never ending KGB Baustelle…

 

Es hätte eine weitere Abhörstation bzw. ein weiteres Technologiezentrum werden sollen, das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand wenn man vor diesem Komplex steht. Schon allein die relative Nähe zum KGB Technologiezentrum aus dem letzten Eintrag lässt eigentlich gar keine anderen Schlussfolgerungen zu und nicht zuletzt sprechen die drei massiven Fundamente für Satellitenantennen auf dem Dach eine ziemlich deutliche Sprache.

Ab hier wird es aber auch schon ein wenig schwammig mit Informationen, das liebe Internet schweigt sich weitestgehend zu diesem Ort aus der eigentlich erstaunlich offensichtlich gut sichtbar nicht weit einer größeren Landstraße liegt. Aufschriften, Bücher, Zeitungen… irgendetwas das mir wenigstens die Idee eines Zeitrahmens geben könnte ist hier definitiv auch nicht zu finden gewesen, und so vertraue ich mit dem nachfolgenden Text weitestgehend auf die spärlichen, litauisch verfassten und automatisch übersetzten Informationen einer geocaching Community sowie das, was ein amerikanischer Tourist vor gut zwei Jahren im Internet veröffentlicht hat. Ein wenig spärlich, aber es ist alles was ich finden konnte.

der Abhör-Neubau des KGB

der ,,Abhör-Neubau“ des KGB

 

Es wird relativ plausibel behauptet der nahe gelegene, kleine Ort mit dem Technologiezentrum (mehr dazu im letzten Post) hätte mit seiner verfügbaren räumlichen und technischen Mitteln relativ schnell den steigenden Anforderungen nicht mehr nachkommen können, weswegen beschlossen wurde einen neuen, größeren und moderneren Komplex zu errichten. Die Arbeiten waren weitestgehend abgeschlossen: die eigentliche Abhörstation und die Büros waren mitsamt Garagen, Heizkraftwerk, Generatoren und sogar einem unterirdischen Bunkersystem nahezu fertig gestellt, die Arbeiten an einem Wohngebäude wurden gerade begonnen, da wurde festgestellt das diese Lokation für eine solche Einrichtung „nicht zuverlässig genug“ wäre. Gut, das soll 1989 gewesen sein, und vielleicht waren die Ereignisse der darauffolgenden Jahre schon irgendwie absehbar, aber es hört sich dennoch erst mal ein wenig erstaunlich an: da beginnt man man sicherlich für horrendes Geld mitten auf die grüne Wiese eine komplette Abhörstation mitsamt Infrastruktur zu bauen, und kurz bevor man fertig ist stellt man fest, dass diese grüne Wiese vielleicht doch nicht ganz die richtige war. Die Konsequenz daraus? Noch nicht mal ganz fertig gestellt, wurde direkt wieder zurückgebaut. Angeblich nur die technischen Einrichtungen, das Mauerwerk und alles andere wieder verwertbare Baumaterial soll gemeinen Ziegeldieben zum Opfer gefallen sein, so dass heute im wesentlichen nur noch das Betongerippe übrig geblieben ist. Nun, das meint das Internet.

blockierte Zufahrt zur KGB-Baustelle

die Zufahrt ist blockiert – vermutlich um illegalen Müllabladern das Leben ein wenig schwerer zu machen – aber das wars dann auch schon mit den Sicherheitsmaßnahmen

 

Ich persönlich bin mir nicht so sicher, in wiefern die Gebäude denn wirklich fertig gestellt wurden. Klar, ein paar Ziegelreste lassen sich finden, aber nichts was auf einen wirklich fast fertigen Bau schließen lassen könnte: ein paar Holzreste vielleicht, zerbrochene Fensterscheiben, ein paar zerbrochene Reste von sanitären Einrichtungen oder auch nur ein Berg an moderigem Dämmaterial um nur mal die Dinge zu nennen, die sich nicht wie Heizungs- und Wasserrohre oder Kabelreste auf dem Wertstoff-Markt zu Geld machen lassen. Nichts davon ist zu finden, lediglich ein herrenloser Damenschuh liegt irgendwo zwischen dem Schutt auf dem Fußboden, aber das scheint eine alte Regel solcher Ort zu sein: an jedem verlassenen Ort liegt irgendwo ein einzelner herrenloser Schuh herum. Immer.

