Bialystok: ein angenehmer Zwischenstopp, keine Frage.

 
street art in Bialystok

Bäume gießen in Bialystok

Wenn ich spontan auf meinen Kalender schaue, dann stelle ich fest dass ich inzwischen 19 Tage mit meinen Blogeinträgen hinterher hinke. Ja, da oben auf dieser Seite steht ein Datum, das aber nur aussagt über welchen Tag ich hier schreibe, und nichts darüber an welchem Tag ich das denn nun tatsächlich geschrieben habe. Neunzehn Tage, das ist glaube ich mein persönlicher Rekord (abgesehen von den Enden meiner Reisen, die ich nie zu Papier gebracht habe und wohl auch nicht mehr werde…). Inzwischen (also 19 Tage nach dem Datum dieses Eintrags) sitze ich reell schon ein paar Tage in Kiew, während die Geschichten zu drei Ländern dazwischen noch komplett fehlen. Drei Länder in weniger als 19 Tagen? Ich bin gerade selbst erstaunt, habe es doch mal wieder krachen lassen… Irgendwie ist es also nötig, ein wenig „aufzuholen“, deswegen habe ich beschlossen von hier an ein wenig im „Schnellverfahren“ ein paar Tage Verzug gut zu machen. Arg viel Text wirds daher wohl eher nicht werden, aber vielleicht schaffe ich es zumindest die 19 auf eine gesunde 5 oder 7 zu reduzieren =D. Genug des Vorworts, jetzt erst mal zurück, zurück in der Zeit in Richtung Bialystok.

 


 

Branicki-Palast Bialystok

der Branicki-Palast Bialystok

Meine gewählte Bleibe in Bialystok liegt zum Glück zwar schon reichlich nahe am Zentrum, aber dennoch weit genug entfernt als dass ich mir aufgrund der komischen Party die hier gerade steigt nicht wirklich Sorgen um meinen Schlaf machen müsste. Es ist jetzt nicht so als wäre Bialystok riesig, vielmehr ist es eine überschaubare, angenehm wirkende Kleinstadt, damit bedeutet das auch nicht (wie letztens erst in Warschau passiert), dass ich von der „zentrumsnahen Bleibe“ erst mal 10km durch Häuserschluchten wandern müsste.

vor dem Branicki-Palast Bialystokac

…und die Blumenbeete vor dem Branicki-Palast =)

Der Weg ist überschaubar, und dabei sogar ziemlich abwechslungsreich. Von neuem Einkaufszentrum über Hinterhöfe aus Sovjet-Zeiten und den schnieke herausgeputzten Platz im Zentrum, vorbei an schnörkeligen Prunkbauten mit Parkanlagen voller Blumenbeete, zwischen ein paar Plattenbauten durch bis hin zu einem Prunkplatz in Sichtweise des sozialistischen Klassizismus ist alles erreichbar, und wenn man sich die Route praktisch legen und sich ein wenig sputen würde, könnte man das gar in 20 Minuten gesehen haben.

Aleksander Węgierko Drama Theater in Bialystok

das ,,Aleksander Węgierko Drama Theater“… ich mag das Haus, irgendwie =)

Bialystok wirkt im Kontrast zum Großstadt-Warschau ohnehin gerade ziemlich angenehm, schon auch weil es zwar so angenehm überschaubar ist und trotzdem so gefühlt die komplette Bandbreite an potentiellen Erwartungen an die möglichen Entdeckungen in einer größeren Stadt in Polen abdecken kann. Mir fällt während ich das schreibe auf, dass ich in der Auflistung eine schnörkelige Barock-Kirche oder so vermisse, und während ich mir doch ziemlich sicher bin da jetzt in meinen Erinnerungen einfach etwas übersehen zu haben, fällt mir zumindest eine Etwas modernere Kirche mit gefühlt ziemlich harten Kanten und viel Stahlbeton wieder ein…

Rochuskirche Bialystok

da war doch was… die Rochuskirche =)

Wie auch immer, Kirchen stehen offensichtlich auf meiner persönlichen Urlaubshitliste offensichtlich noch immer nicht allzu weit oben, gibts hier alles, ganz bestimmt zumindest, was man sich an Sightseeing nur so wünschen kann, und das in gemütlicher Kleinstadt-Atmosphäre ohne anstrengenden Großstadt-Stress.

