zurück nach Kaunas, erstmal ausschlafen…

 

Diese kleinen Bauernhöfe überall auf dem Land in Litauen, die fand ich ja schon die ganze Zeit irgendwie interessant. Das Muster ist dabei immer irgendwie das gleiche: Ein Grundstück, eingewachsen mit Bäumen und Büschen mitten auf dem freien Feld irgendwo. Darauf ein süßes kleines Holzhaus, natürlich meistens schon ein klein wenig verwittert wirkend, eine Scheune daneben und vielleicht noch der ein- oder andere Schuppen. Ja, ich wollte mir das schon die ganzen vergangenen Tage gerne mal ein wenig genauer ansehen, einfach nur so aus Neugierde. Immer wenn sich die Gelegenheit bot, bremste ich vor solchen Anwesen also kräftig ab, fuhr möglichst langsam daran vorbei um die Lage zu prüfen, immerhin wollte ich bei niemandem einfach so mit der Kamera in der Hand auf dem Hof spazieren gehen und hatte irgendwie die Hoffnung auf ein verlassenes Grundstück, auf dem ich niemanden stören würde.

ein typischer Bauernhof in Litauen

so ein typischer Hof in Litauen – mitten auf dem Feld, zwischen Wald und Wiese eben

 

Verlassen, das merkte ich relativ schnell, wirkten die aller meisten auf ein paar hundert Meter Entfernung. Das Gras hüfthoch, die Hecke eben wie so ne Hecke wachsen will und nicht getrimmt wie in deutschen Vorstadtgärten, die Zufahrt einigermaßen zugewuchert und nicht ganz selten auch die ein- oder andere eher provisorisch geflickte Stelle an einem Dach. Arg viel mehr sah man ja zunächst nie, dem ganzen Grünzeug sei Dank.

Holzhaus auf dem Land in Litauen

wirkt verlassen, ziemlich sicher. Der Wachhund ist da aber ganz anderer Ansicht gewesen,..

 

Wenn man sich dann langsam nähert, dann ändert sich die erste Einschätzung aber meistens doch recht schnell: egal wie abgelegen, egal wie hoch das Gras, egal was man von dem Haus auf den ersten Blick denken mag, es steht dann doch irgendwo im Hof ein Auto herum. Ein Auto das mehr als deutlich sagt: hier wohnt noch jemand. Wenn dann mal kein Auto im Hof steht, die Einfahrt wirklich auch für den inzwischen auf lokale Verhältnisse angepassten Blick verwildert wirkt, man das Auto dezent ein paar Meter weiter parkt und die Straße entlang spaziert, dabei auch nur eine ganz leichte Tendenz zeigt in Richtung des Hauses abbiegen zu wollen, dann schlägt auch direkt irgendwo zwischen den Schuppen ein Hund an, der mal eben nicht nur nach Aufmerksamkeit bei anderen oder Anerkennung des Besitzers zu bellen scheint, sondern sich vor rage beinahe an der eigenen Zunge zu verschlucken scheint. So ein richtig, richtig grimmiger Wachhund eben dem man lieber nicht persönlich begegnen mag – und dann ganz dezent zum Auto zurück kehrt, sich noch immer fragt wer denn dort wohl noch wohnen mag und dann halt ohne sich so ein nettes kleines Holzhaus aus der Nähe angesehen zu haben wieder weiter fährt.

Stau in Litauen

Stau in Litauen

 

Ich habe die Hoffnung ja eigentlich auch schon aufgegeben, befand mich gestern Abend auf dem Weg zurück von den Atomraketenstützpunkten zurück nach Kaunas, wo ich heute mein Auto abgeben musste. Die Sonne ging gerade schon langsam unter und ich war auf einer eher breit ausgebauten Schnellstraße unterwegs – was soll den da auch noch spannendes am Straßenrand auftauchen? Klar, wenn man am wenigsten damit rechnet, dann steht da natürlich so ein Holzhaus-Hof-Konstrukt am Straßenrand. So eins das zwar immer noch mit bösen Wachhunden überraschen könnte, aber man kann es ja einfach mal versuchen: trotz oder gerade wegen der eher deutlich bewohnter wirkenden Nachbarschaft in gar nicht so weiter Ferne, sprich vielleicht 200 Meter quer über ein Weizenfeld.

Hunde haben sich beschwert, bitterböse sogar, aber das waren nur die auf den umliegenden Höfen, wohl in der Panik dass da ein böser Einbrecher umher geht und sie auch bad besuchen kommt. Ein wenig egal war mir das allerdings schon, immerhin regte sich sonst ja nichts. Wen interessieren schon die Hunde der Nachbarn? Und überhaupt: keine Schranke, kein Schloss, kein Schild – da wird man den Weg ja mal in Ruhe entlang gehen können, um sich dann gaaaanz zufällig zu wundern wo man denn nun gelandet ist. Und, vielleicht logisch sonst hätte ich die Geschichte nicht derart lange eingeleitet, ich hatte ziemlich Glück. Mit dem Haus, mit dem Licht, mit der Idee anzuhalten:

 

 

 

 

Und weil das alles so schön gepasst hat, ich den Tag so als rundum gelungen betrachten musste und die Sonne dann in so einem richtig schönen rot am Horizont unter gegangen ist, habe ich beschlossen noch bis Kaunas durch zu fahren. Egal, ob es dunkel wird. Egal, wie lange es dauert. Morgen mag ich lange schlafen, dann in aller Ruhe das Auto zurück bringen und mich dann auf den Weg nach… vermutlich Wilna machen.

Sonnenuntergang über Krautfeldern in Litauen, mit Bodennebel

Sonnenuntergang, Zwielicht und Bodennebel… war schon hübsch =)

 

Und auf dem Weg, die Sonne war gerade hinter dem Horizont verschwunden der noch rot nachleuchtete, die Gegend in ein wunderbares Halbdunkel gehüllt während auf den Feldern langsam Bodennebel vor sich hin waberte während in der Ferne Bauern noch mit der Ernte beschäftigt waren, da trällert plötzlich auch noch aus dem Autoradio, fast wie bestellt, Enya „only Time“. Kitschig? Ja, schon irgendwie. Aber es hat so schön gepasst. Zum Tag, zum Moment, zur Landschaft. Es war schön und hat gepasst, und Ich habe es ziemlich genossen… Solange eben bis im Radio ohne Vorwarnung umgeschaltet wurde und mir eine blecherne Stimme in voller Lautstärke in die Ohren brüllt: „Du bist wieder online. Dies ist die schnellste Route. Ankunft um…“

Oh, vielen Dank Tante Google, das hättest Du kaum besser timen können, willkommen zurück in der Realität.

 

 

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