noch immer die blödeste Idee die man haben kann: ein unscheinbarer Nachtbus.

 

Mag ich so weit gehen, und diesen Nachtbus als „Touristenfalle“ bezeichnen? Ich bin mir noch nicht ganz so schlüssig, aber die Zeichen stehen schon nicht ganz uneindeutig…

Wie schon vermutet, der Wer nach Litauen ist nicht ganz so einfach wie ich mir das generell wünschen würde. Ich bin davon überzeugt dass etliche Busse diese Strecke fahren würden, aber wenn man das Internet um Informationen in englisch bemüht (deutsch liefert die noch unbefriedigerenden Ergebnisse), so scheint das liebe Internet einen ganz deutlichen Favoriten zu haben, und in seinem Glanz die anderen Anbieter ein wenig zu ignorieren. Ich hatte noch keine Erfahrungen, und es erschien mir zumindest relativ einfach: morgens an den Busbahnhof laufen, bei einer gut englisch Sprechenden Dame in einem eher geräumigen Büro einer privaten Busgesellschaft ein Ticket erwerben, die dann sogar noch so nett war mir genau zu erklären wo und an welcher Plattform der Bus genau mich einsammeln würde. Das Ticket war zwar polnisch, aber komplett auch in englisch übersetzt, und eingefaltet in eine schicke Hochglanzbroschüre mit dem Kleingedruckten, und selbst das war in polnisch und englisch zu lesen. An der Stelle war ich ziemlich erstaunt, aus Sicht heute hätte ich eigentlich schon ein wenig skeptisch werden sollen.

 

Kurz vor ein Uhr Nachts hätte der Bus eigentlich ankommen sollen, aber was tut man wenn man bereits um zwölf das Hotelzimmer räumen musste, es irgendwann dunkel wird und die Stadt so dann irgendwann allmählich anfängt zu schlafen? Eigentlich fällt mir persönlich nur eine Möglichkeit ein: irgendwann so gegen zehn am Busbahnhof auftauchen, nur um dann festzustellen dass auch der sogar bereits geschlossen hat. Ein relativ uneinladend wirkender Imbisstand hatte außerhalb noch geöffnet und ums Eck die „24h Alkothek“, wie der Laden sich aussagekräftig nannte. Ansonsten hingen noch eine Gruppe Taxifahrer, wohl in der Hoffnung auf verzweifelte Neuankömmlinge in der Nähe herum, aber wie ich so über die Zeit feststellen musste hält sich der Busverkehr um die Uhrzeit in Bialystok doch deutlich in Grenzen und die Hoffnungen der Taxifahrer müssen doch irgendwie anderweitig zu suchen sein…

Busbahnhof Biaystok bei Nacht

ist gemütlich hier, oder?

 

Eine ziemlich trostlose Ecke bei Nacht, dieser Busbahnhof mit dem in ekelig grünes Licht getauchten Halteplätzen an denen ich mich dann, mal wechelnd von der spannenden Parkbank in Sichtweite zur „24h Alkothek“, so gegen Mitternacht eingefunden habe. Es ist jetzt nicht so als wäre es irgendwie angsteinflößend und ich hatte persönlich keine Bedenken hier zu sein, aber es gibt definitiv schönere und angenehmere Orte als hier bei dem quietschen und scheppern der vermutlich schon stark an der Überlastungsgrenze betriebenen Rangierloks, die am Bahnhof direkt hinter der Hecke fortlaufend irgendwelche Güterwaggons sortieren drei Polizisten mit Stahlhelm und beeindruckend großen Gewehren beim drehen Ihrer Runden zuzusehen.

 


 

Aber eigentlich wollte ich nicht über einen nächtlichen Busbahnhof lästern, sondern über dieses Ding was dann mit über einer Stunde nachts um zwei dann tatsächlich irgendwann mal anrollte: ein dreckiger gelber Doppelstockbus aus dem ein grimmiger Fahrer mit Schnautzbart vorne und eine nicht unbedingt viel freundlicher wirkende Busbegleiterin hinten aussteigt, die sich währenddessen gerade noch den Schlaf aus den Augen reibt. Sie bemüht sich um Freundlichkeit, überprüft die Tickets aller derer die mit mir so lange hier auf den Bus wartend ausgehalten haben (unter denen vermeintlich keiner einen polnischen Pass besitzt) und verweist auf den Busfahrer zwecks Gepäck verstauen. Der wiederum ist von meinem Gepäck zwar ein wenig erstaunt, hat aber zunächst nichts daran auszusetzen, solange bis er das Gewicht erkennt und mich dazu auffordert das Dingen doch gefälligst selber in die Gepäckbox am Ende des Busses zu heben.

