immer der Grenze entlang, bis ans Meer

 

Nach diesem ganzen alten KGB-Schotter war heute doch mal eher ein „ganz normaler“ Touristentag angesagt. Nun gut, ich gebs ja zu… eigentlich hatte ich da ganz in der Nähe noch ne Information über einen verlassenen Militärflughafen samt Kaserne, aber die war dann doch irgendwie ein wenig überholt, bedeutet unterm Strich blieb einfach mehr Zeit für andere Dinge.
Wasser zum Beispiel, das hielt ich an und für sich für eine sehr gute Idee. Was spricht im generellen auch dagegen mit viel Zeit ganz gemütlich bei Sonnenschein in Richtung Wasser zu fahren? Richtig, so ziemlich gar nichts. Gleich zwei mal nicht, wenn man den Routenvorschlg des lieben Navigationsgerätes ignoriert, sich an einer einfachen Landstraße orientiert und gelegentlich mal links und rechts einen kleinen Abstecher macht.

Regionalstraße in Litauen

nicht die 141, sondern irgendeine der vielen ungeteerten Landstraßen zwischen den Dörfern irgendwo im Nirgendwo

 

Einfach nur „141“ nennt sie diese wohl etwas betagtere Strecke, die sich weitestgehend an einem Fluss mit dem für mich wohlwollend klingenden Namen „Memel“ orientierend in Richtung Meer schlängelt, ein Stück die Grenze zu Kaliningrad entlang (was zufällig an der Stelle eben auch diese Memel ist), irgendwann später dann nen Rechtsknick macht und in Klaipeda am Meer endet. Und so romantisch sich das alles abhören mag, im Grunde ist es das sogar. Und entspannt, das ist es auch.

Sommer, Sonne, Weizenfeld!

Sommer, Sonne, Weizenfeld!

 

Aber was gibt es von so einer Autofahrt auch schon zu berichten?

Ach ja: Die Landschaft ist sehr schön. Das Wetter war gut. Meistens hat die Sonne geschienen. Wenn es was zu essen gegeben hätte, wäre das bestimmt sehr lecker gewesen. Wenn ich mal groß bin und nicht weiß was tun, dann fahre ich durch Litauen und mache ein Fotobuch mit ganz vielen Fotos von Bushaltestellen auf dem Land.

Busfahrplan in Litauen

Die Busfahrpläne wirken ebenso trostlos wie kreativ. Eine spannende Mischung =)

 

Nun, das mit den Bushaltestellen… das klingt zwar komisch, ist aber tatsächlich irgendwie ein wenig so. Irgendwie haben es mir die Bushaltestellen angetan, nicht ganz so unbedingt die einfachen nur aus Bank und Schild bestehenden (wobei hier der Hintergrund im Kontrast dazu wiederum das spannende sein kann),  aber es gibt auf ein paar Kilometern oft ein Dutzend verschiedene, manchmal ziemlch bunt, manchmal grau und betonlastig, aber immer irgendwie auf irgendeine Art und Weise interessant. Und auch wenn das alles wenig verständlich klingen mag und ich trotz Zeit und Entspannung nicht bei jeder einzelnen für ein Foto angehalten habe – bei schönem Wetter und ein wenig Langeweile könnte das tatsächlich eine Tage füllende Beschäftigung sein – für den Fall dass ich mal echt nicht weiß wo hin ich denn verreisen wollen würde.

 

Bushaltestelle Mitten auf dem Land in Litauen

eine Bushaltestelle auf der grünen Wiese

Bushaltestelle Mitten in einem Dorf in Litauen

eine Bushaltestelle in einem x-beliebigen Dorf

 

Bushaltestelle Mitten in einem Wald in Litauen

eine Bushaltestelle mitten im Wald

ein altes Holzhaus in Litauen

keine Bushaltestelle, aber trotzdem schön =)

 

„aus versehen“ mal abgebogen…

ANtennen an der Grenze zu Kaliningrad

im Vordergrund: Litauen. Im Hintergrund: ganz viele *hust* bestimmt Fernseh- und Radioantennen in Russland

EU Außengrenze zwischen Litauen und Kaliningrad

so sieht sie aus, die EU-Außengrenze, zumindest wenn man von Litauen aus schaut.

Eine angenehme Sache sind auch die vielen, vielen, wirklich sehr vielen Schilder, die alle mit weißer Schrift auf brauner Farbe irgendwelche Sehenswürdigkeiten mit Entfernungsangaben entlang der (Hauptverkehrs-) Straßen beschildern. Das dazu gedruckte Symbol ist zwar immer das selbe und nicht weiter aussagekräftig als „da gibts irgendwas was irgendjemand irgendwann man als Sehenswürdigkeit eingestuft hat“ und der Text in Landessprache ist für mich in der Regel auch nicht sonderlich verständlich, aber man kann es auf gut Glück ja das ein- oder andere mal versuchen.

Manchmal findet man einen großen Stein, manchmal ein Schloss und auf alle Fälle hat man eine sehr gute Ausrede auf ungeteerten „Landstraßen“ einfach mal irgendwo fern ab von der eigentlichen Strecke die Gegend zu erkunden – man ist ja schließlich nur ahnungslos diesem braunen Schild gefolgt und hat dann womöglich schusseliger Weise einfach die Sehenswürdigkeit verpasst. Kann man ja nie so sicher sagen, wenn man nicht mal wusste wonach man eigentlich Ausschau halten sollte.