 

Auch wenn ich das von mir spekulierte Datum der „Vorgängereinrichtung“ mal vergleiche: ich hatte wegen der Aufschrift auf dem Haus und dem Bezug zum 23ten Parteitag der KPdSU vermutet, dass der Bau dessen zwischen dem 25. Februar und 6. März 1986 beschlossen wurde. Jetzt gehen wir mal davon aus, dass die sich mit der Umsetzung ziemlich beeilt haben, dann könnte diese Anlage vielleicht Anfang 1987 in Betrieb gegangen sein. Dann musste man feststellen dass es etwas größeres braucht, beschließen etwas größeres zu bauen und etwas größeres planen, ich würde sagen dass bis dahin mindestens 1988 ist. Danach muss eine riesige Grube für all dieses Untergund-Bunkerzeug ausgehoben werden, ein riesiges dreistöckiges Gebäude oben drauf gebaut und „so gut wie fertig gestellt“ werden, umgeben von vier weiteren kleineren Garagen und Häusern? Huiuiui,, das wäre ja mal wirklich stressig gewesen wenn das 1989 schon wieder abgebaut wurde!

der neue verlassene Abhörkomplex des KGB bei Kaunas in Litauen

so wirklich Bäume zwischen denen sich das alles verstecken könnte gab es hier wohl auch noch nie =)

 

Es fehlt mir persönlich auch das obligatorische Aufpasser-Häuschen an der Zufahrt, genauso wie Mauern oder Stacheldraht, all das was man eigentlich um streng geheime Abhörtechnik erwarten würde. Nein, ich glaube mit „fast fertig“ wurde übertrieben. Ich glaube auch nicht, dass der „Rückbau“ arg viel mehr war, als die Gebäude möglichst unbrauchbar zu machen indem z.B. alle Treppenhäuser dem Erdboden gleich gemacht wurden und das Baugerät vom Hof zu fahren. Mehr als Rohbau war hier sicherlich nie, aber das ist alles nur meine ganz persönliche Bauchgefüls-Schätzung.

Aber nun genug, los gehts:

 

das erste Gebäude, „bei der Einfahrt links“

hätte vielleicht mal die Verwaltung dieses verlassenen KGB-Komplexes werden sollen...

hätte vielleicht mal die Verwaltung werden sollen…

Aufgrund Lage und Bauweise tippe ich auf Verwaltung, auch wenn nicht viel da ist was diese These irgendwie unterstützen könnte. Eins wird hier schon ganz schnell klar: viel mehr als blanken Beton gibt es nicht zu sehen. Arg lang braucht es auch nicht zu erkennen, dass jemand die Treppe nach oben beseitigt hat. Ich gehe schwer davon aus, dass dort ohnehin nichts spannendes zu sehen wäre und sich die Aussicht auch schwer in Grenzen hält, aber die Treppe nach unten, die sieht spannend aus…

 

der Untergrund

die Treppe in die unterrgischen Anlagen der verlassenen KGB Abhörstation

Treppe nach unten: existiert noch.
Hilft aber bei Überschwemmung auch nix.

eine weitere Treppe in die unterirdischen KGB-Anlagen

eine weitere Treppe, im Freien neben den Gebäuden:
gleiches Bild.

nun, Vorfreude kam vielleicht kurz auf, war dann aber ganz schnell auch wieder vorbei. Alles was unter der Erde angesiedelt ist, scheint gut hüfttief überflutet zu sein. Keine Chance für mich, also wieder nach draußen. Neben dem Gebäude im Freien eine weitere Treppe, irgendwie scheint das Wasser hier sogar noch höher zu stehen.