 

Universitätsplatz in Bialystok

der Universitätsplatz

Demnach sind auch die breiten Touristenmassen eher unauffälligen Einzelpersonen gewichen, die entweder gut getarnt, wenig auffällig oder am Ende gar doch falsch interprätiert und gar doch von hier sind; die chinesischen Reisegruppen stehen einem zumindest nicht mehr bevorzugt vor der Kamera und die Heizdeckenausflüge blockieren mit ihrem betagteren Publikum keine kompletten Straßenzüge.

 
Ja, alles in allem: Ich mag Bialystok, so als Zwischenstop gar wunderbar. Nur so ein klitzekleines Problem gibt es hier, mit dem ich in dieser Ecke schon gerechnet habe, und das mit jedem Meter in Richtung Osten wohl eher noch ein wenig zunehmen wird: Wirklich tolle Geschichten passieren einem hier eher selten. Man fällt zum einen nicht so richtig auf, und zum anderen ist hier wohl auch selten wer ambitioniert, einem irgendwo zwischen Markt und Busbahnhof die eigene Lebensgeschichte im Austausch gegen ein paar Sätze englisch mit einem Fremden zu erzählen oder einen am Arm zu nehmen und durch die halbe Stadt zu zerren. Die Leute sind einfach ein Stück verschlossener nehm ich an, und so beschränkt sich der Sozialkontakt im wesentlichen auf das Hotelpersonal und die angestellten des kleinen Supermarktes beim Hotel gegenüber. Alle nett, und im Gegensatz zu den Gestalten die ich in diesem Zusammenhang nicht erwähnt habe weil sie ohnehin nur Kleingeld oder Zigaretten von einem wollen auch angenehm, aber auch nicht aussergewöhnlich erwähnenswert.

 

Hund Kawelin Bialystok

der Hund heisst wohl ,,Kawelin“ und ist eine ziemlich genaue Nachbildung vom originalen Kawelin der 1936 schonmal irgendwo stand und 1944 auf einmal fehlte. Aaaaaaha.

Nur ein relativ junges Päärchen, ich tippe so auf anfang zwanzig wenn überhaupt, machte da eine kleine Ausnahme, als ich mit vollem Gepäck am Abend in Richtung Busbahnhof unterwegs war: Irgendwo zwischen ein paar Häuserblocks und der Innenstadt, an einer relativ breiten Straße gingen sie wohl in die gleiche Richtung wie ich, und weil ich ein bisschen schneller unterwegs war als die beiden, riefen sie mir hinterher. Pb ich Hilfe brauchen würde fragten sie, und weil das so nett und ehrlich klang, habe ich doch tatsächlich auch darauf reagiert. Es gibt nicht viel, auf das ich in so einer Situation reagieren würde (dunkel, volles Gepäck, fremde Stadt, Rufe von hinten…), denn nur in den allerallerseltensten Fällen geschieht dann irgentetwas positives. Man zieht in so einer Situation einfach alle Menschen an die eher am eigenen als an meinem Wohl Interesse haben, um es mal möglichst positiv zu formulieren. Wie auch immer, die beiden waren irgendwie anders, deswegen hbe ich sie nicht einfach ignoriert und bin weiter gegangen. Sie seien letztes Jahr auch durch Europa gereist, mit dem Rucksack, so ganz ähnlich wie ich erzählen sie beinahe schwärmend, offensichtlich schon beinahe in schönen Erinnerungen versunken. Sie hätten mich da laufen gesehen und sich gefragt ob ich wohl eine Bleibe für die Nacht suche erklärt mir der Typ dann weiter. Sehr freundlich von den beiden, und ich gehe felsenfast davon aus dass das nix mit den Asiatischen „need hotel?“-Typen zu tun hat, die einen dort überall verfolgen. Aber nein, och war schon verorgt. Nachtbus, nach Kaunas. Aber gefreut habe ich mich schon sehr. Vielleicht nicht viel Sozialkontakt, aber dafür sehr angenehmen. Ich glaub, damit kann ich sehr gut leben.

 


 

Nun, heute mal wieder ein wenig Ton. Und weil in Bialystok gerade eine „Kultur-Party“ steigt, muss ich doch auch mal bewiesen haben dass Ton manchmal auch beinahe schon unangenehm sein kann, zumindest habe ich diese Konzerte möglichst gemieden =). Woher die genau sind, das kann ich nicht sagen. Verstanden habe ich ohnehin nichts, aber nachdem ein paar Stunden vorher ein paar Marokkaner in blauen Gewändern am trommeln waren, kann man nicht mal davon ausgehen dass es irgendetwas mit Polen zu tun hat.

 

Bühne beim Kulturfestival (Podlaska Oktawa Kultur) in Bialystok

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