hätte ich das vorher gewusst hätte ich mir vielleicht gleich von vorne herein den Weg von der Autobahn herunter gespart]

 

 

das „Paradies“

ein verlassenes Haus im slowakischen Nirgendwo

verlassen und voller Müll den irgendwer wohl dringend loswerden wollte:
ein kleines Häuschen, direkt an der Straße irgendwo fern ab jeglicher Zivilisation mitten im Wald.

irgendwann, auch nach viel Zwischenhalt und herumgetrödel und Kaffee trinken, ist es dann doch auch wieder an der Zeit sich um eine Bleibe zu kümmern und für den erwarteten morgigen Sonnentag in eine günstige Startposition zu versetzen. Und weil nach einem Tag wandern eine Dusche viel angenehmer ist als eine Autofahrt, darfs auch gerne gleich für zwei Nächte geregelt sein. Nun, ich fasse die Geschichte kurz: Man wieder die bekannte und vermeintlich vertrauenswürdige Buchungsplattform bemüht, einen angenehmen Platz zum Schlafen ausgesucht, ein wenig Bewertungen quer gelesen, gebucht, Bestätigungsmail erhalten und auf den Weg über gar beeindruckende Serpentinen in endlos wirkenden Wäldern (die streckenweise dank dem Wetter auch noch in beinahe gespenstischen Nebel gehüllt sind) auf den Weg ins sehr idyllische slowakische Nirgendwo begeben. So auf gut Glück verirrt man sich wohl eher nicht hier her, und ich glaube es gibt auch duzende Horrorfilme die ziemlich genau so den Anfang vom Ende nehmen.

 

Nun, das Auto ist nicht liegen geblieben. In der Pension war tatsächlich jemand anzutreffen der weder Hexe noch Zombie gewesen zu sein schien. Aber uns wurde erklärt, dass das Zimmer nicht wie gebucht (und bestätigt…) zwei Nächte verfügbar wäre, sondern lediglich eine. Der gute Herr war ziemlich bemüht, mit Charme das beste aus der Situation zu machen (dass seine Email die er eine Stunde nach der Buchung versendet hat bei uns wohl keine Chance hatte mitten im dichten slowakischen Wald anzukommen hat er wohl selbst eingesehen), aber nach ein wenig Bedenkzeit war klar: So oder so, das mit dem entspannten Tag in der Natur morgen wird nur dann was, wenn wir uns damit anfreunden können hinterher ins Auto zu unserem Gepäck zu steigen und erst mal noch etliche Kilometer quer durch einen dunklen Wald woanders hin zu fahren, um wieder Dusche und Bett zu finden.

 

Vielleicht war es ein Zeichen, ein Zeichen dass man aus zehn Wetterberichten nicht neun ignorieren sollte die sich alle einig wären, einem aber nicht in den Kram passen würden. Quasi ein Zeichen dafür, dass dieser Plan (warum auch immer) ziemlich blöd war und wir gefälligst einen neuen schmieden sollten (Pläne sind halt immer noch doof…). Trotzdem ist meine Laune eher im zweiten Untergeschoss zu suchen, und ich beginne mich mehr und mehr über die Slowakei und deren Pensionsbetreiber zu ärgern. Drei Reservierungen in zwei Tagen, zwei davon irgendwie schief gegangen.

 

Nun gut, zurück ins Auto, zurück auf die Autobahn. Wenn wir durchfahren, sind wir so grob um eins wieder in Bratsilava:
„gehe zurück auf Los, begib Dich direkt dort hin…“

 

Denkmal mit Hammer und Sichel in Prešov

mitten in Prešov, eine mittelgroßen Stadt im Osten der Slowakei, steht noch immer ein Denkmal mit beinahe vergessen wirkenden Symbolen. ,,…Wir danken dem russischen Gewehr…“ wurde mir ein Teil der kyrillischen Inschrift übersetzen. Geht wohl vermeintlich um die Befreiung durch die rote Armee

 

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