 

die Halle „direkt nach dem Hauptgebäude“

eine beachtliche Halle, oder deren mageren Überreste

eine beachtliche Halle, oder deren mageren Überreste

eine Ausstiegsluke oder deren Überreste in einer verlassenen KGB Halle

diese Luken sind auch nicht viel logischer, wobei hier mal ein Ausstieg samt Leiter/Treppe existiert haben könnte.

rostiges ROhr mit Verschlussklappe in einer verlassenen KGB Halle

diese Rohre mit Verschlussklappe in der Decke sind schon irgendwie komisch. Wer hätte die in über 4 Metern Höhe jemals bedient?

auch hier ein ähnliches Bild… man braucht doch deutlich mehr Fantasie und Vorstellungskraft als ich gerade aufzubringen vermag, um sich hier wirklich den angedachten Verwendungszweck irgendwie vorstellen zu können, schon die Definition des „Verwendungszweck“ ist eine wahre Herausforderung =D. Die komischen Luken und Rohre in der Decke lassen mich aber vermuten, dass auf diesem Dach (wie von der oben erwähnten geocaching-Community vermutet) kleinere Antennen installiert werden sollten.

das „Hauptgebäude“

Hauptgebäude des verlassenen KGB Standorts

der Haupteingang?

Nun, zumindest vermute ich mal dass man  das Haus mit den drei Plattformen für die Parabolspiegel durchaus als Hauptgebäude bezeichnen kann. Auch hier das gleiche Bild: viel nichts, zerstörte Treppen und der obligatorische herrenlose Schuh im Bauschutt… =)

Hauptgebäude des verlassenen KGB Standorts

Treppenhaus: nur noch Bauschutt.

Hauptgebäude des verlassenen KGB Standorts

im Innern: Bauschutt

Hauptgebäude des verlassenen KGB Standorts

…und noch mehr Bauschutt ,..

Hauptgebäude des verlassenen KGB Standorts

… und natürlcih der Schuh!

 

die zwei komischen Quader

zwei Betonquader vor dem Hauptgebäude des verlassenen KGB Areals

zwei identische Betonquader… aber zu was?

zwei Betonquader vor dem Hauptgebäude des verlassenen KGB Areals

nun, drauf klettern konnte man. Macht aber auch nicht schlauer.

Hier stoße ich nun aber wirklich komplett an meine Grenzen: zwei massiv betonierte Quader, komplett identisch und mit einem Kanal-artigen einstieg oben. Ob es eine Verbindung zum überfluteten restlichen Untergrund-Komplex gibt? keine Ahnung. Ein direkter anderer Eingang ist hier in der Nähe nicht zu finden, und überflutet sind diese beiden Dinger ebenfalls. Vielleicht waren es auch Tanks? Aber seit wann betoniert man Tanks? Ich bin ratlos. Ratulos und auch irgendwie fasziniert.

der EInstieg zu einem der beiden Betonquader vor dem Hauptgebäude

… und diese komischen Einstiege machen das Rätsel wirklich auch nicht leichter.

Einstieg in den Untergrund

ganz in der nähe versteck sich in der Wiese nochmal so ein komischer Einstieg, allerdings gut zwei bis drei Meter tiefer gelegen als die oben auf den Quadern – und überschwemmt, natürlich.

 

 

 

Mehr Fragen als zuvor…
das Hauptgebäude des KGB Rohbaus im Sonnenuntergang

 

Gut, so wirklich schlau wurde ich hier nicht. Macht aber nichts, denn spannend ist dieser Ort trotzdem irgendwie, vielleicht auch gerade weil ich so gut wie nichts davon verstanden habe und dieser widerspenstige Stahbeton wirklich nur sehr ungern seine Geheimnisse preis zu geben scheint.

Vielleicht, ja vielleicht findet mal jemand anders ein wenig mehr heraus. Ich wäre ziemlich interessiert, und das nicht nur wie hoch die Trefferquote meiner Spekulationen liegt =D

 

 

Und auch heute muss dieser Eintrag ohne Karte an dieser Stelle auskommen. Morgen gibt es wieder wie gewohnt eine bunte Karte mit toller Linie und so, versporchen.

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