Wetterflucht und Antipläne

 

Nun, Tag zwei der Suche nach dem Urlaub war irgendwie leicht durchwachsen. Bratislava sollte es auf Dauer nicht sein, einerseits ist es zwar ein ganz nettes Städtchen, aber wenn man die typisch touristische Innenstadt-Souvenir-und-Sightseeing-Infrastruktur weg denkt, dann bleibt irgendwie auch nicht mehr sooo viel über außer unglaublich deftigem Essen, das in seinen Grundzutaten gut und gerne an griechische Restaurants zuhause erinnert: Fleisch mit Fleisch, dazu Fleischbeilage und Fleischsoße; fürs gute Gewissen ein wenig Kartoffeln (Gemüse ist ja gesund) und ein Deko-Blättchen Grünzeug. Wenn man darauf steht dann gut, falls nicht muss man auf der Suche nach Alternativen die Innenstadt ohnehin weit hinter sich lassen.

irgendein Pass in der Slowakei mit Blick über ein grünes Tal

irgendein Pass im ,,hinteren Eck“ der Slowakei

Aber nein, das Essen hat mich nicht vertrieben, ich wollte das nur mal eben am Rande erwähnt wissen. Der eigentliche Grund ist wohl relativ einfach: Raus aus dem ich-versteck-mich-Modus, weg vom schon lieb gewonnen Luxusschlupf, dieses gemütliche Hotelzimmer das es einem doppelt schwer macht die Welt da draußen tatsächlich sehen zu wollen und rein in irgendwas hoffentlich neues. Immerhin suche ich ja noch immer diesen „Urlaub“, auch wenn ich inzwischen immer mehr glaube dass ich dabei etwas gravierendes falsch mache, oder vergessen habe, oder so.

Nichts desto trotz, und vielleicht auch nur wegen des schlechten Wetters in Bratislava, führt der nächste Weg per Bus an den Flughafen. Ja, richtig, Urlaub hat doch landläufig gerne mal was mit Flughäfen zu tun, habe ich mir zumindest sagen lassen. Aber war da nicht noch was? Richtig, fliegen wollte ich nicht. Fliegen werde ich auch nicht, denn mal so ganz im Ernst: Hier ist nun mal der einzige Ort in Bratislava, an dem man bei bekannten und somit irgendwie vertrauenswürdig wirkenden Autovermietungen einen fahrbaren Untersatz mieten kann. Mag sein, dass dieser Plan auch nur aus positiven Erinnerungen an meinen bulgarischen Roadtrip heraus entstand, aber ich fand ihn an sich erst mal ziemlich gut: Verspricht er doch eine gehörige Portion Freiheit (was ja auch wieder irgendwie zu „Urlaub“ gehören soll).

 

Plattenbauten in der Innenstadt von Kauschau

Kauschau ist jetzt sicherlich nicht gerade eine Schönheit auf den ersten Blick, aber wer weiss… vielleicht findet sich ja was spannendes =)

Getrieben von einer Schlechtwetterfront stand das Ziel auch ganz schnell fest: so weit weg wie nur möglich, ohne das Mietauto über eine Grenze zu bewegen, immer in der Hoffnung dass dort das Wetter am nächsten Tag irgendwie besser ist. Bei dem Regen, der sich hier gerade austobt, scheint alles andere als im muckelig warmen Auto zu sitzen auch eher unintelligent. Also kurz die Karte befragt, einmal rechts abgebogen und immer der Straße entlang, immer so grob in Richtung Kaschau. Und tatsächlich, so trotz schlechtem Wetter, wurde die Laune deutlich besser, es fühlte sich tatsächlich ein gutes Stück nach Urlaub an.

verfallenes Haus in Kaschau, Slowakei

Kaschau braucht eben ein wenig, aber das wird noch, ganz sicher. (Und ich gebs ja zu: so ganz unfotogen finde ich die Stadt gar nicht mal)

 

Und dann kam da diese Olle an einer durchschnittlichen Rezeption einer durchschnittlichen Pension irgendwo vor Kaschau. Es sollte genug gewesen sein für diesen Tag, also ganz unspektakulär mangels erkennbarer Unterkunfts-Infrastruktur über eine ebenfalls bekannte und vermeintlich vertrauenswürdige Buchungsplattform eine Bleibe gesucht, gefunden, gebucht und angefahren. Es dauerte circa eine dreiviertel Stunde, bis wir tatsächlich dort ankamen, um in einem Restaurant an einem Tresen stehend mit einer ziemlich überforderten Bedienung/Rezeptionsfrau plötzlich in Verhandlungen zu stehen. „Ihr habt reserviert?“ – „Ja, haben wir, online, ca. 45 Minuten her“ – [sie blättert in dem handgeschriebenen Reservierungs-Buch]  „Nein, ich kann keine Reservierung finden“ – „doch, schau hier, da steht (leider nur auf deutsch) in einer Email dass ich reserviert habe und es von euch bestätigt wurde“ – „Oh, ehm, das was ihr gebucht habt, das habe ich nicht mehr frei. Für mehr Geld kann ich euch aber ein Zimmer anbieten“… ging es los.

Na herrlich, mitten im slowakischen nichts startet die nun eine Aktion, auf die ich extrem allergisch reagiere. Gebucht, bestätigt und dann nachverhandeln mag ich gar nicht, und mache auch jein Geheimnis um meinen Unmut.

na, siehste... wird doch langsam irgendwie...

na, siehste… wird doch langsam irgendwie…

Ich verstand bislang (und tu mir noch immer schwer damit), diese Leute nicht, die sich nach einem (Pauschal-)Urlaub über die Unterkunft, den Flug oder sonst ein kleines Detail aufregen und damit pauschal um sich werfen, „das hätte nun den gesamten Urlaub ruiniert“, es es doch eben am Ende nur ein Detail von vielen, das mit Sicherheit nicht alle anderen Aspekte überschatten können sollte (Extremfälle mal ausgenommen). Macht in meinem Kopf irgendwie keinen Sinn, aber genau in dem Moment in dem ich reichlich pissed die Pension verlassen und mich erneut ins Auto gesetzt habe, da war das neu gewonnene Urlaubsgefühl dann doch wieder ein klein wenig schwächer. Blöde Kuh, aber auch.

 

Detail am Urban-Turm in Kaschau

Am Urban-Turm (ein alter Glockenturm, soweit ich weiß…) in Kaschsu

Aber hab ich nicht vorhin festgestellt, dass ich meine dass Urlaub auch was mit Freiheit, also irgendwie auch Spontanität zu tun hat? Ich bemühe mich, mich nicht allzu sehr zu ärgern. Ist halt doch irgendwie noch früh auf dieser Reise, ich immer noch am Anfang, und in Kaschau selbst gibt es auch Bleiben, und mit irgendeiner wird es schon auch klappen. Statt geplanter Idylle im Nirgendwo wird es halt nun Städtetrip nach Kaschau. Ach, da erinnere mich mich doch spontan noch an etwas: Pläne sind kontraproduktiv und gehen sowieso meistens nur schief.

Ja, da war doch was…

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