 

Und auf eben so einem Weg, legitimiert durch ein braunes Schild mit unverständlichem Text, kann man sich auch durchaus mal quer durch dichte Wälder und entlang von riesigen Wiesen die Grenze zu Kaliningrad entlang schleichen. Positiv: an der von mir per Navi ausgesuchten zufällig drüber gestolperten Stelle ist noch immer ein unübersehbarer Fluss zwischen Russland und Litauen, was ein versehentliches überschreiten der Grenze dann praktisch doch eher unmöglich macht. Ich habe gelesen, dass die Russen in Kaliningrad da keinen Spass verstehen, auch nicht bei ein paar wenigen Metern und Wanderern, die mal echt nur aus versehen die falsche Richtung gegangen sind. Selbst Kanufahrer, die die gelben Bojen in der Mitte des Flusses mal überquert haben sollen schon fest genommen worden sein.

Aussichtsturm in Litauen mit Blick nach Kaliningrad

,,da hinten, da ist Kaliningrad. Lass uns nen Aussichsturm bauen, damit man besser rüber sieht!“

 

Und wozu der ganze Umweg? Nun, so recht weiß ich es doch auch nicht. Mir war irgendwie danach. Ich wollte mal sehen, wie so eine EU-Außengrenze mitten im Naturschutzgebiet aussieht. Vielleicht wollte ich auch mal wissen, wie eine Grenze zu Russland aussieht, ohne dass da eine Grenzstation für Züge oder Autos wäre. Jedenfalls sind die Litauer sogar noch so nett (und ich wohl nicht der Einzige mit so einer komischen Neugierde) und haben offizielle Aussichtstürme für Touristen aus Holz gebaut. Natürlich mit braunem Schild und weißer Schrift, und natürlich nur um die Natur im Nationalpark anzuschauen. Und beiläufig zu erklären wo die Grenze genau ist, und was das für Städte und Berge und Gerümpel hinter der Grenze sind. Sehr nett von denen.

 

 

Palanga

das Meer bei Palanga in Litauen

Meer!

der Strand in Palanga

Strand!

Vor lauter Getrödel was es dann schon Abend und beinahe Sonnenuntergang, also ich dann irgendwann Palanga erreiche. Warum Palanga und nicht das näher gelegene Klaipedia? Nun, ein leicht verblendeter und naiver Gedanke, der durch irgendeine Seite im Internet (die ich nicht mal mehr wieder finden konnte) ausgelöst wurde indem dort behauptet wurde dort wären abends sehr viele ältere Herren die Straßen entlang zu finden, die als Straßenmusikanten russische Lieder für wohl annähernd gleich altes russisches Publikum zum besten geben, die aus Nostalgiegründen „wie früher“ (noch zu Udssr-Zeiten)  ihren Urlaub hier verbingen und abends gerne melancholisch den Straßenmusikanten lauschen. Das hat ein ziemlich romantisches Bild von symphatischen Opis mit Akkordeon auf einem kleinen Schemel bei Sonnenuntergang in meinem Kopf ergeben, die für verliebt die Promendade entlang schlenderne, händchen haltende Omis und Opis alte Lieder spielen.

 

die wenig romantische Palanga-Realität

die bittere Tourismus-Realität

Dass die Realität wie immer ein gutes Stück anders aussieht – nun, eigentlich ist das ziemlich klar. Dass die Realität aber so dermaßen nach All-inclusive-Massentouirsmus schreit, in dem ganzen Eck kein freies Zimmer zu einem bezahlbaren Kurs aufzufinden ist und anstatt den Akkordeon-Opis maximal die schrill klingende Geige einer viel zu stark geschminkten Litauerin zu scheppernder Musik aus einem jenseits der gedachten Lautstärke krächzendem Lautsprecher zwischen Autoscooter und Zuckerwattestand quietscht; das hat mich dann doch schneller und unvermittelter auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, der doch deutlich tiefer lag als ich mir das je hätte vorstellen können.

 

der überfüllte Steg in Palanga am Abend

und plötzlich hatte ich ein Déjà-vu. Ich kenne das, irgendwo her. Achja, dieser Steg inIndien sah ganz ähnlich aus.

Plötzlich fand ich es ganz gut so, dass ich kein Zimmer in dem Ort fand. Oben auf einer Sanddüne zu sitzen, das Meer ein wenig zu beobachten, sich dann noch kurz schadenfroh daran zu erheitern dass man im Gegensatz zu den allermeisten anderen nicht dazu gezwungen ist hier zu bleiben – das geht trotzdem ganz gut. Und sich bei anbrechender Dunkelheit noch mal auf die Straße zu begeben um schon mal ein paar Kilometer in Richtung dem morgigen Ziel aufzubrechen und irgendwo an einem Autohof ein Hotel zu finden, auch das ist in Litauen weder ein Beinbruch noch eine herausragende Schwierigkeit.

 
 

einfach nur eine Blume

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