mein Gepäck

mein Gepäck im ,,Transportzustand“… hat auch schon so einiges ertragen müssen =)

 

Auf dem Weg in den Bus wurde mir dann ganz schnell aber nur ziemlich kurz klar: drinnen ist der auch nicht viel sauberer als draussen. Kurz deswegen, weil ich gerade mal zwei Schritte in den Bus geschafft, von einer ziemlich unangenehmen Chemieklo-Stinkwolke abgelenkt wurde. Man kann es positiv sehen, denn so derart abgelenkt fiel der Müll der auf dem Boden herum lag und der allgemein eher „verbrauchte“ Zustand des Busses gar nicht mal mehr so stark auf. Ja, der Bus ist schon früher irgendwo anders gestartet. Den Entschuldigungen der Busbegleiterin zufolge irgendwo in Krakau, wo sie wegen Stau und Blah und Verkehr… war mir ziemlich egal, Verspätungen kommen vor und keiner kann was dafür, aber mit dem Bus war ich zu dem Zeitpunkt schon durch. Keine Chance den ersten Eindruck irgendwie wieder gut zu machen. Während ich dann irgendwann versuchte meine Beine in den beachtlich engen Sitzreihen für den eigentlich unter den Umständen noch viel beachtlicheren Ticketpreis zu verstauen, legt sich die Busbegleiterin in der ersten Reihe quer über zwei Sitze, deckt sich mit Ihrer Jacke zu und macht bis Kaunas auch erst mal keine Anstalten mehr aufzustehen. Ich bin beinahe ein wenig neidisch.

 

Wer glaubt, Nachtbusse könnten in irgendeiner Art und Weise auch nur im Ansatz dafür sorgen, dass man morgens auch nur halbwegs ausgeruht an einem anderen Ort ankommt und sich vielleicht sogar noch eine Nacht im Hotel spart, der irrt gewaltig. Eigentlich kenne ich bislang nur ein einziges Land, in dem das tatsächlich so funktioniert weil die Busse entsprechen bequem und großzügig genug gestaltet sind, und das ist erstaunlicherweise der  Iran. In allen anderen Fällen? Absolute Fehlanzeige. Ich war froh, dass ich dank „Vielschläferkarte“ mit gewissem Status und taktisch klug gewählter Hotelbuchung in Kaunas schon morgens um sieben mein Zimmer beziehen konnte, denn ich hätte sonst wirklich nicht gewusst was tun bis um die Mittagszeit. Zu müde war ich, zu gesteresst von der Fahrt, nicht fähig zu irgendwas außer eben um sieben morgens ins Bett zu liegen und ausgiebigst Schlaf nachzuholen. Kaunas hin, neue Stadt in neuem Land her – das konnte alles warten.
Nun, in Summe kann ich einfach mal wieder feststellen: nachts Bus fahren bringts nicht. Anstatt tagsüber zu fahren und nachts zu schlafen, bin ich nun eben nachts über gefahren und habe den Tag verschlafen. Ja, technisch habe ich eine Hotelnacht weniger bezahlt, aber das hat auch nur wegen super Service und viel Nettigkeit mehr zufällig als kalkulierbar geklappt. Die Sache mit dem Schlafrhytmus mag ich noch nicht mal anfangen an der Stelle. Nun, manche Dinge muss man eben öfters lernen, vielleicht lernt man sie ja doch irgendwann einmal. Dieser eine spezielle Bus, beziehungsweise die Busgesellschaft dazu, scheint von den Polen im Allgemeinen gar nicht genutzt zu werden. Ticketpreise viel zu hoch, Service viel zu mies – ist meine Vermutung, nachdem ich mich heute ein wenig mehr damit beschäftigt habe. Solange es aber noch Touristen wie mich gibt – kein polnisch sprechend, das Internet benutzend und sowieso eher nicht nochmal kommend – solange wird es denen aber trotzdem gut gehen nehme ich an =).

 

Nun, Kaunas… ich konnte mich am frühen Abend zu einer kleinen Runde durch die Stadt aufraffen. So wirklich viel gesehen habe ich nicht, aber vielleicht habe ich noch ein andermal Gelegenheit dazu (morgen geht es erst mal wieder per Auto weiter). Deswegen jetzt einfach ein paar Fotos, den Text dazu spare ich mir weitestgehend, denn… ich weiß es doch auch nicht.

 

 

 

Und ja, heute gib es sogar zwei mal Ton. Hier noch die herrliche Ruhe an der „Kirche des Erzengels Michael“ (klingt so schrecklich wichtig…) mitten im Zentrum. Oder Fußgängerzone. Oder irgendwo da in der Nähe halt.

die Kirche des Erzengels Michael in Kaunas

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